Der Absturz blieb aus

Stand: 27.11.2009, 20:05 Uhr

Glimpflich ist die Börsenwoche für den Dax verlaufen. Dank einer späten Schlusserholung am Freitag schloss der Dax nicht nur auf Tagessicht fester, sondern verbuchte auch im Wochenvergleich einen leichten Anstieg. Die rettende Hand kam, wie so oft, von der Wall Street.

Der befürchtete Absturz der Wall Street blieb am Freitag aus. Die amerikanischen Anleger hatten am Donnerstag feiertagsbedingt keine Chance, auf die Zahlungsschwierigkeiten des arabischen Emirates Dubai zu reagieren. Am Freitag, befürchteten Anleger, sollte nun die Dubai-Angst auch die Wall Street erfassen.

Doch dies blieb aus. Die amerikanischen Indizes, die vorbörslich zeitweise mehr als vier Prozent niedriger standen, erholten sich zum Handelsbeginn rasch. Zwar verzeichneten Dow Jones & Co. erwartungsgemäß Verluste, doch diese waren mit knapp 1,5 Prozent bis zum Handelsschluss am frühen Abend recht verhalten. Allerdings war das Handelsvolumen an der Wall Street am Freitag gering, wegen des Feiertages am Donnerstag war die Handelssession um drei Stunden verkürzt.

Die deutschen Anleger nahmen diese positiven Vorgaben dennoch nur zu gerne auf und nutzten den Rückschlag vom Donnerstag, um wieder einzusteigen. Der Dax, er schloss nach äußerst schwachem Start 1,3 Prozent fester, bei 5.686 Punkten. Trotz des Verlustes von mehr als drei Prozent am Donnerstag konnten die Börsianer auf Wochensicht ein kleines Plus von 0,3 Prozent bilanzieren. Nicht schlecht für eine Woche mit einer gewichtigen Krisennachricht.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,66
Differenz relativ
+1,03%

Im Dax fielen am Freitag vor allem die Kursgewinne bei Volkswagen auf. Die Stammaktien schlossen 6,4 Prozent höher. Händler verwiesen auf ein Analystenkommentar und eine "längst" fällige Gegenbewegung zu den Kursverlusten der vergangenen Wochen. Auch BMW und Porsche gingen gefestigt aus dem Markt. Merrill Lynch hatte Porsche positiv bewertet und BMW erhielt von Equinet ein besseres Rating.

K+S erhöht Kapital, Infineon erwartungsfroh
K+S-Aktien gewann im Tagesverlauf 3,1 Prozent. Der Düngemittelkonzern hat am Freitag erfolgreich seine Kapitalerhöhung von mehr als einer halben Milliarde Euro durchgeführt. K+S gab 26,4 Millionen neue Aktien zu einem Stückpreis von 26 Euro aus. Auch Infineon-Papiere stiegen kräftig. Der Chiphersteller hatte sich im "Handelsblatt" optimistisch zur Branchenzukunft geäußert hat. Konzernchef Peter Bauer sagte, er "glaube, drei bis vier positive Jahre liegen vor uns". Die gute Entwicklung der vergangenen Wochen dürfte sich weiter fortsetzen.

MAN-Finanzchef geht
Vier Tage nach dem überraschenden Ausscheiden des MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson hat auch der Finanzchef des Lkw-Herstellers das Handtuch geworfen. Karlheinz Hornung kündigte an, er werde sein Amt am 11. Dezember niederlegen. Der Rücktritt erfolge aus "persönlichen Gründen", so Hornung.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,50
Differenz relativ
-3,21%

Bayer ohne Überraschung
Die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer schloss 0,2 Prozent schwächer. Bayer-Chef Wenning hatte sich am Donnerstag für eine stabile Unternehmenspolitik ausgesprochen. "Gesunde Finanzstrukturen" seien für Bayer wichtig, sagte Wenning. Nach der Großübernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering hatte sich Bayer auf kleinere Übernahmen beschränkt. Sinnvolle Gelegenheiten wolle er aber nicht auslassen, sagte Wenning weiter. Zurückhaltend äußerte sich Wenning auch zum Thema Prognose. Bayer will in diesem Jahr maximal fünf Prozent weniger operatives Ergebnis erwirtschaften als 2008. "Wobei wir schon wissen, dass das sehr herausfordernd ist", so Wenning.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,37
Differenz relativ
+0,39%

Metro verhandelt Privileg-Übernahme
Der Handelskonzern Metro will möglicherweise die Haushaltsgerätemarke "Privileg" des insolventen Handelskonzerns Quelle übernehmen. Metro spreche, das berichtete die "Financial Times Deutschland", mittlerweile direkt mit dem derzeitigen Markeninhaber, der Handelskette Otto. Bei den Gesprächen gehe es, sagte ein Otto-Sprecher, um die Weitergabe der Lizenzrechte. Metro könnte durch die Nutzung der Marke "Privileg" mehr Eigenmarken seinen Elektroketten Saturn und Mediamarkt verkaufen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,66
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-0,74%

ThyssenKrupp plant tiefe Einschnitte
Der Stahlkonzern ThyssenKrupp will, angesichts eines Milliardenverlustes im abgelaufenen Geschäftsjahr, 20.000 Stellen streichen. 5.000 Jobs sollen durch den Umbau der Verwaltung, ein großer Teil durch Verkäufe wegfallen. Gleichzeitig will ThyssenKrupp allerdings das Geschäft in den Schwellenländern ausbauen. Wie die Firma bereits vor zwei Wochen mitgeteilt hatte, betrug der Vorsteuerverlust im Geschäftsjahr 2008/09 2,4 Milliarden Euro, der Umsatz schrumpfte um ein Viertel. Trotzdem will ThyssenKrupp eine Dividende ausschütten, nämlich 30 Cent je Aktie. Das dürfte auch ein Grund gewesen sein, weshalb die Aktie zwei Prozent fester schloss.

Hochtief stemmt sich gegen Dubai-Trauma
Die Hochtief-Aktie im MDax verlor 1,4 Prozent. Das stark im Krisenemirat Dubai engagierte Bauunternehmen verbreitet deshalb demonstrativ Zuversicht. Obwohl Dubai der Hochtief-Tochter Leighton eine Menge Geld schuldet, rechnet die Firma nicht mit Ausfällen. "Wir gehen davon aus, dass sich aus der Finanzkrise in Dubai keine nennenswerten Auswirkungen auf Hochtief ergeben", beruhigte ein Sprecher. Der Konzern sei in der Golf-Region vor allem in den Staaten Abu Dhabi, Katar und Bahrain engagiert, denen es gutgehe.

MTU und die Suche nach der starken Schulter
Die Aktie des Turbinenherstellers MTU im MDax gewann fast drei Prozent. MTU-Chef Egon Behle sucht, das sagte er der Nachrichtenagentur Reuters, einen Großaktionär, um sich vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Die Installierung eines neuen Großaktionärs dürfte aber noch ein bis zwei Jahre dauern, so Behle. MTU sieht sich aber nicht nur als Opfer: Der Konzernchef sagte, dass MTU ebenfalls nach Übernahmezielen suche.

Indus: Schwache Bilanz, starke Hoffnung
Die Beteiligungsgesellschaft Indus Holding hat die ersten neun Monate des Jahres mit deutlich weniger Umsatz und Gewinn beendet. Die Erlöse gingen von 703 auf 566 Millionen Euro zurück, das Ebit brach um mehr als Hälfte auf 36 Millionen Euro ein. Die Firma, im SDax notiert, rechnet nach einem deutlich besseren dritten Quartal jetzt damit, dass es in Zukunft weiter bergauf geht.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr