Marktbericht 20:02 Uhr

Dax stürzt ab Der Ausverkauf

Stand: 15.10.2014, 20:02 Uhr

An den Aktienmärkten in Europa und den USA herrschte am Mittwoch Ausverkaufsstimmung. Während die Börsen in Mailand und Athen um bis zu sechs Prozent einbrachen, büßen auch Dax und Dow binnen Stunden mehrere Hundert Punkte ein. Warum nur?

Es sind vor allem schwache US-Konjunkturzahlen, die die Anleger weltweit auf den Verkaufsknopf drücken lassen. Zwar lässt eine Verlangsamung des Wachstums die an den Märkten gefürchtete Zinswende in den Vereinigten Staaten wieder weiter in die Ferne rücken. Doch die Angst vor einer neuen Wirtschaftsflaute ist größer als die Aussicht auf eine anhaltende Nullzinspolitik.

So beendet der Dax am Mittwoch die Stabilisierungsversuche der letzten beiden Handelstage und stürzt in der Spitze um 270 Zähler auf 8.5555 Punkte ab, sein neues Jahrestief. Am Ende geht der Leitindex mit einem Abschlag von 2,87 Prozent oder 253 Punkten aus dem Handel bei 8.572. Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass der Leitindex auch die nächste charttechnische Unterstützung im Bereich von 8.500 Zählern ins Visier nehmen wird - vielleicht schon morgen. Weitere Kursverluste wären dann programmiert. Bereits im Abendhandel verliert der Dax 3,72 Prozent und fällt auf 8.505 Zähler ab.

Ausverkauf auch an der Wall Street

Auch an der Wall Street kommt es am Mittwoch zu einem Ausverkauf. Der Dow Jones-Index sackt erstmals seit Mitte Februar unter die Marke von 16.000 Punkten. Im S&P 500 wurden in den ersten 25 Handelsminuten so viele Aufträge abgewickelt wie im Durchschnitt an einem Tag. "Die Investoren trennen sich jetzt scharenweise von ihren Papieren und nur wenige Mutige greifen jetzt schon wieder zu, das erklärt das Tempo, mit dem die Kurse fallen", urteilt Jens Klatt von DailyFX. ‬Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der amerikanische Leitindex bei 15.920 Punkten, ein Minus von 2,35 Prozent.

Tatsächlich nähren die US-Konjunkturzahlen Zweifel an den Wachstumsaussichten des Landes. So ist der Einzelhandelsumsatz im September 0,1 Prozent gesunken, statt wie erwartet um 0,1 Prozent zu wachsen. Ohne die Autoverkäufe beträgt der Rückgang 0,2 Prozent statt einer prognostizierten Zunahme um 0,3 Prozent. Der Index der New Yorker Fed für das verarbeitende Gewerbe sackte sogar auf 6,17 Punkte ab, statt der erwarteten 20,5 Punkte.

Marktteilnehmer warnen jedoch vor Panikmache. Die drzeit laufende Korrektur der Märkte sei überfällig und völlig normal - die Börsen könnten nicht so lange ohne einen Rückschlag steigen. Angesichts der lahmenden Weltwirtschaft hatten zuletzt viele Anleger auf Amerika als Wachstumslokomotive gesetzt. Die zeigt nun ihrerseits Schwächen.

Euro wieder über 1,27 Euro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1736
Differenz relativ
-0,11%

Gute Nachrichten gab es am Mittwoch für alle Anhänger eines starken Euro. Die Gemeinschaftswährung ist nach den schwachen US-Konjunkturdaten zeitweise um über zwei Cent nach oben gesprungen. Sie kletterte bis auf 1,2886 Dollar, nachdem sie vor den Daten noch bei 1,2625 Dollar notiert hatte. Am späten Nachmittag fiel der Euro aber wieder etwas zurück und kostet bei Börsenschluss 1,2780 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,2666 (Dienstag: 1,2646) Dollar festgesetzt.

Bank of America ächzt unter Rekordstrafe

Die Bank of America hatte bereits vorgewarnt: Wegen umstrittener Hypothekenpapiere hat das Geldhaus im dritten Quartal eine Rekordstrafe von 5,3 Milliarden Dollar gezahlt. Dadurch sank der Gewinn auf 168 Millionen Dollar, nach 2,3 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Bank hatte sich im August auf einen Rekordvergleich über insgesamt fast 17 Milliarden Dollar mit der US-Justiz geeinigt, um einen Rechtsstreit um faule Wertpapiere aus der Welt zu schaffen.

Infineon doch wieder im Minus

Zu den schwächstenWerten im Dax gehören die Commerzbank und die Deutsche Bank. Anleger sorgen sich um den Ausgang des Bankenstresstests, der am 26. Oktober veröffentlicht wird. Auch die hohen Strafen amerikanischer Banken wie der Bank of America drücken auf die Kurse, besteht doch die Befürchtung, dass auch die deutschen Häuser weitere Zahlungen wegen dubioser Geschäfte leisten müssen. Im MDax knickt die Aareal Bank ein.

Stahlwerte unter Druck

Die Angst vor einer Rezession in Europa und einem sich abschwächenden Wachstum in den USA hat zudem die Stahlwerte unter Druck gebracht. Hinzu kommen aussagen von Tata Steel zu Überkapapzitäten. Im Dax rutscht deshalb die ThyssenKrupp-Aktie an das Index-Ende mit einem Abschlag von fast fünf Prozent. Im Mdax verlieren die Klöckner-Aktien 5,8 Prozent. Dabei gehen die Analysten von Merrill Lynch davon aus, dass sich die Stahlpreise robuster erweisen dürften als die Rohstoffpreise. Sie rechnen für 2015 mit einer höheren Profitabilität europäischer Stahlkocher als bisher.

ProSiebenSat.1 mit Sendungsbewusstsein

Im MDax kann die Aktie von ProSiebenSat.1 als eine der wenigen Papiere zulegen. Das Unternehmen peilt das Umsatzziel für 2015 bereits 2014 an. 2014 sollen nun die Erlöse im "hohen einstelligen Prozentbereich" wachsen. Auch bei den langfristigen Zielen bis 2018 liegt man laut Aussagen vom Mittwoch "über Plan". Das Unternehmen profitiert derzeit vor allem von boomenden Online-Angeboten und TV-Produktionen.

Rhön verteilt Verkaufserlöse

Der Klinik-Betreiber Rhön-Klinikum will eigene Aktien im Wert von 1,7 Milliarden Euro zurückkaufen. Damit soll der Gewinn aus dem Verkauf eines Großteils der Rhön-Kliniken an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die Anteilseigner können für je 21 Papiere zehn Aktien an das Unternehmen verkaufen. Je Rhön-Aktie bietet das Unternehmen 25,18 Euro, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte.

Airbus trotz Großauftrag hinter Boeing

Abwärts geht es mit der Aktie von Airbus, obwohl die indische Airline Indigo dem Luftfahrtkonzern den größten Einzelauftrag der Geschichte bescherte: Das Unternehmen hat 250 Stück des A320neo geordert. Der Listenpreis für einen Flieger liegt bei 103 Millionen Dollar. Insgesamt bleibt Airbus bei den Produktionszahlen weiter hinter seinem Rivalen Boeing zurück. Im dritten Quartal lieferte Airbus 140 Verkehrsflugzeuge aus und damit zehn weniger als ein Jahr zuvor. Boeing kam auf 186 Maschinen.

Danone und LVMH kommen gut an

Kräftig zulegen können die Aktien des Lebensmittel-Konzerns Danone. Die im Pariser Auswahlindex CAC-40 notierten Papiere zogen zeitweise um bis zu sechs Prozent an. Ein Analyst von RBC Capital Markets sprach in einer ersten Einschätzung von einem guten dritten Quartal. Zugleich hob er den Ausblick hervor, der den Markt positiv überrascht habe. Die Franzosen erwarten für das Gesamtjahr 2014 einen Umsatzanstieg von 4,5 bis 5,5 Prozent. Auch der Luxuskonzern LVMH konnte im dritten Quartal vor allem dank einer guten Nachfrage aus Europa und den USA seinen Umsatz um sechs Prozent auf 7,4 Milliarden Euro steigern.

lg

Dax-Chart realtime

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USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
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