Marktbericht 9:24 Uhr

Marktbericht positiv

Starker Wochenstart Dax: Warum die Börsen jetzt wieder frohlocken

von Angela Göpfert

Stand: 14.09.2020, 09:24 Uhr

Der Dax ist mit starken Kursgewinnen in die neue Woche gestartet. Von allen Seiten gibt es gute Nachrichten: Die Corona-Impfstoff-Suche läuft auf Hochtouren. Und auch die zuletzt arg geprügelte Tech-Branche wittert wieder Morgenluft.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich binnen 24 Stunden knapp 308.000 Menschen neu mit dem Virus infiziert - so viele wie nie zuvor an einem Tag. Zugleich warnte die WHO vor einem Anstieg der Corona-Todesfallraten in Europa im Herbst.

Wie passt es da, dass der Dax heute zu Handelsbeginn 1,0 Prozent auf 13.330 Punkte in die Höhe schnellt? Ist das Zeichen eines massiven Realitätsverlustes der Anleger – oder ist das einfach nur Börse? Meine Vermutung: letzteres. Denn wie heißt es so schön: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und die sieht nach dem Wochenende schon wieder viel besser aus als noch am Freitag.

Gelingt der Ausbruch?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.116,25
Differenz relativ
-0,70%

Übers Wochenende häuften sich die positiven Nachrichten – aus dem Tech-Sektor, aber auch aus den Laboren der Impfstoff-Forscher. Das könnte dem Dax nun den nötigen Kursimpuls geben, um die beiden jüngsten Tageshochs bei 13.314/13.460 Punkten in Angriff zu nehmen und letztlich den Deckel in Form der oberen Gapkante der Abwärtskurslücke vom Februar (13.501 Zähler) zu lüften.

Am Freitag hatte der Dax noch einen so genannten „inside day“ ausgebildet: Tageshoch und -tief lagen innerhalb der Handelsbreite des vorangegangenen Tages. Das deutet oftmals auf einen bevorstehenden Ausbruch hin. Wie es aussieht, findet dieser Ausbruch nun auf der Oberseite statt.

Auch die US-Futures haben übers Wochenende mächtig angezogen. Der Future auf den US-Leitindex Dow Jons Industrial Average notiert aktuell 1,2 Prozent höher. Der Future auf den technologielastigen Nasdaq 100 zieht sogar um 1,8 Prozent an.

Gilead, Nvidia und Oracle im Fokus

Hintergrund sind die zahlreichen Milliarden-Übernahmen, die sich im Tech-Sektor anbahnen. So will sich der Pharmakonzern Gilead mit dem Kauf des Biotech-Unternehmens Immunomedics bei Krebstherapien verstärken. Dafür legt Gilead rund 21 Milliarden US-Dollar auf den Tisch - für die Immunomedics-Aktionäre ist das eine Übernahmeprämie von mehr als 100 Prozent.

Auch in der Halbleiterbranche bahnt sich ein Mega-Deal an: Der britische Chip-Designer ARM, ein Schlüssel-Unternehmen für die Smartphone-Branche, soll künftig dem US-amerikanischen Grafikkarten-Spezialisten Nvidia gehören. Der bisherige Eigentümer, der japanische Technologie-Konzern Softbank, trennt sich von ARM in einem rund 40 Milliarden Dollar schweren Deal.

Und im Ringen um die Zukunft der populären Video-App Tiktok in den USA zeichnet sich ein Deal in letzter Minute mit Beteiligung des amerikanischen Software-Konzerns Oracle ab.

Harte Woche für Tech-Fans

All das schürt Hoffnungen, dass das jüngste Siechtum der amerikanischen Tech-Werte nun ein Ende findet und der Sektor zu seiner alten Stärke zurückfindet. Schließlich waren es die Tech-Werte, auf deren Schultern die gigantische Rally der US-Börsen seit dem Corona-Crash-Tief im März maßgeblich ruhte.

Zuletzt hatten Tech-Aktien bei den Anlegern aber einen schweren Stand. Allein in der vergangenen Woche brach der Nasdaq Composite um 4,1 Prozent ein. Zum Vergleich: Die Standardwerte im Dow Jones verloren auf Wochensicht nur 1,7 Prozent.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.662,87
Differenz relativ
-0,87%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.318,01
Differenz relativ
-1,20%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.793,28
Differenz relativ
-1,07%

Hoffnungsfaktoren Fed und Impfstoff

Am Freitag schloss der Dow Jones 0,5 Prozent höher auf 27.665 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 legte moderate 0,1 Prozent auf 3340 Punkte zu. Der Nasdaq Composite gab dagegen 0,6 Prozent auf 10.853 Punkte nach.

Für neuen Aufschwung könnte in der neuen Woche nun neben den Tech-Werten auch die US-Zentralbank Federal Reserve sorgen, wenn sie abermals eine noch für lange Zeit lockere Geldpolitik bekräftigt. Schließlich legte die Fed mit einer historisch einmaligen monetären Expansion die Basis für diese historisch einmalige Börsen-Rally.

Nicht zuletzt kommen auch von der Impfstoff-Front wieder positive Nachrichten. Der Pharmahersteller AstraZeneca gab am Wochenende bekannt, dass er die klinischen Studien mit seinem experimentellen Covid-19-Impfstoff wieder aufgenommen habe. Und das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmariese Pfizer wollen ihre Corona-Impfstoff-Studie ausweiten.

Kursgewinne auch in Asien

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.360,30
Differenz relativ
+0,18%

Auch in Asien stehen zu Wochenbeginn die Zeichen auf Kursgewinne. Der Hang Seng in Hongkong gewinnt zur Stunde 0,7 Prozent, der Shanghai Composite legt 0,5 Prozent zu. Der japanische Nikkei steht zum Handelsschluss in Tokio 0,7 Prozent höher.

Japans Regierungspartei LDP hat Yoshihide Suga zum Parteivorsitzenden und damit faktisch zum künftigen Ministerpräsidenten des Landes gewählt. Seine Wahl zum Regierungschef der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt am Mittwoch ist so gut wie sicher.

Japan-Experten gehen nicht davon aus, dass dieses Ereignis sonderlich marktbewegend sein wird, da der Abe-Vertraute Suga die Wirtschaftspolitik („Abenomics“) seines Vorgängers fortsetzen dürfte.

Öl und Gold im Aufwind

Der Euro tendiert im frühen Devisenhandel leicht höher bei 1,1845 Dollar.

Der Goldpreis zieht 0,2 Prozent an auf 1.945 Dollar je Feinunze.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1868
Differenz relativ
+0,20%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.952,76
Differenz relativ
+0,11%

Die Ölpreise tendieren zu Wochenbeginn leicht aufwärts. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet mit 37,47 Dollar 0,4 Prozent mehr. Der Preis für die Nordsee-Benchmark Brent zieht 0,2 Prozent an auf 39,89 Dollar je Barrel.

Die Ölpreise profitieren von der steigenden Risikoneigung der Anleger, gilt Rohlöl doch als riskante Anlage. Zudem spekulieren einige Anleger wegen des Wirbelsturms „Sally“ auf Produktionsausfälle im Golf von Mexiko.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
43,11
Differenz relativ
-0,48%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,00
Differenz relativ
-0,02%

Adidas: Mit Adiletten und T-Shirt im Homeoffice

Der Sportartikelhersteller Adidas profitiert in der Coronakrise nach eigenen Angaben vom Trend zu legerer Kleidung im Homeoffice. "Wer nicht raus geht, sitzt in Adiletten und T-Shirt im Homeoffice", sagte Unternehmenschef Kasper Rorsted der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dort seien "die Leute sehr viel lockerer bekleidet als in den Büros, sogar in den Banken". "In Amerika hat zumindest ein Anzughersteller schon zu gemacht, eben weil die Arbeitskleidung auch auf lange Sicht legerer wird - das kommt uns zupass", sagte Rorsted.

Keine Post mehr am Montag?

Die Deutsche Post denkt darüber nach, Briefe an private Adressen nur noch an fünf Wochentagen zuzustellen. Für den Bonner Konzern stelle sich die Frage, "ob wir in Deutschland am Montag eine flächendeckende Briefzustellung brauchen", sagte Vorstandsmitglied Tobias Meyer der Zeitung "Die Welt". Die Zustellung von Firmenpost auch am Montag sei sicherlich sinnvoll, doch bei privater Post sei dies fraglich, meinte Meyer, der im Vorstand für das Brief- und Paketgeschäft zuständig ist.

Machtkampf bei Metro

Im Kampf um den Handelskonzern Metro will der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky seine Macht weiter ausbauen. Den Anteilseignern werde ein freiwilliges Übernahmeangebot von wahrscheinlich 8,48 Euro je Stammaktie sowie zirka 8,87 Euro je Vorzugsaktie unterbreitet, teilte die von Kretinsky kontrollierte EP Global Commerce GmbH (EPGC) am Sonntagabend in Grünwald mit. Diese hielt zuletzt knapp 30 Prozent der Metro-Anteile und will mit der Offerte den Anteil über diese Marke hieven. „EP Global Commerce geht nicht davon aus, nach dem Vollzug des Übernahmeangebots mehr als 50 Prozent der Stimmrechte zu halten.“  | mehr

Tui: Schiffe fahren ab Frühjahr wieder

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
3,23
Differenz relativ
-4,15%

Der Kreuzfahrtanbieter TUI Cruises will nach dem langsamen Wiederbeginn ab dem Frühjahr wieder Fahrten auf allen Schiffe seiner Flotte anbieten. "Wir hoffen, spätestens im Frühjahr 2021 wieder mit allen sieben Schiffen unterwegs zu sein, mit etwas weniger Auslastung und den passenden Gesundheitskonzepten", sagte Unternehmenschefin Wybcke Meier der Zeitung "Welt am Sonntag".

Nach dem Stillstand von Kreuzfahrten wegen der Corona-Pandemie hatte TUI Cruises fast die ganze Flotte in der Nordsee geparkt. Seit Ende Juni dieses Jahres bietet das Unternehmen wieder Reisen in Nord- und Ostsee an. An diesem Wochenende soll ein weiteres Schiff in Griechenland wieder Gäste aufnehmen. TUI betreibt die Schiffe "Mein Schiff" mit den Nummern eins bis sechs und die "Mein Schiff Herz".

Puma wirbt Nike Neymar ab

Der Sportartikelhersteller hat mit der Verpflichtung des brasilianischen Superstars Neymar einen neuen Coup gelandet. Puma schloss am Wochenende einen langjährigen Vertrag mit dem Fußballer, der aktuell beim Champions-League-Finalisten Paris Saint-Germain spielt. Neymar wird auch abseits des Fußballfelds Puma-Schuhe und -Kleidung tragen. Puma-Chef Björn Gulden erklärte, Neymar sei einer der besten Spieler der Welt und habe "einen unglaublich großen Einfluss auf die globale Fußball- und Jugendkultur". Zu finanziellen Details des Vertrags wurde nichts bekannt. Neymar warb früher für den US-Konzern Nike.

Knaus Tabbert eröffnet den heißen IPO-Herbst

Der Wohnmobil-Hersteller Knaus Tabbert wird in eineinhalb Wochen an die Frankfurter Börse rollen. Am 23. September ist das Debüt geplat. Von Montag an bis zum 22. September werden 4,945 Millionen Aktien in einer Spanne von 58 bis 74 Euro angeboten. Mit seinem Börsengang will Knaus Tabbert bis zu 366 Millionen Euro erlösen. Von dem Erlös kommen nur 20 bis 25 Millionen Euro dem Unternehmen selbst zugute, der Löwenanteil geht an den niederländischen Finanzinvestor HTP Investments, der seit elf Jahren an dem Hersteller von Freizeitfahrzeugen beteiligt ist.

Euronext bietet offiziell für Mailänder Börse

Der paneuropäische Börsenbetreiber hat offiziell bestätigt, ein Gebot für die Borsa Italiana abgegeben zu haben. Ein Zusammenschluss von Borsa Italiana und Euronext würde einen führenden Börsenbetreiber auf den kontinentaleuropäischen Kapitalmärkten schaffen, bei dem Italien der größte Ertragsbringer der Euronext-Gruppe wäre. Um die Borsa Italiana, die Medienberichten zufolge zwischen drei und vier Milliarden Euro wert ist und zur Londoner Börse LSE gehört, buhlt auch die Deutsche Börse.

Euronext: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,95
Differenz relativ
+3,90%
Deutsche Börse : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,00
Differenz relativ
+0,24%

Biontech und Pfizer wollen Impfstoff-Studie ausweiten

Der US-Pharmakonzern Pfizer und das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech wollen ihre Studie für einen Covid-19-Impfstoff ausweiten. Der US-Arzneimittelaufsicht FDA sei zugesagt worden, die Phase-3-Studie mit 44.000 Teilnehmern durchzuführen, teilen beide Firmen am Samstag mit. Bislang war von 30.000 Probanden die Rede gewesen. Diese Zahl sollte bereits in der kommenden Woche erreicht werden. Pfizer und Biontech bekräftigten, bei erfolgreichen Ergebnissen solle bereits im Oktober die Zulassung des Impfstoffs beantragt werden

Biontech: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,45
Differenz relativ
-2,29%
Pfizer: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,20
Differenz relativ
+0,32%

Astrazeneca setzt Corona-Impfstoff-Studie fort

AstraZeneca: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,89
Differenz relativ
+0,87%

Der britische Pharmakonzern setzt seine nach einem medizinischen Zwischenfall unterbrochene Studie zu einem aussichtsreichen Corona-Impfstoff-Kandidaten in seiner Heimat fort. Die Gesundheitsbehörde MHRA habe grünes Licht dafür gegeben, so AstraZeneca.

Rund eine Woche zuvor waren die Tests, die neben Großbritannien auch in den USA, Brasilien und weiteren Staaten stattfanden, weltweit gestoppt worden, nachdem ein Teilnehmer gesundheitliche Probleme gezeigt hatte. Das sei ein routinemäßiger Ablauf, der bei großen Testreihen immer wieder auftrete, teilte der Hersteller mit.

Neuer Milliarden-Deal von Gilead

Gilead Sciences: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,75
Differenz relativ
-0,85%

Der US-Pharma-Konzern Gilead kauft den Rivalen Immunomedics und will damit sein Portfolio an Medikamenten gegen Krebs stärken. Dafür legt Gilead rund 21 Milliarden US-Dollar auf den Tisch - für die Immunomedics-Aktionäre ist das eine Übernahmeprämie von mehr als 100 Prozent. Je Immunomedics-Aktie bietet Gilead 88 Dollar. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 42,25 Dollar.  | mehr

Amazon schafft weitere 100.000 Arbeitsplätze

Der US-Online-Händler will wegen der großen Nachfrage in der Corona-Krise 100.000 weitere Mitarbeiter einstellen. Das ist die vierte Einstellungswelle in den USA, die Amazon in diesem Jahr ankündigt. Es würden Voll- und Teilzeitstellen in den USA und Kanada entstehen, erklärte der Konzern. Damit will Amazon mit der während der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegenen Nachfrage im E-Commerce Schritt halten. Im letzten Quartal verzeichnete Amazon einen Umsatzanstieg von 40 Prozent und den höchsten Gewinn in seiner 26-jährigen Geschichte. Das in Seattle ansässige Unternehmen beschäftigte bis Ende Juni fast 880.000 Mitarbeiter, ohne Auftragnehmer und Zeitarbeitskräfte.

1/5

Womit Amazon sein Geld verdient Galerie

Amazon: Umsatz nach Regionen

Amazon: Umsatz nach Regionen
Obwohl Amazon global operiert, sind die USA mit weitem Abstand der wichtigste Markt. In Ländern wie beispielsweise China dominieren lokale Konkurrenten wie Alibaba oder JD.com.     

Tagestermine am Montag, den 21. September

Konjunktur:
Schweiz: SNB Volkswirtschaftliche Daten, 09:00 Uhr
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht, 12:00 Uhr
USA: Chicago Fed National Activity Index (CFNAI) für August, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan: Börse geschlossen wegen Feiertags