Marktbericht 20:02 Uhr

Nach Wende in Clintons Email-Affäre Dax: Vorfreude, schönste Freude

Stand: 07.11.2016, 20:02 Uhr

Weil nach dem Ende der Email-Affäre die Chancen von Hillary Clinton doch noch US-Präsidentin zu werden wieder gestiegen sind, greifen die Anleger bei Aktien wieder zu.

Der Dax in Frankfurt beendet die neue Handelwoche auf seinem Tageshoch von 10.456,95 Punkten, 1,93 Prozent oder knapp 198 Punkte mehr als am Freitag.

Auch in New York beflügeln die wieder gestiegenen Chancen von Hillary Clinton bei den morgigen Präsidentschaftswahlen die Kurse. Positive Impulse kommen zudem von der Erholung der Ölpreise.

Dow wieder über 18.000 Punkten

Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index 1,97 Prozent höher bei 18.240 Punkten. Wie in Frankfurt sind es vor allem die Finanzwerte, die den Index befeuern.

Damit beendet der Dow seine siebentägige Verlustserie, für die die wachsende Angst vor einem Wahlerfolg von Clintons republikanischem Rivalen Donald Trump gesorgt hatte. Der gilt wegen seiner Unberechenbarkeit als "Börsenschreck".

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Einen Tag vor der Präsidentenwahl liegt Clinton in mehreren Umfragen vor ihrem Rivalen Trump. Sowohl in der am Montag veröffentlichten Erhebung des Senders CBS als auch in der Umfrage von "Washington Post" und ABC schneidet sie jeweils vier Prozentpunkte besser ab als der Republikaner. Die Erhebungen wurden erstellt, bevor das FBI Clinton am Sonntag entlastete.

Und wenn Trump doch gewinnt?

Trotzdem warnt LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht vor überzogenem Optimismus. "Prognosen haben zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr Aussagekraft als der sprichwörtliche Münzwurf." Sollte Trump die Wahl gewinnen, drohe ein Brexit ähnlicher Crash, gibt Marktexperte Jens Klatt zu bedenken. Tatsächlich ist der Ausgang der Wahl wohl offen, weil in den Umfragen viele Wähler nicht zugeben dürften, dass sie für Trump stimmen werden.

Und ob Donald Trump für die Börsen und die US-Wirtschaft wirklich der schlechtere Kandidat wird, bleibt ebenfalls dahingestellt. Einige halten ihn sogar für den besseren Präsidenten, sollte er auch nur einen Teil seiner angekündigten Steuersenkungen und Investitionen in die Infrastruktur der USA umsetzen können.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,88
Differenz relativ
+0,85%

Weil die Märkte aber stets auf das Verlässliche setzen und Verunsicherung hassen, stößt das (vorläufige) Ende der Email-Affäre von Hillary Clinton auch an der New Yorker Börse auf Wohlwollen. Der Dow Jones-Index wird 1,4 Prozent höher erwartet.

Euro schwächt sich ab

Der Euro hat am Montag wie auch viele andere Währungen zum amerikanischen Dollar an Wert eingebüßt. Bei Börsenschluss kostete die Gemeinschaftswährung 1,1037 Dollar, nachdem es am Morgen noch mehr als 1,11 Dollar gewesen waren. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1062 (Freitag: 1,1093) Dollar fest.

Sogenannte sichere Anlagehäfen verloren dagegen an Attraktivität. Gold verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 1285,08 Dollar je Feinunze. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, büßte 35 Ticks auf 162,15 Punkte ein. Erdöl wurde dagegen teurer.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,76
Differenz relativ
+0,09%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.199,02
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-0,71%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,81
Differenz relativ
+0,06%

Finanzwerte ziehen den Dax

Am meisten profitieren von den gestiegenen Chancen von Hillary Clinton die Finanzwerte Deutsche Bank und Commerzbank. Zwar ist es dem Geldhaus nicht gelungen, noch vor der US-Wahl eine Einigung im 14-Milliarden-Dollar-Streit mit dem amerikanischen Justizministerium zu erzielen. Doch offenbar erhoffen sich die Anleger bessere Chancen auf einen Kompromiss unter der Präsidentschaft von Hillary Clinton als unter Donald Trump. Im Schlepptau ziehen auch die Papiere der Commerzbank und der Allianz überdurchschnittlich an.

Breitseite gegen VW

Schwächer als der Gesamtmarkt entwickeln sich die VW-Vorzüge. Grund sind die neuen Enthüllungen über mögliche CO2-Verfehlungen bei Audi und Ermittlungen gegen Aufsichtsratschef Pötsch. VW-Markenchef Herbert Diess dringt unterdessen beim Umbau der schwächelnden Hauptmarke zur Eile. "Wir dürfen absolut keine Zeit mehr verlieren", sagte Diess in der "Börsen-Zeitung". "Mit dem Zukunftspakt müssen wir spätestens bis 2020 die Wettbewerbsfähigkeit wieder erreichen, unser benötigtes Cash selbst verdienen." Auch vor dem Dieselskandal sei die Ertragslage nicht ausreichend gewesen, um deren Zukunft zu sichern.

ProSiebenSat.1 schwächeln weiter

Auch die Aktien von ProSiebenSat.1. laufen schlechter als der Gesamtmarkt. Zeitweise fielen die Papiere auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2015. Die Aktien hatten in der vergangenen Woche einen Erholungsversuch abgebrochen und waren im Zuge der Veröffentlichung endgültiger Geschäftszahlen für das dritte Quartal sowie einer Kapitalerhöhung unter Druck geraten. In der Vorwoche ging es um mehr als zehn Prozent abwärts.

Morphosys: Verlust kann Anleger nicht verschrecken

Im TecDax springen die Morphosys-Aktien um 3,6 Prozent in die Höhe. Dabei hat die kostspielige Erforschung neuer Medikamente dem Biotechunternehmen im dritten Quartal einen höheren Verlust eingebrockt. Der Fehlbetrag des TecDax-Konzerns vor Zinsen und Steuern (Ebit) weitete sich auf 13,1 (Vorjahr: 11,3) Millionen Euro aus. Allerdings bekräftigte der Vorstand seine Prognosen für das Gesamtjahr.

Xing kommt gut an

Noch kräftiger zulegen können die Aktien des Karrierenetzwerks Xing. Die Resultate des dritten Quartals seien umsatz- und gewinnseitig stark ausgefallen, schrieb Analystin Heike Pauls von der Commerzbank in einer ersten Einschätzung. Die Entwicklung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) impliziere Spielraum, das Jahresziel zu übertreffen.

Zalando schwächster Wert im MDax

Dagegen rutschen die Zalando-Aktien an das MDax-Ende. Die UBS hat die Papiere von "Buy" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 38 auf 35 Euro gesenkt. Das Risiko durch die Marktoffensive von Amazon sei im Kurs der MDax-Aktie nicht berücksichtigt, schrieb Analyst Adam Cochrane. Er rechnet beim Online-Textilhändler mit steigenden Vermarktungskosten und gibt sich deshalb weniger optimistisch, was die Umsatzpotenziale und die operative Marge für die nächsten drei Jahre betrifft.

Grammer wieder gefragt

Im SDax haben die Grammer-Aktien mit einem Plus von fünf Prozent nach ihrem jüngsten Rückschlag wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Nach einem Rekordhoch bei 57,46 Euro Anfang September hatten die Anleger zunächst Kasse gemacht: Bis Ende vergangener Woche büßten die Papiere des Autozulieferers in der Spitze fast ein Fünftel ihres Wertes ein.

Beim BVB klingeln die Kassen

Kräftig voran geht es auch mit den BVB-Aktien. Spielerverkäufe und Einnahmen aus der Champions League-Teilnahme haben die Kassen des Fußballvereins gefüllt. Zwischen Juli und September schnellten die Erlöse um rund 41 Prozent auf 126,8 Millionen Euro nach oben, wie der aktuelle Tabellen-Fünfte der Bundesliga mitteilte. Transferbereinigt stieg der Umsatz um 11,5 Prozent auf 81,6 Millionen Euro. Im operativen Geschäft erreichte das Ergebnis 24,1 Millionen Euro.

Patrizia schraubt Gewinnerwartung hoch

Der Augsburger Immobilien-Investor Patrizia aus dem SDax schraubt seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr angesichts eines brummenden operativen Geschäfts nach oben. Die ursprüngliche Erwartung eines operativen Ergebnisses von 250 Millionen Euro hat Patrizia Immobilien mit 252,5 (Vorjahr: 112,2) Millionen Euro schon nach neun Monaten erreicht, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Nun peilt Patrizia bis zum Jahresende 265 Millionen an.

Analyse schwächt Cewe

Dagegen belegen Cewe-Titel den letzten Platz im SDax. Die Deutsche Bank hat die Kaufempfehlung kassiert, das Kursziel aber von 65 auf 80 Euro angehoben. Der Fotodienstleister sei operativ kurz- und mittelfristig gut unterwegs, schrieb Analyst Adrian Rott. Der Experte erhöhte seine Gewinnschätzungen deutlich, sieht die Aktie nach der Rally im laufenden Jahr aber bereits angemessen bewertet.

HSBC: Gewinn fällt, Aktie steigt

Vom Gewinneinbruch bei HSBC ließen sich Anleger nicht beirren. Sie konzentrierten sich auf den Anstieg der Kernkapitalquote der britischen Großbank auf 13,9 Prozent. Damit könne sie selbst bei einem erneuten Gewinnrückgang die Dividende im kommenden Jahr stabil halten, schrieben die Analysten des Brokerhauses Bernstein. HSBC-Aktien waren mit einem Plus von 4,1 Prozent Spitzenreiter im Londoner Auswahlindex FTSE.

Nissan vom Yen ausgebremst

Der japanische Auto-Hersteller Nissan kann seine Verkaufserfolge in den USA, China und Mexiko nicht in bare Münze umwandeln. Denn der Höhenflug der heimischen Währung bremst das Unternehmen aus. Im abgelaufenen Quartal verdiente der Konzern nach Angaben mit knapp 164 Milliarden Yen (1,42 Milliarden Euro) operativ knapp ein Fünftel weniger als im Jahr zuvor. Analysten hatten allerdings mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet. Am Dienstag werden Zahlen von Toyota erwartet.

Gewinnsprung bei Ryanair

Ryanair hat im zweiten Geschäftsquartal dank eines neuen Rekords bei den Passagieren einen Gewinnsprung verbucht. Wie Europas größter Billigflieger wenige Wochen nach der Prognosekürzung für das Gesamtjahr mitteilte, stieg der Gewinn im Zeitraum Juli bis September um acht Prozent auf 912 Millionen Euro. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Ryanair plane nun einen Aktienrückkauf in Höhe von bis zu 550 Millionen Euro, hieß es weiter.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen