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Über 13.000 Punkte Dax: Was für ein Kaufrausch

Stand: 14.06.2018, 17:50 Uhr

Das war eine Entscheidung ganz nach dem Geschmack der Anleger: Während die Zinsen in Amerika auf zwei Prozent steigen, will die hiesige Notenbank bis in die zweite Jahreshälfte 2019 hinein an der Nullzinspolitik festhalten.

Das überraschend klare Signal der europäischen Notenbanker, die Anleihekäufe Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen, die Leitzinsen aber bis zum Herbst nächsten Jahres nicht anzutasten, hat an den Aktienmärkten einen regelrechten Kaufrausch entfacht. Der Dax klettert bis auf ein Tageshoch von 13.135 Punkten, fast 250 Punkte mehr als am Vortag. Am Ende geht der Leitindex bei 13.107 Punkten aus dem Handel, 216 Punkte oder 1,68 Prozent mehr als am Vortag. Es ist der größte Tagesgewinn seit zehn Wochen.

Damit hat die EZB die Sommerrally gestartet, kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets. Kein Wunder, bleibt die üppige Liquiditätsversorgung der Märkte doch erhalten.

Leiden der Sparer geht weiter

Andererseits hat das Leiden der deutschen Sparer, die ihr Geld lieber auf Bankkonten dahin schmelzen lassen, statt Aktien zu kaufen, noch immer kein Ende. Zunächst will die EZB die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen vorsichtig abschmelzen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das viele billige Geld der Notenbank soll der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge helfen und zugleich die Teuerung anheizen. Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an.

Euro verliert kräftig

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Umgekehrt hat die Aussicht auf eine spätere Zinswende in Europa und die Hinweise von Notenbankchef Mario Draghi auf Abwärtsrisiken den Euro unter Druck gesetzt. Die Gemeinschaftswährung rutscht immer weiter ab und notiert zuletzt bei 1,1646 Dollar, nachdem sie kurz vor dem Zinsentscheid der Notenbank noch auf 1,1845 Dollar geklettert war.

EU-Strafzölle bringen Wall Street unter Druck

Auch an der Wall Street eröffnet der Dow Jones-Index zunächst im Plus. Die technologielastigen Börsenbarometer Nasdaq 100 und Nasdaq Composite erklommen sogar Rekordhochs. Damit sind die am Vortag von der Notenbank in Aussicht gestellten weiteren Zinsanhebungen schnell verdaut.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Einen Dämpfer erhalten Kurse in New York dann jedoch durch die 2,8 Milliarden Euro schweren Vergeltungszölle Europas gegen die USA. Vertreter der Länder hätten die von der EU-Kommission aufgesetzte Liste von Zöllen auf US-Produkte einstimmig angenommen, sagten drei EU-Vertreter. Die Strafabgaben werden voraussichtlich ab Anfang Juli auf US-Waren wie Jeans, Erdnussbutter oder Motorräder fällig.

Versorger ganz vorn

Im Dax führen die beiden Versorger RWE und Eon die Liste der Gewinner an. Diese Werte gelten angesichts einer vergleichsweise hohen Verschuldung und hoher Investitionen als besonders zinssensibel. Sie profitieren also von der anhaltend expansiven Geldpolitik. Aus Sicht von Investoren haben die Aktien von Versorgen zudem einen anleiheähnlichen Status wegen stabiler Erträge und Dividenden.

SAP mit neuem Rekordhoch

Die Aktien des Software-Konzers SAP haben ein neues Rekordhoch erklommen. Dabei haben die Papiere des mit mehr als 125 Milliarden Euro wertvollsten börsennotierten deutschen Unternehmens allein seit dem Zwischentief Anfang April rund ein Viertel an Wert zugelegt. Dabei hatten vor allem starke Geschäftszahlen für das erste Quartal Schwung verliehen. Ende Mai kam dann noch ein optimistischer Umsatzausblick des Rivalen Salesforce hinzu.

VW-Strafe: Was geschieht mit der Milliarde?

Eine Milliarde Euro soll der Autobauer VW an Bußgeld zahlen. Nach Einschätzung der Ermittler ist es das höchste jemals in Deutschland verhängte Bußgeld, das VW für den Dieselskandal zahlen muss. Zunächst einmal bekommt die niedersächsische Landeskasse die Milliarde. Sie soll innerhalb von sechs Wochen überwiesen werden. Was nun mit dem Geld geschieht, darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen. FDP und Steuerzahlerbund in Niedersachsen wollen zum Beispiel, dass das Geld in den Schuldenabbau des Bundeslandes fließt. Der niedersächsische Richterbund forderte mehr Jobs in der Justiz. Die VW-Aktie dreht trotzdem ins Plus.

Vonovia unter Beobachtung

Vonovia: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Vonovia ist ins Visier des "Spiegel" geraten. Das Magazin berichtet kritisch über die Höhe der Nebenkosten, die Umlegung von Modernisierungskosten und die Höhe der Mieten. Auch wenn alles sehr vage und schwer einzuschätzen ist, hat das die im Dax notierte Aktie zunächst belastet. Zudem hat die Credit Suisse die Einstufung für Vonovia auf "Underperform" mit einem Kursziel von 41 Euro belassen. Die geplante Expansion in europäische Großstädte brächte Größenvorteile, berge aber auch Risiken.

Cropenergies warnt

Der Rückgang bei den Ethanolpreisen erwischt die Südzucker-Tochter Cropenergies schwer. Nach einem schwächeren Jahresauftakt zeigen sich die Mannheimer für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 nun noch pessimistischer als bisher und senken ihre Prognosen für Umsatz und Ergebnis. Die Aktie bricht ein und drückt auch die Südzucker-Papiere ins Minus.

Bertrandt enttäuscht

Der Ingenieurdienstleister Bertrandt aus dem SDax hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/18 seine Gesamtleistung von knapp 498 auf 501 Millionen Euro leicht verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte von 35,6 auf 36,1 Millionen Euro zu und lag damit trotz der geringeren Anzahl an Arbeitstagen leicht über dem Vorjahr. Die Aktie verliert deutlich.

Bastei Lübbe: Noch mehr Verluste

Hohe Wertberichtigungen auf die Manuskriptbestände, Millionenabschreibungen bei Tochterfirmen und ein wenig erfolgreiches Computerspielprojekt haben im Geschäftsjahr 2017/18 für tiefrote Zahlen beim Kölner Verlagshaus Bastei Lübbe gesorgt. Mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern von rund 18 Millionen Euro fiel das Ergebnis sogar noch um sieben Millionen Euro schlechter aus, als noch im Februar erwartet.

Gerry Weber aus der Mode

Der Damenmode-Hersteller hat seine Umsatz- und Ergebnisziele für dieses Jahr nach unten korrigiert. Gleichzeitig kündigte Gerry Weber den Umbau seines Geschäftsmodells an. Die Anleger reagieren enttäuscht.  | mehr

Grenke schließt Kapitalerhöhung ab

Der IT-Vermieter Grenke platzierte rund zwei Millionen Papiere zu je 98 Euro bei institutionellen Investoren. Brutto fließen dem Unternehmen damit rund 200 Millionen Euro zu. Das, was davon nach den Kosten im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung übrig bleibt, soll ins Wachstums investiert werden.

Rolls-Royce streicht viele Stellen

Der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce will bis Mitte 2020 weitere 4.600 Stellen streichen und so in diesem Zeitraum umgerechnet rund 454 Millionen Euro einsparen. Der Großteil der Streichungen entfällt auf Großbritannien, wo sich die Konzernzentrale befindet. Ein Drittel der betroffenen Mitarbeiter soll noch im laufenden Jahr gehen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 22. Juni

Unternehmen:
Hornbach: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Frankreich: BIP, Q1 detailliert, 8:45 Uhr
Deutschland: Markit Einkaufsmanagerindex Deutschland Juni, vorläufig,9:30 Uhr
Großbritannien: Markit Einkaufsmanagerindex Euro-Zone Juni, voläufig,10 Uhr