Dax zwischen Angst und Hoffnung

Stand: 25.08.2010, 20:00 Uhr

Während die amerikanische Wirtschaft weiterhin erhebliche Schwächesignale aussendet, scheint sich der deutsche Aufschwung weiter zu festigen. Der gute Ifo-Index half dem Dax am Mittwoch jedoch nur kurzzeitig, am Nachmittag drückten amerikanische Wirtschaftszahlen die Börse ins Minus.

Damit hatte niemand gerechnet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Juli auf 106,7 Punkte, was der dritte Anstieg des Barometers in Folge war. Das Ifo-Institut in München sprach zufrieden von einem "stabilen Sommerhoch" der deutschen Wirtschaft.

Die Börse hingegen befindet sich stabil in einer Phase massiver Wirtschaftsängste. Seit Wochen kennt sie nur eine Richtung: Nach unten. Wie kann das angehen? Die Lösung liegt knapp westlich des Atlantiks. Denn während Deutschland sich eines - auf den guten Export gestützten - Aufschwunges erfreut, darbt die amerikanische Wirtschaft vor sich hin. Die Wirtschaftszahlen der vergangenen Tage und Wochen zeigen, dass der amerikanische Aufschwung Lücken hat und Schlaglöcher.

Am Mittwoch waren es zwei Konjunkturdaten, die dies ein weiteres Mal bestätigten. Die Daten zum Eigenheimverkauf im Juli und jene zum Auftragseingang langlebiger Güter fielen deutlich unter den Erwartungen aus. Die Finanzmärkte reagierten schnell. Der Dax stürzte am Nachmittag auf bis zu 5.8.38 Punkte, der Dow Jones fiel deutlich unter 10.000 Zähler.

Der rasante Absturz war wohl etwas übertrieben, die Indizes erholten sich gen Handelsende, der Dax schloss 0,6 Prozent schwächer bei 5.899,50 Punkten, und der Dow Jones erholte sich bis zum Ende des Parketthandels in Frankfurt auf 10.025 Punkte.

Im Dax schafften es dennoch fast ausschließlich defensive Aktien ins Plus. Bayer, Fresenius, die Telekom, Henkel und Fresenius legten etwas zu, während die konjunktursensiblen Titel teils kräftig verloren.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
Differenz relativ
-1,45%

An der Dax-Spitze schloss die Bayer-Aktie 1,6 Prozent fester. Weil Bayer eine Studie zum Bayer-Thrombosemittel Xarelto bei einem der großen Medizinkongresse im Herbst vorstellen wird, rechnen Investoren nun damit, dass Xarelto bald für die US-Zulassung empfohlen wird.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Zwei Analystenkommentare machten den Aktien von HeidelbergCement und Volkswagen zu schaffen. HeidelbergCement verbilligte sich um 1,9 Prozent. Die Fachleute von Merrill Lynch hatten am Mittag die Aktie auf "Neutral" herabgestuft und das Kursziel von 65 auf 37 Euro gesenkt. Bei Volkswagen senkte das Bankhaus Metzler seine Empfehlung auf "Sell" und das Kursziel auf 72 Euro. Das zweite Halbjahr werde wohl etwas schwächer ausfallen für VW, heißt es.

Schuldenproblematik bei Conti?
Die Aktie des Autozulieferers Continental aus dem MDax verlor 1,7 Prozent. Marktbeobachter begründeten die Schwäche der Aktie mit einem "Handelsblatt"-Bericht, dass die Fusion von Schaeffler und Conti wegen der hohen Schulden beider Konzern noch Probleme bereiten werde.

Tognum und Tui legten zu
Im MDax schaffte es die Aktie des Dieselmotorenhersteller Tognum mit einem Plus von 2,4 Prozent an die Indexspitze. Neben der Anlegerreaktion auf die Vortagesverluste begründeten Börsianer dies mit der Heraufstufung durch die Berenberg Bank auf "Buy". Die Dividendenrendite sei verlockend, schrieb die Bank.

Tui-Aktien schlossen nur leicht schwächer. Die Tochter Hapag Lloyd will, nach Angaben der "Financial Times Deutschland", eine 500 Millionen schwere Anleihe ausgeben, um auf die Bürgschaftszusage der Regierung zu verzichten. Analysten bezeichneten dies als "klar positiven Schritt", wodurch Hapag-Lloyd in die Lage versetzt werden könnte, seine Schulden bei Tui zu begleichen.

Solarwerte uneins
Die Solarwerte im TecDax zeigten sich uneinheitlich. Einige präsentierten sich gestärkt. Roth&Rau-Aktien beispielsweise gewannen 1,1 Prozent. Merrill Lynch hatte die Aktie am Morgen auf "Neutral" hochgestuft und erklärt, sie habe durchaus noch Luft nach oben. Papiere von SMA Solar hingegen notierten weit hinten im Index. Hier wirkten nach Händleransicht noch die Spekulationen um Subventionskürzungen in Frankreich nach, vermuten Händler. Auch Q-Cells und Conergy verloren deutlich.

Kleine Firmen berichten
Aus dem SDax legte bereits am Dienstag nach Börsenschluss Air Berlin seine Zahlen vor. Während Umsatz und Ergebnis etwas besser ausfielen als erwartet, blieb der Nettogewinn unter den Prognosen. Air Berlin litt wie viele europäischer Airlines im zweiten Quartal unter den Flugeinschränkungen durch die Aschewolke.

Bei der Bilanz des Waggonvermieters VTG gab es hingegen nichts zu bemängeln. Sowohl Umsatz als auch Ergebnis waren besser als gedacht, außerdem schaut VTG optimistisch in die Zukunft, zumindest auf das restliche Jahr. Bei der Deutschen Entertainment AG DEAG schrumpften die Erlöse, das Ebit stieg leicht auf 2,7 Millionen Euro im zweiten Quartal. Der Konzertveranstalter erklärte, der Schwerpunkt seiner Geschäfte liege traditionell im vierten Quartal.

Außerhalb der Indizes legte die Industrieholding Greiffenberger ihre Zahlen vor. Nach einem Verlust vor einem Jahr berichtete die Firma nun über ein Gewinn von 1,5 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um ein Drittel auf 64,1 Millionen Euro, der Auftragseingang verbesserte sich um die Hälfte. Greiffenberger hält in diesem Jahr deshalb ein Ebitda von bis zu 16,5 Millionen Euro für möglich.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"