Den Dax haut nichts um

von Robert Minde

Stand: 02.02.2012, 20:03 Uhr

Fast schon unverwüstlich präsentiert sich der Dax und setzt seinen jüngsten Aufwärtstrend weiter ungerührt fort. Selbst durchwachsene Unternehmensbilanzen können die Stimmung nicht eintrüben.

Der deutsche Leitindex hat am Donnerstag seinen jüngsten Aufwärtstrend weiter fortgesetzt. Trotz des gestrigen Kursfeuerwerks stand wieder ein Plus von 0,6 Prozent auf 6.655 Zähler auf der Anzeigetafel, zwischenzeitlich erreichte der deutsche Leitindex ein Sechs-Monats-Hoch. Von Gewinnmitnahmen jedenfalls keine Spur. Nachbörslich ging es leicht bergab, der L/E-Dax schloss bei 6.643 Punkten.

Seit Jahresanfang hat der Index damit fast zehn Prozent zugelegt. Allerdings war die Schwankungsbreite am heutigen Handelstag vergleichsweise gering, das Tageshoch lag bei 6.667, das Tagestief bei 6.606 Zählern.

Es sei beeindruckend, wie gut mittlerweile schlechte Nachrichten, wie heute die Zahlen der Deutschen Bank, weggesteckt werden, kommentierte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank.

"Vor einiger Zeit hätte dies den Anlegern noch die Stimmung verhagelt." Es scheint so, als ob einige Investoren zuletzt auf dem falschen Fuß erwischt wurden, hieß es bei Börsianern. Zudem bleibe die Liquidität hoch, was den Aktienmarkt ebenfalls stützt. Im Übrigen rückt die Einigung über den griechischen Schuldenschnitt unweigerlich näher, wie auch immer sie ausfallen mag.

Tagessieger waren Deutsche Börse, die Anleger begrüßten die gescheiterte Fusion mit der NYSE. Tagesverlierer war die Commerzbank mit einem Minus von knapp 0,7 Prozent. Deutsche-Bank-Aktien, die lange die Verliererliste angeführt hatten, grenzten ihre Verluste am Nachmittag deutlich ein und gingen mit einem Abschlag von nur noch 0,4 Prozent aus dem Markt. Im MDax explodierten Sky-Aktien um fast zwanzig Prozent und waren Tagessieger. Fast genau stark abwärts ging es mit Q-Cells im TecDax, die Aktie ist allerdings nur noch ein Penny-Stock.

US-Börsen leicht im Plus
Nach zunächst freundlichem Start präsentieren sich die US-Börsen zur Stunde uneinheitlich. Große Ausschläge gibt es allerdings nicht. Der Dow-Jones-Index kann aktuell seine Gewinne aus dem frühen Geschäft nicht behaupten und bleibt weiter leicht im Minus. Der S&P-500-Index tendiert unverändert, nur an der Technologiebörse Nasdaq überwiegen nach wie vor die Pluszeichen. Der Nasdaq-Composite-Index steigt zur Stunde leicht um 0,2 Prozent.

Zunächst hatte der Markt positiv auf die wöchentlichen Arbeitslosenanträge reagiert, die mit 367.000 besser als erwartet ausgefallen waren. Experten hatten im Schnitt 375.000 Anträge erwartet. Auch Notenbankpräsident Ben Bernanke konnte die Stimmung nicht heben. Er erklärte, die Fed werde alles tun, um die US-Wirtschaft und das heimische Finanzsystem vor den Auswirkungen der Eurokrise zu schützen.

Die Unternehmensergebnisse waren wieder mal durchwachsen, auch die unsichrere Lage in Europa bleibt ein Thema und sorgt für Zurückhaltung.

Hauptthema aber ist der geplante Börsengang des sozialen Netzwerkes Facebook. Das Unternehmen hatte am Mittwoch bei der SEC, der Börsenaufsicht, seinen Börsengang beantragt. US-Medien spekulierten, dass der Börsengang den Wert des Konzerns bei etwa 75 bis 100 Milliarden Dollar taxieren würde, Facebook selbst will bis zu fünf Milliarden Dollar einnehmen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,85
Differenz relativ
-0,15%

Deutsche Bank überzeugt nicht
Die Deutsche Bank hat Ende 2011 wegen der Euro-Schuldenkrise überraschend rote Zahlen geschrieben. Der Verlust vor Steuern im vierten Quartal betrug 351 Millionen Euro nach einem Gewinn von 707 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt mit einem Milliardengewinn gerechnet. Die Schuldenkrise führte zu einer Flaute am Anleihemarkt, die das Kerngeschäft Investmentbanking massiv belastete. Im Gesamtjahr verdiente das Institut vor Steuern 5,4 Milliarden Euro. "Die Zahlen sind durchweg schlechter und weit unter den Erwartungen, das ist eine große Enttäuschung", sagte ein Händler.

Münchener Rück: Gewinn bricht ein...
... aber die Dividende bleibt riesig: Anteilseigner sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 6,25 Euro je Aktie erhalten. Die Gesamtausschüttungssumme von 1,1 Milliarden Euro übersteigt damit den Konzerngewinn. Dabei ist der Gewinn des Dax-Konzerns nach vorläufigen Zahlen 2011 auf 710 Millionen Euro von zuvor 2,43 Milliarden Euro eingebrochen. Die Aktie legte zwei Prozent zu.

Anleger begeistern sich für Deutsche Börse
Eine Hochstufung ließ die Anleger zu Aktien der Deutschen Börse greifen. Das Papier war mit einem Plus von fast vier Prozent größter Gewinner im Dax. Gestern hatte die EU-Kommission die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext verboten. Die Analysten von JP Morgan stuften die Titel nun hoch auf "Neutral" von zuvor "Underweight". Angesichts des geplatzten Zusammenschlusses sei eine Neubewertung nötig, schrieben sie. Die Aktie sei im Sektorvergleich etwas teurer. Dieser Aufschlag sei möglicherweise gerechtfertigt, wenn die Deutsche Börse über die jährliche Dividendenzahlung hinaus Geld an ihre Aktionäre ausschütte. Die Analysten warnten aber auch: "Der Branche steht eine schwierige Zeit bevor."

Neues Geschäft für Bilfinger & Berger
Das Mannheimer Bau- und Serviceunternehmen aus dem MDax hat mehrere große Aufträge für Industriewartung bekommen. Zu den Auftraggebern gehören so bekannte Adressen wie BP, ConocoPhillips oder EDF. Das Auftragsvolumen liegt bei insgesamt 200 Millionen Euro.

Himmelsstürmer Sky-Aktie
Sky-Papiere haussierten im MDax um mehr als 19 Prozent. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei binnen Jahresfrist um 42 Prozent auf 155 Millionen Euro geschrumpft, teilte Sky mit. Der Umsatz kletterte um 17 Prozent. Der Pay-TV-Sender zählt inzwischen 3,012 Millionen Kunden. Für schwarze Zahlen braucht Sky 3,0 bis 3,2 Millionen zahlende Zuschauer, wie Vorstandschef Brian Sullivan zuletzt erklärt hatte. Im laufenden Jahr soll der operative Verlust weiter sinken, 2013 erwartet Sky dann ein positives operatives Ergebnis.

Das Unternehmen erhält zudem vom Medienmogul Rupert Murdoch weitere 300 Millionen Euro, um bei den Kämpfen um die Bundesligarechte gegen andere Konkurrenten, wie beispielsweise die Deutsche Telekom, in den Ring zu steigen. Dies beflügelte die Aktie zusätzlich. Es gehe aufwärts, das sei vielversprechend, sagte ein Marktteilnehmer.

Air Berlin tritt One World-Bündnis bei
Die Fluggesellschaft wird am 20. März Vollmitglied im Luftfahrtbündnis One World. Deutschlands Nummer zwei hat nach einer umfangreichen Prüfung durch British Airways grünes Licht für den Beitritt bekommen. One World ist neben Star Alliance und Skyteam eines von drei großen Bündnissen in der Luftfahrtindustrie. In diesen Bündnissen schließen sich Fluggesellschaften zusammen, um in einem gemeinsamen Flugplan ihr Angebot auszuweiten und dabei Kosten zu senken. Die Meldung konnte die Aktie allerdings nicht beflügeln, das Papier schloss unverändert bei 2,35 Euro.

Agennix-Titel brechen ein
Die Münchener Biotechfirma Agennix hat mit einem ihrer zwei wichtigsten Arzneimittelprojekte einen herben Rückschlag erlitten. Das Unternehmen musste eine klinische Studie mit dem Hoffnungsträger Talactoferrin zur Behandlung von schweren Blutvergiftungen abbrechen. Die Agennix-Aktie stürzte um 30 Prozent ab. Agennix war 2009 mit GPC Biotech fusioniert, als das Unternehmen nach dem Scheitern seines wichtigsten Krebsmittels vor dem Aus stand.

OHB erhält neue Aufträge
Aktien des Bremer Technologieunternehmens waren gesucht und steigen um 3,2 Prozent. Damit nähert sich der Kurs seinem Zwölf-Monats-Hoch von vor einem Jahr bei 14,60 Euro. Das Unternehmen gab heute bekannt, dass es acht weitere Satelliten im Wert von 250 Millionen Euro für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo bauen wird. Mit dem Galileo-System will Europa von Ende 2014 an die Vormacht des US-amerikanischen GPS ("Global Positioning System") brechen.

Sony schreibt Verluste
Der japanische Elektronikkonzern Sony ist im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres tief in die roten Zahlen gerutscht. Wie der Konzern bekanntgab, fiel ein Fehlbetrag von 159 Milliarden Yen (1,6 Milliarden Euro) an. Im Vorjahr hatte Sony noch einem Gewinn von 72,3 Milliarden Yen erwirtschaftet. Der Umsatz sank auf 1,82 Billionen Yen nach 2,20 Billionen Yen im Vorjahr. Die Folgen der Flutkatastrophe in Thailand, die verschlechterten Marktbedingungen in entwickelten Ländern sowie der starke Yen seien verantwortlich, teilte Sony mit. Für das Gesamtgeschäftsjahr rechnet der Konzern mit einem Nettoverlust von 220 Milliarden Yen.

AstraZeneca baut Stellen ab
Der britische Pharmakonzern AstraZeneca will angesichts des Preisdrucks in Europa und den USA weitere 7300 Stellen abbauen. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem schrumpfenden Gewinn. Astra hat wie viel anderen großen Wettbewerber zuletzt unter auslaufenden Patenten für wichtige Umsatzträger gelitten, ohne entsprechende Ersatzstoffe auf den Markt gebracht zu haben. Allein beim Magenmittel Nexium brach der Umsatz um zwölf Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar ein.

Im abgelaufenen vierten Quartal war der Gewinn je Aktie im Rahmen der Analystenerwartungen um 16 Prozent auf 1,61 Dollar gestiegen. Der Umsatz lag bei 8,66 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 8,55 Milliarden Dollar gerechnet. Die Aktie knickte an der Londoner Heimatbörse um 3,4 Prozent ein.

Unilever liegt daneben
Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever hat im vierten Quartal die Markterwartungen verfehlt und für 2012 ein schwieriges Geschäftsumfeld in Aussicht gestellt. Der um Zukäufe und Währungseffekte bereinigte Umsatz erhöhte sich um 6,6 Prozent. Am Markt war ein Plus von 6,8 Prozent erwartet worden. Dabei legte der Absatz nur um 0,1 Prozent zu, der Rest entfiel auf Preiserhöhungen. Der Gewinn lag mit 4,25 Milliarden Euro knapp unter der Marktprognose von 4,34 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte Unilever 4,24 Milliarden Euro verdient.

Electrolux erwartet nicht viel Gutes
Das ist Börsenlogik. Obwohl der schwedische Haushaltsgeräte-Hersteller, zu dem auch die Marke AEG gehört, nur wenig Gutes zu berichten hatte, steigt die Aktie gut 2,7 Prozent. Denn der Verlust fiel im vierten Quartal mit 144 Millionen Schwedenkronen geringer aus als befürchtet. Zudem rechnet Firmenchef Keith McLoughlin zumindest im ersten Halbjahr nicht mit einer Belebung des Geschäftes.
Immerhin, zumindest für den US-Markt sind die Schweden etwas optimistischer.

LVMH erhöht die Dividende kräftig
Kaum eine Wolke am Himmel bei LVMH. Der französische Luxuskonzern berichtet über ein erfolgreiches abgelaufenes Geschäftsjahr. Unter dem Strich standen 3,07 Milliarden Euro, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit erfüllte das Unternehmen die Markterwartungen.

Zum Konzern gehören so bekannte Luxusmarken wie die Duftmarke Christian Dior, die Modemarke Louis Vuitton oder Hennessy Cognac. Für den 2012 ist das Management optimistisch, der Ausblich sei "exzellent. Die Aktionäre können sich schon jetzt freuen. Die Dividende soll um 24 Prozent auf 2,60 Euro kräftig erhöht werden.

Glencore will mit Xstrata fusionieren
Der Rohstoffkonzern Glencore steht einem Medienbericht zufolge vor einem Zusammenschluss mit dem Bergbau-Unternehmen Xstrata. Der fusionierte Konzern könnte mit 52 Milliarden Pfund (rund 63 Milliarden Euro) bewertet werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die beiden Konzerne könnten noch in dieser Woche eine Einigung erzielen. Die Gespräche dauerten jedoch noch an und könnten auch noch scheitern. Glencore und Xstrata äußerten sich zunächst nicht dazu.

Merck & Co. unter Erwartungen
Der im Dow Jones-Index vertretene Pharmakonzern blickt wegen des Ablaufs wichtiger Patente verhaltener in die Zukunft und erwartet kein Umsatzwachstum im laufenden Jahr. Im vierten Quartal blieb das Unternehmen beim Umsatz unter und beim Nettoertrag nach sonderposten mit 97 Cents je Aktie über den Erwartungen. Die Aktie reagiert negativ und verliert zur Stunde 0,6 Prozent.

Dow Chemical schreibt rote Zahlen
Der US-Chemieriese weist für das vierte Quartal überraschend einen Verlust von 20 Millionen Dollar aus nach einem Gewinn im Vorjahr von 426 Millionen Dollar. Grund war ein negativer Steuereffekt aus dem Brasiliengeschäft. Operativ lag der Gewinn des BASF-Rivalen bei 25 Cents je Aktie und damit fünf Cent tiefer als von Analysten erwartet. Die Aktie notiert im New Yorker Handel gut ein Prozent schwächer.

Mastercard stark gesucht
Die Aktien des Kreditkartenanbieters sind aktuell an der Wall Street stark gesucht und legen über sechs Prozent zu. Operativ verdiente das Unternehmen im vierten Quartal 4,03 Dollar je Aktie und übertraf damit die Konsensschätzung von 3,91 Dollar deutlich. Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf 1,73 Milliarden Dollar. Der berichtete Nettogewinn sank allerdings wegen eines negativen Einmaleffektes auf 19 Millionen oder 0,15 Dollar je Aktie. Dabei geht es um einen Rechtsstreit, für den Mastercard 770 Millionen Dollar zurückgestellt hat.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr