Marktbericht 20:02

Zeitweise unter 9.400 Punkten Dax: Wie tief denn noch?

Stand: 03.02.2016, 20:02 Uhr

Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA und heftig schwankende Ölpreise haben die Aktienmärkte am Mittwoch erneut auf Talfahrt geschickt. Schon befürchten Experten weitere Tiefstände.

Dass ausgerechnet der US-Dienstleistungssektor- er war im vorigen Jahr eine wichtige Stütze für die US-Konjunktur - im Januar nicht mehr so schnell wie zuletzt wuchs, kam bei den Anlegern schlecht an. Davor verblasste die Entwicklung am Arbeitsmarkt, wo US-Firmen nach einer Umfrage des private Arbeitsvermittler ADP im Januar mehr neue Stellen schufen als erwartet.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Der Dax brach ein, verlor binnen Minuten mehr als 200 Punkte und stürzte auf ein Tagestief von 9.350 Zählern. Damit war er nur noch 35 Zähler von seinem am 30. Januar markierten Jahrestief bei 9.314 Punkten entfernt. Am Ende schließt der Leitindex 1,5 Prozent oder 146 Punkte tiefer bei 9.434. Auslöser der erneuten Panik-Attacke waren schwächer als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten.

Ölpreise steigen wieder

Tatsächlich ist der US-Einkaufsmanagerindex im Januar von 55,8 Punkten im Vormonat auf 53,5 Punkte gesunken. Dies ist der niedrigste Stand seit Februar 2014. Bankvolkswirte hatten einen Rückgang auf 55,1 Punkten erwartet. Das schürt die Furcht vor einer Abkühlung der Konjunktur. Tatsächlich dürfte die erwartete Wachstumsbeschleunigung geringer auszufallen, meint Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba.

An der Wall Street gingen die Kurse deshalb ebenfalls auf Tauchstation. Der Dow Jones-Index drehte nach den ISM-Daten ab und fiel in der Spitze auf 15.960 Punkte, rund ein Prozent weniger als gestern. Am Abend kann der Dow seine Verluste deutlich eingrenzen, dreht zeitweise sogar leicht in Plus. Grund ist die spürbare Erholung der Ölpreise. Sie steigen um mehr als sechs Prozent.

Ins Bärenlager gewechselt

Wie geht es nun weiter an den Aktienmärkten? Schlechte Nachrichten kommen von der wöchentlichen Umfrage mittelfristig orientierter Großanleger. Die haben offenbar jede Erholung der letzten Tage dazu benutzt, um sich von bullishen Engagements zu trennen. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist seither von 24 Punkte auf gerade einmal 3 Punkte gefallen - den niedrigsten Stand seit August 2015. Dabei begaben sich rund drei Viertel der früheren Optimisten direkt ins Bärenlager und setzen daher vermutlich immer weniger auf positive Stimuli der Notenbanken für den Aktienmarkt.

Auch Marktexperten äußern sich skeptisch: "Da sämtliche geldpolitische Unterstützung aus den vergangenen Tagen an den Märkten abprallt, stellt sich die Frage, was die Börsen auf ihrem Weg nach unten jetzt noch aufhalten kann", sagt Andreas Paciorek von CMC Markets.

Charttechnisch stehen die Zeichen ebenfalls auf fallende Kurse. Da der Dax am Mittwoch unterhalb seiner Abwärtskanallinie bei 9.490 Punkten geschlossen hat, kann ein Test der Region um 9.300 Punkte - also den Tiefs vom vergangenen Jahr und vom Januar, nicht ausgeschlossen werden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.765,94
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+0,82%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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73,00
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+0,56%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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68,69
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+0,41%

Euro über 1,11 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1646
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+0,01%

Die Sorge um die US-Konjunktur trieb viele Anleger wieder in den Euro, der am Abend um gut 1,5 US-Cent auf ein Drei-Monats-Hoch von 1,1135 Dollar schnellte. Sollte der US-Wirtschaft schon so kurz nach der Zinswende im Dezember die Puste ausgehen, wäre das für alle ein schlechtes Signal, warnte ein Börsianer.

Merck und GM enttäuschen

Die Geschäfte des US-Pharmakonzerns Merck & Co liefen im Schlussquartal durchwachsen. So setzte der Konzern deutlich weniger mit seinem Verkaufsschlager um, dem Diabetes-Mittel Januvia. Auch der starke Dollar machte Merck zu schaffen. Insgesamt ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 10,2 Milliarden Dollar zurück. Der Überschuss fiel auf 976 Millionen Dollar. Die Opel-Mutter GM hat ihren operativen Verlust in Europa im Schlussquartal 2015 reduziert. Weltweit verdiente der US-Konzern vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten 2,8 Milliarden Dollar. Damit wurden die Analystenerwartungen klar übertroffen.

Deutsche Bank: Tief, tiefer, am tiefsten

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,35
Differenz relativ
+1,83%

Im Dax ist die Aktie der Deutschen Bank bis zuletzt der mit Abstand schwächste Wert. Sie verliert sechs Prozent und geht bei 14,74 aus dem Handel, so schwach wie seit der Finanzkrise 2008/09 nicht mehr. Zunehmende Kreditrisiken und eine pessimistische Analystenstudie von Exane BNP setzen dem Dax-Titel zu. Seit Jahresbeginn hat die Aktie der Deutschen Bank bereits ein Drittel an Wert eingebüßt.

VW: US-Verkäufe brechen ein, Merrill Lynch belastet

Auch für die VW-Vorzüge geht es weiter bergab. Volkswagen hat erneut die Folgen des Abgasskandals zu spüren bekommen: Der US-Absatz der Pkw-Kernmarke VW sackte im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent auf 20.079 Autos ab. Bei BMW schrumpfte der Absatz um 4,0 Prozent, Daimler schaffte immerhin ein kleines Verkaufsplus von 1,3 Prozent. Belastet werden die heimischen Autowerte auch von einem Analystenkommentar der Investmentbank Merrill Lynch. Sie hält die durchschnittlichen Gewinnerwartungen der drei deutschen Autohersteller für dieses Jahr für zu hoch.

Hannover Rück will mehr zahlen

Im MDax gehören die Aktien des weltweit drittgrößten Rückversicherers Hannover Rück - obwohl die Aktionäre in diesem auch in diesem und im nächsten Jahr auf eine höhere Ausschüttung hoffen dürfen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir auch für 2015 und womöglich auch für 2016 mehr zahlen werden als 35 bis 40 Prozent (des Nettogewinns)", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin. Allerdings ist das Prämienvolumen nach der jüngsten Vertragserneuerung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung um 1,5 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gesunken.

Osram profitiert von Anteilsverkauf in China

Die Aktien des Lichspezialisten Osram verlieren ebenfalls. Dabei hat das Unternehmen im ersten Geschäftsquartal kräftig von einem Anteilsverkauf in China profitiert. In den Monaten Oktober bis Dezember fuhr die ehemalige Siemens-Tochter laut endgültigen Zahlen einen Gewinn von 338 Millionen Euro ein, nach einem Verlust von 39 Millionen Euro im Vorjahr.

Drägerwerk gibt den Anlegern Saures

Im TecDax bricht die Drägerwerk-Aktie ein. Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller hat seine Dividende drastisch zusammengestrichen von 1,39 auf 0,19 Euro je Vorzugsaktie. Als Gründe wurden die enttäuschende Ergebnisentwicklung und der laufende Umbau genannt.

Enttäuschendes von Qiagen

Das Biotechunternehmen Qiagen hat im vergangenen Jahr nur das untere Ende seiner bereits gesenkten Gewinnprognose erreicht. 2015 legte der bereinigte Gewinn je Aktie ohne Wechselkurseffekte um 13 Cent auf 1,13 Dollar je Aktie zu. Der Vorstand hatte bereits Mitte Januar eine Gewinnwarnung herausgegeben.

Yahoo: Internet oder doch lieber was anderes?

Der kriselnde Onlinepionier Yahoo stellt sein Kerngeschäft auf den Prüfstand und streicht etwa 15 Prozent seiner Arbeitsplätze. Man sei bereit, "strategische Alternativen" für das Internet-Geschäft zu erwägen, teilte das US-Unternehmen am Dienstag bei Vorlage der Quartalszahlen mit.

Amazon bald stationärer Buchhändler?

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.581,74
Differenz relativ
-0,25%

Der Online-Einzelhändler Amazon plant dem Chef des zweitgrößten amerikanischen Einkaufszentren-Betreibers zufolge die Eröffnung einer eigenen Ladenkette. "Wie ich höre, peilen sie 300 bis 400 Buchläden an", erklärte Sandeep Mathrani von General Growth Properties. Amazon betreibt bislang einen einzigen Buchladen in Seattle.

LVMH mit Rekordumsatz in 2015

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH hat im abgelaufenen Jahr einen Rekordumsatz erzielt. Die Erlöse stiegen 2015 um 16 Prozent auf 35,7 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte hätte das Plus nur bei 6 Prozent gelegen. Der Gewinn legte um 16 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zu.

ABB: Mehr Dividende trotz Gewinneinbruch

Der Gewinn des Schweizer Elektrotechnikkonzerns ABB ist im vergangenen Jahr – bei einem Rückgang des Konzernumsatzes um 11 Prozent – um 25 Prozent auf 1,933 Milliarden Dollar eingebrochen. Gleichwohl soll die Dividende zum siebten Mal in Folge steigen, um zwei Rappen auf 0,74 Franken je Anteilsschein.

Swatch: Gewinneinbruch und Aktienrückkauf

Wegen des starken Frankens ist der Gewinn des Schweizer Uhrenkonzerns Swatch um mehr als ein Fünftel auf 1,12 Milliarden Franken eingebrochen. Die Aktionäre sollen eine stabile Dividende von 7,50 Franken je Aktie erhalten. Zudem will Swatch bis 2019 eigene Aktien bis zu maximal einer Milliarde Franken zurückkaufen.

Lenovo unter Druck

Eine geringere Nachfrage nach Computern und Smartphones macht dem weltweit führenden PC-Hersteller Lenovo zu schaffen. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um acht Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn legte dagegen um fast ein Fünftel auf 300 Millionen Dollar zu.

Novo Nordisk bleibt auf Wachstumskurs

Der weltweit größte Insulinhersteller Novo Nordisk hat dank Zuwächsen bei fast allen Medikamenten seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr auf 34,9 Milliarden Kronen gesteigert. Auch 2016 soll es weiteres Wachstum geben, im Fokus der Bemühungen stehe 2016 die globale Einführung des Mittels Tresiba.

Panasonic leidet unter China-Flaute

Panasonic macht das schwächelnde Wirtschaftswachstum in China zu schaffen. Der japanische Elektronikkonzern rechnet deshalb im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr nur noch mit einem operativen Ergebnis von 410 Milliarden Yen. Bislang war das Unternehmen von 430 Milliarden Yen ausgegangen.

BBVA-Gewinne sprudeln wieder

Der spanischen Großbank BBVA kommt ein Rückgang bei faulen Krediten zugute. Weil das zweitgrößte Kreditinstitut des Landes deshalb weniger zurücklegen musste als vor Jahresfrist, legte der Gewinn im vierten Quartal um mehr als ein Drittel auf 940 Millionen Euro zu.

Syngenta: Chemchina hat das Geld

Der chinesische Staatskonzern ChemChina hat die Finanzierung seines 43 Milliarden Dollar schweren Übernahmeangebots für das Schweizer Agrarchemieunternehmen Syngenta einem Insider zufolge sichergestellt. ChemChina habe Zusagen von diversen Banken erhalten. Die Schweizer Firma ist dem Angebot offenbar nicht abgeneigt - im Gegensatz zur anfänglichen Offerte von Monsanto.

Brain zieht Börsengang durch

Das hessische Biotech-Unternehmen Brain hat trotz heftigen Gegenwinds vom Aktienmarkt den Sprung an die Börse geschafft. 3,61 Millionen Aktien seien zu je neun Euro - am unteren Rand der Preisspanne - zugeteilt worden, teilte die Firma aus Zwingenberg bei Darmstadt am Mittwochabend mit. Sie nimmt mit dem Börsengang 31,5 Millionen Euro ein. Erstnotiz ist am kommenden Dienstag.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr