Marktbericht 14:50 Uhr

Marktbericht positiv

"Für Entwarnung ist es zu früh" Dax: Wunden lecken

Stand: 12.10.2018, 14:50 Uhr

Da kann man nur staunen: Bei JPMorgan regnet es Milliarden. Das lässt hoffen auf eine starke Berichtssaison. Der Dax kann zum Ende der turbulenten Börsenwoche etwas Boden gut machen. Aber von Entwarnung will noch niemand sprechen.

"Für eine Entwarnung ist es definitiv noch zu früh", sagte Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer in Stuttgart. "Allerdings dürfte mittlerweile einiges eingepreist sein." Sollte sich ein Boden bilden, könnte dies einigen Anlegern wieder Kauflaune machen. An der Wall Street sah es am Nachmittag schon danach aus, als würden wieder einige Investoren einsteigen. Die US-Futures signalisierten Kursgewinne von über einem Prozent. Der Dax notiert am Nachmittag bei 11.620 Punkten und damit 0,7 Prozent höher, der EuroStoxx 50 bei 3.226 Zählern, 0,5 Prozent im Plus.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.589,21
Differenz relativ
-1,07%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.379,45
Differenz relativ
-1,27%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.211,59
Differenz relativ
-0,97%

Schwache Woche, schwaches Jahr

In der zu Ende gehenden Woche haben die Börsen weltweit Federn gelassen. Der Dax verlor rund vier Prozent und damit so stark wie zuletzt vor einem guten halben Jahr. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus im Leitindex auf rund zehn Prozent. Der Dow Jones büßte in dieser Woche sogar gut fünf Prozent ein. Er liegt aber im Jahresverlauf immer noch 1,4 Prozent im Plus.

Mnuchin: "Eine normale Korrektur"

Steven Mnuchin

Steven Mnuchin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Absturz der Kurse am Mittwoch und Donnerstag ist laut US-Finanzminister Steven Mnuchin "nur eine normale Korrektur". Die US-Konjunktur bleibe stark, sagte Mnuchin im US-Sender CNBC. Märkte hätten die Tendenz, "zu weit in beide Richtungen" auszuschlagen. Es sei gut, dass die Kurse sich am Freitag wohl erholen werden. 

"Es kann ganz schnell gehen"

Börsianer sprachen gleichwohl von einer wachsenden Nervosität. "Die letzten Tage haben gezeigt, dass es plötzlich ganz schnell gehen kann." Auslöser der Verkaufswelle, die vor allem Technologiewerte erfasste, waren Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einer Konjunkturschwäche und Handelskonflikten. "Mittlerweile steht die Angst vor einer Abschwächung des weltweiten Wachstums im Fokus", sagte Helaba-Analyst Christian Schmidt. Auch die Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Fed, der Brexit und die Haushaltspolitik Italiens spielten eine Rolle. Der Handelskonflikt USA/China belastete on top, vor allem Autoaktien.

Jetzt aber lenkt die beginnende Berichtssaison in den USA den Blick wieder stärker auf Unternehmensdaten – und da ist der Auftakt der US-Banken recht vielversprechend.

Euro rutscht ins Minus

Am Devisen-Markt rutscht der Euro nach einem anfänglichen Ausflug über die Marke von 1,16 Dollar ins Minus. Aktuell notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1563 Dollar. Von der Konjunkturfront kommen zum Wochenschluss unterschiedliche Signale.

Überraschung: Euro-Industrie steigert Produktion

Die Industrie in der Euro-Zone hat nach zwei schwächeren Monaten ihre Produktion im August überraschend kräftig hochgefahren. Die Unternehmen stellten 1,0 Prozent mehr her als im Juli, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet

In den einzelnen Ländern entwickelte sich die Produktion sehr unterschiedlich. In Deutschland etwa stagnierte sie, da die Autoindustrie Probleme mit der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP kämpft und zeitweise die Produktion drosseln oder sogar einstellen musste.

Teures Benzin und Heizöl treiben Inflation nahe 7-Jahres-Hoch

Die Verbraucherpreise lagen im September um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Eine höhere Inflation gab es nach Angaben der Statistiker zuletzt im November 2011 mit 2,4 Prozent. Von August auf September 2018 erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent.

Die Wiesbadener Behörde bestätigte am Freitag ihre vor zwei Wochen veröffentlichten vorläufigen Zahlen. Im laufenden Jahr war der September der fünfte Monat in Folge mit einer Zwei vor dem Komma bei der Teuerungsrate. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunktur an.

Risikolust zieht an – auch am Ölmarkt

Am Ölmarkt geht es zum Wochenschluss sachte aufwärts. Am Donnerstag waren die Ölpreise im Zuge der steigenden Risikoaversion noch deutlich gefallen, schließlich zählt auch Rohöl zu den vergleichsweise riskanten Anlagen. Der Goldpreis dagegen gibt einen Teil seiner jüngsten Kursgewinne preis und notiert aktuell bei 1.219 Dollar je Feinunze 0,4 Prozent tiefer.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,63
Differenz relativ
-1,80%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,29
Differenz relativ
-0,92%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.226,80
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+0,07%

Wirecard: 400 Euro ausgerufen

Im Dax sind die Aktien von Wirecard weiter auf Erholungskurs. Trotz des vorherigen Kursrutsches bleiben Analysten positiv. Sie honorieren die jüngst präsentierten Langfristziele des Konzerns. Holger Schmidt vom Bankhaus Metzler bezeichnet die Wachstumsziele zwar als ambitioniert, aber glaubwürdig. Für Analyst Antonin Baudry vom britischen Bankhaus HSBC ist es zwar zu früh, um die Ziele jetzt schon in das Bewertungsmodell einzuarbeiten. Aktuell lautet sein Kursziel noch 235 Euro. Er hält aber einen deutlichen höheren fairen Wert von 400 Euro für möglich, sofern es dem Zahlungsdienstleister gelingt, die "Vision 2025" in die Tat umzusetzen.

Neuer Umsatz- und Kurstreiber für Bayer

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat eine weitere Zulassung für den Gerinnungshemmer Xarelto den USA erhalten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Xarelto in Kombination mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur Behandlung von Patienten mit chronischer koronarer Herzerkrankung oder peripherer arterieller Verschlusserkrankung zugelassen.

Xarelto ist ein wichtiger Umsatztreiber im Pharmageschäft des Dax-Konzerns. Das Mittel wird außerhalb der USA von Bayer vermarktet, auf dem US-Markt selbst durch eine Tochter des US-Konzerns Johnson & Johnson.

Autobranche auf Erholungsfahrt

Erholt zeigten sich auch die Aktien der Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen sowie der Zulieferer Continental und Infineon. "Die Sektorstimmung ist an ihrem Tiefpunkt angekommen", schrieb Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI in einem Kommentar. Die Branche könne sich zum Jahresende hin wieder stabilisieren. Allerdings hat die Autoindustrie weiterhin mit der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP zu kämpfen.

VW von WLTP empfindlich getroffen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,58
Differenz relativ
-1,03%

VW hat im September wegen der neuen EU-Abgasregeln einen herben Dämpfer bei den Verkäufen erlitten. Weltweit lieferte der Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken 827.700 Fahrzeuge aus und damit 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In Westeuropa lag der Rückgang bei 41,5 Prozent, in Deutschland bei 45,2 Prozent.

Dennoch liege Volkswagen im bisherigen Jahresverlauf bei den Auslieferungen auf Rekordkurs, betonte Konzern-Vertriebschef Christian Dahlheim. Gleichwohl schlägt das neue Prüfverfahren bei VW am stärksten durch.

BMW hinkt Mercedes-Benz weiter hinterher

Bei BMW stagnieren die Verkäufe. Im September verkauften die Bayern kaum mehr Autos ihrer Stammmarke als vor einem Jahr. Sie wurden 200.710 BMW-Fahrzeuge los und damit 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das Unternehmen bleibt damit hinter dem Daimler-Rivalen Mercedes-Benz bei Oberklasse-Wagen. Die Stuttgarter haben trotz eines Absatzeinbruchs noch etwas mehr verkauft. In den ersten neun Monaten setzte BMW 1,57 Millionen Autos ab, Mercedes-Benz 1,72 Millionen. Immerhin: Vor einem Jahr lag BMW zu diesem Zeitpunkt noch deutlicher hinter den Stuttgartern.

BMW drückt der Schuh aber ganz woanders: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China wird teuer, der Konzern rechnet für 2018 mit einem Betrag von etwas unter 300 Millionen Euro, 2019 könnte es eine halbe Milliarde Euro sein.

Zalando - ganz vorsichtig wieder aufwärts

Analystenkommentare bewegten die Kurse. Die Aktien von Zalando stiegen deutlich, nachdem die Credit Suisse die Papiere des Online-Modehändlers auf "Outperform" gehoben hatte. Zwar senkten die Experten das Kursziel um 2 auf 38 Euro, sehen damit für den Kurs des Online-Modehändlers aber reichlich Aufwärtspotenzial. Zuvor war die Aktie vom Rekordhoch Anfang Juli bei über 50 Euro um mehr als ein Drittel eingebrochen. Das ist auch der Grund für die positive Resonanz von Credit Suisse. Risiken gingen allerdings von einem möglicherweise schwachen vierten Quartal und Jahresbeginn 2019 aus, warnte der Experte. Der Druck auf die Margen könne noch zunehmen.

Siltronic - das Schlimmste ist vorbei

Für Siltronic strichen die Experten der Berenberg Bank ihre Verkaufsempfehlung. Die Anteilsscheine des Wafer-Herstellers legten daraufhin um sieben Prozent zu und rangierten damit an der Spitze der MDax-Gewinner. Nach dem Kurseinbruch von rund 40 Prozent seit Anfang August sei das Schlimmste nun eingepreist, so die Bank. Eine voraussichtlich schwächere Nachfrage auf den Endmärkten für Halbleiter und damit einhergehend eine trübere Branchenstimmung dürften wohl weitgehend berücksichtigt sein. Einen positiven Impuls für die Papiere vermochte er jedoch nicht auszumachen. Anleger sollten folglich für einen Einstieg noch abwarten.

Hertha BSC will 40-Millionen-Anleihe platzieren

Hertha BSC will sich bis zu 40 Millionen Euro über die Börse besorgen: durch die Ausgabe einer Anleihe. Es wäre eine der größten Emissionen eines Fußball-Bundesligisten.  | mehr

Knorr-Bremse-IPO macht die Thieles noch reicher

Der Mut des Bremsenherstellers Knorr und der beratenden Banken, trotz heftiger Marktturbulenzen am geplanten Börsengang festzuhalten, hat sich ausgezahlt: Der erste Kurs knapp über dem Ausgabepreis von 80 Euro. Von 80,10 Euro ging es in der Spitze rauf bis auf 81,87 Euro. Der zweitgrößte Börsengang dieses Jahres in Deutschland spült Milliardär Heinz Hermann Thiele und seiner Tochter, die 30 Prozent ihrer Anteile am Münchner Bremsenkonzern verkaufen, 3,9 Milliarden Euro in die Taschen.  | mehr

Chinesen-IPO: Haier kommt nach Frankfurt

Der chinesische Hausgeräte-Hersteller Haier will bei seinem Börsengang in Frankfurt bis zu etwa 450 Millionen Euro einsammeln. Ab Montag bis zum 18. Oktober können Anleger die sogenannten D-Aktien zu einem Preis zwischen einem und 1,50 Euro zeichnen, wie Haier am Freitag mitteilte. Angeboten werden inklusive Platzierungsreserve bis zu 304,75 Millionen neue Aktien.

Haier ist das erste Unternehmen, das rund drei Jahre nach der Gründung der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex in Frankfurt ein Zweitlisting anstrebt. Bislang ist die Haier-Aktie nur in Shanghai notiert.

Tencent: Börsenpläne für Musiksparte auf Eis

Der chinesische Internetkonzern Tencent bringt seine Musiksparte vorerst nicht als eigenständige Firma an den Aktienmarkt, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Grund seien die weltweiten Kursturbulenzen. Das Musik-Streaming-Unternehmen habe in dieser Woche über die Preisspanne für die Aktien beraten wollen. Stattdessen habe es entschieden, mindestens bis November zu warten.  | mehr

bs

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr