Marktbericht 20:02

Sorge vor einer Eskalation im Ukraine-Konflikt Dax wieder unter 9.600 Punkte

Stand: 02.05.2014, 20:02 Uhr

Weder frische Übernahmespekulationen um die Telekom-Tochter und in der Pharmabranche noch gute US-Arbeitsmarktdaten konnten dem deutschen Aktienmarkt am Freitag neuen Schwung verleihen. Im Gegenteil. Die Ukraine-Krise vermieste den Anlegern die Stimmung.

Der Daxte zwar wiederholt die Schwelle von 9.600 Punkten überschritten, konnte seine Gewinne aber nicht halten und rutschte kurz vor Handelsschluss deutlich ins MInus. Er schließt knapp ein halbes Prozent (0,49 Prozent) tiefer bei 9.556 Punkten. Zeitweise war der Leitindex sogar auf 9.533 Zähler gerutscht. Auf Wochensicht schaffte der Dax dennoch ein Plus von 1,6 Prozent. Im April hatte er rund ein halbes Prozent gewonnen.

Auch an der Wall Street bleiben die Anleger in Deckung. Der Dow Jones-Index eröffnete zwar freundlich und schaffte es im Handelsverlauf bis auf 16.620 Zähler, doch dann begannen die Anleger auch hier Kasse zu machen. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index 0,37 Prozent tiefer bei 16.498 Punkten. Viele Anleger gehen auf Nummer sicher, weil sie befürchteten, dass die Lage in der Ukraine am Wochenende eskaliert, sagte ein Händler.

Sorge vor einer Eskalation in der Ukraine

Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner meinte hierzu ebenfalls: „Wer möchte in solch einem Umfeld nach den bisherigen Kursverlauf schon auf dem falschen Fuss erwischt werden?“ Regierungstruppen hatten einen Angriff auf die prorussischen Milizen bei den Städten Slawjansk und Kramatorsk im Osten des Landes begonnen.

Zuvor hatten deutlich besser als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktdaten aus den USA die Kurse kurz beflügelt. Der Dax kletterte über die Schwelle von 9.600 Punkten, musste die Gewinne aber umgehend wieder abgeben. Den neuesten Zahlen zufolge wurden im April außerhalb der Landwirtschaft 288.000 neue Stellen geschaffen. Ökonomen hatten mit einem Plus von 218.000 gerechnet. Dadurch sank die Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent auf nun 6,3 Prozent zurück.

Furcht vor Wende der US-Geldpolitik

Die Zahlen nährten jedoch sofort Spekulationen auf eine vorzeitige Anhebung der US-Zinsen, hat doch die US-Notenbank ihre Geldpolitik eng an den Rückgang der Arbeitslosigkeit und eine Erholung der Wirtschaft gekoppelt. Dass die Fed nun schon bald ihren Leitzins anheben könnte, gilt zwar als ausgeschlossen, doch die Trendwende rückt näher. Bislang rechnen Börsianer für die zweite Hälfte 2015 mit einem solchen Schritt.

Belastet wurden die Märkte auch von den schwachen US-Industriedaten. Die Bestellungen stiegen um 1,1 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Bankvolkswirte hatten mit einem Anstieg um 1,5 Prozent gerechnet.

Euro nur kurz unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1305
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Der Euro ist am Freitag nach starken Arbeitsmarktdaten aus den USA vorübergehend deutlich unter Druck geraten. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3812 Dollar. Das war ein halber Cent weniger als das Tageshoch. Nach den deutlich schlechter als erwartet ausgefallenen US-Industrieaufträgen kletterte er wieder auf 1,3868 Dollar.

Bayer kurz vor Milliardenübernahme

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,10
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Nach dem Rückzug von Reckitt Benckiser steht nun Bayer offenbar kurz vor der zweitgrößten Übernahme der Firmengeschichte. Für rund 14 Milliarden Dollar werde der deutsche Aspirin-Hersteller wohl bald das Geschäft mit rezeptfreien Produkten des US-Pharmakonzerns Merck & Co kaufen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag der Agentur Reuters. Beide Firmen arbeiteten an letzten Details einer Vereinbarung, die schon in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden könne.

AstraZeneca lässt Pfizer erneut abblitzen

Derweil lässt der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca den Rivalen Pfizer trotz seiner höheren Milliarden-Offerte erneut abblitzen. Der Verwaltungsrat habe darin übereingestimmt, dass der neue Übernahmeversuch nicht ausreichend sei und das Angebot das Potenzial von AstraZeneca unterbewerte, teilte der Konzern am Freitag in London mit. AstraZeneca werde seinen Wert für die Aktionäre durch seine Investitionen in die Entwicklung neuer Medikamente und die Produktion in Großbritannien, Schweden und den USA weiter erhöhen, erklärte Verwaltungsratschef Leif Johansson. Den Aktionären wurde empfohlen, still zu halten.

T-Aktie einsame Spitze

Im Dax gehört die Telekom-Aktie zu den wenigen Werten, die auch am Freitag zulegen können. Neue Übernahmespekulationen um die Tochter T-Mobile US feuern den Titel an. Dass Morgan Stanley die Einstufung für die Telekom auf "Underweight" mit einem Kursziel von 9,30 Euro belässt, tut der guten Stimmung keinen Abbruch. Mehrere Medien berichten, dass Konkurrent Sprint mit Banken über die Finanzierung einer möglichen Übernahme von T-Mobile gesprochen habe.

BASF kann überzeugen

Zu den Gewinnern im Dax gehören auch die Aktien des weltgrößten Chemiekonzerns BASF. Anleger halten dem Titel trotz rückläufiger Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft und einem Ergebnisminus im ersten im ersten Quartal die Treue. Gestützt wird die Aktie auch von Analysten. So haben die Experten von Bernstein das Papier auf Outperform belassen.

MüRü und Eon ex Dividende

Die Liste der Verlierer im Dax wird angeführt von den Aktien der Münchener Rück und des Versorgers Eon. Beide Titel werden am Freitag ex Dividende gehandelt. Bei der Münchener Rück beträgt der Dividendenabschlag 7,25 Euro je Aktie, bei Eon 0,60 Euro je Anteilsschein. Auch bei der im MDax notierten RTL Group (4,50 Euro), Rational (sechs Euro) und bei Dürr (1,45 Euro) wird die Dividende abgeschlagen.

US-Absatzzahlen enttäuschen

Abgeben müssen auch die Autoaktien, allen voran Volkswagen. Grund sind enttäuschende Verlaufszahlen in den USA im April. BMW konnte den Absatz nur um magere zwei Prozent steigern, Mercedes legte immerhin 9,5 Prozent zu, Audi um 19 Prozent. Dessen Konzernmutter VW musste aber einen Rückgang um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,13
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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51,17
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,74
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Software AG im Rückwärtsgang

Im TecDax ist die Aktie der Darmstädter Software AG unter Druck geraten. Bei dem Software-Unternehmen sorgten im ersten Quartal hohe Investitionen für einen Rückgang des Gewinns um ein Drittel auf 18,6 Millionen Euro. Saisonbedingt und auch wegen ungünstiger Währungseffekte gingen die Umsätze um sieben Prozent auf 208,9 Millionen Euro zurück.

KlöCo an der Spitze

Der MDax wird angeführt von der Aktie des Stahlhändlers KlöCo. Die Deutsche Bank hat den Titel zum Kauf empfohlen. Das Kursziel wurde von 10,50 auf 13 Euro gelupft. Zur Begründung hieß es, das Unternehmen dürfte von einer konjunkturellen Erholung profitieren.

RBS überrascht den Markt

Aufwärts geht es mit der Aktie der britischen Bank RBS, nachdem sie einen verdreifachten Nettogewinn auf 1,2 Milliarden Pfund gemeldet hat. Das teilverstaatlichte Institut profitierte dabei von Einsparungen und geringeren Belastungen durch faule Kredite.

BSkyB mit mehr Kunden, aber weniger Gewinn

Der britische Bezahlsender BSkyB bleibt auf Wachstumskurs. 68.000 neue Kunden nutzten bis Ende März die Dienste des Unternehmens, insgesamt liegt die Kundenbasis nun bei mehr als 15 Millionen. Der Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres legte um 6,6 Prozent auf 5,67 Milliarden Pfund zu. Beim Gewinn, der um 15 Prozent auf 623 Millionen Pfund sank, machten sich Investitionen bemerkbar.

Deutz auf Erholungskurs

Im SDax kann der Motorenbauer Deutz punkten. Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent auf gut 414 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 18,2 Prozent auf 343 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg auf 1,9 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Deutz noch einen Verlust von 6,4 Millionen Euro ausgewiesen. Unter dem Strich schrieb das Unternehmen im ersten Quartal weiter rote Zahlen.

Senator Entertainment in den Miesen

Um mehr als 28 Prozent bergab geht es mit der Aktie von Senator Entertainment. Dem Filmproduzenten sind 2013 die Umsätze um 47 Prozent auf 27,1 Millionen Euro eingebrochen, weil das Unternehmen keinen vergleichbar gut laufenden Film wie 2012 in die Kinos bringen konnte. Damals hatte die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde" Senator einen Umsatzrekord beschert. Hinzu kamen außerplanmäßige Abschreibungen, die der Firma vor Steuern einen Verlust von 25,7 Millionen Euro einbrockten.

Auch Chevron unter Erwartungen

Fallende Preise haben den US-Ölkonzern Chevron auch zum Jahresstart belastet. Im ersten Quartal sackte der Gewinn um 27 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar ab. Analysten hatten mit mehr gerechnet. Schon zuvor hatten die britischen Rivalen BP und Shell über gesunkene Gewinne geklagt. Die Fördermenge ging im ersten Quartal bei Chevron auch wegen des strengen Winters zurück und zog damit den Umsatz nach unten. Die Erlöse sanken um 5,5 Prozent auf 51 Milliarden Dollar. Auch der Preis für Rohöl lag im ersten Quartal unter dem Vorjahreswert.

Buffett in Kauflaune

Berkshire Hathaway A: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
283.424,00
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-2,15%

Der legendäre Investor Warren Buffett fügt seinem Firmenimperium ein neues Unternehmen hinzu. Seine Firma Berkshire Hathaway kauft für 3,2 Milliarden kanadische Dollar den Stromnetzbetreiber AltaLink aus der Provinz Alberta, der drei Millionen Menschen mitversorgt. Das Buffett-Unternehmen hatte im vergangenen Jahr noch unter seinem alten Namen MidAmerican Energy den größten Energieversorger von Nevada für 5,6 Milliarden US-Dollar übernommen, der unter anderem das Spielerparadies Las Vegas mit Strom beliefert.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr