Marktbericht 20:02 Uhr

Anleger auf der Flucht Dax wieder vierstellig

Stand: 18.09.2015, 17:45 Uhr

Ob die US-Notenbank damit gerechnet hatte? Statt Erleichterung hat der Aufschub der Zinswende an den Aktienmärkten für Verunsicherung gesorgt - und die Anleger in die Flucht geschlagen. Besonders heftig war die Reaktion in Europa.

Der Dax verliert drei Prozent oder 313 Punkte und schließt bei 9.916 wieder unter der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 Punkten. Damit büßt der Leitindex im Wochenverlauf 2,05 Prozent ein. Ähnlich hohe Verluste von mehr als drei Prozent verzeichnet auch der Euro Stoxx 50. Er geht auf 3.157 Zähler zurück.

Der Dax rauscht gleich zu Handelsbeginn in die Tiefe und baut seine Verluste im Tagesverlauf immer weiter aus. Am Nachmittag summiert sich das Minus zeitweise auf 3,5 Prozent, der Leitindex gibt in der Spitze bis auf 9.861 Punkte nach.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

In die Flucht geschlagen werden die Anleger neben dem großen Verfallstag vor allem von der Entscheidung der US-Notenbank Fed, den Leitzins unverändert zu lassen. Niedrige Zinsen sind an den Aktienmärkten zwar willkommen, doch hat die Fed ihre Entscheidung vom Donnerstag mit den Sorgen um den Zustand der Weltwirtschaft und vor allem um China begründet und damit die Furcht vor einer sich abschwächenden Konjunktur wieder angefacht.

"Vertrauen der Marktteilnehmer nicht verspielen"

Zudem heizt die Verschiebung der Zinswende die Diskussion um die Geldpolitik wieder an. Deshalb dürfte vor den nächsten Sitzungen der Fed Ende Oktober und Mitte Dezember das Rätselraten erneut anfangen. "Die Unberechenbarkeit der Fed sorgt für hohe Nervosität", urteilten die Analysten der Metzler Bank. "Wichtig wird sein, dass die Fed in ihrer Kommunikation glaubhaft bleibt, um das Vertrauen der Marktteilnehmer nicht zu verspielen", betonte Ralf Frank vom Investmentverband DVFA.

Auch charttechnisch ist der deutsche Leitindex jetzt angeschlagen. Sollten er die wichtige Unterstützung um die 9.880/900 Punkte unterschreiten, drohe gar ein weiterer Rückgang in Richtung 9.300 Punkte und damit in die Region um sein bisheriges Jahrestief, prophezeien die Experten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Es gibt auch Experten, die den Hauptgrund für die hohen Verluste im Dax beim "Hexensabbat" sehen. Letztlich habe sich ja fundamental durch die ausgefallene Leitzinswende nichts geändert. Tatsächlich reagieren die Anleger an der New Yorker Börse, wo es keinen Verfallstag gab, besonnener. Der Dow Jones-Index notiert zwar im Minus, verliert bei Börsenschluss in Frankfurt 1,75 Prozent auf 16.380 Punkte.

Euro gibt wieder ab

Der Euro muss bis zum Börsenschluss einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben und fällt auf 1,1370 Dollar zurück. Bis zum Mittag war die Gemeinschaftswährung noch auf 1,1460 Dollar gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit Ende August.

Adidas an der Spitze

Die Adidas-Aktie gehört zu den ganz wenigen Gewinnern im Dax. Die britische Investmentbank HSBC hat den Wert von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 79 auf 84 Euro angehoben. Dem Sportartikelhersteller werden überraschend starke Wachstumsaussichten für 2015 und 2016 zugebilligt - besonders in Schwellenländern wie China.

RWE und Eon wieder am Dax-Ende

Dagegen ist sind die beiden Versorger Eon und RWE wieder ans Dax-Ende gerutscht. Auf der heutigen Sitzung des RWE-Aufsichtsrats hat es offenbar noch keine Einigung zu der Frage gegeben, wer den scheidenden Vorstandschef Schneider beerben soll. Während die kommunalen Aktionäre für Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller plädieren, plädieren die anderen Aufsichtsräte für Ex-SAP-Finanzvorstand Werner Brandt. Die endgültige Entscheidung soll aber erst im kommenden Frühjahr stattfinden. Im Schlepptau ist auch Eon mit über fünf Prozent wieder ins Minus gerutscht.

Deutsche Bank tauscht aus

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Drittgrößter Verlierer im Dax ist die Deutsche Bank, die von höheren Zinsen profitiert hätte. Unterdessen wurde bekannt, dass Privatkundenvorstand Christian Sewing den Neustart der Sparte mit einer neuen Führungsspitze in Deutschland angehen will. Wilhelm von Haller und Peter Schedl, die das Privat- und Firmenkundengeschäft im Inland bisher gemeinsam geführt hatten, geben ihre Ämter zum Monatsende ab. Ein Sprecher der Bank bestätigte am Freitag entsprechende Informationen des Magazins "Der Spiegel". Sewing werde "zu gegebener Zeit" einen Nachfolger bestimmen, sagte er. Die Privatkundensparte steht vor einem großen Umbau.

Auto-Aktien unter Druck

Zu den größten Verlierern gehören auch die Autowerte, allen voran Daimler. Grund sind die neuen Ängste vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft sowie die Aufwertung des Euro nach der Fed-Entscheidung.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Post siegt vor Gericht

Die Deutsche Post hat im seit Jahren andauernden Streit mit der EU-Kommission erneut einen juristischen Erfolg errungen. Das EU-Gericht erster Instanz entschied am Freitag in Luxemburg, dass die EU-Kommission 2007 ihr Beihilfeprüfverfahren gegen die Post nicht ausweiten durfte. Zudem streiten die beiden Kontrahenten noch um Beihilfen für Beamtenpensionen.

Hella hat Sorgen

Kurz vor dem Aufstieg in den MDax überrascht der Autozulieferer Hella mit einer Hiobsbotschaft. Der Ausfall eines chinesischen Lieferanten hat im ersten Geschäftsquartal das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 27 Prozent auf 69 Millionen Euro gedrückt. Im Gesamtjahr rechnet Hella mit einmaligen Belastungen von bis zu 50 Millionen Euro. Das Ebit wird daher im gesamten Geschäftsjahr niedriger als im Vorjahr ausfallen. Die noch im SDax notierte Hella-Aktie bricht deutlich ein.

Phoenix Solar warnt

Aktien der Phoenix Solar brechen prozentual zweistellig ein. Das Photovoltaik-Systemhaus wird sein Ebit-Ziel für 2015 verfehlen. "Grund für die Unterschreitung ist die überraschende, kundenbedingte Absage eines größeren Photovoltaikprojekts in Asien; die Solaranlage wird nun gar nicht gebaut werden", teile das im Prime Standard gelistete Unternehmen mit. Das Ebit soll nun zwischen minus und plus einer Millionen Euro liegen - jeweils zwei Millionen schlechter als bisher in Aussicht gestellt. Die Umsatzprognose wurde dagegen bestätigt.

Intershop braucht Geld

Der Jenaer Softwareentwickler Intershop hat sein Kapital um 1,5 Millionen Aktien erhöht. Der Ausgabepreis lag bei 1,10 Euro je Aktie. Die Papiere wurden bei institutionellen Investoren platziert. Das Bezugsrecht war ausgeschlossen worden.

lg

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln