Dax will weiter nach oben

Lothar Gries

Stand: 01.10.2007, 20:00 Uhr

Die Anleger zeigten sich am Montag in Kauflaune. Während der Dax die Marke von 7900 Punkten übersprang, erklomm der Dow Jones Index gar ein neues Allzeithoch. Grund war wieder einmal die Hoffnung auf eine Zinssenkung sowie die allmähliche Normalisierung der Kreditmärkte.

Die Aktienmärkte haben die neue Woche mit deutlichen Zuwächsen begonnen. Der Dax konnte im Abendhandel seine Gewinne weiter ausbauen und stieg um gut einen Prozent auf 7949 Zähler, 88 Punkte mehr als am Freitag. Die größten Gewinner waren die Bankwerte. Entscheidend dazu beigetragen hat die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen inden USA, nachdem bekannt wurde, dass sich die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe Amerikas im September eingetrübt hat. Zudem sind am Montag auch die Ölpreise kräftig gesunken. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im November sank bis zum Abend um 1,63 Dollar auf 79,99 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ging um 1,90 Dollar auf 77,27 Dollar zurück. Auch die Aussage der amerikanischen Bank Citigroup, dass sich die Lage auf den Finanzmärkten nach den Turbulenzen im Sommer allmählich normalisiere, sorgte für einen deutlichen Stimmungsumschwung. Der Dow Jones Index stieg gar über die Marke von 14 000 Punkten und erreichte ein neues Allzeithoch.

Tagesgewinner Hypo Real Estate

Deutlich zulegen kann die Hypo Real Estate nachdem bekannt wurde, dass sie die Übernahme der Depfa Bank bereits am Dienstag, und damit zwei Tage früher als bisher angekündigt, abschließen kann. Der Handel mit Depfa-Papieren wird voraussichtlich im Laufe des morgigen Dienstag ausgesetzt und dann eingestellt. Erholt zeigten sich der Informationsveranstalter H&R Wasag, der mit einem Plus von über fünf Prozent zu den größten Gewinnern im Sdax gehört. Auch die nach einer Gewinnwarnung um mehr als 30 Prozent eingebrochenen Papiere des Vermittlers von Immobilienfinanzierungen Interhyp legen um mehr als fünf Prozent zu. Im TecDax steigen die Papiere von Tele Atlas in Folge der Kaufpläne durch den niederländischen Navigationsgeräte-Hersteller TomTom.

K+S passt Prognose an
Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S erwartet, dass das operative Ergebnis im laufenden Jahr am unteren Ende der bisher bekanntgegebenen Gewinnprognose von 310 Millionen bis 325 Millionen Euro liegen wird. Grund sei der anhaltende Höhenflug des Euro gegenüber dem Dollar, teilte das im MDAX gelistete Unternehmen mit. Für das kommende Jahr zeigte sich der Konzern aber weiter zuversichtlich. Allein die in den Märkten bereits in diesem Jahr umgesetzten Preiserhöhungen sollten im kommenden Jahr zu einem deutlichen und damit Währungs- sowie andere Kosteneffekte überkompensierenden Umsatzanstieg führen, hieß es. Die Aktie brach im Späthandel deutlich ein.

Wyser-Pratte will Tui aufspalten
Die Spekulation um den Einstieg des US-Investors Guy Wyser-Pratte lässt die Papiere des Reisekonzerns weiter abheben. Mit einem Plus von 5,57 Prozent gehören sie zu den größten Tagesgewinnern im Dax. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Wyser-Pratte eine Aufspaltung von Tui und die Ablösung von Vorstandschef Michael Frenzel würden den Wert des Unternehmens steigern. Es gebe viele, die sich an der Party beteiligen wollten, so Wyser-Pratte. In welchem Umfang er weitere Anteile von Tui ewraerben werde, hänge von den Umständen ab. Er habe bereits zu anderen Tui-Eignern Kontakt gehabt, sagte der Investor. Auch die Lufthansa-Aktie liegt am Montag deutlich im Plus.

Nokia kauft Navi-Hersteller
Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia steigt ins Geschäft mit Navigationssoftware ein und übernimmt den amerikanischen Anbieter Navteq. Der Kaufpreis beträgt einschließlich Optionen 8,1 Milliarden Dollar (5,7 Mrd Euro), wie Nokia am Montag in
Helsinki mitteilte. Navteq mit Sitz in Chicago ist einer der weltgrößten Anbieter von elektronischen Landkarten, die vor allem für Navigationssysteme in Autos verwendet werden. Sie können aber auch in Handys und anderen mobilen Geräten verwendet werden. Die Aktie von Nokia verliert zwei Prozent.

Postbank gewinnt
Nach dem kräftigen Einbruch in den vergangenen Monaten von gut 25 Prozent profitiert die Aktie des Kreditinstituts heute von einer Herausstufung durch die UBS. Ein wenig Balsam für die Seele der Postbank-Anleger. Die Aktie beendet den Xtera-handel mit einem Plus von 4,45 Prozent.

Toyota treibt DaimlerChrysler
Auch DaimlerChrysler sind am Montag angesprungen und gewannen mehr als zwei Prozent auf 72,18 Euro. Händler begründeten den Kursanstieg mit Gerüchten, wonach der japanische Autobauer Toyota Motor bei DaimlerChrysler einsteigen wolle. Börsianer beurteilten die Spekulation jedoch skeptisch: "Das Chartbild sieht gut aus, so dass jedes Gerücht willkommen ist, um den Kurs nach oben zu treiben", hieß es.

VW: Rekordabsätze mit Brummis
Die VW-Aktie steigt um 1,6 Prozent. Der Volkswagen-Konzern liegt im laufenden Jahr mit seiner Nutzfahrzeugsparte auf Rekordkurs. Wie der Sprecher des Markenvorstandes, Stephan Schaller am Sonntag sagte, lieferte VW in den ersten neun Monaten des Jahres rund 354.000 leichte Nutzfahrzeuge, Großraumlimousinen, Reisebusse und schwere Lkw aus. Auch für das Gesamtjahr sieht sich die Sparte auf einem Rekordniveau.

T-Aktie unbeeindruckt
Die Papiere des Telekom-Konzerns beenden den Handel mit einem leichten Plus, obwohl das Unternehmen endlich einen neuen Chef für seine IT-Sparte T-Systems gefunden. Es ist der Deutschlandchef des US-IT-Dienstleisters EDS, Reinhard Clemens. EDS galt bereits als strategischer Partner für T-Systems. Zudem steht das Unternehmen offenbar kurz vor dem Verkauf der Telefonauskunft. Als möglichen Käufer nennt die "WirtschaftsWoche" die US-Gesellschaft Infonxx.

Celesio im Ausverkauf
Die Senkung der langfristigen Wachstumsziele beim Pharmahändler vom Freitag macht sich am Montag mit deutlichen Kursverlusten bemerkbar. Die Aktie im MDax bricht um knapp 13 Prozent ein. Das Unternehmen hatte nach Umsatzproblemen in Großbritannien seine Ziele nach unten korrigiert und geht nun nicht mehr von einem zweistelligen Wachstum in den Jahren 2006 bis 2010 aus.

MLP nach vorn
Im MDax in Front liegen am Montag die Papiere von MLP. Eine Kaufempfehlung durch die Citigroup lässt die Aktie des Finanzdienstleisters um mehr als 11 Prozent steigen. Auch Wincor Nixdorf-Aktien liegen deutlich im Plus, nachdem das Unternehmen ein weiters Aktienrückkauf-Programm angekündigt hat.

Bieterstreit um Freenet?
Die Aktie des Internet-Dienstleisters im TecDax muss einen Teil ihrer Tagesgewinne wieder abgeben, steigt aber noch um gut drei Prozent. Am Markt wird auf eine Bieterschlacht um das Unternehmen gewettet. Die beiden Partner Drillisch und United Internet stehen offenbar kurz vor der Veröffentlichung eines offiziellen Übernahmeangebots für den Konkurrenten Freenet. Wie die "Financial Times Deutschland" schreibt, soll eine Offerte von bis zu 24 Euro je Aktie vorgelegt werden. Zudem soll sich auch ein Konsortium aus Finanzinvestoren für Freenet interessieren.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)