Dax weiter im Minus

Lothar Gries

Stand: 01.08.2007, 20:10 Uhr

Auch am Abend sorgten neue Hiobsbotschaften aus den USA für Angst und Schrecken. Die meist positiven Quartalszahlen wurden kaum wahr genommen. Beruhigende Aussagen der Bundesbank, die hiesige Geldhäuser seien von der Krise am US-Hypothenmarkt kaum betroffen, beeindruckten die Anleger wenig.

Der Dax konnte im Abendhandel seine Verluste zwar verringern, notierte jedoch mit einem Abschlag von 1,3 Prozent deutlich im Minus. Gerüchte über eine bevorstehende Pleite des amerikanischen Eigenheimbauers Beazer Homes haben dessen Aktie um mehr als 40 Prozent abstürzen lassen und den gesamten Markt belastet. Bereits zuvor hatten enttäuschende Konjunkturdaten aus Amerika den Ausverkauf erneut angeheizt. Am Nachmittag war bekannt geworden, dass der Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA im Juli leicht gesunken ist. Volkswirte hatten dagegen mit einem unveränderten Wert gerechnet. Damit wurde die Hoffnung auf eine baldige Belebung der US-Wirtschaft enttäuscht. Hinzu kommt die Sorge, dass sich die Krise am amerikanischen Häusermarkt weiter zuspitzen wird. Schon fürchten Experten ein Ende des weltweiten Übernahmebooms. Dabei war die lebhafte Fusionsphantasie eine wichtige Stütze für die Aktienmärkte, die jetzt wegzubrechen droht. Zuletzt mussten weltweit über 30 Finanzierungspakete wieder aufgeschnürt werden. Die Banken blieben auf vielen Milliarden an Darlehen sitzen, die sie eigentlich an den Kapitalmarkt weiterreichen wollten.

Kurzfristiger Abwärtstrend

An eine längerfristige Abwärtsbewegung wollen viele Börsianer dennoch nicht glauben. Sie interpretieren die Kursverluste der letzten Tage als intakten kurzfristigen Trend. Eine fundamentale Wende lasse sich daraus noch nicht ablesen. Erst wenn der DAX den im Rahmen der Kursverluste erreichten Tiefpunkt aus der letzten Woche von 7.373 Punkten weiter unterschreiten würde, wäre dies als ein weiteres Verkaufssignal zu werten, so ein Händler. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte zuvor erklärt, die deutschen Banken seien von der Hypothekenkrise in den USA kaum betroffen.

Techem-Papiere haben am Mittwoch die zwischenzeitliche Erholung beendet und rutschten um 3,5 Prozent auf 46,35 Euro ab. Händler verwiesen auf Spekulationen um eine Platzierung durch die Macquarie Bank. Die australische Bank sei im Zuge der US-Immobilienkrise mit Fonds in Schieflage geraten und könnte möglicherweise eine Trennung von Techem zur Deckung nutzen, so ein Börsianer. Außerdem wurde bekannt, dass der Staatsfinanzierer Depfa Bank seine Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen hat. Das Treffen soll am 24. September in Dublin stattfinden. Hintergrund ist die geplante Übernahme durch die Immobilienbank Hypo Real Estate. Die Börse verlassen wird auch der traditionsreiche Kamerahersteller Leica. Der Salzburger Mehrheitsaktionär ACM, der 95 Prozent der Anteile hält, will mit einer Zwangsabfindung das Unternehmen komplett übernehmen und voraussichtlich 2008 von der Börse nehmen.

Verlierer Deutsche Börse
Ein Fünftel aller Dax-Unternehmen hat heute Geschäftsberichte vorgelegt. Einen Rekordgewinn verzeichnete die Deutsche Bank. Unter dem Strich verdiente die größte deutsche Bank 1,78 Milliarden Euro, 31 Prozent mehr als vor einem Jahr. Obwohl die Deutsche Bank damit die Analystenprognosen schlug und betonte, die US-Hypothekenkrise habe nur eine sehr geringe Auswirkung auf das eigene Geschäft, fiel die Aktie um gut zwei Prozent.

Mehr als drei Prozent verliert Henkel. Der Konsumgüterhersteller hatte zwar die Umsatz- und Gewinnprognose angehoben, allerdings schrumpfte das Ebit im zweiten Quartal um 5,5 Prozent. Auch die BMW-Aktie verliert kräftig. Der Überschuss des Konzerns ging wegen des schwachen Dollars und hohen Rohstoffkosten um 4,3 Prozent zurück. Das BMW-Papier verliert vier Prozent.

Ebenfalls sehr schwach präsentierte sich die Deutsche Börse. Der Konzern hatte gestern Abend seine Bilanz veröffentlicht und leicht die Analystenprognose verfehlt. Mit mehr als fünf Prozent ist die Aktie der größte Verlierer im Dax. Die Papiere von Metro sprangen gar ins Plus. Der Konzern berichtete in seiner Bilanz von weiteren Umsatzzuwächsen vor allem im Ausland und bei den Elektronikmärkten Media Markt und Saturn.

Die BASF-Aktie, die bis zum Mittag noch besser als der Markt notierte, rutschte deutlich ins Minus. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Der Chemiekonzern hatte sowohl Umsatz als auch Ergebnis gesteigert und das Ergebnis bestätigt. Der Automobilzulieferer Continental hat im zweiten Quartal mit einem Umsatz von 4,05 Milliarden Euro leicht unter der Analystenerwartung, die Aktie verlor mehr als zwei Prozent.

Im MDax profitierte Deutz von einer sehr guten Geschäftsentwicklung. Der Konzern hat im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis um jeweils etwa ein Drittel verbessert. Das war besser als erwartet, die Aktie stieg im Nebenwerteindex um 5,6 Prozent. Hugo Boss hat angesichts einer ebenfalls guten Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal den Gesamtjahresausblick erhöht. Der Umsatz soll 2007 um zehn bis zwölf Prozent wachsen, die Aktie notierte leicht im Minus.

Singulus diversifiziert
3,4 Prozent verliert das TecDax-Unternehmen Singulus und markiert damit das Allzeittief. Der Hersteller von CD- und DVD-Produktionsanlagen hat im zweiten Quartal zwar wieder ein positives Ergebnis verbucht. Anleger sind aber verunsichert, weil Singulus sich abseits des Kerngeschäftes an neuen Geschäften versucht.

Epcos erwartet mehr Umsatz
Aus dem TecDax berichtete auch Ecpos über den Geschäftsverlauf im dritten Geschäftsquartal. Der Konzern erhöhte seinen Gewinn leicht auf 21 Millionen Euro und schlug damit leicht die Analytsenprognosen. Für das vierte Quartal erwartet Epcos mit mehr Umsatz und mehr Gewinnen. Die Epcos-Aktie verliert trotzdem 4,3 Prozent.

GfK enttäuscht
Das Marktforschungsinstitut GFK hat im zweiten Quartal weniger verdient als vor einem Jahr. Das Ebit ging um etwa fünf Millionen auf 45 Millionen Euro zurück. Der Umsatz erreichte 292 Millionen Euro. Der Konzern hält sein Jahresziel (Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent) derzeit für "noch in etwa erreichbar". Die Anleger sind besorgt, die Aktie verliert mehr als zehn Prozent.

Mühlbauer passt Prognose an
Der Anbieter von Sicherheitslösungen hat bei der Vorlage seiner Quartalszahlen seine Umsatzprognose "angepasst". Der Konzern erwartet jetzt einen Gesamtjahresumsatz von 150 bis 160 Millionen Euro. Im zweiten Quartal ging der Umsatz vor allem wegen langer Projektvorlaufzeiten um ein Viertel auf 30,7 Millionen Euro zurück. Das Ebit sank um mehr als die Hälfte auf 3,7 Millionen Euro. Die Aktie verliert mehr als fünf Prozent

M.A.X. Automation erzielt Rekordumsatz
Der Automationsspezialist M.A.X. Automation hat im ersten Halbjahr sowohl bei Umsatz als beim Gewinn Rekordwerte erzielt. Der Erlös legte um knapp 20 Prozent auf 103,4 Millionen Euro zu, das operative Konzernergebnis verbesserte sich um 16 Prozent auf 8,7 Millionen Euro. Das Unternehmen verwies auf die anhaltend gute Nachrichte im Kernsegment Industrieautomation.

Hat Apple Produktionsprobleme?
Aktien von Apple haben am Mittwoch im New Yorker Handel nachgegeben. Händler verwiesen auf Gerüchte über Produktionskürzungen bei iPhone und iPod, die bereits am Vortag die Aktie belastet hätten. Dagegen hob Citi Securities den Titel von
"Hold" auf "Buy". Der Markt reagiere nach den Gerüchten über
Kürzungen in der Produktion über, hieß es in der Analyse.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen