Marktbericht 20:05 Uhr

Verluste in den letzten Minuten Dax: Doch wieder unter 11.000 Punkten

Stand: 30.06.2015, 20:05 Uhr

Eigentlich hatte es am Dienstag so ausgesehen, als werde der Dax im Plus schließen und die Anleger damit signalisieren, dass sie das Kapitel Griechenland abgehakt haben. Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht.

Widersprüchliche Aussagen aus Brüssel und Berlin machten es dee Anlegern schwer, nach dem gestrigen Kursrutsch die Trendwende zu wagen. Zwar dreht der Dax im Tagesverlauf wiederholt ins Plus und klettert in der Spitze bis auf 11.137 Zähler, 54 Punkte über den Schlusskurs vom Vortag.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Doch kurz vor Handelsschluss bekommen die Anleger wieder kalte Füße und drücken rasch den Verkaufsknopf. Am Ende schließt der deutsche Leitindex unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 11.000 Punkten und verliert 1,25 Prozent auf 10.944,97 Punkte. Für den Juni verbuchte der deutsche Leitindex damit ein Minus von mehr als 4 Prozent. "Der Dax tanzt weiter den Griechen-Blues", kommentierte Analyst Andreas Paciorek vom Wertpapierhändler CMC Markets. Auch die Börse in London gab um 1,50 Prozent nach, Paris schloss 1,63 Prozent tiefer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde mit den Worten zitiert, vor dem griechischen Referendum am Sonntag werde von deutscher Seite kein neuer Hilfsantrag beraten werden können. Dabei bezog sie sich auf Berichte über angebliche neue Verhandlungsangebote aus Athen. Trotzdem ist auf griechischen Wunsch für den Abend kurzfristig eine Telefonschalte der Euro-Finanzminister angesetzt worden.

Kleines Plus an der Wall Street

Auch an der Wall Street muss der Dow Jones-Index einen Teil seiner frühen Tagesgewinne wieder abgeben. Dennoch hoffen die Anleger auch hier auf eine Einigung mit Athen in letzter Minute. Es gebe immer noch die Aussicht, dass es im weiteren Wochenverlauf zu einer Übereinkunft Griechenlands mit seinen Gläubigern komme, sagte David Moss, Leiter Europäische Aktien beim Vermögensverwalter BMO Global Asset Management. Heute um Mitternacht muss das Land eine fällige Zahlung an den IWF leisten - wozu es ohne neue Hilfen der anderen Eurostaaten nicht in der Lage ist. Bei Handelsschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,4 Prozent höher bei 17.667 Zählern.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.396,44
Differenz relativ
-0,28%

Noch haben die Anleger aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich am Sonntag eine Mehrheit der griechischen Wähler für das Reformpaket der Geldgeber entscheidet. In diesem Fall, so die Einschätzung vieler Beobachter, würden wohl andere Politiker als Alexis Tsipras das Zepter übernehmen und die Hängepartie könnte beendet werden. Sprechen sich die Griechen dagegen und damit gegen den Verbleib in der Eurozone aus, dürfte es zu weiteren Turbulenzen an den Märkten kommen - zumindest vorübergehend.

Euro weiterhin stabil

Der Euro zeigt sich vom Syriza-Spektakel weitgehend unbeeindruckt und pendelt zwischen 1,11 und 1,12 Dollar. "Die Lorbeeren gehören der EZB, die mit ihrem Versprechen, dass sie all ihre Instrumente nutzen würde, um Ansteckungseffekte einzudämmen, Spekulationen binnen kurzer Zeit den Garaus gemacht hat", kommentierte die Commerzbank.

Rentenmärkte bleiben cool

Auch auf dem Anleihemarkt halten sich die Bewegungen in Grenzen. Das Marktbarometer Euro-Bund-Future kletterte zwar leicht an, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel jedoch nur um bescheidene 0,04 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent. Allerdings musste Italien den Anlegern bei einer Auktion von Staatspapieren am Dienstag höhere Zinsen bieten als zuletzt. Eine Versteigerung von zehnjährigen Papieren endete bei einer Rendite von 2,35 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Ende Mai lag die Rendite nur bei 1,83 Prozent.

K+S mit anhaltender Fantasie

K+S ist die stärkste Aktie im Dax - und neben Continental der einzige Wert im Plus. Das Papier profitiert immer noch vom angekündigten Übernahmeangebot des kanadischen Konkurrenten Potash. Laut dem "Handelsblatt" hält der Dünger- und Salzproduzent eine kolportierte Übernahmeofferte von rund 41 Euro je Aktie des kanadischen Düngemittelkonzerns Potash für zu niedrig.

Lufthansa: Doch kein Streik

Etwas besser als der Markt hält sich auch die Lufthansa-Aktie, nachdem ein für Mittwoch geplanter Streik der Flugbegleiter abgesagt wurde. Das Unternehmen sei der Gewerkschaft "völlig überraschend" in einem letzten Gespräch in allen wesentlichen Punkten entgegengekommen, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies.

Thyssen rutscht ans Dax-Ende

Schwächster Wert ist dagegen die Aktie von ThyssenKrupp. Auch Infineon und Siemens verlieren überdurchschnittlich, ohne dass es relevante Nachrichten zu diesen Unternehmen gäbe.

Gerresheimer macht Kasse

Im MDax schafft es die Gerresheimer-Aktie nach anfänglichem Schwächeanfall an die Spitze. Der Verpackungsspezialist verkauft sein Geschäft mit Röhrengläsern an den US-Konzern Corning. Der Verkaufspreis beträgt 196 Millionen Euro. Die Transaktion des sehr profitablen Bereichs wirkt sich auch auf die langfristige Prognose aus. Die operative Ebitda-Marge soll 2018 bis 20 Prozent liegt und damit einen Prozentpunkt niedriger als bisher.

Adva auf Acht-Jahres-Hoch

Im TecDax sind die Aktien des Telekomausrüsters Adva Optical Networking auf den höchsten Stand seit acht Jahren gestiegen. In der Spitze ging es bis auf 8,80 Euro nach oben. Mitte Juni hatte die Kursentwicklung deutlich Fahrt aufgenommen, nachdem das Unternehmen die Prognosen für das zweite Quartal 2015 angehoben hatte. Im bisherigen Jahresverlauf sind die Papiere nun um fast 200 Prozent nach oben geschossen.

Aktiensplit bei Nemetschek

Auch die Nemetschek-Aktie gehört zu den stärksten Werten im TecDax. Das Bausoftware-Unternehmen hat heute seinen Aktiensplit durchgeführt. Die Aktionäre erhalten für eine bisherige Aktie drei zusätzliche Aktien, die Zahl der Nemetschek-Aktien hat sich damit vervierfacht.

Leoni denkt an Übernahmen

Abwärts geht es dagegen mit der Aktie des Autozulieferers Leoni. Das Unternehmen plant Übernahmen in Amerika und Asien. "Wir prüfen aktuell das eine oder andere Vorhaben", sagte Vorstandschef Dieter Belle der "Börsen-Zeitung". Dabei solle nicht das Kerngeschäft mit Kabeln und Bordnetzen für Autos, sondern die Sparten Industrie/Gesundheitstechnik und Kommunikation/Infrastruktur gestärkt werden. Auch größere Zukäufe seien möglich, sagte Belle. "Wir haben jederzeit die Möglichkeit der Fremdfinanzierung, gegebenenfalls in Verbindung mit einer Kapitalerhöhung."

Euromicron mit Rückgängen

Kräftig zulegen kann die Aktie des Frankfurter Netzwerkanbieters Euromicron. Die Firma hat zum Jahresauftakt einen gut einprozentigen Rückgang beim Umsatz auf 74,6 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank von 2,7 auf 0,8 Millionen Euro. Dennoch bestätigte das neue Management die Prognose fürs Gesamtjahr.

Milliardenfusion von Towers Watson und Makler Willis Group

Die Unternehmensberatung Towers Watson und der Versicherungsmakler Willis Group wollen sich zusammenschließen. Das teilten die beiden Unternehmen am Dienstag gemeinsam mit. Insgesamt haben beide an der Börse einen Wert von rund 18 Milliarden Dollar und beschäftigen 39.000 Mitarbeiter. Die fusionierte Gesellschaft soll unter dem Namen Willis Towers Watson auftreten.

lg

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