Marktbericht 20:04 Uhr

EZB machts möglich Dax wieder im Aufwind

Stand: 03.09.2015, 20:04 Uhr

EZB-Chef Mario Draghi hat mal wieder die Märkte bewegt. Sein Bekenntnis zu einer anhaltend expansiven Geldpolitik sorgte für neue Fantasie am Aktienmarkt. Der Dax legte kräftig zu. Der Euro erlebte hingegen keinen guten Tag.

Der deutsche Leitindex Dax hat am Donnerstag nach den Worten des Notenbankchefs einen großen Schluck aus der Pulle genommen. Er baute seine Gewinne am Nachmittag weiter aus und schloss am Ende 2,68 Prozent höher bei 10.317 Punkten. Absolut legte der Index damit 269 Punkte zu und sprang wieder deutlich über die 10.000 Punkte-Marke.

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Börse 19.00 Uhr

Damit war sie wieder da, die Liquiditätsfantasie einer wichtigen Notenbank, die die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren weltweit nach oben getrieben hatte. Bereits am Vormittag hatten die Anleger nach guten US-Vorgaben schon zugegriffen und für eine freundliche Tagestendenz gesorgt. Die Märkte in China bleiben zudem bis Montag feiertagsbedingt geschlossen. Im Reich der Mitte wird des 70. Jahrestages des Endes des zweiten Weltkrieges gedacht.

China-Ängste, die zuletzt den Markt belastet hatten, waren hingegen heute kein Thema. Ob es allerdings schon von der Agenda gestrichen ist, darf bezweifelt werden. Der weitere Weg des Aktienmarktes bleibt trotz des heutigen Kursfeuerwerks weiter mit erheblichen Konjunkturrisiken behaftet. Im Späthandel rutschte der L-Dax wieder unter die Marke von 10.000 Punkten und schloss bei 10.991 Zählern.

EZB bleibt Gewehr bei Fuß

Die Bühne gehörte heute aber eindeutig Mario Draghi. Er ließ keinen Zweifel daran, dass die EZB unbeirrt an ihren Zielen festhält. Er deutet insbesondere eine erhöhte Flexibilität in der Geldpolitik an, auch eine Ausweitung des bestehenden QE-Programmes der EZB sei möglich. "Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist", sagte Draghi. Alles andere wäre wohl auch eine faustdicke Überraschung gewesen.

Mario Draghi

Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Denn vor allem angesichts schwächerer Inflations- und Wachstumserwartungen will die EZB weiter entschlossen und handlungsbereit bleiben. Zudem ist sie bisher trotz milliardenschwerer Ankaufsprogramme für Staatsanleihen ihrem Inflationsziel von zwei Prozent nicht näher gekommen. Die Preise stagnieren weiter, was allerdings hauptsächlich auf den globalen Verfall der Energiepreise zurückzuführen sein dürfte. Der Leitzins blieb erwartungsgemäß unverändert bei 0,05 Prozent.

Euro bricht ein

Der Euro war der große Verlierer des Tages. Er brach nach Draghis Worten regelrecht ein und verlor binnen kürzester Frist über einen Cent. Aktuell kämpft die Gemeinschaftswährung mit der Marke von 1,11 Dollar, die zwischenzeitlich auch schon unterschritten wurde. Die Euroschwäche dürfte der EZB gelegen kommen, auch wenn die Wechselkurspolitik offiziell nicht zu den Aufgaben der Notenbank gehört. Ein schwacher Euro beflügelt jedoch die europäische Exportwirtschaft.

"Wir fühlen uns bestätigt in unserer Meinung, dass die EZB ihre Geldpolitik weiter lockern wird", kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Vermutlich dürfte sie das bereits auf ihrer Sitzung im Dezember tun." Eine weitere Lockerung der Geldpolitik würde den Druck auf den Eurokurs verstärken.

Dax

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US-Börsen behaupten sich im Plus

An der Wall Street liegt der Leitindex Dow Jones aktuell nur noch vorne. Damit kann der Index seine Anfangsgewinne nicht verteidigen, behauptet sich aber im Plus. Händler sagten, die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten seien mit 282.000 erstanträgen auf Arbeitslosneunterstützung zwar etwas schlechter als erwartet, unterstrichen aber den Aufwärtstrend der heimischen Wirtschaft. Die Sorge vor einer Abschwächung gehe etwas zurück, sagte Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Rockwell Global Capital.

"Ich gehe davon aus, dass eine Zinsanhebung der US-Notenbank im September eine gute Sache für die Märkte wäre, weil das das Signal sendet, dass die US-Wirtschaft auf ihren eigenen Füßen stehen kann." Der Höhepunkt der Börsenwoche kommt am morgigen Freitag. Dann werden die offiziellen August-Daten vom Arbeitsmarkt bekannt gegeben.

Neuer Aufsichtsratschef bei Volkswagen

Mitten in die Äußerungen des EZB-Chefs platzte die Meldung, dass VW einen Nachfolger für den ausgeschiedenen Aufsichtstratschef Ferdinand Piëch gefunden hat. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll dem VW-Patriarchen nachfolgen. Das teilten die Porsche-Holding Porsche SE und die Volkswagen AG am Donnerstag in Stuttgart und Wolfsburg mit. Der Manager soll im November auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zunächst in den Aufsichtsrat gewählt werden. "Es wird angestrebt, Hans Dieter Pötsch zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Volkswagen AG zu wählen", ergänzte die Porsche-Dachgesellschaft.

Piëch war im Frühjahr nach einem verloren Machtkampf mit VW-Chef Martin Winterkorn von der Spitze des Kontrollgremiums zurückgetreten. Danach führte übergangsweise der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber den Aufsichtsrat. Kaum ein anderer Manager kennt in aller Regel die Lage eines Unternehmens so gut wie der Finanzvorstand, denn er gilt als Herr der Zahlen.

Tagessieger Continental

Die Einzelwerte reagieren heute meist direkt auf Analystenkommentare. Dabei hält die US-Investmentbank Goldman Sachs die Aktien von Fresenius Medical Care (FMC) für ungerechtfertigt niedrig bewertet. Dubajova stufte die Anteilsscheine deshalb von "Neutral" auf "Buy" hoch und beließ das Kursziel auf 85 Euro. Aktuell notieren sie bei rund 70 Euro. Tagesgewinner waren Continental, die die Schweizer Großbank UBS zum Kauf empfiehlt. Analyst David Lesne gefällt vor allem die Aussicht auf eine stabile Marge im Reifengeschäft. Das Risiko im Zusammenhang mit China sei begrenzt. Das Kursziel hob er um 10 auf 235 Euro an. Damit sieht er mehr als 25 Prozent Luft nach oben. Merrill-Lynch-Analyst Peter Bisztyga senkte das Kursziel für Eon zwar von 14,90 auf 13,60 Euro, bleibt aber bei seiner Kaufempfehlung. Der jüngste Ausverkauf biete auch Chancen, trotz gesunkener Gewinnerwartungen. Eon-Aktien, die zunächst als einziger Dax-Wert im Minus standen, erholten sich danach und rückten am Ende etwas über zwei Prozent vor.

Deutsche Börse verkauft eigene Aktien

Der Frankfurter Börsenbetreiber verkauft eigene Aktien im Volumen von 200 Millionen Euro, um die Übernahme der Devisenhandelsplattform 360T zu finanzieren. Die Papiere sollen über Nacht bei institutionellen Investoren platziert werden. Dadurch will die Deutsche Börse eine Rückstufung durch die Ratingagenturen verhindern. Der Börsenbetreiber hatte die 725 Millionen Euro teure Übernahme bereits Ende Juli bekannt gegeben. Der Großteil des Kaufes wird über Anleihen finanziert.

Commerzbank-Risikovorstand verläßt die Bank

Der 58-jährige Stefan Schmittmann verläßt die Commerzbank auf eigenen Wunsch. Der Aufsichtstrat habe "mit großem Bedauern" dem Wunsch von Schmittmann entsprochen, seinen bis Oktober 2016 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen, ließ die Bank verlauten. Einen Nachfolger gibt es noch nicht, hierüber wird der Aufsichtsrat rechtzeitig entscheiden. Schmittmann saß seit November 2008 im Vorstand, er kam seinerzeit von der HypoVereinsbank.

Evonik unter Druck

Die Aktien des Spezialchemiekonzerns Evonik waren im MDax gegen den Markt einziger Tagesverlierer. Laut einem Händler geriet der Kurs wegen der Nachricht über eine Aktienplatzierung durch einen institutionellen Investor unter Druck. Dieser trenne sich im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens von knapp 7 Millionen Papieren; das sind rund 1,5 Prozent aller Aktien.

Kapitalerhöhung bei RIB Software

Das Software-Unternehmen aus dem TecDax hat nach Xetra-Schluss bekannt gegegen, eine Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital um bis zu 7,7 Prozent des Grundkapitals durchzuführen. Mit dem Geld soll in eine bestehende Plattform investiert und darüber hinaus das weitere Wachstum finanziert werden. Die Aktie gab im Späthandel nach.

Syngenta plant Aktienrückkauf

Der Agrochemiekonzern Syngenta will die Aktionäre mit einem Aktienrückkaufprogramm bei der Stange halten. Die erste Tranche des Rückkaufprogramms im Wert von über zwei Milliarden Dollar steht bevor. Zudem will Syngenta sein globales Gemüsesaatgut-Geschäft verkaufen. Das Unternehmen hatte vergangene Woche eine Übernahme durch den US-Konkurrenten Monsanto abgelehnt und war deshalb von Großaktionären kritisiert worden.

Zeal Network im Minus

Den Aktien von Zeal Network (ehemals Tipp 24) fielen nach der Senkung der Gewinnprognose zurück. Der Lottoanbieter hatte am Mittwoch nach Börsenschluss mitgeteilt, wegen der Auszahlung eines 15 Millionen Euro schweren Jackpots rechne er für 2015 nur noch mit einem operativen Ergebnis (Ebit) von 20 bis 30 Millionen Euro - nach bisher 35 bis 45 Millionen Euro.

Easyjet erhöht Prognose

Kurz vor dem Ende des laufenden Geschäftsjahres (30. September) hat Easyjet den Ausblick angehoben. Easyjet rechnet jetzt mit einem Vorsteuerergebnis zwischen 675 und 700 Millionen britischen Pfund (915 bis 950 Mio Euro). Zuvor war Easyjet von einem Wert zwischen 620 und 660 Millionen Pfund ausgegangen.

Googles IAA-Auftritt wirft seine Schatten voraus

Der US-Internetkonzern wird erstmals auf der Frankfurter Automobilausstellung IAA (17.-27.9.) vertreten sein. Dort wird er seine Vorstellungen präsentieren, wie die mobile Zukunft aussehen wird. Mit Google und Apple basteln derzeit zwei der ganz Großen am selbstfahrenden Auto. Eine Vision, die geeignet ist, die etablierten Autobauern das Fürchten zu lehren. "Jetzt steigt einer der ganz großen Player aus der IT-Welt in den Ring", sagt Marketingexperte Sven Henkel, Leiter des Automotive Instituts for Management in Oestrich-Winkel. Er hält es möflich, dass Google in absehbarer zeit ein Auto in großer Stückzahl auf den Markt bringt.

Diese Aussichten scheinen auch den japanischen Elektronikriesen Sony zu inspirieren. Der Konzern könne sich eine Partnerschaft mit einem klassischen Autohersteller vorstellen, sagte Sony-Chef Kazuo Hirai der "Financial Times". Auch ein eigenes Sony-Auto hält der Manager zumindest für denkbar. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.

rm

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Porsche Mission E

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Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
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Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr