Marktbericht 20:45 Uhr

Gute Stimmung an der Börse Dax wieder über 10.800 Punkten

Stand: 28.10.2015, 20:45 Uhr

Die Anleger haben sich allen Unkenrufen zum Trotz nicht ins Boxhorn jagen lassen. Ganz so schlimm wie befürchtet scheint es mit dem dritten Quartal der Unternehmen doch nicht zu werden. Das galt heute besonders für Volkswagen.

VW-Vorzüge waren gesucht und mit einem Tagesgewinn von 3,99 Prozent bester Dax-Wert. Erleichterung machte sich bei den Anlegern breit, nachdem der Konzern für das dritte Quartal "nur" einen Verlust nach Steuern von 1,7 Milliarden Euro ausgewiesen hatte. An der Börse war Schlimmeres befürchtet worden. Grund für das Minus in der Bilanz sind die bisherigen Rückstellungen wegen des Abgas-Skandals.

Gefragt waren im Dax auch noch der Wohnungsbaukonzern Vonovia, ThyssenKrupp und im Ausblick auf deutlich bessere Zahlen am morgigen Donnerstag Bayer. Infineon und K+S waren die einzigen beiden Aktien, die nachgaben. Infineon verloren nach einem negativen Analystenkommentar. Die UBS hat ihre Kaufempfehlung zurückgezogen und ist nun nur noch "neutral" eingestellt. Die Aktie sei nach dem starken Anstieg seit Jahresbeginn derzeit fair bewertet, hieß es.

Morgen setzt sich die Zahlenflut fort, gleich mehrere Dax-Unternehmen legen ihre Zahlen vor. Darunter Bayer, Fresenius und Lufthansa.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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139,50
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+0,55%
Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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80,88
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+3,16%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,47
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+1,18%

Dax behauptet sich im Plus

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.353,09
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+1,17%

Der Dax eroberte mit 10.831 Punkten die Marke von 10.800 Punkten zurück und verzeichnete dabei einen Tagesgewinn von 1,31 Prozent. Im Tagestief lag das Börsenbarometer bei 10.691 Punkten (ganz knapp unter dem Schluss von gestern), im Hoch bei 10.848 Punkten.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Damit trotzte der Markt auch den schwachen GfK-Daten. Die Konsumstimmung in Deutschland hat sich nämlich verschlechtert. Der Gesamtindex für das Konsumklima sank von 9,6 Punkten für den Oktober auf 9,4 Punkte für den November, wie das Marktforschungsinstitut GfK mitteilte. Das war der tiefste Stand seit Februar. Neben der Erleichterung um VW stand das Handelsgeschehenn ganz im Zeichen der ab 19:00 MEZ erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank.

Wall Street taucht nach Fed-Entscheid nur kurz ab

Die Notenbank Fed hat erwartungsgemäß die Leitzinsen unverändert gelassen, eine Zinserhöhung im Dezember werden aber geprüft. Dies gab Bankchefin Yellen am Abend bekannt, wobei sie Passagen über die negativen Auswirkungen einer Zinserhöhung für Schwellenländner geflissentlich einfach wegließ - ein Wink mit dem Zaunpfahl auf den Dezember? Notenbankersprache ist eine ganz eigene Form der Kommunikation, da gilt es zwischen den Zeilen zu lesen.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.669,32
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+0,43%

in jedem Fall dürfte der Dezember-Termin für die erste Zinserhöhung seit zehn Jahren zumindest wieder verstärkt in den Blick rücken. Am Markt konnten die Anleger die Äußerungen von Yellen zunächst schwer einordnen, der Dow-Jones-Leitindex gab zunächst einen Großteil seiner Gewinne wieder ab. Mittlerweile hat sich das Blatt aber wieder gewendet, der Index hat sein Niveau von gut einem halben Prozent plus wieder erreicht.

Unter der Führung von Apple gehen die Gewinne derzeit quer durch alle Branchen. Größter Verlierer sind Boeing, nachdem Konkurrent Northrop Grumman den Zuschlag der Regierung über einen Großauftrag zum Bau einer strategischen Bomberflotte im Volumen von 80 Milliarden Dollar erhalten hat.

Euro fällt zurück

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1424
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Nach dem Zinsentscheid der Fed fällt der Euro wie eine Stein auf 1,09 Dollar. Zuvor hatte er erfolgreich den schwachen deutschen Konsumdaten sowie der Aussicht auf weitere Lockerungsschritte der EZB getrotzt und war bis auf knapp 1,11 Dollar gestiegen. Hoffnungen auf eine klare Absage an eine Zinserhöhung im Dezember haben sich jedenfalls nicht bewahrheitet, spekulative Positionen wurden daher aufgelöst.

Deutsche Börse verdient deutlich mehr

Der Börsenbtreiber aus dem Dax hat im dritten Quartal Gewinn und Umsatz um gut ein Fünftel gesteigert. Auch im Ausblick äußerte sich das Unternehmen nach Xetra-Schluss positiv. Die Aktie bewegte sich im Späthandel kaum.

Gewinnwarnung der Deutschen Post

Ebenfalls nach Börsenschluss nahm die Deutsche Post ihr Ergebnisziel für 2015 zurück. Wegen neuer Abschreibungen erwartet der gelbe Logistikriese in diesem Jahr nur noch ein Ebit von mindestens 2,4 Milliarden Euro nach 2,95 bis 3,1 Milliarden zuvor. Die Aktie fiel im Späthandel auf 27,34 Euro nach 27,80 Euro im Xetra-Handel.

Deutsche Bank streicht Dividende

Und noch ein Paukenschlag am späteren Abend. Die Bank streicht nicht nur für das laufende Jahr sondern auch für 2016 die Dividende. Dies wurde am Mittwochabend nach der Aufsichtsratsitzung bekannt. Grund ist die neue "Strategie 2020", mit der sich Deutschlands größtes Geldhaus einen radikalen Spar- und Schrumpfkurs verordnet. Bislang hatte der neue Chef John Cryan nur ein Fragezeichen hinter die Ausschüttung für das laufende Jahr gesetzt. Erst für das Geschäftsjahr 2017 erwarte der Vorstand, wieder eine "wettbewerbsfähige" Ausschüttungsquote vorschlagen zu können.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,72
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Zudem gab die Bank weitere wichtige Ziele für die kommenden Jahre bekannt. So sollen die um Sondereffekte wie etwa die Kosten für die Rechtsstreitigkeiten bereinigten Kosten ab 2018 auf unter 22 Milliarden Euro sinken. Im vergangenen Jahr waren es 25,6 Milliarden Euro gewesen. Das Verhältnis der Kosten zum Ertrag soll 2018 auf rund 70 Prozent und 2020 auf rund 65 Prozent sinken, 2014 hatte es bei 86,7 Prozent gelegen. Wie die Bank die Kosten reduzieren will, wird sie an diesem Donnerstag erklären. Es wird mit dem Abbau tausender Stellen gerechnet.

Linde: Anlagenbau belastet

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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193,65
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In Deutschland ging die Quartalsberichtssaison derweil munter weiter. Der Mischkonzern Linde hat im dritten Quartal von einer guten Entwicklung im Geschäft mit Industriegasen profitiert. Der Bereich konnte die Schwäche im Anlagenbau ausgleichen. Dennoch wurden die Analystenprognosen für Umsatz und operativem Ergebnis leicht verfehlt.

BMW ruft in Amerika 86.000 Minis zurück

Grund für die Rückrufaktion sind mögliche Probleme mit der Servolenkung. Betroffen sind Fahrzeuge, die zwischen Januar 2002 und Februar 2005 gebaut wurden. Die Fahrhilfe könne ausfallen oder nicht die volle Leistung erbringen, erklärte ein Konzernsprecher am Mittwoch.

Media-Saturn ist zuversichtlich

Die zum Metro-Konzern gehörende größte Elektronikkette Europas erwartet ein starkes Weihnachtsgeschäft. Aber nicht nur dies, Deutschland-Chef Wolfgang Kirsch malt darüber hinaus ein positives Bild von der Zukunft des einstigen Sorgenkindes im Metro-Portfolio. So soll der stationäre Handel noch stärker mit dem Online-Handel verknüpft werden. Denn immer mehr Kunden holen ihre online-Bestellungen selbst ab oder haben noch Beratungsbedarf.

Kirsch sieht daher Potenzial für einige hundert neue Läden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende September) hat Saturn Media den Umsatz um 3,6 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro gesteigert. Die im MDax notierte Aktie der Muttergesellschaft Metro legte um 0,75 Prozent zu auf 28,20 Euro.

Gea trotz Warnung gefragt

Der Anlagenbauer Gea stellt seine Aktionäre auf eine Probe. Das MDax-Mitglied rechnet nun damit, dass im Gesamtjahr der Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurse sowie ohne Akquisitionseinflüsse im Vergleich zum Vorjahr moderat sinken wird. Bislang hatte Gea eine Stagnation erwartet. "Im abgelaufenen Quartal hat uns die konjunkturelle Eintrübung leider in vielen Bereichen erreicht", sagte Konzernchef Jürg Oleas. Umsatz, Ergebnis und Auftragseingang gingen zurück.

Trotzdem greifen die Anleger zu, Gea-Papiere gehörten zu den größten Gewinnern im MDax. Vor allem die gute Margen-Entwicklung gefällt Anlegern und Analysten. Die Ebitda-Marge kletterte in den ersten neun Monaten auf 11,7 Prozent. Equinet-Analyst Thomas Rau sieht mittelfristig Aufwärtspotenzial für die Aktien, da der Markt das mögliche weitere Margen-Wachstum bei Gea unterschätze.

Stratec auf gutem Kurs

Der Laborgerätehersteller Stratec hat bei einem zweiprozentigen Umsatzplus sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach neun Monaten um neun Prozent auf 19,2 Millionen Euro verbessert. Die Ebit-Marge lag bei 17,9 Prozent und soll bis Jahresende weiter zulegen. Stratec-Aktien gaben nach.

Dialog dankt Apple

Aktien von Dialog Semiconductor fielen nach dem jüngsten Kurseinbruch mit deutlichen Kursgewinnen von 7,04 Prozent auf und waren damit stärkster TecDax-Wert. Der positiv aufgenommene Quartalsbericht des Großkunden Apple half der Aktie kräftig auf die Sprünge.

Manz im Visier der Bafin

Indexkollege Manz sieht sich nach den Prognosesenkungen dieses Jahres einer Prüfung der Finanzaufsicht Bafin gegenüber. Eine Sprecherin der Behörde sprach von Routineermittlungen. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass der Vorstand des Spezialmaschinenbauers bereits zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung im Frühjahr Kenntnis über die sich verschlechternde Geschäftssituation gehabt hatte.

Kurz danach kam die erste Prognosesenkung, der am Dienstag die zweite folgte. Vorstandschef Dieter Manz erklärte, man sei den gesetzlichen Veröffentlichungspflichten nachgekommen. Heute erholte sich die Aktie nach dem jüngsten Kurssturz etwas, das Papier rückte um 3,26 Prozent vor.

SHW an der SDax-Spitze

Der Autozulieferer SHW hat im dritten Quartal einen Umsatzanstieg um acht Prozent auf 118 Millionen Euro verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging dagegen um elf Prozent auf zehn Millionen Euro zurück. Das Unternehmen kämpft mit hohen Kosten, die einem Luxusproblem entspringen. Die Nachfrage ist so hoch, dass sie nur mit teuren Zusatzschichten befriedigt werden kann. An der Börse hatten die Anleger wohl Schlimmeres erwartet, denn mit einem dicken Plus von knapp neun Prozent setzte sich das Papier an die SDax-Spitze.

Rocket Internet: IPO von Tochter geplant

Rocket Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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29,86
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Die Internet-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet will den Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh an die Börse bringen. In der jüngsten Finanzierungsrunde war HelloFresh mit 2,6 Milliarden Euro bewertet worden. Rocket hält nach eigenen Angaben 56,4 Prozent an HelloFresh.

Glaxo auf Erholungskurs

Der britische Pharmamulti hat im dritten Quartal zwar mit 1,72 Milliarden Pfund (2,37 Milliarden Euro) neun Prozent weniger verdient als vor Jahresfrist, Analysten hatten allerdings noch stärkere Rückgänge befürchtet. Vor allem das Geschäft mit neuen HIV-Medikamenten sowie Grippeimpfstoffen lief gut. Rückgänge bei Lungenmedikamenten machen dem Unternehmen allerdings weiterhin zu schaffen. Der Umsatz erhöhte sich um neun Prozent auf 6,12 Milliarden Pfund. An der Londoner Börse kamen die Zahlen sehr gut an. Die auch im europäischen-Stoxx50-Auswahlindex enthaltene Glaxo-Aktie stieg rund vier Prozent.

rm

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Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.