Marktbericht 20:02

Dax fährt Achterbahn Dax: Warum denn so nervös?

Stand: 11.03.2014, 20:02 Uhr

Dem Dax ist es am Dienstag endlich gelungen, den Anschluss an die übrigen großen Börsen zu finden und seine Talfahrt zu beenden. Doch von Entspannung oder gar Aufatmen kann nicht die Rede sein.

Es sind vor allem die möglichen Sanktionen der EU gegen Russland und dessen Antwort darauf, die den heimischen Anlegern Sorgen bereiten. So konnte der Dax am Dienstag zwar bis auf 9.375 Punkte zulegen, 110 Zähler über dem Schlusskurs vom Montag. Doch die Erholung war nur von kurzer Dauer.

Bis kurz vor Handelsschluss musste der Leitindex fast alle seine Gewinne wieder abgeben, bevor es in den letzten Minuten wieder aufwärts ging, so dass der deutsche Leitindex doch noch 42 Punkte oder 0,46 Prozent höher schloss bei 9.307.

Der EuroStoxx schloss dagegen leicht im Minus, und auch an der Wall Street überwogen zum Handelsschluss in Europa die Verkäufer. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Krim-Krise hat den Anlegern die Stimmung verdorben. Zudem warteten die Investoren auf die im Wochenverlauf auf der Agenda stehenden Daten zum US-Einzelhandel, der zuletzt ein Stachel im Fleisch der Konjunkturerholung gewesen sei. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend hat der Dow denn seine verluste auch etwas ausgeweitet und notiert 0,4 prozent tiefer bei 16.353 Punkten.

Das rhetorische Säbelrasseln auf russischer und westlicher Seite dränge die guten Konjunkturdaten aus Europa in den Hintergrund, sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Am Sonntag soll die überwiegend russisch-stämmige Bevölkerung auf der Krim über eine Eingliederung in die Russische Föderation abstimmen. Die USA und die EU sehen das als illegal an.

Derweil gab es gute Nachrichten von der Konjunkturseite. Den Volkswirten der OECD zufolge dürfte Deutschland im ersten Quartal ein Wachstum von etwa 0,9 Prozent (annualisiert: 3,7 Prozent) erreichen, 0,6 Prozent (2,5 Prozent) werden für den Zeitraum April bis Ende Juni vorhergesagt. Italien und Frankreich kommen laut der am Dienstag veröffentlichten Prognose im ersten Quartal nur auf etwa 0,2 Prozent.

Gold und Euro legen zu

Von der Unsicherheit am Aktienmarkt profitiert der Goldpreis. Das Edelmetall verteuert sich um 0,4 Prozent auf 1.345 Dollar je Feinunze. Auch der Euro legt wieder zu und klettert bis zum Handelsschluss auf 1,3860 Dollar.

UniCredit macht reinen Tisch

Die italienische Bank UniCredit, zu der die in München ansässige HypoVereinsbank gehört, hat allein im vierten Quartal 2014 einen Verlust von 15 Milliarden Euro angehäuft. Grund waren Abschreibungen auf Firmenwerte sowie Rücktsellungen für faule Kredite. Nachdem die Bank nun reinen Tisch gemacht hat, erwartet sie für das laufende Jahr einen Gewinn von 2,0 Milliarden Euro. Zudem will die Bank bis 2018 8.500 Stellen streichen.

Deutsche Telekom mit neuer Fantasie

Bei den Einzelwerten im Dax hat sich die Telekom-Aktie bis zum Handelsende auf den ersten Platz vorgekämpft. Grund sind offenbar Spekulationen über eine mögliche Fusion der US-Mobilfunktochter mit dem US-Konkurrenten Sprint. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann sich T-Mobile US in welcher Form auch immer an einer Konsolidierung der Branche in den USA beteilige, sagte deren Finanzchef Tim Baxter am Montag auf einer Branchenkonferenz.

VW fährt voran

Auch Volkswagen kann seine Verlustserie der vergangenen Handelstage unterbrechen und wieder zulegen. Grund ist ein leichtes Absatzplus (1,5 Prozent) von VW-Pkw im Februar. Der kräftigere Zuwachs im Januar hat sich damit aber nicht fortgesetzt. Leicht aufwärts geht es auch mit Daimler. Das Unternehmen profitiert von einer Kaufempfehlung durch Berenberg mit einem Kursziel von 80 Euro. Auch BMW legt leicht zu, nachdem das Unternehmenim Februar 5,6 Prozent mehr Autos verkauft hat.

Lufthansa besser ausgelastet

Die Lufthansa-Aktie legt ebenfalls zu. Die Airline hat ihre Jets im Februar besser ausgelastet als vor einem Jahr, obwohl das Angebot an Sitzkilometern konzernweit um 0,4 Prozent zurückgefahren wurde. In der Folge verbesserte sich die Auslastung der Sitze um 0,4 Punkte auf 74 Prozent. Auch die Frachträume der Maschinen der Lufthansa, Germanwings, Swiss und Austrian wurden stärker gebucht und waren zu 72,2 Prozent belegt.

Beiersdorf abgestuft

Einer der schwächsten Werte im Dax ist dagegen die Aktie von Beiersdorf. Das Papier reagiert auf die Herabstufungen der letzten Tage. Gestern hat die DZ Bank den fairen Wert der Beiersdorf-Aktie auf 79 Euro herabgesetzt, heute ist es die Berenberg Bank, die dem Papier nur noch 84 Euro zutraut. Damit hat der Titel zwar noch viel Luft nach oben, rutscht am Nachmittag dennoch um gut ein Prozent ab.

SGL und Hannover Rück fallen zurück

Im MDax muss Hannover Rück Federn lassen, kann seinen Platz als größter Verlierer aber an SGL Carbon weiterreichen. Der Wiesbadener Konzern setzt die mit einem Abschlag von 4,2 Prozent auf 25,05 Euro die Talfahrt des Vortages im Sog der Aussicht auf rote Zahlen in diesem Jahr fort. Bei Hannover Rück sorgte das operative Ergebnis für eine Enttäuschung.

MTU mit konstanter Dividende

Auf den Verkaufslisten steht auch die Aktie des Triebwerkherstellers MTU. Dabei wollen die Münchner für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 1,35 Euro je Aktie ausschütten. Anleger hatten sich aber mehr erhofft.

lg

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