Marktbericht 20:05 Uhr

Gipfel im Dax fast erreicht Der Blick geht weiter nach oben

Stand: 28.11.2014, 20:05 Uhr

Der Dax hat einen sehr erfolgreichen November mit einem Miniplus abgeschlossen. Allen Unkenrufen zum trotz präsentiert sich der Aktienmarkt in Topform. Zum zwölften Mal in Folge ging es nach oben, auch wenn die 10.000er Marke wieder nicht fiel.

Noch Mitte Oktober hatte der deutsche Leitindex wegen Konjunkturängsten unter 8.400 Zählern gelegen. Seitdem ist es rund 19 Prozent bergauf gegangen. Eine beeindruckende Wertentwicklung, die vielen Untergangsgurus sauer aufgestoßen sein dürfte. Immerhin hat der Dax im November rund sieben Prozent zugelegt und in der abgelaufenen Woche nochmal 2,6 Prozent.

Nicht zuletzt die wilde Entschlossenheit von EZB-Chef Mario Draghi, notfalls die Geldschleusen weiter zu öffnen, hat dem Aktienmarkt wie schon so oft kräftig auf die Sprünge geholfen. Eine Inflationsrate in Euroland von nur 0,3 Prozent ist für Draghi inakzeptabel. Somit spricht alles dafür, dass die Notenbank auch im neuen Jahr weiter kräftig aufs Gas drücken wird. Zudem haben positive Ifo-Daten in dieser Woche fundamental den Bullen in die Hände gespielt.

Noch ins Plus gerettet

Am Ende des heutigen Handelstages stieg der Dax leicht um 0,06 Prozent auf 9.980 Punkte. Damit schloss der Index nur knapp unter seinem Tageshoch bei 9.990 Punkten und bleibt damit lediglich einen winzigen Hauch entfernt von der magischen Marke von 10.000 Punkten.

Lange Zeit hatte es aber nicht danach ausgesehen, als ob die Serie reißen würde, denn erst im Nachhandel änderte sich das Vorzeichen. Zuvor hatte der Index lange Zeit im Minus gelegen und sein Tagestief bei 9.902 Zählern markiert. Im Späthandel gab der L/E-Dax bis auf 9.962 Zähler nach.

Sind die Anleger zu sorglos?

Ein Überwinden der fünfstelligen Grenze würde den Blick auf das bisherige Rekordhoch aus dem Sommer bei 10.050 Punkten lenken. Aber noch zieren sich die Anleger, zumal heute auch durch den ausgedünnten Handel an der Wall Street die Kraft gefehlt hat.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.219,02
Differenz relativ
+0,50%

Marktanalyst Daniel Saurenz von Feingold Research warnt vor zu viel Sorglosigkeit der Anleger seit dem Oktober-Tief. Der Dax-Anstieg von 1.500 Punkten sei vielleicht "des Guten etwas zu viel", befürchtet er und empfiehlt, Gewinne mitzunehmen. Tatsache ist aber auch, dass es keine gute Idee gewesen wäre, gegen die alte Börsenweisheit zu verstoßen, die da lautet: "The trend is your friend" - die Bären sind in diesem Monat zumindest ins offene Messer gelaufen.

Ölpreise fallen weiter

Thema des Tages waren wie schon zuletzt die Ölpreise. Nach der gestrigen Opec-Entscheidung die Fördermengen unverändert zu lassen, rechnen die Experten der Investmentbank Goldman Sachs mit einer Fortsetzung des Preisverfalls für das schwarze Gold. "Wir können gar nicht stark genug betonen, welch eine dramatische und fundamentale Veränderung dies für den Ölmarkt ist", schreiben die Analysten der Société Générale.

Auch wenn niedrige Energiepreise oft als positiver Faktor für das globale Wachstum gesehen würden, sorge das Ausmaß des Preisrutsches doch für Verunsicherung, sagte Michael Turner, Stratege bei RBC Capital Markets und goss damit Wasser in den Aktienwein.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,37
Differenz relativ
+0,75%

Zwischenzeitlich hatten die Ölpreise ihre Talfahrt zumindest gestoppt, nachdem der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent am Morgen bei 71,12 US-Dollar lag. Das waren zwei Prozent weniger als am Vortag. Bei der marktführenden US-Sorte WTI betrug das Minus wegen der Handelspause am Donnerstag sogar acht Prozent auf 67,75 Dollar. Aktuell ist der Brent-Preis wieder zurückgefallen.

Russische Ölkrise

Der fallende Ölpreis belastet vor allem den Ölexporteur Russland. Der russische Ölkonzern Rosneft schließt ein weiteres Abrutschen des Ölpreises um rund 20 Prozent auf unter 60 Dollar pro Fass nicht aus. Ein solcher Preisverfall sei möglich, allerdings wohl nur gegen Ende der ersten Jahreshälfte 2015, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin der österreichischen Zeitung "Die Presse".

Der Moskauer Aktienmarkt, der im Tagestief schon fast vier Prozent eingebüßt hatte, geriet ebenfalls unter Druck. Der in Dollar notierte RTS-Index gab ein Prozent nach. Seit dem Sommer hat das Börsenbarometer rund 40 Prozent verloren. Auch die Landeswährung Rubel ist weiter auf Talfahrt.

US-Märkte gut unterstützt

Am heutigen Brückentag, dem sogenannten "Black Friday", gab es nur eine verkürzte Sitzung in New York. Der Aktienmarkt schloss um 19:00 Uhr, der Rentenmarkt um 20:00 Uhr unsere Zeit. Der Leitindex Dow Jones ging unverändert bei 17.828 Punkten aus dem Handel. Das bei 17.894 Punkten liegenden Rekordhoch hat der Dow dabei nur um einen Zähler verpasst.

Der breiter gefasste S&P-500-Index, der zwischenzeitlich bei 2.075 Punkten kurzzeitig ein neues Rekordhoch erreichte, konnte dies nicht verteidigen und beendete den Handel mit einem Minus von 0,25 Prozent bei 2.067 Punkten. An der Nasdaq ging es 0,1 Prozent leicht bergauf.

Öl-Aktien brechen ein

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,24
Differenz relativ
+1,15%

Wenig überraschend gehörten unter den Einzelaktien die Ölaktien zu den größten Verlierern. Zu diesen gehörte neben Produzenten und Zulieferern auch die BASF-Aktie, die mit einem Minus von zwei Prozent schwächster Dax-Wert war. Laut Händlern befürchten Anleger, dass die Öl- und Gastochter Wintershall unter dem Ölpreisrückgang leidet. Die BASF-Aktie befindet sich dabei in prominenter Gesellschaft.

Im europäischen Standardwerte-Index Stoxx 50 gerieten die Papiere von BP, Shell und Total unter die Räder. Auch die norwegische Statoil-Aktie erlebte ein Desaster. Der Kurs fiel zwischenzeitlich so stark wie seit dem Jahr 2008 nicht mehr.

Nordex im Ölpreis-Sog

Als einen weiteren Ölpreis-Verlierer haben die Investoren die Nordex-Aktie ausgemacht. Der sinkende Ölpreis begünstige die konventionelle Energieerzeugung gegenüber den Anbietern Erneuerbarer Energien, hieß es am Markt. Zudem war der Wert innerhalb von gut einem Monat um gut die Hälfte gestiegen. Nordex war schlechtester TecDax-Wert mit einem Minus von vier Prozent.

Lufthansa und Telekom glänzen

Aber wo Verlierer sind, sind auch Gewinner. Lufthansa waren mit Abstand größter Dax-Gewinner mit einem Plus von fast fünf Prozent. Hilfreich war neben den fallenden Ölpreisen auch eine Kaufempfehlung der Schweizer Großbank UBS für die Kranichairline. Neben Lufthansa waren auch Henkel gefragt, die sich am Nachmnittag noch nach vorne schoben. Die Telekom setzte derweil still und leise ihre Hausse fort und schloss bei 13,70 Euro 1,67 Prozent höher und damit auf Tageshoch. Seit Oktober mehr als 30 Prozent Kursgewinn und ein neues Fünf-Jahres-Hoch- so lautet die stolze Zwischenbilanz der T-Aktie.

Eon könnte Milliarden erlösen

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,64
Differenz relativ
-2,88%

Der Energiekonzern Eon steht unmittelbar vor dem Verkauf seines Spanien-Geschäftes für 2,5 Milliarden Euro. Das berichtet das "Wall Street Journal Deutschland" und beruft sich dabei auf Insider. Der Aufsichtsrat des Konzerns werde die Transaktion auf einer Sitzung am Freitag genehmigen, hieß es weiter. Käufer sei ein Konsortium um die australische Bank Macquarie und einem kuwaitischen Staatsfonds. Auch in Amerika sollen Unternehmensteile verkauft werden, im Gespräch sind 400 bis 500 Millionen Euro.

BMW will keine Tesla-Beteiligung

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
83,54
Differenz relativ
+1,05%

Der Münchener Autobauer hat nach einer Vorabmeldung der "Wirtschaftswoche" kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem US-Elektroautobauer Tesla. Dessen Chef Elon Musk hatte zuletzt über Gespräche mit BMW über eine zukünftige Kooperation berichtet. Dies habe bei BMW für Verwunderung gesorgt, schreibt das Blatt.

Sky wohl nicht mehr lange im MDax

Das im Index der mittelgroßen Werte vertretene Münchener Medienunternehmen gehört mittlerweile zu mehr als 90 Prozent der britischen Sky-Muttergesellschaft (ehemals BSkyB). Wegen des bei unter zehn Prozent liegenden Streubesitzes rechnet Sky Deutschland nach einer Mitteilung nicht damit, noch lange dem MDax der Deutschen Börse anzugehören.

Sky gehört zum Medienimperium von Rupert Murdoch, der bereits im Mai angekündigt hatte, sein europäisches Bezahlfernsehgeschäft unter dem Dach der britischen Konzernmutter zu bündeln.

Airbus verkauf Dassault-Anteil

Der Flugzeugbauer hat seinen Anteil am französichen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Dassault Aviation wie geplant reduziert. Außerbörslich wurden acht Prozent der Anteile abgegeben, die von Dassault selbst gekauft wurden. Brutto wurden 794 Millionen Euro erlöst.

Analytik Jena warnt wegen Russland

Das Medizintechnikunternehmen Analytik Jena AG hat ihre Ergebnisprognose für das abgelaufene Geschäftsjahr 2013/2014 erneut gekappt. Das im Prime Standard notierte Unternehmen geht nun von einem negativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im mittleren siebenstelligen Euro-Bereich aus. Grund sind Wertberichtigungen in Höhe von knapp sieben Millionen Euro bei der Tochtergesellschaft AJZ Engineering. Grund ist der schwache russische Rubel, der Projekte in Russland entwertete.

TLG Immobilien ist auf Kurs

Das Gewerbeimmobilienunternehmen TLG hat in den ersten drei Quartalen die Kenngröße Funds from Operations (FFO) um 28 Prozent auf 40,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das Unternehmen bekräftige die beim Börsengang gemacht Aussage, im Gesamtjahr ein FFO von rund 50 Millionen Euro zu erreichen.

Club Med in den roten Zahlen

Der Ferienveranstalter hat das Geschäftsjahr 2013/2014 per Ende Oktober mit einem Nettoverlust von neun Millionen Euro abgeschlossen. Grund sei vor allem die Schließung zahlreicher Anlagen, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz sank um 1,9 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Für das kommenden Jahr erwartet das französische Unternehmen aber wieder einen Gewinn.

US-Investor: Frankreich ist kommunistisch

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen ist der Einstieg des US-Reifenherstellers Titan im ehemaligen Goodyear-Werk in Nordfrankreich gescheitert. Die Amerikaner sagten den Einstieg ab. Um das bereits seit Januar geschlossene Werk hatte es bittere Auseinandersetzungen gegeben. Titan-Chef Maurice Taylor machte vor allem die französischen Gewerkschaften sowie die restriktiven Gesetze des Landes verantwortlich und wählte drastische Worte: "Frankreich ist ein kommunistisches Land geworden", sagte er Medienvertretern. 1143 Stellen fallen weg.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"