Dax zittert sich auf Dreijahreshoch

Stand: 15.02.2011, 19:58 Uhr

Der Dax gewinnt den Kampf mit der 7.400-Punkte-Marke erst in der letzten Handelsminute: Er trifft punktgenau die runde Marke. Schwache Zahlen vom US-Einzelhandel ließen keinen großen Sprung zu. In Frankfurt war ohnehin die Fusion zwischen Deutscher Börse und NYSE Euronext das Tagesthema.

Die Fusion zwischen NYSE Euronext und Deutscher Börse absorbierte einen großen Teil der Aufmerksamkeit der Investoren und sorgte für hinreichend Gesprächsstoff. Zeit genug für das Studium der aktuellen US-Konjunkturindikatoren gab es aber auch - nur gefallen haben die Zahlen den Investoren nicht.

Denn solange die Konsumenten in den USA ihr Kaufdisziplin beibehalten, bleibt das Fundament des US-Aufschwungs brüchig. Die Umsätze der Einzelhändler sind im Januar deutlich schwächer gestiegen als erwartet. Der Anstieg im Vormonat wurde zudem von 0,5 Prozent auf 0,3 Prozent nach unten revidiert. "Die konjunkturelle Erholung setzt sich fort, dennoch scheinen die Markterwartungen an die wirtschaftliche Dynamik in den letzten Wochen zu weit gestiegen zu sein", kommentierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Trotz des etwas besser als erwartet ausgefallenen Empire-State-Indexes für das Verarbeitende Gewerbe im US-Bundesstaat New York gaben die Anleger ihre Zurückhaltung nicht auf. Zu wichtig ist der Privatkonsum für die Genesung der US-Wirtschaft. Auch nach Börsenschluss in Europa blieb die Wall Street in der Verlustzone.

Impulse: verzweifelt gesucht
Der deutsche Leitindex schloss immerhin etwa auf Vortagesniveau. Der ZEW-Konjunkturindex hatte den Dax am Vormittag wieder über die Marke von 7.400 Punkten gehievt. Die Marktteilnehmer honorierten, dass die befragten Finanzexperten die aktuelle Lage optimistischer einschätzten als im Vormonat - Anschlusskäufe blieben jedoch aus.
"Es gibt kaum noch Impulse für steigende Kurse, so dass die Umsätze recht gering sind", sagte ein Händler. "Das könnte ein Zeichen sein, dass es bald mit den steigenden Kursen vorbei ist", warnte ein weiterer Händler.

Deutsche Börse: Anleger bleiben skeptisch

Für die Investoren ist keineswegs ausgemacht, dass die Fusion zwischen NYSE Euronext und der Deutschen Börse zu einer Erfolgsgeschichte wird: Das Papier gehörte zu den schwächsten im Dax und büßte mehr als zwei Prozent ein. Auch Analysten zeigten sich skeptisch. "Unter dem Strich bezweifele ich auch, dass das für die Aktionäre über die nächsten Quartale eine Erfolgsgeschichte wird", erklärte LBBW-Analyst Martin Peter. Konrad Becker von Merck Finck erklärte, viele Fragen seien noch offen. Andere Börsianer zweifelten, dass die angestrebte Kostensynergie wie geplant erreicht werden kann. "Das ist letztlich eine Frage des Glaubens" fasste einer zusammen.

Schnappt P&G sich Beiersdorf?

Beiersdorf erwischte dagegen einen guten Handelstag, die Aktie gewann mehr als zwei Prozent und belegte im Dax den zweiten Platz. Das Gerücht über ein Angebot von Procter & Gamble ließ die Investoren zugreifen. Beiersdorf wird von der Holding Maxingvest kontrolliert. Ein Sprecher sagte, Maxingvest sei langfristig investiert, an den Verkaufsgerüchten sei nichts dran. Zuletzt machte das gleiche Übernahmegerücht Anfang Januar die Runde.

Deutsche Bank sonnt sich in Barclays Glanz

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,87
Differenz relativ
+0,76%

Vor Beiersdorf platzierten sich die Aktien der Deutschen Bank. Im Jahresverlauf steigerte das Finanzinstitut seinen Börsenwert bereits um rund ein Fünftel. Heute reagierten die Investoren auf starke Zahlen der britischen Barclays Bank. Barclays hat im vergangenen Jahr dank niedrigerer Kreditausfälle seinen Gewinn kräftig gesteigert und übertraf die Erwartungen der Experten. Der neue Bank-Chef Bob Diamond warnte allerdings vor Belastungen neuer Regulierungsbestimmungen.

Anleger machen bei Autobauern Kasse

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,75
Differenz relativ
+0,54%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,14
Differenz relativ
+0,16%

Die Favoriten des Vorjahres mussten sich dagegen am anderen Ende der Kursliste einreihen: Daimler, BMW und Volkswagen gehörten zu den schwächsten Werten, VW war das Schlusslicht. Hier drückten auch Sorgen um einen Bestechungsverdacht auf die Stimmung, hieß es. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen mehrere Mitarbeiter bei VW und der Telekom. Sie sollen versucht haben, durch die Verlängerung eines Sponsor-Vertrags beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg von VW Aufträge über mehrere hundert Millionen Euro zu erlangen.

Puma und Adidas im Abseits

Puma: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
457,00
Differenz relativ
+6,65%

Sowohl bei den mittelschweren Werten als auch im Leitindex lagen Sportartikelhersteller weit hinten. Puma erzielte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz und steigerte den Gewinn ebenfalls kräftig. Vor allem die unverändert belassene Dividende von 1,80 Euro je Aktie enttäusche aber die Erwartungen, das Papier sackt um rund zwei Prozent ab. Außerdem missfiel, dass Puma mit einem Abflachen der Wachstumskurve in diesem und im darauf folgenden Jahr rechnet. Im Sog von Puma büßen die Anteile von Adidas ebenfalls etwa zwei Prozent ein.

Rheinmetall: Anleger machen Kasse

Auch für den im MDax gelisteten Rüstungskonzern Rheinmetall war der Tag der Bilanzvorlage ein schwacher Börsentag. Dabei hat das Unternehmen im vergangenen Jahr ein Ergebnis vor Steuern und Abgaben von 297 Millionen Euro erzielt und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz konnte um 17 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro gesteigert werden. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen.

Leonis vager Ausblick enttäuscht

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,65
Differenz relativ
-1,77%

Etwas schwächer als der Markt präsentieren sich auch die Aktien des Autozulieferers Leoni. Grund ist der verhaltene Ausblick. Die Erlöse sollen in diesem Jahr nur noch um rund zehn Prozent auf 3,1 Milliarden Euro steigen und damit erheblich langsamer als 2010. Auch das Ergebnis soll sich verbessern. Genaue Angaben macht Leoni aber nicht.

Grammer schafft die Wende

Erfreut reagieren die Anleger auf die Trendwende bei Grammer. Der im SDax notierte Automobilzulieferer Grammer hat im abgelaufenen Jahr seinen Umsatz um 28 Prozent auf 929 Millionen Euro gesteigert. Das Ebit kletterte auf 32,7 Millionen Euro. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 24 Millionen Euro entstanden. Das bedeutet eine Steigerung von knapp 57 Millionen Euro innerhalb eines Jahres.

Kein Happy End für Biotest

Einer der schwächsten Werte im SDax ist die Aktie des Blut-Spezialisten Biotest. Grund ist ein deutlicher Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 49 Millionen Euro, nach 61,6 Millionen im Vorjahr. Gründe dafür sind der Firma zufolge Preisrückgänge bei Immunglobulinen und Gerinnungsfaktoren, sowie Kosten, die beim Ausbau einer Produktionsstätte in Florida entstanden sind.

Linde-Konkurrent Air Liquide brilliert mit Rekord

Der französische Industriegase-Spezialist Air Liquide hat dank der guten Konjunktur und Kosteneinsparungen im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielt. Der Nettogewinn stieg um 14,1 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 12,6 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Auch für das laufende Jahr ist das Unternehmen zuversichtlich. Das Linde-Papier lief dank der guten Zahlen besser als der Markt.

Danone beschenkt Aktionäre

Kräftig zulegen kann dagegen die Aktie von Danone. Der Getränke- und Lebensmittelkonzern steigerte Umsatz und Nettogewinn im vergangenen Jahr kräftig. Die Anleger sollen deshalb eine auf 1,30 Euro angehobene Dividende erhalten. Im laufenden Jahr will Danone den Umsatz um sechs bis acht Prozent steigern. Trotz des voraussichtlichen Anstiegs der Rohstoff- und Verpackungskosten um sechs bis neun Prozent will das französische Unternehmen seine operative Marge 2011 um 0,2 Prozentpunkte steigern.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr