Dax wieder unter 6.000

Stand: 14.11.2011, 19:55 Uhr

Gewinnmitnahmen und deutlich gestiegene Renditen italienischer Staatsanleihen haben den Dax zum Wochenauftakt belastet. Nach anfänglichen Gewinnen schließt der Leitindex im Minus.

Von seinem Tagestief bei 5.934 Punkten kann sich das Börsenbarometer zwar wieder etwas erholen, die Marke von 6.000 Punkten bleibt aber bis zum Handelsschluss unerreichbar. Nach einem nervösen Auf und Ab schließt der Dax letztlich bei 5.985 Punkten, 1,2 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. Am Abend weitet der Dax seine Verluste sogar noch etwas aus.

Der Dax habe damit vor allem auf die anhaltend hohen Renditen für italienische Staatsanleihen, sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research. Am Morgen seien die Renditen gefallen, deshalb habe sich der Markt zunächst stabilisiert. Entsprechend negativ habe der Dax jedoch im Tagesverlauf auf steigende Zinssätze infolge einer Anleiheauktion reagiert. Grund sei die Skepsis der Anleger, dass sich mit dem Austausch von Regierungen nicht die langfristigen Probleme Italiens lösen lassen.

Für fünfjährige Papiere muss Italien 6,29 Prozent zahlen, ein Rekordhoch. Bei der vorangegangen Auktion waren es noch 5,3 Prozent. Ein derart hohes Niveau könne Italien nur wenige Quartale durchhalten, warnen Analysten.

EZB kauft weniger Anleihen
Für Verunsicherung sorgte auch die EZB. Die Notenbank teilte am Nachmittag mit, dass sie in der vergangenen Woche ihre umstrittenen Käufe von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer überraschend halbiert hat, auf rund 4,5 Milliarden Euro. Experten hatten wegen der auf über sieben Prozent gestiegenen Zinsen auf italienische Staatsanleihen mit einem deutlichen Anstieg der Ankäufe auf mindestens zehn Milliarden Euro gerechnet. In der Woche zuvor waren es 9,5 Milliarden Euro gewesen. Für Unmut bei den Anlegern sorgte auch das wiederholte Nein von Finanzminister Wolfgang Schäuble zur Finanzierung der Schuldenstaaten durch die EZB.

Auch an der Wall Street hielten sich die Anleger mit Vorschusslorbeeren zurück. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte 0,7 Prozent tiefer bei 12.071 Punkten. der Euro notiert bei 1,362 Dollar etwas niedriger als am Vormittag.

Neben Italien bewegen aber auch die Bilanzzahlen zahlreicher Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe die Gemüter der Anleger.

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Ackermann verzichtet auf AR-Posten
Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand mit Ablauf der Hauptversammlung 2012 verzichtet Josef Ackermann auch auf den vorgesehenen Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats. Die Stelle soll nun Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner übernehmen. Laut einer Mitteilung der Deutschen Bank kurz vor Börsenschluss heißt es, Ackermann habe keine Zeit für Gespräche mit Aktionären. Die seien aber zur Vorbereitung auf den Wechsel in den AR notwendig. Die Aktie der Deutschen Bank schließt unbeeindruckt rund ein Prozent im Minus.

Unicredit braucht 7,5 Milliarden
Nach einem verheerenden Verlust von 10,6 Milliarden Euro im dritten Quartal will sich die italienische Großbank Unicredit 7,5 Milliarden Euro frisches Geld besorgen. Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte zuletzt bei den Italienern einen Kapitalbedarf von 7,4 Milliarden Euro ausgemacht. Die übrigen Institute in Europa haben bislang angekündigt, den geforderten Kapitalpuffer aus eigener Kraft zu schaffen. Die Aktie der Unicredit sackt um mehr als fünf Prozent ab.

Den Verlust im dritten Quartal erklärt Unicredit mit Abschreibungen auf Beteiligungen in der Ukraine und Kasachstan von 9,6 Milliarden Euro. Bis 2013 hat sich das Unternehmen einen Nettogewinn von 3,8 Milliarden Euro vorgenommen.

Deutsche Börse stößt auf Skepsis
Größter Verlierer im Dax ist die Aktie der Deutschen Börse. Grund ist die Furcht vor einem Platzen der Fusion mit der Nyse Euronext. "Es geht die Angst um, dass die Fusion scheitern könnte", sagte ein Händler. Konzernchef Reto Francioni beharrt im Streit mit der EU-Kommission auf seiner Position zum Derivatemarkt. Der Streit mit der EU gilt als die größte Hürde vor dem transatlantischen Zusammenschluss.

Hochtief droht Verlust
Um mehr als zehn Prozent bergab geht es mit der Aktie von Hochtief. Durch mögliche Verzögerungen beim geplanten Verkauf der lukrativen Flughafensparte drohen dem Baukonzern rote Zahlen für das Jahr 2011. Sollte der Verkauf bis Ende kommenden Monats nicht mehr klappen, könnte das seit dem Sommer mehrheitlich zum spanischen Baukonzern ACS gehörende Unternehmen das laufende Jahr mit einem Konzernverlust von rund 100 Millionen Euro abschließen, kündigte Hochtief-Chef Frank Stieler an.

Permira macht bei Boss Kasse
Auch die Aktie von Hugo Boss rutscht ab um mehr als sechs Prozent. Grund ist die Absicht von Mehrheitsaktionär Permira, sich von einem Teil der Hugo-Boss-Papiere zu trennen. Die von dem Finanzinvestor kontrollierte Holdinggesellschaft Red & Black hat 4,5 Millionen Vorzugsaktien bei institutionellen Anlegern platziert. Dies entspreche 6,4 Prozent des Grundkapitals von Hugo Boss. Händler werteten dies als Auftakt für den Ausstieg.

Deutsche Wohnen hat große Pläne
Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen, ebenfalls im MDax, hat im dritten Quartal einen Konzerngewinn von 19,7 Millionen Euro eingefahren, fast doppelt soviel wie im Vorjahreszeitraum. Weil das Immobilienunternehmen aber eine Kapitalerhöhung braucht, verliert die Aktie mehr als sechs Prozent.

Bauer im Aufwind
Aufwärts geht es dagegen mit der Aktie von Bauer. Der Tiefbauspezialist sieht optimistisch in die Zukunft: Nach den ersten neun Monaten 2011 standen Aufträge im Wert von 740 Millionen Euro in den Büchern, das ist gut ein Viertel mehr als vor Jahresfrist. Auch hat das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres gut verdient.

Anleger loben Nordex doch noch
Dass Nordex seine Jahresprognose wegen Projektverschiebungen gesenkt hat, hat die Anleger anfangs unbeeindruckt gelassen. Bis zum Börsenschluss schafft es die Aktie aber doch noch an die TecDax-Spitze. Im dritten Quartal verbuchte Nordex bei einem auf 265 Millionen Euro stagnierenden Umsatz ein Ebit von 9,4 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Nordex noch 10,2 Millionen erwirtschaftet.

Dunkle Wolken über der Solarbranche
Nach dem kräftigen Hoch in der Vorwoche brechen die Titel von Q-Cells heute um fast 30 Prozent ein. Grund ist die Krise in der Solarbranche. Für Q-Cells fiel ein operativer Verlust (Ebit) von 47,3 Millionen Euro an, nach einem Plus von 36,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging von 400 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 228,8 Millionen Euro zurück.

Zweistellige Verluste verzeichnet auch die Aktie von Solarworld. Das TecDax-Unternehmen musste im dritten Quartal einen Umsatzeinbruch von 342 Millionen auf 238 Millionen Euro hinnehmen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um mehr als die Hälfte auf 20,6 Millionen Euro ein. Unter dem Strich rutschte das Unternehmen in die Verlustzone.

Dagegen hat Manz dank seiner breiten Aufstellung die Krise in der Solarindustrie besser verkraftet als andere Wettbewerber. Umsatztreiber in den ersten neun Monaten seien neben dem Bereich Lithium-Ionen-Batterien die Geschäfte mit der Flachbildschirmbranche (FPD) gewesen, teilte Manz mit. Die Aktie legt etwas zu.

In die roten Zahlen gerutscht ist dagegen die ebenfalls auf dem Solarmarkt tätige Firma Sunways. Der Umsatz brach im dritten Quartal um mehr als die Hälfte auf 23,3 Millionen Euro ein, so dass ein Betriebsverlust von fast zwölf Millionen Euro anfiel. Die Aktie notiert dennoch leicht im Plus.

H&R Wasag überzeugt nicht ganz
Leicht abwärts geht es auch mit der Aktie von H&R Wasag aus dem SDax. Dabei hat das Spezialchemieunternehmen nach einem guten dritten Quartal seine Jahresprognose eines operativen Ergebnisses (Ebitda) zwischen 90 Millionen und 100 Millionen Euro bestätigt.

GfK spürt Abkühlung
Bergauf geht es dagegen mit der Aktie von GfK. Deutschlands größter Marktforscher spürt erste Anzeichen des Abschwungs. Umsatz und Gewinn stiegen zwar auch im dritten Quartal 2011 deutlich, das Tempo war aber nicht mehr ganz so hoch wie noch in den Monaten zuvor. Trotzdem übertraf GfK die Erwartungen.

Gewinnmitnahmen bei Zooplus
Nach einem kräftigen Plus bis an die Spitze des SDax schließen die Papiere von Zooplus nur mit einem leichten Gewinn. Bei Zooplus ist das Kerngeschäft zwar profitabel, hohe Marketing-Kosten und der kostspielige Umzug des Zentrallagers haben im dritten Quartal den Gewinn aber geschmälert.

Umsatzrückgang bei CTS Eventim
Leicht rückläufig ist auch die ebenfalls im SDax notierte Aktie von CTS Eventim. Sonderbelastungen durch Übernahmen und Rechtsstreitigkeiten haben Umsatz und Ergebnis des Ticketvermarkters belastet.

Funkwerk steckt in Umbauten fest
Der Thüringer Entwickler von Kommunikationssystemen kommt trotz Umbauten nicht aus den roten Zahlen. In den ersten neun Monaten hat sich der Verlust auf 11,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Der Umsatz lag mit 19,5 Millionen Euro 2,6 Prozent unter dem Vorjahreswert.

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Tomorrow Focus läuft super
Das Internetunternehmen Tomorrow Focus hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011 bei Umsatz und Gewinn kräftig zugelegt. Bereinigt um die im November 2010 verkaufte Playboy Deutschland GmbH sowie die zum 1. August 2011 mehrheitlich veräußerte Adjug-Gruppe legte der Umsatz um 23 Prozent auf 102,3 Millionen Euro zu. Der Reingewinn stieg auf 5,7 Millionen Euro nach 3,2 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Aktie legt um rund zwei Prozent zu.

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