Dax wieder unter 6.000

Stand: 24.08.2010, 20:02 Uhr

Konjunktursorgen haben den deutschen Leitindex am Dienstag auf den tiefsten Stand seit sieben Wochen fallen lassen. Sehr schwache Immobiliendaten aus den USA drückten den Dax am Nachmittag sogar unter 5.900 Punkte.

Die Statistik zu den amerikanischen Hausverkäufen erinnert an die schwere Zeit der amerikanischen Hypotheken- und Immobilienkrise, die vor drei Jahren begann. Auch damals brachen die Verkäufe von Immobilien drastisch ein. Im Juli dieses Jahres nun wurden in Amerika 3,83 Millionen Häuser verkauft, was gegenüber der Erwartung von 4,7 Millionen einen dramatisch schlechten Wert darstellte.

Die Finanzmärkte, wegen der allgemeinen Wirtschaftsängste sowieso ausgesprochen nervös, reagierten auf diese Nachricht mit starken Kursverlusten. Der Dax gab kurzzeitig mehr als zwei Prozent ab, bis er sich zum Handelsschluss wieder etwas erholte und bei 5.935 Punkten schloss, minus 1,3 Prozent. Damit fiel an diesem Dienstag aber die zumindest charttechnisch bedeutsame 6.000 Punktelinie, die der Dax zuvor zwei Handelstag lang verteidigen konnte.

Dass die Anleger die neue Krisenangst sehr ernst nehmen, zeigte auch das Abschneiden der einzelnen Dax-Titel. Sehr krisentypisch war da, dass vor allem die konjunkturunabhängigen Titel deutlich besser abschnitten als die zyklischen Aktien, wie die Finanztitel, Industrie- und Chemiewerte.

Trotz der hohen Tagesverluste gab es im Dax sogar einer kleine Gewinnerliste. Beiersdorf und Fresenius Medical legten etwas zu. Beiersdorf-Aktien profitierten, neben der Tatsache, dass Beierdorf ein vergleichsweise krisensicheres Geschäft fährt, von einer millionenschweren Rabattaktion, mit der die Firma verloren gegangene Marktanteile zurück gewinnen will.

Größter Verlierer im Dax war die Aktie des Baustoffkonzerns HeidelbergCement. Sie gab fünf Prozent ab, weil der irische Baustoffkonzern CRH eine Gewinnwarnung veröffentlichte. Diese setzte den gesamten Sektor europaweit unter Druck.

Air Berlin mit Millionenverlusten
Aus dem SDax legte am Abend Air Berlin die Bilanz zum zweiten Quartal vor. Die Firma erhöhte ihren Umsatz um knapp fünf Prozent auf 124,3 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis fiel mit minus 68,2 Millionen Euro jedoch erheblich schwächer aus als vor einem Jahr, als Air Berlin noch 7,3 Millionen Euro Gewinn machte.

Kabel Deutschland erhöht die Prognose
Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland hat, angesichts guter Quartalszahlen, seine Jahresprognose angehoben. Wegen des boomenden Geschäftes mit Internet- und Telefonanschlüssen über Kabel sehe man weiter Potenzial für organisches Wachstum, teilte die MDax-Firma mit. Der Umsatz im abgelaufenen Quartal stieg auf knapp 390 Millionen Euro, das Ebitda legte um ein Zehntel auf etwa 176 Millionen Euro zu. Im Gesamtjahr rechnet Kabel Deutschland nun mit einem Ergebnis am oberen Ende der Spanne von 715 bis 725 Millionen Euro. Die Aktie schloss 0,6 Prozent fester.

Solarverluste, Windkrafthoffnung
Erstaunlich viele Solaraktien aus dem TecDax schlossen erheblich tiefer. Marktbeobachter begründeten dies mit Gerüchten, dass Frankreich seine Solarsubventionen kürzen könnte. In französischen Zeitungen wurde über entsprechende Pläne der Regierung berichtet. Die Windkraftfirma Nordex gab mehrere neue Aufträge bekannt. Für China und Portugal wird Nordex noch in diesem Jahr 40 Turbinen ausliefern, der Auftragswert wird auf 60 Millionen Euro geschätzt. Dass die Aktie fast unverändert schloss, lag auch an Berichten, dass Frankreich Hochsee-Windparks plane.

Potash, Rio Tinto, 3Par und Dell
Zu den aktuell laufenden Übernahmeschlachten um Potash und 3Par gab es ein paar neue Entwicklungen. Offenbar will der australische Bergbaukonzern Rio Tinto ein Konkurrenzangebot für den Düngemittelhersteller Potash abgeben. Das schreibt die kanadische Zeitung "Globe&Mail". Derzeit versucht BHP Billiton, Potash für 39 Milliarden Dollar zu übernehmen. Und im Streit um den Speicherspezialisten 3Par plant der amerikanische Computerhersteller Dell angeblich ein neues Angebot, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Derzeit bietet Dell 18 Dollar je 3Par-Aktie, Konkurrent Hewlett Packard hatte dies mit 24 Dollar übertrumpft. Die 3Par-Aktie hat deswegen ihren Wert innerhalb einer Woche verdoppelt.

Mehrere kleine Bilanzen
Außerhalb der größeren Indizes legten noch einige kleine Firmen ihre Bilanzen vor. Die Spezialchemiefirma Nabaltec beispielsweise überraschte mit einem Umsatzanstieg von 61 Prozent im ersten Halbjahr und prognostiziert nun eine schnellere Erholung als bisher erwartet. ITN Nanovation, eine Firma, die mit Nanopulver handelt, berichtete ebenfalls über ein ganz gut gelaufenes erstes Halbjahr. Allerdings schaffte es ITN abermals nicht, aus den roten Zahlen rauszukommen. Für das Gesamtjahr will die Firma jedoch ein positives Ergebnis erzielen.

Die Bilanz von Advanced Inflight Alliance hingegen atmet noch den Geist der Krise. Die Erlöse der Firma, die sich der Bordunterhaltung an Flugzeugen widmet, gingen um etwa sechs Prozent auf 54 Millionen Euro zurück, das Ergebnis (Ebitda) sank wegen einmaliger Sondereffekte und Investitionen um rund ein Zehntel auf 5,9 Millionen Euro.

Cewe will zurückkaufen
Im SDax legte die Aktie des Fotodienstleisters Cewe Color 2,4 Prozent zu. Die Firma will einen Teil ihrer eigenen Aktien zurückkaufen. Basierend auf einer Ermächtigung der Hauptversammlung werde man bis Ende des Jahres maximal zehn Prozent der Cewe-Aktien über die Börse erwerben, teilte das Management mit.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen