Marktbericht 20:02

Krisen im Irak und der Ukraine, schlechte Zahlen aus Amerika Dax weicht einen Schritt zurück

Stand: 25.06.2014, 20:02 Uhr

Sind es die Kämpfe im Irak und der Ukraine oder die Furcht vor einer überraschend schwachen Konjunktur in den USA? Die Anleger in Frankfurt gehen am Mittwoch in Deckung.

Wegen der schwachen Vorgaben aus Übersee eröffnet der Dax gleich zu Handelsbeginn etwas schwächer. Am Vormittag kommt es zwar zu einer leichten Erholung auf ein Tageshoch von 9.914 Punkten, doch die Stimmung an den Aktienmärkten bleibt nervös und nicht wenige Anleger nutzen kurz vor Halbjahresultimo die Gelegenheit, um Gewinne mitzunehmen.

Weil eine Eskalation der Krisen im Irak und in der Ukraine nicht ausgeschlossen werden könne, werde sich kein Anleger auf dem erreichten Niveau neu positionieren, erklärte DailyFX-Chefanalyst Jens Klatt den Rückgang der Kurse. Solange der Dax aber nicht unter 9.800 Punkte falle, sei die Welt am deutschen Aktienmarkt noch in Ordnung.

Für Enttäuschung sorgen vor allem die schlechter als erwartet ausgefallenen US-Wachstumszahlen. Im ersten Quartal ist die Wirtschaftsleistung in den USA wegen des kalten Winters um 2,9 Prozent gesunken. Die neuen Zahlen drücken den Dax auf ein Tagestief von 9.836 Punkten. Am Ende geht der Leitindex 0,71 Prozent oder 70 Punkte tiefer aus dem Handel bei 9.868.

An der Wall Street sorgt der Rückgang des BIP im ersten Quartal eher für Schulterzucken, weiß dort doch jeder, dass die ersten Schätzungen der Statistiker oft dem Reich der Fantasie entspringen als die Wirklichkeit abzubilden.

Auch die Kämpfe im Irak und der damit verbundene Anstieg der Ölpreise scheinen die Anleger an der Wall Street am Mittwoch - im Gegensatz zum Vortag - nicht zu schrecken. Der Dow Jones-Index eröffnete zwar mit 0,1 Prozent leicht im Minus, dreht im weiteren Handelsverlauf aber ins Plus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,27 Prozent höher bei 16.863 Punkten.

Kauflaune in Deutschland

Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hat sich dagegen weiter aufgehellt. Der GfK-Konsumklimaindex für Juli stieg überraschend an, auf den höchsten Stand seit Dezember 2006. Dabei war es vor allem die jüngste Zinssenkung durch die EZB, die für eine deutlich bessere Kauflaune bei den deutschen Verbrauchern sorgte.

Dagegen kommt Frankreichs Wirtschaft nur mühsam voran. Laut der nationalen Statistikbehörde Insee, dürfte das Wachstum in diesem Jahr deutlich niedriger ausfallen als von der Regierung angestrebt: nur 0,7 Prozent, während die Regierung auf ein Plus von 1,0 Prozent setzt.

Euro profitiert

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1754
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+0,07%

Der Euro ist am Mittwoch nach den schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten deutlich gestiegen. Zeitweise notierte er fast einen halben Cent höher als am Morgen und erreichte ein Tageshoch bei 1,3651 Dollar. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3615 (Dienstag: 1,3618) Dollar festgesetzt. Bei Börsenschluss notiert die Gemeinschaftswährung wieder etwas schwächer bei 1,3634 Dollar.

Deutsche Bank nimmt 8,5 Milliarden ein

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,47
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-0,59%

Im Dax hat die Deutsche Bank ihre neuerliche Kapitalerhöhung abgeschlossen. Der Frankfurter Dax-Konzern erlöste nach eigenen Angaben wie geplant insgesamt rund 8,5 Milliarden Euro. Die Altaktionäre mussten sich bis Mitternacht am Dienstag entscheiden, ob sie mitziehen oder nicht. 99,1 Prozent der Bezugsrechte seien ausgeübt worden. Mit dem frischen Geld will die Bank ihre Eigenkapitalquote weiter verbessern und Investitionen in den Ausbau des Investmentbaking finanzieren. Die Aktie notiert dennoch im Minus.

HeidelbergCement am Dax-Ende

Schwächster Wert im Dax sind die Aktien von HeidelbergCement. Die Investmentbank Raymond James hat den Wert von "Outperform" auf "Market Perform" herabgestuft. Analyst Arnaud Palliez begründete dies vor allem mit dem nur noch geringen Kurspotenzial zu dem von ihm kalkulierten fairen Wert von 67 Euro.

Commerzbank mit Gegenbewegung

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,42
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Dagegen hat die Commerzbank-Aktie ihren seit Tagen andauernden Niedergang gestoppt und legt wieder zu. Das Papier ist sogar der mit Abstand stärkste Wert im Dax, ohne dass es Nachrichten zu Deutschlands zweitgrößter Bank geben würde.

Drillisch begeistert mit Telefonica-Deal

Auf ein Rekordhoch von 30,10 Euro ist die im TecDax notierte Aktie von Drillisch gestliegen, bevor der Kurs wieder etwas abbröckelt. Der Mobilfunkkonzern Telefonica Deutschland, bekannt durch die Marke O2, will dem Mobilfunk-Reseller Drillisch einen erweiterten Netzzugang gewähren. Hintergrund ist die geplante Übernahme des Konkurrenten E-Plus durch Telefonica. Mit der Vereinbarung sollen die Bedenken der EU-Kommission ausgeräumt werden.

Sartorius bestätigt seine Ziele

Zu den Gewinnern im TecDax gehört auch Sartorius. Der Labor- und Pharmazulieferer hat am Morgen seine Jahresziele bestätigt. "Wir haben eine gute Dynamik im Unternehmen und sehen uns im Rahmen unserer Langfriststrategie auf Kurs", sagte Finanzchef Jörg Pfirrmann der "Börsen-Zeitung". Die Aussagen kommen gut bei den Investoren an. Sartorius-Vorzüge steigen überdurchschnittlich.

JPMorgan hilft Metro

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,29
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Im MDax sind die Metro-Aktien der stärkste Wert. Mit knapp 32 Euro notieren sie auf dem höchsten Stand seit Februar. Grund ist eine positive Studie von JPMorgan. Analyst Jaime Vazquez gab seine negative Haltung auf und stuft die Einzelhandelstitel nun mit "Neutral" ein. Er ist optimistischer für den geplanten Börsengang des Cash & Carry-Geschäft in Russland sowie eine Stabilisierung des Kerngeschäfts.

Stada will weiter zukaufen

Abwärts geht es dagegen mit den Papieren von Stada. Dabei will der Bad Vilbeler Generikahersteller in den nächsten beiden Wochen die erste von drei anstehenden Übernahmen bekanntgeben. Dabei gehe es in Großbritannien um ein Produkt aus dem Bereich Dermatologie mit hoher Gewinnmarge, sagte Konzernchef Hartmut Retzlaff am Dienstag in Frankfurt. Die beiden anderen Zukäufe in Osteuropa und Großbritannien dürften noch etwas auf sich warten lassen.

Unfreundlicher Empfang für Braas Monier

Enttäuschung für Braas Monier. Der Kurs des Dachpfannenherstellers rutscht gleich am ersten Handelstag an der Frankfurter Börse mit 23,40 Euro unter den Ausgabepreis von 24 Euro. Danach geht es weiter bergab bis auf ein Tagestief von 21,90 Euro. Erst danach erholt sich das papier etwas. Braas-Vorstandschef Pepyn Dinandt nahm das Minus auf der Kurstafel gelassen. "An der Börse schwanken die Kurse. Mit unserem Geschäft geht es aufwärts, dann wird es auch mit der Aktie aufwärts gehen", sagte er.

Monsanto mit besserem Ausblick

Der weltgrößte Hersteller von Saatgut und Genpflanzen Monsanto will seinen Gewinn in den nächsten fünf Jahren verdoppeln. Der amerikanische Agrochemie-Rivale von Bayer und des Schweizer Konzerns Syngenta hob am Mittwoch außerdem seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2013/14 (Ende August) an. Monsanto kündigte darüber hinaus ein neues zweijähriges Aktienrückkauf-Programm im Umfang von zehn Milliarden Dollar an. Der Kurs der Monsanto-Aktie schnellte daraufhin um bis zu sechs Prozent in die Höhe.

Google auf dem Vormarsch

Google wird Insidern zufolge seine derzeitige Entwickler-Konferenz in San Francisco nutzen, um mit Software über Smartphones hinaus in andere Bereiche vorzustoßen. Der Internet-Konzern werde Wege aufzeigen, wie die Android-Software, die mehr als drei Viertel aller Smartphones steuert, auch in Autos mehr Verwendung finden könnte, meldet Reuters. Damit solle es für Fahrer leichter werden, die Navigations- und Unterhaltungsanwendungen ihrer Smartphones auch im Wagen nutzen zu können. Ein zweiter Insider ergänzte, Google könne auch einen neuen Service vorstellen, der die Gesundheit von Nutzern sowie die persönliche Fitness misst.

Facebook bleibt bei Jugendlichen beliebt

Junge Leute verlassen Facebook in Scharen? Von wegen. Es ist immer noch das beliebteste soziale Netzwerk unter Jugendlichen in Amerika. Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Forrester unter 4.500 Jugendlichen hat ergeben, dass mehr als drei Viertel unter ihnen auf Facebook gehen - doppelt so viele wie auf Pinterest, Tumblr oder Snapchat, und mehr als die Nutzer von Instagram und WhatsApp zusammen, ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage.

lg

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