Dem Dienstag ein Minus abgerungen

Stand: 08.06.2010, 20:10 Uhr

Die freundliche Kursentwicklung an der Wall Street hat dem späten Dax am Nachmittag Schlimmeres erspart. Dennoch sind 0,6 Prozent Kursverlust ein deutliches Zeichen für Verunsicherung und Orientierungslosigkeit. Sparpaket und Eurokrise stecken den Anlegern in den Knochen.

Immerhin nur 0,6 Prozent. Zwischenzeitlich musste der Dax an diesem Dienstag 1,7 Prozent abgeben, die Wall Street, wo der Dow Jones rechtzeitig zum Xetra-Schluss ins Plus drehte, zog den Dax kräftig nach oben. Nicht ins Plus, doch immerhin auf 5.869 Punkte, minus 0,6 Prozent. Im späten Handel drehte der Dow wieder ins Minus, der LDax gab noch ein paar Punkte ab.

Dass der Dax überhaupt und abermals einen verlustreichen Handelstag hatte, lag vor allem an der weiter sehr greifbaren Angst vor einer sich ausweitenden Eurokrise. Britische Ökonomen orakelten gestern bereits offen über das Ende der Gemeinschaftswährung, der Eurokurs verharrt ängstlich unter der 1,20 Dollarmarke und die gesamte Finanzwelt erwartet die nächsten, wohl unvermeidbaren, Schuldenstories aus Euroland. Nach Ungarn war am Dienstag übrigens Großbritannien dran. Die amerikanische Ratingagentur Fitch teilte mit, sie halte die Herausforderungen der britischen Fiskalpolitik für "gewaltig". Prompt verlor das Pfund an Wert.

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich derweil prächtig. Im April sei die Industrieproduktion um 0,9 Prozent gestiegen, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie am Mittag mit. Das Ministerium erwartet dank anhaltend "lebhafter Nachfrage", dass sich die Industrieproduktion auch weiterhin erholt.

Da sich die Anleger aber auch mit dem Milliardensparpaket der Bundesregierung auseinandersetzen mussten, war die Auswirkung dieser Statistik auf den Dax eher marginal. Jene Teile des Sparplans, die Belastungen für die Industrie vorsehen, schmeckten den Aktionären naturgemäß nicht. Deutlich sichtbar wurde dies bei den Aktienkursen von RWE, Eon und Lufthansa.

Sparabgaben belasten die Versorger und die Lufthansa
Großen Anteil am schwachen Dax hatten die beiden Versorger Eon und RWE, deren Aktien kräftig verloren. Mit etwas Verzögerung reagierten die beiden Aktien damit auf die bereits am Montag Nachmittag bekannt gewordenen Beschlüsse der Sparklausur des Regierungskabinetts. 2,3 Milliarden Euro Einnahmen durch eine Steuer auf Brennelemente sind darin vorgesehen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Papiere der Lufthansa verloren 2,2 Prozent. Per Luftfahrtabgabe will die Bundesregierung künftig etwa eine Milliarde Euro jährlich einnehmen. Air Berlin-Aktien gaben zwei Prozent ab.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
191,80
Differenz relativ
-0,13%

Rückversicherer korrigieren ein wenig
Aktien des Rückversicherers Münchener Rück verloren 0,2 Prozent. Der Dax-Konzern hatte am Morgen seine Schätzung für die Kosten des Chile-Erdbebens Anfang des Jahres deutlich nach oben korrigiert. Statt der bisher erwarteten 700 Millionen Euro dürfte die Belastung bei etwa einer Milliarde liegen, teilte der Konzern mit. Trotzdem will die MüRü ihr Gewinnziel von zwei Milliarden Euro in diesem Jahr erreichen.

Die Hannover Rück verbilligte sich um 1,6 Prozent. Der Konzern bezifferte den Schaden aus der Ölplattform-Katastrophe im Golf von Mexiko auf 40 Millionen Euro. Konzernchef Ullrich Wallin sagte aber, es gebe eine große Unsicherheit wegen der Haftpflicht und Aufräumkosten. Die Prognose müsse man deswegen aber nicht anpassen.

Metro muss verzichten, Salzgitter muss sich anstrengen
Aktien des Handelskonzern Metro verloren 0,9 Prozent. Die Metro kam, das wurde am Montag bekannt, bei dem Verkauf der Karstadt-Warenhauskette nicht zum Zuge. Salzgitter-Aktien gaben 1,3 Prozent ab. Hier belastete eine Aussage des Vorstands zur Prognose. Ein ausgeglichenes Ergebnis in der Stahlsparte sei, das sagte Vorstandschef Wolfgang Leese auf der Hauptversammlung, "noch erreichbar, aber eher unwahrscheinlich".

Siemens wurde gelobt
Besser lief es mit der Siemens-Aktie. Goldman Sachs hatte am Morgen das Kursziel auf 115 Euro angehoben und die Einsparungen durch Restrukturierung gelobt. Auch der schwache Euro würde Siemens in die Hände spielen.

Stada will wachsen
Der Pharmakonzern Stada hat sich auf seiner Hauptversammlung zu seiner Akquisitionspolitik geäußert. Da sich die Firma nicht dem Trend zur Branchenkonsolidierung verschließen könne, müsse man auch große Übernahmen in Betracht ziehen. Eine Kapitalerhöhung sei aber nur vorstellbar, sagte Konzernchef Hartmut Retzlaff, bei einem "ganz großen Fisch, der vor uns vorbeischwimmen würde." Vorläufig wolle man bei der behutsamen Zukaufpolitik bleiben.

Bilfinger und der Australien-IPO
Bilfinger Berger will sein Australiengeschäft an die Börse bringen und hat heute die geplante Preisspanne für den IPO bekannt gegeben. 2,20 bis 2,50 australische Dollar je Aktie will der MDax-Konzern erlösen. Insgesamt sollte der Börsengang dann umgerechnet etwa eine halbe Milliarde Euro bringen.

Airbus verkauft
Der Luftverkehrskonzern EADS hat auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin zwei Großaufträge gemeldet. Die Fluggesellschaft Emirates habe 32 Exemplare des Großraumflugzeuges A380 bestellt. Die brasilianische Gesellschaft TAM orderte 20 A320 und 5 Exemplare des A350. Die EADS-Aktie legte leicht zu.

Kuka und Solon klündigen Kapitalerhöhung an
Der Roboterbauer Kuka hat abermals eine Kapitalerhöhung angekündigt. Um den Wünschen der Banken zu entsprechen, will das SDax-Unternehmen 4,65 Millionen neue Aktien herausgeben und so bis zu 45 Millionen Euro einnehmen. Der Solarkonzern Solon meldete am Abend, dass er sein Grundkapital erhöhen will. Dazu will die Firma knapp 4,7 Millionen neue Stückaktien ausgeben, was mehr als ein Drittel des gegenwärtigen Grundkapitals entspricht.

Sino wieder besser als Comdirect
Der Onlinebroker Sino hat seine monatlichen Orderzahlen gemeldet. Der auf sehr aktive Händler ausgerichtete Broker steigerte im Mai sein Auftragsvolumen um 65 Prozent auf 185.000. An allen deutschen Börsen legte das Umsatzvolumen im Jahresvergleich um 58 Prozent zu. Nicht ganz so üppig fielen die Steigerungen der Transaktionen beim Sino-Konkurrenten Comdirect aus, der bereits am Montag einen Zuwachs von "nur" 24 Prozent bekannt gegeben hatte.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"