Dem Dax fehlen die Impulse

Stand: 09.07.2012, 20:01 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Investoren zum Wochenbeginn nicht aus der Deckung gewagt. Der Markt konsolidiert und blickt mit einem eher mulmigen Gefühl auf die beginnende Berichtssaison.

Der deutsche Leitindex konsolidierte nach dem kräftigen Rückschlag vom Freitag und schloss den Xetra-Handel mit einem leichten Minus von 0,3 Prozent bei 6.387 Punkten. Das lag allerdings deutlich über dem bei 6.320 Zählern liegenden Tagestief. Im Hoch notierte der Dax bei 6.408 Punkten. Nachbörslich ging es ein Schnäppchen bergauf, der L/E-Dax schloss bei 6.401 Punkten.

Vor der Eröffnung der US-Berichtssaison wage ohnehin keiner große Zukäufe, sagte ein Händler. Helaba-Analyst Christian Schmidt sprach von einer anhaltenden Verunsicherung an den Aktienmärkten. Denn die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise auf die Unternehmensbilanzen sind noch nicht klar. Immer deutlicher wird, dass der Teufel bei den jüngsten Eurobeschlüssen im Detail steckt und den Partnern zunehmend die Zeit wegrennt. So bleiben Einzelheiten einer gemeinsamen Bankenaufsicht weiter unklar, Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, die Einrichtung einer solchen Behörde brauche Zeit.

Die Zeit wird knapp
Zeit, die die Märkte den gefährdeten Euro-Krisenstaaten aber immer weniger geben. Anleihen aus Spanien rentierten wieder über der kritischen Marke von sieben Prozent und auch die italienische Rendite zehnjähriger Papiere stieg über sechs Prozent. Für EZB-Chefvolkswirt Peter Praet ist die Krise in Europa "viel tiefer und fundamentaler" als die Lehman-Pleite. Auch EZB-Präsident Mario Draghi, der vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments sprach, wies gegenüber den Parlamentariern auf "die Grenzen des Mandates" der EZB hin. Weitere Maßnahmen will er aber nicht ausschließen.

Geholfen hat es der Börse nicht, ebenso wie die überraschend guten deutschen Exportzahlen. Die Ausfuhren stiegen nach Angaben des statistischen Bundesamtes im Mai um 3,9 Prozent, das war immerhin das stärkste monatliche Plus seit März 2011. Immer wichtiger werden für Deutschland dabei die Schwellenländer, in Europa machen sich hingegen deutliche Bremsspuren bemerkbar.

Deutsche Renten stark gefragt
Am Rentenmarkt ließ die Sprache der Investoren derweil an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Deutsche Staatspapiere bleiben weiterhin als sicherer Hafen gefragt. Eine Versteigerung sechsmonatiger Schatzwechsel brachte eine Negativrendite von 0,344 Prozent, das heißt, die Investoren zahlen sogar noch drauf, um Geld beim deutschen Staat anlegen zu dürfen. Deutsche Bundesanleihen rentieren mit 1,3 Prozent.

Der Euro tendierte um die Marke von 1,23 Dollar und pendelte sich damit nach den Verlusten vom Freitag auf etwas erhöhtem Niveau ein. Der Markt blickt auf das Treffen der Finanzminister des Euroraums in Brüssel. Dort kommen die Finanzminister zusammen, um über Details der jüngsten Gipfelbeschlüsse zu sprechen. Mit Beschlüssen wird nicht gerechnet. Wahrscheinlich ist aber, dass es am 20. Juli ein weiteres Treffen geben wird, um alle Unklarheiten abzuarbeiten.

Wall Street ebenfalls etwas leichter
In New York liegt der Dow-Jones-Index aktuell gut 0,4 Prozent im Minus, ebenso wie auch die anderen großen Aktienindizes. Immer noch drücken die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten vom Freitag sowie schwache Daten aus China auf die Stimmung der Investoren. Auch die Euro-Krise beschäftigt die Börsianer, so dass die beginnende Berichtssaison sogar in den Hintergrund tritt. Traditionell liefert heute Alcoa nachbörslich als erstes Großunternehmen seine Quartalszahlen und eröffnet damit die Berichtssaison für das zweite Quartal.

Bemerkenswert ist allerdings eine Milliardenfusion, die auf das jüngst gefällte Urteil des Obersten Gerichtes zum Gesundheitssystem zurückgehen dürfte. Der Krankenversicherer Wellpoint will für 4,5 Milliarden Dollar den Konkurrenten Amerigroup übernehmen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,52
Differenz relativ
-3,49%

Thyssen an der Spitze
Im Dax lag ThyssenKrupp nach einem positiven Bericht des US-Anlegermagazins "Barron's" mit 2,2 Prozent vorne. Das Blatt sieht bei einem Verkauf der US-Aktivitäten wieder Potenzial in der Aktie. Auch Lufthansa setzen ihren jüngsten Aufwärtstrend fort. Eon profitierten von einer Hochstufung auf die "most preferred list" der Investmentbank UBS. Bei der Telekom kamen Meldungen über einen Kehraus in der Führungsebene gut an. Die Aktie stieg gut ein Prozent. Ansonsten waren die Dax-Bewegungen "weder Fisch noch Fleisch", wie ein Händler betonte.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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4,88
Differenz relativ
+4,90%

Metro größter Dax-Verlierer
Die Papiere des Einzelhandelskonzerns Metro büßten über sechs Prozent ein und standen am Dax-Ende. Äußerungen von Vorstandschef Olaf Koch gegenüber der "Bild"-Zeitung sorgten für Verdruss. Koch rechnet bei den Konsumausgaben der Deutschen in diesem Jahr "bestenfalls mit einem kleinen Plus". Das habe deutliche Auswirkung auf das Geschäft seines Unternehmens. Auch SAP gehörten ohne Nachricht mit einem Minus von 1,8 Prozent zu den größten Tagesverlierern im Dax.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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78,25
Differenz relativ
+2,83%

Bayer zieht Antrag zurück
Die Leverkusener haben bei der US-Gesundheitsbehörde FDA ihren Antrag auf Ausweitung der Anwendung ihres Thrombosehemmers Xarelto für Herzpatienten zurückgezogen. Gleichzeitig hat die FDA aber dem Partner Johnson & Johnson eine beschleunigte Prüfung in anderen Therapiefeldern zugesagt. Xarelto gilt als Hoffnungsträger des Bayer-Konzerns. Die Aktie reagierte jedoch nur wenig.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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143,14
Differenz relativ
+2,13%

Audi mit Rekordabsatz
Gute Nachrichten gibt es hingegen von der VW-Tochter Audi. In den ersten sechs Monaten wurden 733.250 Fahrzeuge verkauft, ein Zuwachs im Jahresvergleich von 12,3 Prozent. Auch im saisonal schwächeren zweiten Halbjahr will Audi weiter wachsen, von Krise daher keine Spur. Im Gegenteil, Audi-Chef Rupert Stadler sieht sein Unternehmen "voll auf Kurs".

Deutz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,58
Differenz relativ
-0,90%

Deutz vor Auftragsflaute?
Im MDax sorgte eine Analyse der UBS zu einem Kursrutscher bei der Aktie des Motorenbauers Deutz. Die Experten haben den Titel auf "sell" abgestuft. Sie rechnen mit einem schlechteren Auftragseingang im laufenden Jahr. Die Aktie war Tagesverlierer mit einem deutlichen Abschlag von 5,3 Prozent.

Airbus vor neuen Aufträgen?
Aktien des europäischen Flugzeug-Herstellers Airbus, Tochter der im MDax notierten EADS, stiegen dafür um 1,6 Prozent. Das Unternehmen spekuliert auf der heute begonnenen Luftfahrtmesse im britischen Farnborough auf neue Aufträge. Vor allem von der modernisierten Form seines Langstreckenjets A330-300 erwarten sich die Manager viel, denn die Reichweite wurde verbessert. Damit will Airbus der Boeing 777 Konkurrenz machen.

Aus dem TecDax
Im TecDax konnte die Aktie des Windkraft-Spezialisten Nordex ihre Kursgewinne nicht verteidigen und rutschte ins Minus. Die Aktie hatte zuvor positiv auf Aussagen von Firmenchef Jürgen Zeschky reagiert, der im laufenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen in Aussicht gestellt hatte. Kontron lagen nach einem negativen Analystenkommentar vor den Zahlen am 24. Juli am Indexende und verloren 6,2 Prozent.

Papiere des Biotech-Unternehmens Qiagen konnten sich hingegen am Montag in der Spitzengruppe der TecDax-Gewinner behaupten. Bereits am Freitag hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA grünes Licht für ein Begleitdiagnostikum des Unternehmens zur Behandlung von Darmkrebs gegeben. Tagessieger waren QSC, die 1,8 Prozent gewannen.

Praktiker mit Kurszucken
Papiere der pleitebedrohten Baumarktkette geben ein Teil ihrer Gewinne wieder ab, blieben aber im SDax im Plus. Gegenüber der "Wirtschaftswoche" hatte Finanzinvestor Clemens Vedder einen möglichen Einstieg bei Praktiker in Aussicht gestellt. Praktiker-Aktionäre hatten erst am Donnerstag auf der Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung und ein Darlehen durch den US-Investor Anchorage durchgewunken.

Hugo Boss bald in arabischer Hand?
Das Herrscherhaus von Katar steht Verhandlungskreisen zufolge vor der Übernahme des italienischen Modehauses Valentino. Der Eigentümer von Valentino und der deutschen Schwestermarke Hugo Boss, der Finanzinvestor Permira, führe exklusive Gespräche mit der Herrscherfamilie, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur "Reuters". Die im MDax notierte Hugo Boss reagierte aber während des Xetra-Handels nicht mehr und schloss 2,7 Prozent schwächer bei 73,92 Euro. Nachbörslich kam etwas Interesse auf.

Delignit gut im Geschäft
Papiere des Werkstoff-Spezialisten im Entry Standard legten am Montag über sieben Prozent zu. Das Unternehmen hat am Morgen kräftiges Umsatzwachstum gemeldet. Die Erlöse kletterten um 25 Prozent auf 17,7 Millionen Euro, vor allem dank eines gut laufenden Schienenverkehrsbereichs. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wurde von 1,0 auf 1,5 Millionen Euro gesteigert.

China-IPO ohne Aufsehen
Der Börsengang des chinesischen Freizeit-Bekleidungsherstellers Fast Casualware ging am Montag fast geräuschlos über die Börsen-Bühne. Die Aktie wurde zu fünf Euro ausgegeben und schloss auch auf diesem Niveau. Der Titel wurde an den deutschen Börsenplätzen allerdings kaum gehandelt.

Zhongde Waste brechen ein
In einer anderen China-Aktie ging es hingegen zur Sache. Das Papier von Zhongde Waste, Hersteller von Müllanlagen, brach um 27 Prozent ein. Grund dürfte das Chaos bei der Berichterstattung des Unternehmens sein. Zunächst war schon Ende April der Jahresbericht für 2011 auf Mitte Juni verschoben worden. Dieser Bericht soll nun erneut verspätet am 17. Juli erscheinen. Am 31. Juli soll dann für das erste und am 12. August schon für das zweite Quartal berichtet werden, eine extrem ungewöhnliche Terminierung. Am 30.11. steht dann offiziell der Bericht zum dritten Quartal auf der Agenda. Die Aktie, die einmal zu 26 Euro an die Frankfurter Börse gekommen war, notiert nur noch bei 1,69 Euro.

Boeing bekommt Mega-Auftrag
An der New Yorker Börse sind Boeing-Aktien gegen den Markttrend gesucht. Der US-Flugzeugbauer hat von der Flugzeugleasinggesellschaft Air Lease (ALC) eine Bestellung über 75 Boeing-737-Jests erhalten. Der Listenpreis liegt dabei bei 7,2 Milliarden Dollar. Das Geschäft war von Branchenexperten allerdings bereits erwartet worden, nachdem ALC zuvor bereits 50 spritsparende Airbus A320neo bestellt hatte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Rio Tinto: Quartalszahlen Q3, 23.30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr