Dax zeigt sich mutlos

Karsten Leckebusch

Stand: 06.02.2007, 19:57 Uhr

Trotz guter Vorgaben und Unternehmensnachrichten reichte es beim Dax am Dienstag nur zum Kurserhalt. Die unentschlossene Wallstreet zehrte am Nachmittag frühere Dax-Gewinne wieder auf.

Mit einem sehr bescheidenen Plus von 0,02 Prozent oder 1,64 Punkten beendete der deutsche Leitindex den Handel bei 6.875,70 Zählern. Die amerikanischen Börsen waren am Nachmittag mit Kursverlusten in den Handel gestartet und hatten auch die deutschen Indizes belastet. Für die mutlose Wall Street machten Händler den wieder gestiegenen Ölpreis sowie die Zurückhaltung vor einer abendlichen Rede des Chefs des amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, verantwortlich.

Im Dax legten allerdings die Aktien des Medizinkonzerns Fresenius Medical Care um 6,2 Prozent zu. US-Präsident George W. Bush hatte vorgeschlagen, den Zeitraum auszuweiten, in dem in den USA private Krankenkassen für Dialysebehandlungen aufkommen müssten. Dies würde dem Dialysegerätehersteller FMC durchaus zu Gute kommen. Die Dax-Aktie durchbrach die technische Marke von 110 Euro, Analysten sehen jetzt weiter Luft nach oben. Der Mutterkonzern Fresenius, der im MDax notiert ist, legte um 3,9 Prozent zu.

Auch die Papier von Eon verteuerten sich. Die UBS hatte den Wert von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 106 auf 130 Euro angehoben. Eon legte 1,6 Prozent zu. Die Aktien des Autokonzerns DaimlerChrysler profitierten von dem Januarabsatz der Mercedes Car Group und legten 0,5 Prozent zu. Demnach verkaufte die MCG im Januar 77.000 Autos, 5.000 mehr als vor einem Jahr. Tui-Aktien gingen um 1,6 Prozent nach oben, weil sich Anleger offenbar eine hohe Rendite aus dem neuen Joint Venture mit dem Kreuzfahrtanbieter Aida erhoffen.

Die Deutsche Börse verbilligte sich hingegen um 1,7 Prozent. Hier wirkten die Pläne einiger deutscher Banken, mit einem eigenen Handelssystem der Deutschen Börse Konkurrenz zu machen, offenbar weiterhin als Kursbremse. Auch die Papiere von MAN gaben 0,4 Prozent ab. Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern übertraf zwar 2006 vor allem wegen des Lastwagen-Booms die Erwartungen der Analysten und will auch 2007 weiter wachsen, Analysten verweisen allerdings auf den hohen Kurs und "Gewinnmitnahmen".

MDax hat's auch nicht geschafft

Beim MDax stand das Knacken der 10.000-Punkte-Marke auf der Agenda. Kurz vor Ziel machte der Index kehrt und schloss bei 9.927 Punkten. Unter Druck waren besonders die Aktien des Maschinen- und Anlagenbauers IWKA. Der Konzern hatte am Morgen seine roten Zahlen vorgelegt. Außerdem blieb der Umsatz unter den Erwartungen der Analysten, die Aktie fiel um 3,1 Prozent.

Aktien des Düngemittelherstellers K&S gaben zwei Prozent nach. Gerüchte aus Israel und Russland, wonach auf dem chinesischen Kalisalzmarkt geringer als erwartete Preissteigerungen vereinbart wurden, drückten auf den Kurs. Dies schwäche das Sentiment, urteilten die Branchenexperten, obwohl K&S hauptsächlich den europäischen Markt bedient.

Zu den Gewinnern im MDax gehörten die Papiere der IKB. Die Aktie der Industriebank verteuerte sich um 2,7 Prozent, nachdem Dresdner Kleinwort das Anlageurteil von "Reduce" auf "Hold" sowie das Kursziel auf 30,70 Euro angehoben hat. Händler verwiesen zudem auf den Durchbruch einer charttechnischen Marke bei 32,90 Euro. Auch der Bezahlsender Premiere profitierte von einer Analysteneinschätzung. Unicredit hat das Kursziel auf 20 Euro angehoben, die Aktie steigt um 3,2 Prozent.

Pfeiffer hui, Solarworld pfui
Im TecDax legten die Aktien des Vakuum-Pumpenherstellers Pfeiffer Vacuum um vergleichsweise magere 1,5 Prozent zu. Der Konzern hatte am Morgen mitgeteilt, dass er im vergangenen Jahr bei Umsatz und Rendite die eigenen Ziele übertroffen habe. Auch die Ordereingänge waren ordentlich, so dass die WestLB das Kursziel für die Aktie von 63 auf 76 Euro anhob.

Der Softwarehersteller IDS Scheer verteuerte sich um 2,7 Prozent. IDS Scheer hat vom niederländischen Verteidigungsministerium einen Auftrag für die Prozessesoftware Aris erhalten. Der Vertrag laufe sechs Jahre, teilte das saarländische Unternehmen mit.

Die Solarwerte, die am Montag wegen einer guten Q-Cells-Bilanz haussierten, konnten die Gewinne nicht halten. Solarworld verlor 8,3 Prozent, Conergy 4,7, und Q-Cells 1,4 Prozent.

Air Berlin fliegt voller
Air Berlin hat im Januar erneut mehr Passagiere befördert. Die Zahl der Fluggäste der zweitgrößten deutschen Fluglinie stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um neun Prozent auf 1,2 Millionen. Auch die Auslastung verbesserte sich, um 1,9 Prozentpunkte auf 64,9 Prozent. Die Aktie legte um 1,1 Prozent zu.

Fluxx gewinnt
Der Glücksspielkonzern Fluxx verbuchte ein auffälliges Kursplus von 15 Prozent. Die Fluxx-Tochter Jaxx hat eine britische Sportwettenlizenz ergattert. Das Unternehmen bezeichnete den Eintritt in den britischen Wettmarkt als "wichtigen Meilenstein" in der europäischen Wachstumsstrategie.

BKN Bios IPO
Ein weiterer Anbieter von Biokraftstoffen ist von nun an der Börse notiert. Die Aktien des Unternehmens BKN Biokraftstoffe Nord sind in den Entry Standard gestartet. Sie wurden zu einem Preis von 6,50 platziert. Aus dem Xetra-Handel gingen sie mit einem außerordentlich eindeutigen Tagesplus von 38 Prozent bei 9,00 Euro.

Dax-Chart realtime

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Unternehmen:
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Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer