Marktbericht 20:00 Uhr

Anleger werden wieder mutiger Dax wechselt die Richtung

Stand: 19.09.2016, 20:00 Uhr

Zum Wochenstart agieren die Investoren gedämpft optimistisch. Viele spekulieren darauf, dass sich die Fed am Mittwoch gegen eine Zinserhöhung entscheidet. Aber so ganz ist die Unsicherheit noch nicht verflogen.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von einem Prozent auf 10.373,87 Punkten. Der L-Dax stieg um 0,5 Prozent auf 10.345,34 Punkte. Das bestimmende Thema am Markt bleibt die Zinssitzung in den USA am Mittwoch. Da die Investoren damit rechnen, dass die Fed den Leitzins unverändert lässt, nutzten sie die Gelegenheit und kauften Aktien. "Der Markt stellt sich darauf ein, dass sich die Fed im September nicht bewegen wird", sagte Aktienstratege Matt Jones von J.P. Morgan Private Bank.

Andere Indizes legten stärker zu. Der EuroStoxx 50 gewann 1,1 Prozent auf 2.968,31 Punkte. Der französische CAC 40 gewann 1,4 Prozent auf 4.394,19 Zähler. Der britische FTSE 100 rückte um 1,5 Prozent auf 6.813,55 Punkte vor. Der Dow Jones dagegen stieg zunächst, gab seine Gewinne im Handelsverlauf aber wieder ab und sackte zeitweise ins Minus. Am Abend sank der US-Leitindex um knapp 0,1 Prozent.

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.457,50
Differenz relativ
+0,24%
FTSE 100: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.657,15
Differenz relativ
+0,51%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.661,54
Differenz relativ
+0,80%

Ein Rest Unsicherheit bleibt

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.119,89
Differenz relativ
+0,22%

Schließlich sind bei der Fed Überraschungen immer möglich. "Nur zwölf Prozent der Profis an der Terminbörse gehen von einer Zinserhöhung der US-Notenbank am Mittwoch aus", sagt Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. "Aber weit mehr werden es sein, die zumindest nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden wollen, sollte die Mehrheit in diesem Fall nicht Recht behalten", so der Marktbeobachter. Größere Engagements seien deshalb heute ausgeblieben. "Aktuell weiß kein Marktteilnehmer so richtig, in welche Richtung es weitergeht", schätzt Marktbeobachter Jens Klatt die Lage am Aktienmarkt ein.

Angstfaktor Trump?

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
Audio

Börse 19.00 Uhr

Martin Moryson, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim, stellt seine Szenarien für die künftige US-Zinspolitik vor: Die Fed werde die Zinsen im Vorfeld der Präsidentschaftswahl nicht erhöhen wollen. "Schließlich stellt Donald Trump eine größere Gefahr für die US-Wirtschaft dar als der Wunsch der Briten, die Europäische Union zu verlassen. Im Dezember wird sie voraussichtlich den nächsten Zinsschritt gehen – wenn sich der Pulverdampf um die Wahlen gelegt hat und bessere Wachstumszahlen fürs dritte Quartal vorliegen."

Deutsche Bank sinkt und sinkt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,17
Differenz relativ
-1,36%

Schwächster Dax-Wert war die Deutsche Bank. Noch immer leidet das größte Geldhaus unter der Aussicht auf eine Strafe von 14 Milliarden Dollar in den USA wegen unsauberer Hypothekengeschäfte. Analyst Andrew Lim von der Société Générale hält die Bank schon länger für deutlich unterkapitalisiert. Dabei sei er sogar noch davon ausgegangen, dass die Strafe neben Kosten für andere Baustellen aus den Rückstellungen von 5,4 Milliarden Euro gestemmt werden könne. Insgesamt drohe ein Kapitalbedarf von etwa 20 Milliarden Euro - und damit oberhalb der Marktkapitalisierung - um eine ordentliche Kapitaldecke zu erhalten.

Immobilien-Aktien: Nur noch gebremstes Wachstum?

Kritische Aussagen von Merrill Lynch drückten auf die Kurs von Immobilienaktien wie Vonovia und Deutsche Wohnen. Die deutschen Immobilienwerte hätten zuletzt deutlich von der Suche der Anleger nach Sicherheit profitiert, hieß es. Die Kursentwicklung habe sich dabei von der nur geringen Verbesserung der operativen Ergebnisse (FFO) abgekoppelt.

In den kommenden zwölf Monaten komme vor allem aus der Politik starker Gegenwind, da der Immobilienmarkt ein wichtiges Thema im Bundestagswahlkampf 2017 sein werde, schrieben die Analysten weiter. Das Wachstum der Häuserpreise werde nicht auf dem Niveau wie bisher von fünf bis sechs Prozent pro Jahr weitergehen, da eine nochmalige Verbilligung der Finanzierungskonditionen unwahrscheinlich sei.

VW: Rückruf und kein Ende

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,08
Differenz relativ
+0,95%

Ein Jahr nach Ausbruch des Abgasskandals hat der Volkswagen-Konzern erst rund zehn Prozent der manipulierten Fahrzeuge in den Werkstätten nachgebessert. Dennoch ist der Autobauer zuversichtlich, dass die Beseitigungen der manipulierten Motorsteuerungen bis Ende des Jahres Fahrt aufnehmen und 2017 abgeschlossen sein werden. Das geht aus dem VW-Mitarbeiter-Magazin "Inside" hervor.

Index-Änderungen im Blick

Im TecDax und SDax wurden heute einige bereits bekannt gegebene Änderungen wirksam. Nach dem starken Kursverfall der vergangenen Monate muss der Chipindustrie-Ausrüster Süss Microtec den TecDax verlassen. Nachfolger wird das österreichische IT-Unternehmen S&T. Im SDax ersetzt der Haushaltswarenhersteller Leifheit die Comdirect Bank.

Wechsel im EuroStoxx 50

Auch im EuroStoxx 50 gab es Änderungen. Die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas, des niederländisch-belgische Supermarktbetreibers Ahold Delhaize und des irischen Baustoffe-Konzerns CRH werden in den EuroStoxx 50 aufgenommen. Die Papiere der italienischen Bank UniCredit, des französischen Handelskonzerns Carrefour und des italienischen Versicherers Generali müssen den Index dagegen verlassen.

Xing empfohlen

Im TecDax lag die Xing-Aktie ganz vorne. Die Privatbank Berenberg hat die Aktie des Online-Karrierenetzwerks von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 181 auf 217 Euro angehoben. Das Unternehmen könnte sein operatives Ergebnis (Ebitda) in den kommenden vier Jahren mehr als verdoppeln und in den kommenden zehn Jahren ein prozentual zweistelliges Umsatzwachstum aus eigener Kraft behaupten, hieß es. Dazu komme das Potenzial für erhebliche Barmittelausschüttungen.

Luftholen für Bilfinger

Im MDax waren die Aktien von Bilfinger dank eines Großauftrages aus den USA gefragt. Der Auftrag der Orascom Engineering & Construction USA hat ein Volumen von 100 Millionen Euro und umfasst die kompletten Montagearbeiten für die größte Methanol-Anlage der USA in Texas. Mit einem Abschlag von 35 Prozent sind Bilfinger schlechtester Indexwert 2016. Bilfinger steckt seit Jahren in der Krise. 2015 fuhren die Mannheimer einen Rekordverlust von knapp einer halben Milliarde Euro ein. Der Chefsessel war in den vergangenen zwei Jahren ein Schleudersitz.

Samsung macht Kasse

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung verkauft Anteile an mehreren Technologie-Unternehmen. Dazu gehören der Speicherhersteller Rambus, der japanische Elektronik-Anbieter Sharp, der Festplatten-Hersteller Seagate und der Halbleiter-Spezialist ASML. Grund könnte die teure Rückrufaktion seines Spitzen-Smartphone Galaxy Note 7 sein.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr