Dax wieder unter 6.200 Punkten

Stand: 31.10.2011, 20:01 Uhr

Zweifel an der Nachhaltigkeit der Lösung der Euro-Schuldenkrise, neue Konjunktursorgen sowie die Pleite eines Brokerhauses von der Wall Street haben die Stimmung der Anleger heute wieder eingetrübt.

Nachdem der Dax im elektronischen Handel 3,2 Prozent eingebüßt hat auf 6.141 Punkte setzt er auch im Abendhandel seine Talfahrt fort. Trotz dieses unversöhnlichen Ausklangs kann sich Bilanz des in der Regel schlechten Börsenmonats Oktober sehen lassen: der Dax hat bis zum Abend 11,6 Prozent zugelegt. Ein stärkeres Kursplus in einem Oktober hat es mit 13,9 Prozent 2002 und mit 12,3 Prozent 2003 gegeben. "Aber das muss man in Relation zum Sommer sehen", sagte ein Händler. Schließlich sei der August mit einem Abschlag von 19,2 Prozent ein besonders schlimmer Börsenmonat gewesen.

Am Nachmittag hatte die Meldung über die Insolvenz des US-Wertpapierhändlers MF Global für Verunsicherung gesorgt. Die Firma wickelt etwa für Hedgefonds deren Geschäfte mit Aktien, Anleihen, Währungen, Derivaten oder Rohstoffen ab. Das Haus spekuliert aber auch selbst mit europäischen Staatsanleihen im Volumen von 6,3 Milliarden Dollar - das scheint MF Global nun zum Verhängnis geworden zu sein.

Belastet werden die Märkte auch von weiter negativen Konjunkturdaten. So erwartet die OECD für die 17 Euro-Länder im nächsten Jahr einen kräftigen Abschwung. Die Pariser Volkswirte prognostizieren dem Währungsraum insgesamt nur ein Miniwachstum von 0,3 Prozent und senken ihre Prognose von bisher zwei Prozent damit drastisch ab.

Es sind aber vor allem Gewinnmitnahmen bei den Banken, die den Dax tief ins Minus drücken. Die Grundproblematik in der Eurozone sei mit den in der vergangenen Woche beschlossenen Maßnahmen nicht gelöst, sagte Analyst Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel: "Anleger warten nun ab, wie diese umgesetzt werden."

Zudem rückt Italien vermehrt in den Fokus, nachdem die Renditen italienischer Staatsanleihen wieder merklich angezogen haben. Auch die mäßige Nachfrage bei der italienischen Anleihe-Emission sei ein Zeichen für die Zweifel der Investoren, dass die Krise wirklich eingedämmt werden könne, so ein Händler.

Dow nur knapp über 12.000
Auch an der Wall Street geben die Kurse nach. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index gut 1,2 Prozent im Minus bei 12.079 Punkten, nachdem er in der vergangenen Woche ein Kursplus von mehr als dreieinhalb Prozent hingelegt hat.

Auch der Euro hat seinen Höhenflug beendet und rutscht auf 1,392 Dollar, nachdem er in der letzten Woche auf 1,42 Dollar geklettert war.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,22
Differenz relativ
+0,87%

Banken tief im Minus
Angeführt wir die Liste der Verlierer im Dax von den Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank. Auch französische und italienische Banken müssen kräftig Federn lassen. Wie der "Spiegel" berichtet, will die Gruppe der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) bei ihrem Treffen am kommenden Wochenende weitreichende Schritte zur Reform des Finanzsektors beschließen. In der "Financial Times" heißt es, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verlange bei der Einführung einer Finanztransaktionssteuer notfalls einen Alleingang der EU-Staaten.

Keine Wunder, dass auch die Aktie von Barclays heute unter Druck gerät. Dabei hat die britische Bank ihren Vorsteuergewinn im dritten Quartal um fünf Prozent auf 1,3 Milliarden Pfund gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,71
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ThyssenKrupp leidet unter Herabstufungen
Mit einem Abschlag von mehr als sechs Prozent gehört auch das Papier von ThyssenKrupp zu den schwächsten Dax-Werten. Grund ist eine Studie der UBS. Deren Analysten haben ihre Kaufempfehlung zurückgenommen. Das Thyssen-Management verfüge zwar über die beste Langfrist-Strategie der Branche, betonte Analyst Carsten Riek, aber es bestehe das Risiko einer abflauenden Nachfrage. Zudem senkte die Agentur Moody's ihren Ausblick für die Schwerindustrie auf "negativ" von "stabil". Im MDax fallen auch die Titel des Stahlhändlers KlöCo zurück, dabei empfiehlt die UBS den Kauf.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,42
Differenz relativ
+1,82%

Auch Autos ganz schwach
Die Aktien der Autobauer und mehr noch der Zulieferer gehören ebenfalls zu den großen Verlierern im Markt. Im MDax büßten die Titel des Reifenherstellers Continental mehr als vier Prozent ein. Neben Gewinnmitnahmen in dem zuletzt gut gelaufenen Sektor sahen Börsianer Nachrichten aus China als Belastung. Ein Händler verwies darauf, dass in dem Land die Inflation immer noch als größtes Problem gesehen werde. Daher dürfte die dortige Geldpolitik in der näheren Zukunft nicht gelockert werden. Zudem äußerte sich JPMorgan-Analyst Ranjit Unnithan skeptisch zu den in dieser Woche anstehenden Oktober-Absatzzahlen für Westeuropa.

Aixtron ernut am TecDax-Ende
Größter Verlierer im TecDax ist erneut die Aktie von Aixtron. Händler verweisen auf eine Studie der Unicredit. Die Bank hat das Kursziel für Aixtron von 14,00 auf 11,00 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Hold" belassen. Der auf Leuchtdioden-Anlagen spezialisierte Maschinenbauer habe zwar erstmals seine Marktführerschaft an den US-Wettbewerber Veeco abgeben müssen, die Bestätigung des Unternehmensausblicks weise jedoch auf eine Erholung im vierten Halbjahr hin, schrieb Analyst Günther Hollfelder in einer Studie vom Montag. Seiner Ansicht nach werde die Branche eine ausgedehnte Umbruchphase erleben.

Bauer bricht ein
Um mehr als 20 Prozent abwärts geht es mit der im SDax notierten Aktie von Bauer. Grund ist eine Gewinnwarnung. Wegen Verzögerungen bei mehreren großen Bauprojekten senkt der Tiefbauspezialist erneut seine Jahresziele. In den ersten neun Monaten sei der Gewinn mit 14,2 Millionen Euro hinter den Planungen und dem Vorjahreswert von 21 Millionen Euro zurückgeblieben, teilte der Konzern aus dem bayerischen Schrobenhausen am Nachmittag mit. Im Gesamtjahr könne nur mehr ein Nettoergebnis von gut 30 Millionen Euro erreicht werden, nicht mehr von 40 bis 45 Millionen wie noch vor kurzem angepeilt.

Schaltbau auf Rekordjagd
Das SDax-Unternehmen Schaltbau hat Zahlen vorgelegt und gehört im Index zu den größten Gewinnern. Jürgen Cammann, Vorstandssprecher der Schaltbau Holding, kündigte ein Rekordjahr an. Schaltbau erwirtschaftete im dritten Quartal einen Umsatzzuwachs von 74 Millionen im Vorjahresquartal auf 80,6 Millionen Euro. Der Verkehrstechnikkonzern steigerte den Auftragseingang von 71,4 Millionen auf 81,7 Millionen Euro.

Honda gerät aus dem Takt
Die Folgen des Erdbebens in Japan sowie die starke Aufwertung des Yen haben die Bilanz des japanischen Autobauers belastet. Der Nettogewinn schmolz im zweiten Quartal um 55,5 Prozent, der Umsatz ging um 13 Prozent zurück. Einen Ausblick für das noch bis zum 31. März 2012 laufende Gesamtgeschäftsjahr wollte Honda auch nicht abgeben.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat