Marktbericht 20:08 Uhr

Dax durchbricht nächste Schallmauer "10.000 - wir kommen!"

Stand: 15.01.2014, 20:08 Uhr

Weltweit zogen am Mittwoch die Aktienmärkte an. Den größten Sprung unter den wichtigsten Indizes machte der Dax. Er schloss erstmals über 9.700 Punkten. Denn die guten Aussichten für die Weltwirtschaft nützen vor allem den deutschen Firmen. Schon träumen Anleger vom ganz großen Wurf.

Die Euphorie der Anleger ist nicht zu bremsen. "10.000 - wir kommen", schallte es aus den Handelssälen am Mittwochnachmittag.  Zeitweise lag der Dax mit 9.747 Punkten nur noch gut 250 Zähler unter der magischen Marke. Er schloss mit 9.734 Zählern so hoch wie nie. Vor allem am Terminmarkt wetten die Anleger darauf, dass der Dax spätestens bis zum Großen Verfall der Index-Future im März die 10.000 Punkte knackt. "Da ist richtig Dampf im Kessel", sagte ein Börsianer.

Auch an den europäischen Aktienmärkten standen die Ampeln voll auf grün. Der Leitindex EuroStoxx50 stieg um 1,6 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 3.168 Zählern. Ähnlich starke Kursgewinne verzeichneten die Börsen in London, Paris, Madrid und Mailand.

Weltbank rechnet mit anziehender Weltkonjunktur

Für Kauflaune sorgte die Zuversicht der Weltbank. Sie hob die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft von zuletzt drei auf 3,2 Prozent an. 2013 war das Plus bei 2,4 Prozent gelegen. Das ist gut für deutsche Aktien. "Deutschland ist einer der größten Profiteure einer anziehenden Weltkonjunktur", erklärte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

"Short Squeeze" im Dax

Händler erklärten den starken Anstieg des deutschen Leitindex auch mit einem "Short Squeeze". Nachdem am Dienstag einige Anleger auf fallende Kurse gesetzt hätten und damit falsch gelegen wären, haben sie sich nun eindecken müssen, um den Irrtum wieder auszugleichen.

S&P 500 knackt neue Bestmarke

Als zusätzliche Stütze erwies sich die Wall Street. Sie weitete in den ersten Handelsstunden die Kursgewinne aus. Der Dow legte 0,8 Prozent zu und überschritt zeitweise die 16.500 Punkte. Der breiter gefasste Index S&P 500 erreichte mit 1.850 Punkten ein neues Allzeithoch.

Aufschwung in den USA festigt sich

Neue Konjunkturdaten signalisierten, dass die US-Wirtschaft wieder in Schwung kommt. So hellte sich die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York im Januar überraschend stark auf und kletterte auf den höchsten Wert seit mehr als anderthalb Jahren. Der Empire-State-Index stieg von 2,22 Punkten im Vormonat auf 12,51 Zähler. Die Erzeugerpreise erhöhten sich um 1,2 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Am Abend teilte die Fed in ihrem Beige Book mit, dass die US-Wirtschaft im Dezember in den meisten Regionen weiter gewachsen sei, wenn auch nur moderat.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1702
Differenz relativ
+0,15%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.199,72
Differenz relativ
-0,10%

Lufthansa hebt ab

Top-Gewinner an den Börsen waren die Luftfahrtaktien, allen voran die Lufthansa mit einem Plus von rund 4,5 Prozent. Die Titel von Fraport stiegen um rund drei Prozent. Die Luftfahrttitel profitierten von Spekulationen über eine Aufhebung des Nachtflugverbots an den wichtigsten Flughäfen Deutschlands. Ein Bund-Länder-Papier schlägt vor, dass an wichtigen Drehkreuzen wie Frankfurt, München, Leipzig und Kön/Bonn Airlines Tag und Nacht Fracht fliegen können. Zudem trieb ein positiver Analystenkommentar der Citigroup die Aktien der Lufthansa an. Die Experten hoben das Kursziel auf 26,50 Euro an.

K+S-Aktie auf Sechs-Monats-Hoch

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,31
Differenz relativ
-0,92%

Zu den stärksten Werten im Dax gehörten auch die Aktien von K+S. Sie legten um über vier Prozent zu und waren mit 25,26 Euro so teuer wie zuletzt im Juli 2013. Das Unternehmen hat am Dienstag auf einer Investorenveranstaltung in New York das Gewinnziel bekräftigt. Demnach sei das Betriebsergebnis (Ebit I) 2013 auf mehr als 600 Millionen Euro geschrumpft.

Guter Tag für Bankaktien

Zu den Dax-Favoriten gehörten auch Finanztitel. Die Aktien von Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank zogen um rund drei Prozent an. Anleger zeigten sich erleichtert, dass die EZB beim Banken-Stresstest die Bewertung von Staatsanleihen zu Marktwerten ausgeschlossen hat. Zudem beflügelte die Bank of America mit ihren Zahlen die Banktitel. Das Institut konnte im vierten Quartal ihren Gewinn mehr als verachtfachen. Der Überschuss lag bei 3,18 Milliarden Dollar.  Bereits am Dienstag hatten JP Morgan und Wells Fargo Milliardengewinne für das abgelaufene Quartal verkündet.

RWE unter Strom, Gerüchte um Lanxess

RWE war erneut stark gefragt und schloss knapp drei Prozent höher. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtswidrigkeit der Stillegung des Atomkraftwerks Biblis wirkte nach. Die Lanxess-Aktien kletterten ins Plus dank Gerüchten, dass der französische Chemiekonzern Arkema an dem Dax-Konzern interessiert sein könnte. "Um Lanxess gibt es immer wieder Spekulationen zu Übernahmeinteressenten, die das Papier dann kurzfristig beflügeln. Bewahrheitet haben sie sich bisher nicht". meinte ein Börsianer.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,63
Differenz relativ
+0,19%
Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,64
Differenz relativ
+0,12%

Mifid II setzt Deutscher Börse zu

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
117,45
Differenz relativ
-0,13%

Zu den wenigen Verlierern im Dax zählte die Deutsche Börse. Die Papiere des Börsenbetreibers rutschten um über ein Prozent ab und hielten die rote Laterne. Die Deutsche Börse litt unter der in der Nacht zum Mittwoch beschlossenen neuen Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Mit strikteren Regeln für den Handel an Rohstoffmärkten und für den Hochfrequenzhandel wollen die EU-Staaten künftig Exzesse an den Börsen und Spekulationen mit Nahrungsmitteln eindämmen.

UBS treibt Stahlwerte an

Ebenfalls gesucht waren Aktien aus der zweiten Reihe. Der MDax kletterte auf ein neues Rekordhoch von 16.905 Zählern. Unter Volldampf standen die Stahlwerte. Die Aktien von Salzgitter kletterten um fast vier Prozent nach oben, die Titel von KlöCo stiegen um zwei Prozent. Sie profitierten von einem positiven Analystenkommentar der UBS. Die Schweizer nahmen Salzgitter in ihre Empfehlungsliste auf und strichen KlöCo von der "Least Preffered"-Liste.

Gagfah hebt Prognose an, Aktie fällt

Der Wohnungskonzern Gagfah aus dem MDax hat seine Ziele für das neue Jahr nach oben geschraubt und stellte die erste Dividende seit vier Jahren in Aussicht. Das operative Ergebnis (FFO) aus der Bewirtschaftung der Wohnungen soll 2014 um rund 35 Prozent auf 80 bis 82 Cent je Aktie steigen. Bisher war ein Plus von 25 Prozent angepeilt. Die Aktie fiel dennoch leicht wegen einer Abstufung durch JPMorgan.

Air Berlin droht Schlappe bei Flughafen-Klage

Nach anfänglichen Gewinnen drehte die Aktie von Air Berlin ins Minus. Die Chancen auf Schadensersatz wegen der geplatzten Eröffnung des neuen Berliner Flughafens sind gesunken. Der zuständige Richter beztweifelte am ersten Verhandlungstag des Prozesses, dass es zum Zeitpunkt der Verschiebung ein Vertragsverhältnis zwischen Air Berlin und der Betreibergesellschaft bestanden habe. Air Berlin fordert 48 Millionen Euro Schadensersatz.

Lob für Wirecard

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
188,10
Differenz relativ
-0,08%

Im TecDax war die Aktie von Wirecard Top-Gewinner mit einem Plus von fünf Prozent. Grund: Die Berenberg Bank das Kursziel für das Unternehmen von 28 auf 41 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Die Aktie des Zahlungsabwicklers habe noch deutlichen Spielraum nach oben, schrieb der zuständige Analyst. Die jüngste Zukaufsserie in Asien habe Wirecard die Tür zu Wachstumsmärkten geöffnet.

Manz zieht Millionen-Aufträge an Land

Manz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,60
Differenz relativ
0,00%

Kräftig aufwärts ging es mit der Aktie des Maschinenbauers Manz. Sie zog um sechs Prozent an. Das Unternehmen hat Neuaufträge im Geschäftsbereich Display im Volumen von 50 Millionen Euro erhalten. Diese werden bereits im ersten Halbjahr umsatz- und ertragswirksam.

Kalte Dusche von Schoeller-Bleckmann

Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) konnte im vergangenen Jahr vor allem aufgrund einer Auftragsdelle zu Jahresbeginn nicht an die Rekordwerte des Vorjahres anschließen. Der Gewinn vor Steuern schrumpfte auf 83 Millionen Euro. Die Erlöse gingen auf 458 Millionen Euro zurück. SBO blieb damit unter den Erwartungen. Die Aktie sackte um fünf Prozent ab.

Burberry glänzt

Dagegen konnten die Aktien des Luxusmode-Herstellers Burberry kräftig zulegen. Das britische Unternehmen steigerte im Weihnachtsquartal den Umsatz mit Trenchcoats, Taschen & co um 14 Prozent auf 634 Millionen Euro. Auch H&M verbuchte kräftige Zuwächse. Der schwedische Modekette erhöhte die Erlöse um zehn Prozent. Die Aktien stiegen um zwei Prozent.

Zwiespältige Ankündigungen der neuen GM-Chefin

Ihren ersten Auftritt auf der Automesse in Detroit verpatzte GM-Chefin Mary Barra. Sie rechnet in ihrem ersten Jahr an der Spitze des Autogiganten mit sprudelnden Gewinnen. Das operative Ergebnis dürfte sich aber nur "leicht verbessern", räumte sie ein. Da half auch nicht die Ankünmdigung, dass die GM-Aktionäre erstmals seit fast sechs Jahren wieder eine Dividende bekommen sollen. Die Aktien von General Motors gaben bis zum Abend nach.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
USA: NAHB-Index 9/18, 16:00 Uhr