Dax wieder unter 7.000 Punkten

Stand: 28.03.2012, 20:01 Uhr

Schlechter als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten und der Mangel an Unternehmensmeldungen aus der ersten Reihe haben dem Dax am Mittwoch einen empfindlichen Dämpfer versetzt.

Der Leitindex verliert gut 80 Zähler oder 1,13 Prozent und schließt bei 6.999 Punkten auf seinem Tagestief. Im Abendhandel weitet der Dax seine Verluste sogar noch etwas aus auf 1,5 Prozent. Auch der Euro büßt ein und fällt am Abend unter die Marke von 1,33 Dollar.

Es habe an wirklich wichtigen Konjunkturdaten und Unternehmensnachrichten gefehlt, sagte Kapitalmarktexperte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Nachdem der Dax seit Jahresbeginn bereits um 20 Prozent gestiegen sei, hätten die Anleger den Tag genutzt, um den einen oder anderen Gewinn einzustreichen.

Ausgelöst wurde der Rückgang durch den enttäuschenden Auftragseingang langlebiger Güter in den USA, der im Februar nur um 2,2 Prozent statt wie erwartet um drei Prozent stieg. Nach Herausrechnung der schwankungsanfälligen Transportgüter stiegen die Aufträge im Februar mit 1,6 Prozent allerdings nur geringfügig weniger als die Prognose von 1,7 Prozent.

Begeisterung geraubt
Die enttäuschenden Konjunkturdaten haben auch der Wall Street einen Dämpfer verpasst. Nach einem Handelsstart praktisch auf Vortagesniveau drehten die Börsenbarometer im Verlauf deutlich ins Minus. Zeitwiese büßte der S&P-500 ein Prozent ein. Der schwächer als erwartet ausgefallene Anstieg der Auftragseingänge habe dem Markt die Begeisterung geraubt, sagte der New Yorker Anlagestratege Adam Sarhan. Auch die Hoffnung auf einen Rückgang der potenziell konjunkturschädlichen hohen Ölpreise konnte nicht für neuen Enthusiasmus sorgen.

Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,8 Prozent (100 Punkte) tiefer bei 13.097.

Die seit Jahresanfang um bis zu 13 Prozent gestiegenen Ölpreise gelten als Hindernis für ein schnelleres Wirtschaftswachstum. Hoffnung auf einen Preisrückgang schürten am Mittwoch Frankreich, Großbritannien und die USA, die ein Anzapfen ihrer Notreserven des wichtigen Rohstoffs erwägen. Die Bundesregierung will dagegen ihre eigenen strategischen Vorräte nicht angehen.

Infineon an Dax-Spitze
Unter den auf drei Gewinner geschrumpften Dax-Mitgliedern steht Infineon an oberster Stelle, noch vor der Fresenius-Familie. Exane BNP Paribas hat das Kursziel für den Chiphersteller von 7,30 auf 9,50 Euro angehoben und die Einstufung auf "Outperform" belassen. Er habe seine Gewinnschätzungen je Aktie für 2012 und 2013 um 25 respektive 17 Prozent erhöht, schrieb Analyst Jerome Ramel.

K+S bald allein zu Haus
Zu den zahlreichen Verlierern gehört dagegen die Aktie von K+S. Dessen früherer Großaktionär Eurochem hat seinen Anteil an dem Düngemittel- und Salzhersteller weiter reduziert. Der Stimmrechtsanteil des russischen Kaliunternehmens sei am 21. März auf gut ein Prozent gefallen, teilte der Kasseler Konzern mit. Die von dem Geschäftsmann Andrej Melnitschenko kontrollierte Eurochem hatte ihren Anteil bereits im vergangenen Juli auf weniger als zehn Prozent gesenkt.

Praktiker schmiert ab
Die schwer angeschlagene Baumarktkette Praktiker ist im vergangenen Jahr wegen des schwachen Geschäfts, vieler hausgemachter Probleme und der Sanierungsbemühungen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. 2011 ist ein Verlust von rund 555 Millionen Euro angefallen. Zudem ist das um finanziellen Spielraum ringende Unternehmen mit dem Vorhaben, die Zinslast zu senken, vorerst gescheitert. Kein Wunder, dass die Aktie zweistellig in den Heimwerker-Keller rauscht und damit die Liste der Verlierer im SDax anführt.

IVG-Anleger machen sich Hoffnung
Zweistellig bergauf geht es dagegen mit der IVG-Aktie. Dabei ist der Bonner Immobilienkonzern wegen Abschreibungen auf das Frankfurter-Flughafen-Projekt "The Squaire" in die roten Zahlen gerutscht und 2011 mit einem Verlust von 126 Millionen Euro abgeschlossen. Doch es gibt Hoffnung auf Besserung. Für 2012 erwartet der Vorstand ein ausgeglichenes Ergebnis. 2013 soll sogar ein substanzieller Gewinn erwirtschaftet werden.

Manz setzt auf Flachbildschirme
Um gut 3,5 Prozent zulegen kann dagegen die Aktie des Reutlinger Maschinenbauers Manz. Dabei rechnet das Unternehmen wegen der Flaute in der Solarbranche dieses Jahr nicht mit steigenden Umsätzen. Durch gute Geschäfte vor allem mit Flachbildschirmen will das Familienunternehmen seinen Vorjahresumsatz von 240,5 Millionen Euro (2010: 181,4 Millionen) aber zumindest halten. Mit Aufträgen im Wert von 104 Millionen Euro seien die Auftragsbücher gut gefüllt, teilte Manz mit. 90 Prozent der Aufträge seien dabei unabhängig von der Solarbranche.

Drillisch braucht Geld
Weniger gut kommen Drillisch und Freenet weg. Die geplante Drillisch -Schuldverschreibung mit Umtauschrecht auf Freenet -Aktien sorgt bei den Eignern beider Unternehmen für Verunsicherung. "Es ist völlig unklar, was Drillisch mit diesem Deal bezweckt", sagte ein Börsianer. Das sorgt für Irritationen und bringt die Aktien unter Druck.

United Internet hebt Dividende an
Das Papier von United Internet sprang bis auf ein Hoch bei 14,40 Euro mit bis zu 3,86 Prozent ins Plus, bröckelte dann aber auf sein Ausgangsniveau zurück. Der Internetkonzern mit Marken wie 1&1, GMX und Web.de will für 2011 statt 20 Cent jetzt 30 Cent Dividende zahlen, teilte das im TecDax gelistete Unternehmen überraschend mit.

Norma hat noch viel vor
Der Hersteller von Schlauch- und Rohrschellen Norma aus dem SDax kommt dagegen gut an. Das Unternehmen will nach einem Rekordjahr seine Expansion in neue Technologien und Märkte vorantreiben. "Wir wollen unsere globale Präsenz ausbauen und da hin, wo wir nicht so stark vertreten sind", sagte Firmenchef Werner Deggim auf der ersten Bilanzpressekonferenz nach dem vor rund einem Jahr erfolgten Börsengang des Unternehmens.

Stratec legt was drauf
Zu den stärksten Werten im TecDax gehört die Stratec-Aktie. Der Hersteller von Diagnosesystemen hat seine selbst gesteckten Ziele im abgelaufenen Jahr knapp erreicht. Der Umsatz legte um ein Siebtel auf 116,6 Millionen Euro zu, der Gewinn um rund 17 Prozent auf 15,3 Millionen Euro. Auch die Dividende soll steigen: um zehn Prozent auf 0,55 Euro je Aktie vor.

Solarworld pfui, Centrotherm hui
Größer Verlierer im TecDax ist dagegen die Aktie von Solarworld. Sie büßt mehr als sieben Prozent ein. Grund ist ein kritischer Kommentar von Equinet. Angesichts der Unwägbarkeiten in der Branche sollten Anleger mit Blick auf Solarworld lieber zurückhaltend bleiben, hieß es. Daher erneuerten die Analysten auch ihre Verkaufsempfehlung und senkten das Kursziel auf 2,70 von 3,10 Euro.

Die Aktie von Centrotherm wird dagegen von der WestLB hochgestuft, auf "Add" von zuvor "Neutral". Dank Großprojekten rechne sie für das laufende Jahr mit einer deutlichen Erholung des Auftragseingangs, schrieb Analystin Katharina Cholewa. Centrotherm steigt an die Indexspitze.

Euromicron wagt sich nicht vor
Verluste verbuchen die Titel des TecDax-Neulings Euromicron. Der Netzwerk-Spezialist überraschte aber kaum, die Zahlen entsprachen exakt den vorläufigen Ergebnissen, die bereits am 16. März bekannt gegeben worden waren. Das Unternehmen hat allerdings nur eine mittelfristige Prognose abgegeben. Danach strebt Euromicron weitere Umsatzsteigerungen und eine Ebit-Marge zwischen acht und elf Prozent an.

Postbank mit Griechen-Malus
Im vergangenen Jahr lief das operative Geschäft mit Privat- und Firmenkunden bei der Postbank bestens: Mit rund 1,4 Milliarden Euro vor Steuern wurde in diesem Segment ein Rekord erzielt. Die Griechenland-Krise verdarb der Postbank, an der die Deutsche Bank rund 94 Prozent hält, aber die Bilanz. Die Postbank wies zwar noch 111 Millionen Euro Überschuss aus. Das waren jedoch rund 20 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auf griechische Staatsanleihen schrieb das Institut 632 Millionen Euro ab. Die Aktie verliert leicht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"