Der Aktienmarkt bleibt nervös

Stand: 22.02.2011, 20:00 Uhr

Gute Konjunkturdaten ließen die Anleger am Dienstag links liegen. Wegen der Unruhen in Libyen schloss der Xetra-Dax zwar nur minimal im Minus, im späten Handel setzten die Kursverluste an der Wall Street den LDax hingegen noch kräftig unter Druck.

Nach der abstrusen Rede von Libyens Revolutionsführer Muammar Gaddafi, in der er ankündigte, er werde eher als Märtyrer der libyschen Revolution sterben als seinen Platz den Demonstranten, den "Ratten", wie er sagte, zu überlassen, scheint jede Hoffnung, dass die libysche Revolution einen friedlichen Ausgang findet, hinfällig. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Gaddafi habe seinem Volk "den Krieg erklärt", seine Worte seien "sehr, sehr erschreckend" gewesen.

Die Aktienmärkte teilten die Sorge: Nach Gaddafis Rede am Nachmittag begannen die Kurse an der Wall Street abzubröckeln. Um 20 Uhr, als der Parketthandel in Frankfurt beendet wurde, notierte der Dow Jones 1,5 Prozent schwächer, der Nasdaq Composite verzeichnete ein Minus von 2,5 Prozent.

Der Dax, der den elektronischen Handel um 17:30 Uhr noch mit einem nur minimalen Minus von 0,05 Prozent bei 7.318 beendet hatte, verlor am Abend ebenfalls: Der LDax schloss 42 Punkte tiefer bei 7.276 Punkten.

Libyen bestimmte in der Tat den Handel an den Kapitalmärkten. Das Land ist wichtiger Exportpartner und zudem Erdölproduzent und Mitglied der OPEC. Die Erdölausfuhren wurden am Dienstag gestoppt, die Häfen sind geschlossen. Der Ölpreis an den internationalen Rohstoffmärkten stieg weiter, Brent und WTI erreichten neue Jahreshöchststände.

GfK und Verbrauchervertrauen verpuffen
Gute Konjunkturdaten stießen am Dienstag auf taube Ohren. Sowohl der gute GfK-Konsumklimaindex in Deutschland als auch das Verbrauchervertrauen des Conference Board brachten allenfalls kurzfristige Linderung. Im Dax gerieten am Dienstag vor allem Aktien von Firmen, die stark in Libyen engagiert sind oder vom Ölpreisanstieg belastet werden, unter Druck. Die Papiere von Siemens, BASF und Lufthansa schlossen deutlich schwächer als der Markt.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
152,36
Differenz relativ
+4,53%

Die Spitzenplätze im Dax hingegen nahmen die Aktien von MAN und VW ein. MAN-Aktien setzten ihren Aufwärtstrend von Montag fort, als der Konzern seine Bilanzveröffentlichung um drei Wochen verschoben und damit Spekulationen über eine baldige Fusion mit Scania angeheizt hatte. Die Aktien der Konzernmutter VW schlossen am Dienstag 2,9 Prozent höher. Früher als gedacht will das Unternehmen die Weltspitze von Toyota übernehmen. Eigentlich hatte VW dies erst für 2018 geplant. Doch jetzt sei der in Aussicht gestellte Jahresabsatz von zehn Millionen Fahrzeugen früher erreichbar, sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler der "Automotive News Europe".

Geschäftsberichte aus den Indizes
Der Kabelbetreiber Kabel Deutschland legte am Dienstag seine Quartalsbilanz vor. Wegen hoher Ausgaben für die Umschuldung machte das Unternehmen im dritten Quartal einen Verlust von 36 Millionen Euro, der Umsatz kletterte jedoch leicht auf 405 Millionen Euro. Die Aktie schloss 1,2 Prozent im Minus. Deutlich besser reagierten die Anleger auf die Zahlen der Aareal Bank. Das Betriebsergebnis der Wiesbadener Bank stieg im vergangenen Jahr um die Hälfte auf 134 Millionen Euro, die Bank profitierte vor allem vom niedrigen Zinsniveau und der gesunkenen Risikovorsorge. Die Aktie legte um 9,1 Prozent zu.

Aus dem TecDax legte der Solarkonzern Q-Cells seine Zahlen für das vergangene Jahr vor. Die Aktie verlor trotz eines deutlich verbesserten Umsatzes (1,35 Milliarden Euro) und dem Turnaround beim Ergebnis (82 Millionen Euro) 4,2 Prozent. Händler begründeten dies damit, dass Q-Cells keinen Ausblick für 2011 vorgelegt hatte.

Aus dem SDax gab es die Bilanz des Ticketvermarkters CTS Eventim. Die Firma erreichte dank guter Geschäfte im Internet einen Umsatz von knapp 520 Millionen Euro, plus elf Prozent. Das Ergebnis wurde von Übernahmen und einem Rechtsstreit belastet und lag bei unveränderten knapp 71 Millionen Euro. Die Aktie verlor im Tagesverlauf 0,6 PRozent.

Wilex schafft es nicht, Morphosys freut sich
Das Biotechunternehmen Wilex kommt nicht aus den roten Zahlen. Wegen hoher Ausgaben für die Forschung verdoppelte sich der Verlust auf 23,1 Millionen Euro. Die Unternehmensfinanzierung sei nur noch bis ins zweite Quartal hinein gesichert, teilte Wilex mit, die Aktie schloss 4,6 Prozent schwächer. Besser gingen die Anleger mit der Morphosys-Aktie um. Sie gewinnt am Dienstag mehr als ein Prozent. Die Biotechfirma meldete am Morgen, dass sie in der Zusammenarbeit mit Novartis einen wichtigen Meilenstein erreicht habe und nun eine Zahlung in zweistelliger Millionenhöhe erhalte.

Home Depot und Wal-Mart legen vor
Zwei Bilanzen aus Amerika erreichten den Markt am frühen Nachmittag. Die Baumarktkette Home Depot profitierte von der gestiegenen Konsumfreude der Verbraucher. Der Nettogewinn stieg im vierten Quartal um 70 Prozent auf 587 Millionen Dollar, die Erlöse kletterten leicht auf 15,1 Milliarden Dollar. Der Einzelhandelsgigant Wal-Mart schwächelte auf dem Heimatmarkt leicht, weltweit stieg der Umsatz allerdings um 2,5 Prozent auf 115,6 Milliarden Dollar. Der Überschuss verbesserte sich ebenfalls leicht auf rund fünf Milliarden Dollar.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.