Marktbericht 20:02 Uhr

Schlechte Konjunkturdaten Dax wieder unter 10.000

Stand: 14.10.2015, 20:02 Uhr

Nach einer der besten Wochen des Jahres ist der Dax am Mittwoch erneut auf Talfahrt gegangen. Schuld ist eine ganze Reihe von negativen Konjunkturdaten. Gewinnen die Bären damit wieder die Oberhand?

Man dürfe nicht vergessen, dass es nach der kräftigen Erholung in der Vorwoche auch einmal zu Gewinnmitnahmen komme, das sei normal, erklären Marktexperten. Doch einen Grund zur Freude gab es am Mittwoch auch nicht.

Zwar schafft es der Leitindex kurz ins Plus, auf ein Tageshoch bei 10.036 Punkten. Aber die wieder fallenden Kurse an der Wall Street lassen auch den Dax in Frankfurt erneut abtauchen. Am Ende geht der Leitindex bei 9.915 Zählern aus dem Handel, ein Minus von 1,17 Prozent.

Als Belastung für die Aktienmärkte erweist sich eine Reihe von enttäuschenden Konjunkturdaten. Am späten Nachmittag sorgte der weltgrößte Einzelhändler Walmart für Entsetzen. Der Konzern erwartet wegen Investitionen und dem starken Dollar im Fiskaljahr 2017 einen Gewinnrückgang pro Aktie von 6 bis 12 Prozent.

US-Einzelhandel schwächelt

Auch die schwachen Konjunkturdaten aus den USA drücken auf die Stimmung. So ist der Einzelhandelsumsatz im September mit 0,1 Prozent schwächer gestiegen als erwartet (0,2 Prozent). Ohne die Autoverkäufe sind die Einzelhandelsumsätze sogar um 0,3 Prozent gesunken. Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise im September unerwartet kräftig um 0,5 Prozent zurückgegangen. Damit werden die Erwartungen einer Zinswende noch in diesem Jahr weiter gedämpft.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 14.00 Uhr

"Die Schwäche der Umsatzzahlen bestärkt unsere Einschätzung, dass die Fed ihre Zinsen wahrscheinlich nicht vor dem kommenden Jahr anheben wird", schreibt Paul Ashworth, US-Experte beim Londoner Forschungsunternehmen Capital Economics. Offenbar hätten die gesunkenen Benzinpreise nicht dazu geführt, dass die Verbraucher das dadurch eingesparte Geld für andere Produkte ausgeben. Zudem habe das neue iPhone des US-Technologiekonzerns Apple den Umsatz nicht wie erhofft stützen können. Der Verkauf von Elektronikartikeln sei insgesamt zurückgegangen.

Zuvor waren aus China und der Eurozone schwächere Konjunkturdaten veröffentlicht worden. Auch hat die Bundesregierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 1,7 Prozent von zuvor 1,8 Prozent gesenkt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street sind die Kurse nach der Gewinnwarnung durch Wall Mart ebenfalls ins Minus gedreht. Bei Börsenschluss in Frankfurt am abend notiert der Dow Jones Index ein halbes Prozent im Minus bei 16.992 Punkten.

Euro beflügelt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Schützenhilfe erhalten die Dax-Bären am Mittwoch vom Devisenmarkt. Die enttäuschenden US-Daten haben den Euro beflügelt und auf ein neues Tageshoch bei 1,1444 Dollar geschickt, nachdem er zuvor wieder unter die 1,14 Dollar gerutscht war. Auch die Äußerungen von Fed-Mitglied Daniel Tarullo brachten der Gemeinschaftswährung neuen Schwung. Der Notenbanker hat sich gegen eine Leitzinsanhebung noch in diesem Jahr ausgesprochen. Er will erst Hinweise für eine steigende Inflation sehen.

Vonovia: Deutsche Wohnen möchte nicht

Im Dax und MDax sorgen die Immobilienwerte für Aufmerksamkeit. Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia torpediert die Fusion zwischen den Konkurrenten Deutsche Wohnen und LEG - und will Deutsche Wohnen schlucken. Deutsche-Wohnen-Aktionäre sollen für elf ihrer Aktien sieben Vonovia-Papiere sowie eine Barzahlung von 83,14 Euro bekommen. Deutsche Wohnen wies das Angebot zurück. Während die Vonovia-Aktien weiterhin der mit Abstand schlechteste Wert im Dax sind, legen die Papiere der im MDax notierten Deutsche Wohnen um zwei Prozent zu.

Daumen runter für Linde

Zweitschlechtester Dax-Wert nach Vonovia ist die Linde-Aktie. Die Schweizer Großbank UBS hat den Titel von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 157 auf 136 Euro gesenkt. Für den Industriegasekonzern drohe 2016 und 2017 aus einigen Richtungen Gegenwind.

Eon verkauft an Fridman

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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+1,52%

Dagegen hat es der Versorger Eon nach dem Rückgang vom Vortag an die Dax-Spitze geschafft. Der vom russischen Milliardär Michail Fridman kontrollierte Förderkonzern Dea Deutsche Erdöl AG übernimmt das gesamte Öl- und Gasgeschäft von Eon in Norwegen. Die Transaktion im Wert von 1,6 Milliarden Dollar umfasst Beteiligungen an 43 Lizenzen inklusive Partnerbeteiligungen an drei produzierenden Öl- und Gasfeldern.

VW: Absatz von Seat eingebrochen?

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Vorzugsaktien von Volkswagen sind am Mittwochnachmittag nach einem Zeitungsbericht über einen Absatzeinbruch bei der Konzerntochter Seat unter Druck geraten. Binnen weniger Minuten rutschte der Kurs von einem Plus von rund 3 Prozent ins Minus. Bei Börsenschluss notiert die Aktie nur noch knapp im Plus. Zuvor hatte Bosch-Chef Volkmar Denner für Entspannung gesorgt mit der Aussage, dass der Abgasskandal bisher noch keine Auswirkungen auf den Dieselmarkt gehabt habe. Derweil vermeldet "Auto Bild", dass der bisherige Skoda-Chef Winfried Vahland (58) das Unternehmen verlässt und damit doch nicht - wie Ende September zunächst verkündet - neuer Chef für die neu geschaffene Region Nordamerika wird.

Wacker Neuson kassiert Prognose

Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson hat wegen des trüben Geschäftsumfelds in den Schwellenländern seine Prognose gesenkt. Der Umsatz werde im laufenden Jahr zwischen 1,35 und 1,40 Milliarden Euro liegen statt bei 1,40 bis 1,45 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die operative Rendite (Ebit-Marge) werde stärker als erwartet auf 7,0 bis 8,0 Prozent sinken. Die bricht im späten Handel ein.

Leoni: Weiter abwärts

Die Leoni-Aktie fällt nach der gestrigen Prognosekürzung weiter und ist einer der schwächsten Werte im MDax. Negative Analystenstimmen treiben den Kursverfall voran. Exane BNP und Deutsche Bank haben ihre Kursziele drastisch gekürzt auf nunmehr 41 respektive 30 Euro. Die DZ Bank hat den Autozulieferer von ihrer "Equity Ideas Long"-Liste gestrichen.

Drägerwerk warnt schon wieder

Im TecDax stürzt die Drägerwerk-Aktie um fast 19 Prozent ab. Der Medizintechnikkonzern hat erneut seine Jahresprognose kassiert. Der Konzern rechnet für 2015 nur noch mit einer operativen Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 2,5 bis 4,5 Prozent statt der zuvor angepeilten fünf bis sieben Prozent.

Software AG enttäuscht

Auch die Software-AG-Aktie verbucht herbe Verluste. "Die vorläufigen Zahlen sehen gut aus, auf den ersten Blick - aber nicht mehr bei genauerer Analyse", sagte ein Händler. Beim Hauptumsatzträger Digital Business Plattform (DBP) blickt die Software AG pessimistischer auf das Gesamtjahr. Der schwächere Grundtrend bei DBP sei besorgniserregend, so der Händler .

Fraport vor Übernahme

Die griechische Privatisierungsbehörde will den geplanten Verkauf von 14 Regionalflughäfen an Fraport bis zum Jahresende in trockene Tücher bringen. Sie gab am Mittwoch außerdem bekannt, dass der Frankfurter Konzern sowie zwei weitere Bieter ihre Offerten verlängert hätten. Ein Fraport-Sprecher bestätigte dies für sein Unternehmen. Es war zusammen mit dem griechischen Partner Copelouzos im November 2014 als Favorit aus einem Bieterrennen für die Flughäfen hervorgegangen. Die Fraport-Aktie notiert leicht im Minus.

US-Banken mit gemischten Zahlen

Die Bank of America ist wieder in der Gewinnzone. Im dritten Quartal verdiente das zweitgrößte US-Geldhaus nach Angaben von Mittwoch unter dem Strich 4,07 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Verlust ausgewiesen. Auch die vorwiegend im Privatkundengeschäft tätige Bank Wells Fargo hat im dritten Quartal pro Aktie etwas mehr verdient als erwartet. Am Vorabend hatte JPMorgan einen um 22 Prozent gestiegenen Überschuss vermeldet, blieb aber unter den Erwartungen der Analysten.

Blackrock bleibt solide

Der weltgrößte Vermögensverwalter verdiente im Dreimonatszeitraum 843 Millionen Dollar netto, das entspricht fünf Dollar pro Aktie und ist ein kleiner Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 917 Millionen Dollar. Analysten hatten Blackrock nur 4,58 Dollar Gewinn je Aktie zugetraut.Die Aktie des Finanzgiganten kann sich gut behaupten.

Intel mit starkem Rechenzentren-Geschäft

Ein starkes Geschäft mit Prozessoren für Rechenzentren hilft dem Chip-Riesen Intel über die Schwäche des PC-Marktes. Der Umsatz des Halbleiter-Marktführers blieb im dritten Quartal mit 14,5 Milliarden Dollar praktisch auf Vorjahresniveau. Der Gewinn sank im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar.

SanDisk stellt sich zum Verkauf

Der Datenspeicher-Hersteller SanDisk will sich einem Medienbericht zufolge selbst zum Verkauf stellen. Das US-Unternehmen spreche mit dem Chipkonzern Micron Technology und dem Festplatten-Produzenten Western Digital über eine milliardenschwere Übernahme, berichtete die Agentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen.

Schwaben zieht es zur Euronext

Das schwäbische Biotech-Unternehmen Curetis will sich über einen Börsengang in Amsterdam und Brüssel Geld für seine nächsten Wachstumsschritte besorgen. Die 2007 gegründete Firma aus Holzgerlingen bei Stuttgart hat ein Verfahren zur schnellen Diagnose von schweren Infektionskrankheiten entwickelt. Mit den Erlösen solle die weltweite Vermarktung angeschoben werden, sagte Vorstandschef Oliver Schacht.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"