Deprimierender Wochenausklang

Lothar Gries

Stand: 05.09.2008, 20:02 Uhr

Nach den Kursverlusten gestern hat sich der Kursverfall heute sogar noch beschleunigt. Grund sind Rezessionsängste in den USA und Europa. Für Enttäuschung sorgte auch der weltgrößte Handyhersteller Nokia.

Der Dax verliert im Abendhandel gut 90 Punkte oder 1,4 Prozent auf 6174. Das ist zwar etwas weniger als im elektronischen Handel wo der Leitindex 152 Punkten oder 2,4 Prozent in die Tiefe rauschte. Damit hat der Dax in dieser Woche knapp 4,6 Prozent verlorenDass die Baisse am Abend etwas milder ausfällt verdanken die Anleger der New Yorker Wall Street. Dort haben sich die Kurse nach anfänglichen Verlusten stabilisiert. Grund sind Übernahmegerüchte der angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers. Angeblich sind Beteiligungsgesellschaften wie Lone Star und KKR an einem Kauf bestimmter Teile der Bank interessiert.

Die schlechter als erwartet ausgefallenen Daten vom US-Arbeitsmarkt haben aber die Sorge vor einer Rezession weiter angeheizt. Im August ist die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft zum Vormonat um 84.000 gesunken, teilte das US-Arbeitsministerium am Nachmittag mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 75.000 Stellen gerechnet. Damit beträgt die Arbeitslosenquote in den USA nun 6,1%, 0,4% mehr als erwartet.

Einer Studie der Commerzbank zufolge steht auch die deutsche Wirtschaft nach den erneut ungünstigen Daten zur Industrieproduktion am Rande einer Rezession. Die abermals deutlich gesunkene Industrieproduktion erhöhe die Wahrscheinlichkeit spürbar, dass die Wirtschaftsleistung auch im dritten Quartal geschrumpft sei, heißt es in der Studie. Bereits im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent geschrumpft.

Ölpreis fällt weiter

Anhaltende Sorge um den Zustand der Weltwirtschaft sowie ein stärkerer Dollar drückten den Ölpreis, sagten Händler. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl sank um 1,4 Prozent auf 106,33 Dollar. Brent kostete mit 104,82 Dollar rund 1,3 Prozent weniger.

Der Euro notierte zeitweise so niedrig wie seit Oktober 2007 nicht mehr. Am Mittag lag er bei 1,4222 Dollar.

Einziger Gewinner im Dax ist die Postbank-Aktie. "Es gibt ein Gerücht, dass die Deutsche Bank für die Postbank 50 Euro bieten will", sagte ein Händler. "Das ist ein typisches Freitagsgerücht. Ich glaube da nicht dran, nie und nimmer."

Daimler mit Sommerflaute
Der Pkw-Absatz ist beim Autobauer Daimler im August deutlich zurückgegangen. Wie das Unternehmen am Nachmittag mitteilte, wurden 84 400 Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz, smart und Maybach ausgeliefert und damit 15,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem die Märkte in Westeuropa und in Japan hätten zu der kräftigen Abschwächung geführt. Die Aktie verliert mehr als vier Prozent.

Nokia-Handys weniger gefragt
Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia hat die Prognose für seinen Marktanteil für das dritte Quartal gesenkt und damit die Aktie auf Talfahrt geschickt. Der Marktanteil werde im laufenden Vierteljahr niedriger als im zweiten Quartal sein, teilte Nokia am Nachmittag mit. Für das Gesamtjahr 2008 halten die Finnen an ihrem Ziel fest, den Anteil am Handy-Markt zu steigern. Die Aktie gab in einer ersten Reaktion um mehr als zehn Prozent nach.

Stahlwerte knicken ein
Die Furcht vor einer Rezession hat auch die konjunktursensiblen Aktien von ThyssenKrupp und Salzgitter um mehr als fünf Prozent in den Keller geschickt. "Die Verkaufswelle hat in Brasilien angefangen", sagte ein Marktbeobachter. "Sie schwappt nun über Japan zu uns herüber. Immer mehr Leute gehen davon aus, dass die Konjunktur einbricht."

National Semiconductor mit weniger Gewinn
Der US-Chiphersteller National Semiconductor hat im abgelaufenen Vierteljahr einen Gewinnrückgang auf 80 Millionen Dollar von 86 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum verbucht. Der Umsatz sank in den drei Monaten zum 24. August um ein Prozent auf 465,6 Millionen Dollar. Für das zweite Geschäftsquartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 470 und 480 Millionen Dollar. Analysten hatten hier mit 486 Millionen Dollar gerechnet. National Semiconductor-Papiere gaben im Handelsverlauf gut zwei Prozent nach.

K+S stürzen ab
Der bevorstehende Aufstieg des Düngemittelherstellers in den Dax kann den schleichenden Abstieg des Aktienkurses nicht aufhalten. Im Gegenteil. Die Titel des Kasseler Unternehmens gehören mit einem Abschlag von zeitweise mehr als zehn Prozent zu den größten Verlierern im MDax. Ein Börsianer verwies auf negative charttechnische Signale. In den vergangenen Monaten habe sich eine Topformation ausgebildet, nun sei mit einem "bearishen Keil" eine zweite negative charttechnische Formation im Spiel.

SGL Carbon brechen ein
Die Aktien des Wiesbadener Graphitspezialisten geben mehr als sieben Prozent ab. Grund ist offenbar der Ausstieg des britischen Investors Barclays Global Investors. Zudem wechselt SGL-Vorstandsmitglied Hariolf Kottmann an die Spitze des Schweizer Chemiekonzerns Clariant.

Direktbroker mit weniger Aufträgen
Die Direktbank Comdirect hat im August deutlich weniger Wertpapieraufträge ausgeführt als im Juli. Die Zahl der ausgeführten Aufträge sank im Vergleich zum Vormonat um 19,3 Prozent auf 570.036. Noch stärker fiel das Minus beim Konkurrenten Sino aus. Hier gingen die Orderzahlen um 31,1 Prozent auf 76.727 zurück.

Air Berlin mit Schubumkehr
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat im August weniger Passagiere befördert als im Vorjahresvergleich. Die Zahl um 2,4 Prozent auf 2,85 Millionen. Das Unternehmen begründete den Rückgang mit reduzierten Kapazitäten. Die Auslastung sank um 0,6 Prozentpunkte auf 82,9 Prozent. Der Erlös pro Sitzplatzkilometer kletterte immerhin um 14,4 Prozent auf 5,55 Cent.

Dell bald ohne eigene Fabriken?
Der Computerhersteller Dell will sich laut dem "Wall Street Journal" von seinen Fabriken trennen. Das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten zahlreiche Computerhersteller kontaktiert, um über den Verkauf der Fabriken zu sprechen, hieß es.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr