Dax wieder unter 7.200

Stand: 07.04.2011, 20:02 Uhr

Die Nachricht von einem neuen Erdbeben in Japans Nordosten hat an den Märkten Nervosität ausgelöst und die Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasst. Die Erhöhung der Leitzinsen ließ die Märkte dagegen kalt.

Wie bereits im elektronischen Handel rutscht der Dax auch am Abend unter die Marke von 7.200 Punkten. Der Leitindex schließt 25 Punkte tiefer (0,3 Prozent) bei 7.195.

"Die Meldung über eine neues Beben in Japan hat einen klar negativen Einfluss auf den Markt gehabt", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research im Hinblick darauf, dass die Katastrophe in Fukushima zuletzt wieder etwas in den Hintergrund gerückt war. Dass die EZB den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent angehoben hatte, sieht der Experte derweil als bereits eingepreist an und begründet damit die vergleichsweise geringe Marktreaktion auf den Beschluss.

Wegen positiver Konjunkturmeldungen - die Produktion der deutschen Industrie ist im Februar dreimal stärker gestiegen als erwartet - war der Dax im Tagesverlauf sogar bis auf 7.241 Punkte gestiegen.

Auch an der Wall Street kommt es am Abend zu Kursverlusten. Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Dow Jones-Index rund 60 Punkte (0,5 Prozent) auf 12.366. Experten glauben, dass die Märkte sich schon bald wieder auf die Wirtschaftsdaten konzentrieren werden, wenn sich die Schäden in Japan in Grenzen halten. Mit einem Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe setzte sich am Nachmittag die Serie ermutigender Signale vom US-Jobmarkt fort. Zudem fielen die vorläufigen März-Umsatzzahlen vom Einzelhandel nicht so schlecht aus wie befürchtet.

Heftige Bewegungen gibt es auch beim Euro. Nach einem Sprung über die Marke von 1,43 Dollar ist die Währung am Abend wieder unter diese Hürde gefallen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,45
Differenz relativ
-0,85%

Deutsche Bank holt auf
Zu den Favoriten im Dax gehört die Aktie der Deutschen Bank. Händler sprachen von einer Fortsetzung der gestern Nachmittag begonnenen Erholung, nachdem sich am Markt die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass das Bankhaus auf absehbare Zeit keine zweite Kapitalerhöhung durchführen wird.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,47
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-1,36%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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83,50
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-2,65%

Schlusslicht Cobank
Kräftig einstecken muss dagegen die Aktie der Commerzbank, sie rutscht ans Dax-Ende, nachdem sie gestern einer der stärksten Werte im Leitindex war. "Eigentlich hätte die Aktie gestern schon nachgeben müssen, da wegen der Kapitalerhöhung Anteile der Altaktionäre deutlich verwässert werden", sagte ein Händler. Deckungskäufe von Short-Positionen spekulativ orientierter Anleger hätten dies aber verhindert.

Zu den schwächsten Aktien im Dax gehören auch BMW und Volkswagen. Sie geben mehr als zwei Prozent ab. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen.

Will die Allianz Swiss Life?
Die Aktie der Allianz hat kurz vor Börsenschluss ihre Tagesgewinne fast vollständig eingebüßt. Grund sind Gerüchte über ein angebliches Interesse des Konzerns an einer Übernahme des Schweizer Lebensversicherers Swiss Life. Dessen Papiere stiegen in Zürich um 2,5 Prozent. Spekulationen zufolge soll die Allianz 180 Franken pro Swiss-Life-Aktie bieten. Ein Allianz-Sprecher wollte die Marktgerüchte nicht kommentieren. Ein Hedgefonds-Manager sagte, die Gerüchte seien sehr alt. Die Allianz habe mehrmals erklärt, dass sie im Bereich Lebensversicherungen nicht zukaufe, solange die neuen Solvency-II-Regeln nicht in Kraft getreten seien.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,93
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-0,72%

Eon macht Hoffnung
Die Aktie von Eon bleibt im Plus. Grund sind Spekulationen über Preisnachlässe seitens des russischen Energiekonzerns Gazprom. Sollte dies der Fall sein, wäre das eine gute Nachricht für Eon, weil deren Tochter Ruhrgas tief in den roten Zahlen steckt. Eon bestätigte lediglich, dass es Verhandlungen gebe.

Hochtief stürzen an MDax-Ende
Im MDax sorgt die Hochtief-Aktie für Wirbel. Die Papiere brechen um mehr als sieben Prozent ein, nachdem der Baukonzern seine Gewinnprognose für 2011 zurückgenommen hat. Grund sind Probleme bei der börsennotierten australischen Tochter Leighton. Das Unternehmen hat eine Aussetzung seiner Aktien für bis zu zwei Handelstage beantragt, weil es eine neue Prognose herausgeben möchte.

Citigroup lobt Stada
Dagegen gehört die Aktie von Stada zu den Favoriten im MDax. Die Citigroup hat das Papier von "Sell" auf "Hold" hochgestuft und das Kursziel von 22,00 auf 30,00 Euro angehoben. Der Generikahersteller dürfte trotz eines eingetrübten Ausblicks für das Deutschland-Geschäft seine Bruttomarge im laufenden Jahr mindestens halten können, schrieb Analyst Robert Dickinson in einer Studie. Er habe seine Gewinnprognosen für die Jahre 2011 bis 2014 um 16 bis 18 Prozent erhöht.

SGL Carbon weiter gefragt
Die Aktie des Graphitherstellers SGL Carbon schafft es heute an die MDax-Spitze. Seit dem Einstieg von Volkswagen hat das Papier um gut ein Drittel zugelegt. Gestern hatte das Unternehmen den Kauf eigener Aktien durch Führungskräfte gemeldet, darunter war auch Vorstandschef Robert Koehler. Er hat ein jährliches Umsatzwachstum von zehn Prozent in Aussicht gestellt.

Pfleiderer nun Pennystock
Steil bergab geht es mit der Aktie von Pfleiderer. Der Holzverarbeiter räumte auf der heutigen Hauptversammlung ein, im vergangenen Jahr einen Verlust von 345 Millionen Euro gemacht zu haben. In ersten Monaten 2011 rechnet Pfleiderer mit einem weiteren Kapitalverzehr. Die Anleger reagieren entsetzt und machen das Papier zum Pennystock.

Wettanbieter auf Talfahrt
Die geplante Neuordnung des deutschen Glücksspiel-Marktes hat die Aktien der europäischen Wettanbieter auf Talfahrt geschickt. Branchenschwergewicht Bwin Party Digital sieht sein Geschäft gefährdet. Der neue Glücksspiel-Staatsvertrag mache es Anbietern sehr schwer, Geld zu verdienen, schrieben die Analysten des Brokerhauses Peel Hunt. "In der Realität wird der Markt weiterhin von unlizensierten Wettanbietern dominiert werden."

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen