Marktbericht 20:03 Uhr

Anleger heute wieder mutiger Dax zeigt sich von seiner Gönnerseite

Stand: 20.05.2016, 20:03 Uhr

Die Börse hält die Anleger in Atem. Heue hoch, gestern runter und umgekehrt - so ging es die ganze Woche. Zwar gut für bewegliche Anleger, aber unter dem Strich ist dabei nicht viel rausgekommen.

Denn trotz volatiler Intra-Day-Kursverläufe, zahlreicher Bilanzvorlagen und einer neuen Zinsperspektive der US-Notenbank Fed hat sich der deutsche Leitindex Dax im Wochenverlauf kaum bewegt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.521,85
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-0,32%

Zwar gab es heute einen Tagesgewinn von 1,2 Prozent auf 9.916 Punkte, der Schlussstand lag am vergangenen Freitag mit 9.952 Punkten aber nur 0,4 Prozent höher und damit wenig entfernt vom aktuellen Niveau.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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74,06
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+1,24%

"Weder Käufer noch Verkäufer können sich für eine Richtung entscheiden. Der Handel bleibt technisch getrieben", fasste Stratege Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets zusammen. Anziehende Ölpreis hatten am Morgen den Markt gestützt, im Tagesverlauf lösten sich die Gewinne dann aber fast komplett in Luft auf.

US-Zinsen und Brexit-Sorgen

Die Unsicherheit der Anleger machen Experten unter anderem an der weiteren Zinspolitik der Federal Reserve fest, wo ein Zinsschritt schon im Juni entgegen der bisherigen Erwartungen in dieser Woche wahrscheinlicher geworden ist - und die Aussicht auf Zinserhöhungen kommt bekanntlich am Aktienmarkt nicht gut an.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Aber auch die näher rückenden Abstimmung in Großbritannien über die weitere Zugehörigkeit zur EU am 23. Juni wirft zunehmend ihre Schatten voraus. Zahlreiche Szenarien entwerfen für die Wirtschaft im Falle eines Austritts ein überwiegend düsteres Bild, bei dem beide Seiten nur verlieren können. Laut Analyst Sören Wiedau von der Weberbank wird vor dem Referendum die Unsicherheit hoch bleiben.

Euro fällt zurück

Am Devisenmarkt blieb die neue US-Zinseinschätzung weiter das beherrschende Thema. Die Aussicht auf höhere Leitzinsen in Amerika stärkt den Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1219 (Donnerstag: 1,1197) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8914 (0,8931) Euro.

Darüber hinaus blickte der Markt auch nach Japan, wo sich die Finanzminister der G7-Staaten zur Vorbereitung des Gipfeltreffens der Regierungschefs in der kommenden Woche trafen. Allerdings bewegten die bisherigen Aussagen letztlich kaum etwas, der Euro steht weiter in der Nähe des Referenzkurses.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1717
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-0,07%

Im Vorfeld des Ministertreffens wurden keine Forderungen nach weiteren Konjunkturprogrammen laut. Es habe aber Einigkeit darüber geherrscht, dass das Wachstum gestärkt werden müsse. Am Samstag wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zum Abschluss der Beratungen um 8:15 Uhr MEZ eine Pressekonferenz abhalten.

Wall-Street-Gewinne bröckeln

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.058,12
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-0,03%

Nach zuletzt schwächerer Tendenz wegen der verstärkten Zinsängste findet derzeit an der Wall Street eine Gegenbewegung statt. Der Leitindex Dow Jones, der fest startete, hat aber mittlerweile einen Teil seiner Anfangsgewinne wieder abgegegben und steht nur noch gut 0,3 Prozent im Plus. "Letztendlich wird den Märkten klar werden, dass die Welt nicht auseinanderfällt", sagte ein Londoner Vermögensverwalter mit Blick auf die jüngsten Verluste.

Konjunkturseitig gab es nur Zahlen vom Hausmarkt. Die Zahl der Eigenheimverkäufe im April lag mit 5,45 Millionen leicht über den Erwartungen von 5,40 Millionen Einheiten. Gegenüber dem Vormonat lag der Zuwachs bei 1,7 Prozent. " Wachstumszweifel sind vor diesem Hintergrund nicht angebracht", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Unter den Einzelwerten fällt vor allem das Applied Materials-Papier auf, dass nach guten Quartalzahlen des Halbleiter-Ausrüsters über 12 Prozent zulegt. Aktien des Landwirtschafts- und Baumaschinenhersteller Deere & Co fallen hingegen um gut fünf Prozent, nachdem der Gewinnausblick für das laufende Geschäftsjahr gesenkt wurde. Im Technologiesektor büßen die Aktien des Internet-Pioniers Yahoo mehr als ein Prozent ein. Hier belastet ein Bericht des "Wall Street Journal", dem zufolge die Gebote von Interessenten für das zum Verkauf stehende Kerngeschäft enttäuschend niedrig ausgefallen sind.

ProSiebenSat.1 an der Dax-Spitze

Unter den heimischen Einzelwerten gab es keine Verlierer im Dax. Medienneuling ProSiebenSat.1 lag an der Index-Spitze. Die Aktie gewann 3,49 Prozent und lag damit knapp vor dem Adidas-Papier. Die Gewinne gingen quer durch alle Branchen. Schlusslicht waren Lufthansa, die deutlich unter Marktentwicklung nur 0,32 Prozent zulegten.

Bayer droht Bonitätsverlust

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat Bayer wegen der möglichen Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto im Visier. Sie setzte den Konzern auf die Liste für eine beschleunigte Prüfung auf Herabstufung ("Credit Watch Negative"). Die Agentur erklärte, eine Abstufung würde wahrscheinlich höchstens zwei Stufen umfassen.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
92,30
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+0,27%

Auch wichtige Investoren kritisieren Bayer für die Übernahmepläne und fürchten, dass sie zu teuer werden könnten. Für Fondsmanager Markus Manns von Union Investment macht die Übernahme strategisch zwar Sinn, die Größe des Deals schränke Bayer aber zu sehr ein. "Nach einem Monsanto-Deal wäre es weitgehend ausgeschlossen, dass Bayer über die nächsten zwei bis drei Jahre die finanzielle Flexibilität für Zukäufe im Pharmabereich behält", sagte Manns.

Neue VW-Strategie im Juni

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,62
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-0,03%

Konzernchef Müller hat auf der Managementtagung erklärt, er werde die neue Konzernstrategie 2025 im Juni vorstellen. Ziel ist es, den Konzern fit zu machen für die Digitalisierung und den Wandel der Mobilität. Dafür werde in Kürze ein rechtlich eigenständiges Konzernunternehmen geründet werden, erklärte Müller. Auch mehr Eigenständigkeit der zwölf Marken und flachere Hierarchien sind im Gespräch. Mit den neuen Zielen wird die alte Konzernstrategie 2018 von Ex-Chef Winterkorn abgelöst.

Daimler warnt

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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57,30
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+0,07%

Der Daimler-Konzern hat Probleme mit seiner LKW-Sparte. Daher soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem laufenden Geschäft dieser Sparte und der Absatz 2016 deutlich unter dem Vorjahr liegen. Daimler geht aber weiter davon aus, das Ebit des Gesamtkonzerns aus dem laufenden Geschäft 2016 leicht zu steigern. Außerdem weitet die Autosparte ihren Rückruf wegen des Airbag-Debakels beim Zulieferer Takata in den USA aus. Dabei geht es um 200.000 Fahrzeuge.

Eon aufspalten?

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,75
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+1,56%

Nun bekommt auch der Energiekonzern Eon Druck von einem aktivistischen US-Investor. Der Hedgefonds Knight Vinke fordert neben der schon geplanten Abspaltung des Großkraftwerksgeschäfts auch die Trennung von den regionalen Strom- und Gasnetzen, berichtet das "Handelsblatt". An der Börse kamen die Pläne gut an, die Eon-Aktie legte 1,75 Prozent zu.

Deutsche Bank: Schuss vor den Bug

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,32
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+0,60%

Die Aktionäre der Deutschen Bank haben Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf der gestrigen Hauptversammlung nur mit knapp 87 Prozent entlastet. Außerdem wurde das neue Vergütungssystem für den Vorstand der Deutschen Bank von den Aktionären mehrheitlich abgelehnt. Die Zustimmungsquote lag nur bei 48 Prozent.

Wendepunkt bei Wacker Chemie

Das Münchener Spezialchemieunternehmen aus dem MDax erwartet 2016 nicht nur weitere Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis, Firmenchef Rudolf Staudigl sprach im Hinblick auf das laufende Jahr von einem Wendepunkt für Wacker.

Auf der heutigen Hauptversammlung verwies er auf die Fertigstellung des neuen Polysiliciumstandortes Charleston im US-Bundesstaat Tennessee, der nun mit Volllast betrieben werde. Dadurch sinken die Aufwendungen für Investitionen markant. " Unser Cashflow wird sich dadurch deutlich erhöhen und die Nettofinanzschulden gehen weiter zurück", erklärte Staudigl. Wacker schüttet für 2015 eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie aus nach 1,50 Euro im Vorjahr.

Fraport muss sich strecken

Dies erklärte Firmenchef Stefan Schulte auf der Hauptversammlung des Flughafenbetreibers aus dem MDax. Am Fraport-Flughafen im türkischen Antalya erwartet der Manager mindestens 30 Prozent weniger internationale Passagiere als im Vorjahr. Ob der Konzern diesmal dort überhaupt Geld verdient, hängt von den Last-Minute-Urlaubern ab.

Antalya leidet nicht nur unter der Zurückhaltung der deutschen, sondern auch unter dem Fernbleiben der russischen Gäste. An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt rechnet die Konzernführung 2016 weiterhin nur mit einem Passagierplus von ein bis drei Prozent auf bis zu knapp 63 Millionen Fluggäste. Das Fraport-Papier wechselte heute des Öftern das Vorzeichen und schloss letztlich bei 51,13 Euro, ein Tagesverlust von 0,31 Prozent.

Manz-Kapitalerhöhung ist abgeschlossen

Der IT-Maschinenbauer bekommt mit der chinesischen Shanghai Electric einen neuen Großaktionär. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung steigen die Chinesen mit 19,7 Prozent ein, wodurch dem Unternehmen dringend benötigte Mittel von 75,6 Millionen Euro zufließen.

Firmengründer Dieter Manz, der zusammen mit seiner Frau Ulrike nach der Kapitalerhöhung noch 27,3 Prozent der Anteile hält, hat seine Bezugsrechte an die Chinesen verkauft und will sich künftig mit ihnen verbünden. Da beide auf mehr als 30 Prozent der Anteile kommen, würde dies ein verbindliches Übernahmeangebot nach sich ziehen. An der Börse kam das sehr gut an, Manz-Aktien legen um über acht Prozent kräftig zu.

VTG: Neuer Großaktionär

Aktien des Waggonvermieters VTG bleiben an der Börse sehr gefragt und führten den SDax an. Der Logistikkonzern Kühne hat sich mit 20,34 Prozent an VTG beteiligt. Verkäufer ist der amerikanische Investor Wilbur Ross, der früher einmal sogar die Mehrheit an VTG hielt und das Hamburger Unternehmen an die Börse brachte.

Neue Fantasie bei UniCredit

Papiere der italienischen Großbank und HVB-Mutter UniCredit legten über sieben Prozent zu. Die Aussicht auf einen warmen Geldregen durch den Verkauf von Beteiligungen trieb die Fantasie der Anleger. Einem Insider zufolge denkt das größte italienische Geldhaus darüber nach, sich vom Online-Wertpapierhändler FinecoBank sowie dem türkischen Institut Yapi Kredi und der polnischen Pekao Bank zu trennen.

Der Kapitalpuffer der Bank würde dadurch steigen, mittelfristig die Ertragskraft aber sinken, erklärte Analyst Luca Comi vom Finanzdienstleister ICBPI. In ihren Glanzzeiten vor der Finanzkrise galt UniCredit als breit aufgestellte europäische Gruppe und größte Osteuropa-Bank. Die Aktie kostete bis zu 40 Euro, heute ist sie noch rund drei Euro wert.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr