Dax widersteht dem Börsen-Sturm

Mark Ehren

Stand: 09.11.2007, 20:02 Uhr

Rund um den Globus sind die Aktienmärkte zum Wochenschluss stark unter Druck geraten. Doch den Dax ließ das ziemlich kalt. Im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett gewann der Index sogar noch an Boden.

Der L-Dax beendete den Handel bei 7.828 Punkten und damit 16 Zähler über dem Niveau zum Ende des Xetra-Handels. "Trotz des Sturms an den europäischen Aktienmärkten steht der Dax noch fest in der Brandung", sagte ein Händler. Ein oder mehrere große institutionelle Käufer stützen den deutschen Markt bereits seit Wochen.

Weniger positiv äußerte sich ein Analyst. "Grundsätzlich braut sich eine für die Aktienmärkte brisante Mischung zusammen. Wir haben immer noch versteckte Risiken bei den Banken, die Konjunkturdynamik nimmt ab, der Rohstoffmarkt ist angespannt, das Inflationsthema kommt wie ein ICE auf uns zugerast. Für einen Aufwärtstrend fehlen die guten Argumente."

Die US-Börsen verbuchten bis zum Abend deutliche Kursverluste. Dabei traf es die Technologiewerte an der Nasdaq deutlich härter als die Standardwerte. Besonders der Mobilfunk-Zulieferer Qualcomm kam unter die Räder. Der Konzern enttäuschte mit seiner Prognose für 2008 die Märkte. Walt Disney verlor ebenfalls, obwohl der zweitgrößte US-Unterhaltungskonzern einen höheren Gewinn ausgewiesen hatte. Sehr gut lief es dagegen für den US-Pharmariesen Merck & Co., der sich im Rechtsstreit um das Schmerzmittel Vioxx mit einer großen Klägergruppe auf einen 4,85 Milliarden Dollar schweren Vergleich geeinigt hat. Damit sind 95 Prozent der Schadensersatzansprüche vom Tisch.

Finanzkrise schwelt weiter

Trotz der insgesamt erfreulichen Entwicklung litten im Dax insbesondere Finanztitel wie Deutsche Bank und Commerzbank. Die viertgrößte US-Bank Wachovia verbuchte allein im Oktober im Kreditgeschäft weitere Verluste in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar. Die drittgrößte britische Bank Barclays musste sogar Gerüchte zurückgewiesen, sie müsse im Zuge der Kreditkrise zehn Milliarden Dollar abschreiben.

Etwas Gegenwind gab es von den neuesten US-Konjunkturdaten. So legten die Einfuhrpreise im Oktober 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet. Damit könnte es der US-Notenbank Fed in Zukunft etwas schwerer fallen, die Zinsen weiter zu senken. Außerdem sank das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes im November überraschend stark. Der entsprechende Index von Reuters und der Universität Michigan fiel nach vorläufigen Berechnungen von 80,9 Punkten im Oktober auf 75,0 Punkte im November.

Im Dax setzten sich die Kursgewinne der Aktien der Deutschen Post fort. Die Tochter Postbank führte dagegen die Verliererliste an. Hier machten die Anleger nach dem Riesen-Plus von gestern Kasse.

Am deutschen Aktienmarkt gab Aktie der Allianz einen Großteil ihrer enormen Kursgewinne vom Morgen wieder ab. Überraschend hat der Dax-Versicherungskonzern seinen Quartalsgewinn um über ein Fünftel auf 1,92 Milliarden Euro gesteigert, was deutlich mehr war als erwartet. Die Allianz-Tochter Dresdner Bank beendete das dritte Quartal wegen der Finanzkrise mit einem Verlust von 52 Millionen Euro.

Die Aktie von Infineon notierte fester. Der Dax-Titel hatte in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich kräftig verloren und erhole sich jetzt wieder, begründen Händler das Kursplus. Gestern hatte noch die Infineon-Speicherchiptochter Qimonda wegen des massiven Preisverfalls einen Quartalsverlust gemeldet.

Hochgestuft und Kursgewinn
Einzelwerte profitieren von neuen Kurszielen und Empfehlungen. Im Dax stieg die Continental-Aktie, nachdem Credit Suisse die Aktie mit "Outperform" bewertet hatte. Drägerwerk-Aktien gewannen mehr als drei Prozent. Dresdner Kleinwort hat die Titel von "Reduce" auf "Hold" gehoben.

Conergy soll saniert werden
Das schwer angeschlagene Solar-Unternehmen Conergy hat nur zwei Tage nach der Entlassung von Firmenchef Hans-Martin Rüter den Manager Pepyn R. Dinandt als Sanierungsexperten verpflichtet. Dinandt wird stellvertretender Vorstandschef. Die Conergy-Aktie verlor trotzdem.

United Internet holt wieder auf
Der Internetanbieter United Internet hat im dritten Quartal sowohl Umsatz als auch Ergebnis deutlich gesteigert. Der TecDax-Konzern gab ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von 76,6 Millionen Euro bekannt, der Umsatz stieg um ein Viertel auf 375,1 Millionen Euro.

Affi hat Kapital erhöht
Die größte europäische Kupferhütte Norddeutsche Affinerie (NA) hielt im Tagesverlauf zwei wichtige Neuigkeiten für die Anleger parat. Einerseits hat das Unternehmen eine Kapitalerhöhung erfolgreich durchgezogen. Die rund 3,7 Millionen neuen Aktien seien zum Preis von 26,41 Euro bei mehreren deutschen institutionellen Investoren platziert worden, teilte die NA mit. Mit dem Geld will das MDax-Mitglied die Übernahme der belgischen Kupferhütte Cumerio finanzieren. Außerdem verlässt der bisherige Unternehmenschef Werner Marnette die Affi. Der Aufsichtsrat der Firma habe dem Wunsch von Marnette entsprochen und ihn von seinen Aufgaben entbunden.

Colonia Real Estate boomt
Die Kölner Immobilienfirma hat nach ersten Berechnungen den Konzernüberschuss in den ersten neun Monaten um 186 Prozent auf 54,4 Millionen Euro gesteigert. Operativ legte das Ergebnis um über 130 Prozent auf knapp 70 Millionen Euro zu. Der Umsatz kletterte auf 107,3 Millionen Euro. Colonia Real Estate prüft nun die Anhebung der Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Die Aktie ging durch die Decke.

Medion hebt Prognose an
Der Elektronikdienstleister Medion hat seine Jahresprognosen angehoben. Das SDax-Unternehmen erwartet für 2007 jetzt ein Ebit von 22 bis 25 Millionen Euro, der Umsatz soll im Jahresvergleich um fünf bis zehn Prozent auf etwa 1,65 Milliarden Euro wachsen. Der Konzern begründete die Prognoseanhebung mit der "Bereinigung der Produktpalette" sowie der "getroffenen Strukturmaßnahmen".

Fuchs Petrolub erwartet "erfreuliches Wachstum"
Der Mannheimer Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub hat seinen Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten deutlich gesteigert. Im Gesamtjahr will der Konzern beim Gewinn vor Zinsen und Steuern den Rekordwert aus dem Vorjahr (161 Millionen Euro) um mindestens zehn Prozent übertreffen, beim Umsatz erwartet das Unternehmen ein weiterhin "erfreuliches" Wachstum.

Medigene mit mehr Umsatz und mehr Verlust
Das Biotech-Unternehmen Medigene hat im dritten Quartal sowohl Umsatz als auch Verlust ausgeweitet. Die Erlöse stiegen um 64 Prozent auf 6,2 Millionen Euro. Allerdings kletterte auch der Verlust um etwa ein Drittel auf 7,5 Millionen Euro. Das Biotechunternehmen reduziert zudem seine Umsatzprognose wegen Verzögerungen bei der Markteinführung eines Medikaments. Die Aktie verlor kräftig.

Weitere Bilanzen
Die Aktie des Medizintechnikunternehmens UMS stieg deutlich. Das Unternehmen hat nach der Vorlage seines Quartalsbericht die Gewinnprognose für das Gesamtjahr trotz der Dollar-Schwäche bekräftigt. UMS strebt ein Ergebnis je von 0,59 Euro an.
Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat ihren Überschuss in den ersten neun Monaten von weniger als einer Million im Vorjahr auf 30,6 Millionen Euro vervielfacht.

Zwei Börsengänge
Das holländische Technologieunternehmen Technotrend hat die Preisspanne für seinen geplanten Börsengang festgelegt. Interessierte Anleger können ab sofort Aktien für 4,90 bis 6,20 Euro zeichnen, teilte der Konzern, der digitale Settop-Boxen entwickelt, mit. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 26. November. Technotrend bietet 5,4 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie bis zu 2,61 Millionen Stück aus dem Besitz der Altaktionäre an.

Das Immobilienunternehmen FranconoWest hat bei seinem Börsengang nur ein Viertel der zunächst angebotenen 20 Millionen Aktien platzieren können. Der Ausgabepreis beträgt 1,80 Euro je Aktie und liegt damit am unteren Ende der bis 2,20 Euro reichenden Preisspanne.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr