Marktbericht 20:04 Uhr

Unter Tageshoch freundlich Dax weiter auf Klettertour

Stand: 18.02.2016, 20:04 Uhr

Rund 700 Punkte hat der Dax seit in einer Woche zugelegt. Vor allem die Enstpannung beim Ölpreis sorgt bei den Anlegern für Erleichterung. Heute gab es aber erste Anzeichen dafür, dass das nicht ewig so weitergehen dürfte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Denn im späten Geschäft musste der deutsche Leitindex einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Entscheidend war wohl, dass in New York der Dow Jones am Nachmittag ins Minus rutschte. Der Dax konnte sein Tageshoch bei 9.551 Punkten nicht verteidigen und schloss bei 9.463 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,92 Prozent. Der Index lag damit fast genau in der Mitte der Tagesbandbreite, das Tagestief lag bei 9.349 Punkten. "Insgesamt hat sich die Stimmung an den Märkten wieder gebessert", sagte ein Händler. Allerdings seien die Kursgewinne der letzten Tage vor allem auf Schnäppchenjäger zurückzuführen. Im Späthandel folgte der L/E-Dax der nachgebenden Wall Street und verlor leicht auf 9.457 Punkte.

Schlüsselthema Öl

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Fundamentales Hauptthema am Markt bleibt weiterhin das Öl. Der Ölpreis gab nach einer geringer als erwartet ausgefallenen Erhöhung der US-Lagerbestände seine gesamten Tagesgewinne allerdings am späten Nachmittag schnell wieder ab und notierte danach wenig verändert zum Vortagsniveau bei knapp unter 35 Dollar je Barrel für die Nordseesorte Brent. Im Tageshoch lag der Preis schon über 36 Dollar. Damit verteuerte sich das "schwarze Gold" binnen einer Woche um rund 20 Prozent. Hintergrund der jüngsten Befestigung der Ölpreise sind Stimmen aus dem Lager der Erdölförderer, die eine Begrenzung der Fördermenge nun möglich erscheinen lassen. Bis vor kurzem hatte sich das noch ganz anders angehört.

Den Schlüssel in der Hand halten dabei die beiden größten Ölproduzenten Russland und Saudi-Arabien. Experten warnen aber vor zu viel Euphorie, denn noch immer sei das Angebot höher als die Nachfrage. Zudem ist die Rolle des Iran noch offen. "Wenn der Iran letztendlich nicht Teil der Vereinbarung ist, dann ist sie nicht viel wert", kommentierte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Andere Analysten wiesen aber auch auf zuletzt wieder robustere US-Konjunkturdaten hin, wie die jüngsten Produktionsdaten aus der Industrie. Der Markt spekuliere daher auch wieder auf eine stärkere Nachfrage aus Amerika, hieß es.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Euro fällt zurück

Im Gegenzug verliert der Euro gegen den Dollar an Stärke, der als sicherer Hafen angesehen wurde (ähnlich wie auch der japanische Yen). Die Gemeinschaftswährung fiel unter die Marke von 1,11 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1084 (Mittwoch: 1,1136) US-Dollar fest. Vom Tagestief bei 1,1070 Dollar hat sich der Greenback im weiteren Handelsverlauf allerdings wieder erholen können.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Insgesamt hat der Euro zuletzt Boden gut gemacht, denn mit weiteren Zinserhöhungen in den USA rechnet angesichts eines durchwachsenen Konjunkturverlaufs und zahlreicher globaler Risiken am Markt derzeit niemand, auch die Fed nicht. Damit dürfte auch die vielbeschworene Euro-Parität zum Dollar erst einmal vom Tisch sein.

US-Märkte drehen ins Minus

An der Wall Street sind die Märkte nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Tage ins Minus gedreht. Der Leitindex Dow Jones notiert aktuell 0,3 Prozent leichter und legt damit eine Pause ein. Denn der Index hatte in den vergangenen drei Handelstagen täglich jeweils um mehr als 200 Punkte zugelegt, was laut Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX bislang einmalig gewesen ist in der langen Geschichte des weltweit bekanntesten Aktienbarometers.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die weiter steigenden Rohölpreise wirkten stützend. So wurden vorerst keine weiteren Sorgen über ein Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession geschürt. Zudem waren die veröffentlichten Konjunkturdaten überwiegend besser als erwartet ausgefallen. Der Konjunkturindikator der Notenbank von Philadelphia, der Philly-Fed-Index, fiel mit minus 2,8 Punkten besser aus als erwartet, signalisiert damit aber eine weiter abnehmende Tendenz. Alles in allem, kommentierte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba daher eher zurückhaltend, gebe es noch keine klaren Anzeichen für eine an Dynamik gewinnende US-Industriekonjunktur. Dagegen habe sich der Arbeitsmarkt von seiner robusten Seite gezeigt, ergänzte er unter Verweis auf den deutlichen Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

Versorger gefragt

Unter den heimischen Einzetiteln erholten sich am Donnerstag die beiden Versorgeraktien RWE und Eon und setzten damit ihre Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage fort. Besonders RWE waren gestern nach einer Dividendenstreichung für die im Dax notierten Stammaktien um über zwölf Prozent eingebrochen. Eon halfen Aussagen von Goldman Sachs. Die Bank lobte bei Eon nun die nachhaltige Dividende und ließ die Aktien auf ihrer "Conviction Buy List". Beide Aktien konnten ihr Tageshoch aber nicht halten. Im Blick standen auch Infineon, die heute ihre Hauptversammlung abhielten. Das Papier des Münchener Chipherstellers legte 3,71 Prozent zu. Deutlicher Tagesverlierer waren Deutsche Bank, die nach der Erhoilung der Vortage empfindliche 4,14 Prozent zurückfielen.

Lufthansa an der Dax-Spitze

Tagesgewinner war das Lufthansa-Papier. Es profitierte von überraschend guten Zahlen des Konkurrenten Air France-KLM. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr ein operatives Ergebnis von 816 Millionen Euro erreicht und damit den Vorjahreswert von minus 129 Millionen übertroffen. Auch die Analystenerwartungen von 544 Millionen Euro konnten deutlich überboten werden.

Deutsche Börse hebt Dividende an

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gut lief es auch die Aktie der Deutschen Börse, die 2,74 Prozent vorrückte. Der Frankfurter Börsenbetreiber hat im vergangenen Jahr wegen der hohen Volatilität an den Märkten seinen Umsatz um 16 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro und das Ebit um 14 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro verbessert. Netto sank das Ergebnis jedoch um 13 Prozent auf 666 Millionen Euro, was mit Sondereffekten begründet wurde. Die Dividende soll trotzdem von 2,10 auf 2,25 Euro angehoben werden.

FMC einigt sich

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der weltgrößte Dialysekonzern Medical Care (FMC) hat sich in einem Produkthaftungsverfahren um seine Dialyselösungen GranuFlo und NaturaLyte "grundsätzlich" mit den Klägern geeinigt. Bei einer Zustimmung von 97 Prozent der Kläger bis Juli 2016 werde diesen im August 2016 eine Summe von 250 Millionen US-Dollar ausgezahlt, hieß es. Davon werden laut FMC 220 Millionen Dollar von Versicherungen übernommen.

Ist Baumann der neue Bayer-Chef?

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Strategiechef Werner Baumann soll ab Anfang 2017 den zum Jahresende scheidenden Vorstandschef Marijn Dekkers beerben. Das schreibt das "manager magazin" und beruft sich auf Konzernkreise. Die Nachfolgeregelung solle im Umfeld der Bilanzpressekonferenz in der kommenden Woche bekannt gegegben werden, heißt es weiter. Dekkers, der seit 2010 den Leverkusener Konzern führt, scheidet auf eigenen Wunsch aus. Baumann gilt schon länger als Kronprinz bei Bayer. er war Finanzchef und ist seit Herbst 2014 für die Strategie und das Portfoliomanagemnt zuständig. Seit April 2015 verantwortet er die Gesundheitssparte. Ein Bayer-Sprecher wollte sich nicht äußern.

SAP beruft zwei neue Vorstände

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Und noch eine Personalie aus dem Dax. Europas größter Softwarekonzern SAP beruft zwei neue Mitglieder in den Vorstand. Stefan Ries bleibt für die Personalentwicklung verantwortlich und wird von Anfang April an auch Arbeitsdirektor; Steve Singh wird im Vorstand wie bisher für das Geschäftsnetzwerk zuständig sein. "Sowohl Stefan Ries als auch Steve Singh sind Führungskräfte mit einem enormen Erfahrungsschatz", sagte Vorstandschef Bill McDermott.

Norma Group empfohlen

An der Spitze im MDax standen die Papiere der Norma Group. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat den Wert von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 50 auf 54 Euro angehoben. Der Autozulieferer glänze mit krisenfestem Wachstum und einer Profitabilität (Ebit-Marge) von mehr als 17 Prozent, hieß es.

Takkt will mehr geben

zu den größten Gewinnern im Kleinwerteindex SDax gehörte Takkt. Der Versandhändler für Geschäftsausstattung von Unternehmen will für das Geschäftsjahr 2015 eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie ausschütten. Das sind 18 Cent mehr als vor einem Jahr. Außerdem soll in Zukunft die Ausschüttungsquote grundsätzlich steigen. All das kam bei den Anlegern sehr gut an.

Nestlé erhöht Dividende

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist im vergangenen Jahr organisch um 4,2 Prozent gewachsen. Analysten hatten durchschnittlich 4,3 Prozent erwartet. Der Gewinn schrumpfte um 5,4 Milliarden auf 9,1 Milliarden Franken. Immerhin steigt die Dividende für 2015 von 2,20 auf 2,25 Franken je Aktie.

OMV schreibt rote Zahlen

Der niedrige Ölpreis hat den österreichischen Energiekonzern OMV schwer getroffen. OMV verbuchte 2015 einen Nettoverlust von 1,1 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 278 Millionen Euro erzielt worden war. Der Umsatz brach um 37 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro ein, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Wien mit. Auch andere Branchengrößen mussten zuletzt deutliche Gewinneinbußen hinnehmen.

Walmart senkt die Prognose

Walmart: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Walmart-Aktien stehen in New York unter Druck, nachem der amerikanische Einzelhandelsriese für das laufende Geschäft seine Umsatzprognose gesenkt hat. Man rechne nun mit "mehr oder weniger" stabilen Umsätzen, hieß es. Bisher war ein Wachstum von drei bis vier Prozent anvisiert worden. Gleichzeitig legte das Unternehmen Zahlen für das vierte Quartal vor, die etwas über den Erwartungen lagen. Zudem wird die Dividende von 1,96 auf 2,00 Dollar erhöht. Die Walmart-Aktie ist im Leitindex Dow Jones enthalten.

IBM kauft schon wieder zu

An der Spitze im Dow liegt das IBM-Papier. Der IT-Dienstleister Technologie-Pionier baut mit einem milliardenschweren Zukauf sein Geschäft mit Gesundheitsdaten aus. IBM übernimmt dazu für 2,6 Milliarden Dollar Truven Health Analytics, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Es ist der vierte Zukauf des Technologiekonzerns in der Branche seit Gründung der Gesundheitssparte im April 2015. Truven bietet Internet-basierte Gesundheitsdienstleistungen an. Zu den Kunden gehören Behörden, Krankenhäuser und Pharmafirmen.

Zuletzt hat IBM im Oktober für eine Milliarde Dollar die Medizintechnikfirma Merge Healthcare übernommen. IBM steckt mitten im Umbau seines Geschäftsmodells. Vorstandschefin Ginni Rometty stößt seit längerem weniger lukrative Hardware-Sparten ab und baut gewinnträchtigere Bereiche wie Sicherheitssoftware und Cloud-Geschäfte aus.

Yahoo schrumpft

Der angeschlagene ehemalige Internet-Riese Yahoo schließt sieben seiner elf Digital-Magazine. Betroffen seien "Yahoo Food", "Yahoo Health" und "Yahoo Parenting" sowie "Yahoo Makers", "Yahoo Travel", "Yahoo Autos" und "Yahoo Real Estate", teilte Chefredakteurin Martha Nelson am Mittwoch im zum Konzern gehörenden Blog Tumblr mit.

rm

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"