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Leitindex kaum bewegt Dax: Von wegen Sommerrally

Stand: 12.07.2019, 17:40 Uhr

Während sich die Anleger an der Wall Street auf die kommende Leitzinssenkung freuen und die Indizes auf immer neue Höhen treiben, herrscht in Frankfurt Tristesse. Warum nur?

Der Dax hat sich am Freitag kaum von der Stelle bewegt. Der Leitindex schwankte zwischen 12.304 und 12.354 Punkten. Am Ende ging er bei 12.323 Zählern aus dem Handel, 8,8 Punkte oder 0,07 Prozent schwächer als am Vortag.

Marktexperten sprechen von einer offensichtlichen Schwäche angesichts der immer neuen Rekordstände an der Wall Street. Belastet wird der deutsche Leitindex von der Sorge vor einem massiven Rückgang der heimischen Unternehmensgewinne. Tatsächlich reißen die Gewinnwarnungen deutscher Konzerne, vom Maschinenbauer Aumann über die Lufthansa bis zu Daimler nicht ab.

Nur die Hoffnung auf eine lockere Geldpolitik dürfte die Börsen noch etwas tragen, schreibt Analyst Christian Kahler von der DZ Bank. Gleichzeitig stoße die Bewertung an "historische Obergrenzen". Auch in Deutschland und Europa liege sie über dem Durchschnitt. Sollte die Fed den Markt also kurzfristig enttäuschen und der Handelsstreit zwischen China und den USA andauern, dürfte es zu einer empfindlichen Kurskorrektur an den Märkten kommen - auch und gerade an der Wall Street.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.392,33
Differenz relativ
+0,04%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.347,85
Differenz relativ
-0,03%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.966,93
Differenz relativ
+0,30%

Dow und Nasdaq steigen weiter

Bis dahin steigen die Kurse in New York weiter. Nach der tags zuvor erstmals überwundenen Marke von 27.000 Punkten steigt der Dow Jones-Index bis zum Handelsschluss in Frankfurt um ein halbes Prozent auf über 27.200 Zähler und markiert damit auf einen neuen Höchststand. Der technologielastige Index näherte sich weiter der 8.000-Punkte-Marke.

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Börse 17.30 Uhr: Tageszusammenfassung ohne Schluss-DAX

Zwar hatte US-Notenbankchef Jerome Powell zur Wochenmitte auf die zunehmenden globalen Konflikte hingewiesen, die Wirtschaft und Politik stark belasten. Anleger erwarten, dass die Fed noch in diesem Monat mit einer Leitzinssenkung gegensteuern dürfte, um etwa Investitionen anzukurbeln.

Zugleich ging der amerikanisch-chinesische Zollstreit in eine neue Runde. Donald Trump hatte zuletzt nachgegelegt und sich am Donnerstag via Twitter beschwert, dass China noch nicht wie versprochen landwirtschaftliche Produkte aus den USA im großen Stil gekauft habe. Auch mit der EU liegt er nach wie vor wegen Zollfragen im Clinch. Und eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist ebenfalls nicht in Sicht.

Euro bleibt in Position

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1248
Differenz relativ
-0,12%

Der Euro hat am Freitag zwischenzeitliche Gewinne wieder abgegeben. Bei Börsenschluss kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1256 Dollar. Sie lag damit etwas tiefer als am Morgen, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf 1,1275 Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1253 (Donnerstag: 1,1285) US-Dollar fest. Besser als erwartet ausgefallene Daten aus der deutschen Industrie stützten den Euro nur kurzzeitig. Die Industrieunternehmen der Eurozone hatten im Mai 0,9 Prozent mehr produziert als im Vormonat. Analysten hatten lediglich einen Zuwachs um 0,2 Prozent erwartet. Die Industrie wurde zuletzt durch die Handelskonflikte besonders belastet.

Öl unter politischer Spannung

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,49
Differenz relativ
+0,06%

Wenig Bewegung gibt es auch am Rohstoffmarkt. Die Spannungen in der Straße von Hormus halten die Notierungen für Öl weiterhin am oberen Rand der Preisspanne der vergangenen Woche. Nordsee-Öl der Marke Brent kostete mit 66,73 Dollar etwas mehr als am Vortag. Der Preis für die Feinunze Gold hat sich wieder über der Marke von 1.400 Dollar etabliert, derzeit bei 1.407 Dollar.

Daimler nur mäßig belastet

Im Dax verlor die Daimler-Aktie im frühen Handel über drei Prozent, konnte im weiteren Verlauf ihre Verluste aber deutlich eingrenzen. Auch Papiere von Fresenius, Wirecard und Vonovia büßten spürbar ein. Daneben konnten Covestro, Conti und auch die Deutsche Bank zulegen.

T-Mobile und Sprint lassen sich Zeit

Die fusionswilligen US-Telekomtochter T-Mobile US und Sprint wollen sich einem Pressebericht zufolge für den Abschluss des Deals mehr Zeit nehmen. Die Unternehmen planen, die Fusionsvereinbarung über den 29. Juli hinaus zu verlängern, berichtete das "Wall Street Journal" ("WSJ") am Donnerstag unter Berufung auf einen Insider. Bereits vor über einem Jahr hatten T-Mobile US und Sprint ihre Absicht verkündet, zusammenzugehen. Aktien von T-Mobile verloren bis zu gut zwei Prozent, Sprint mehr als drei Prozent.

Als Zünglein an der Waage gilt der US-Satelliten-TV-Anbieter Dish, mit dem derzeit Gespräche laufen. Dem Vernehmen nach will das US-Justizministerium unter anderem mit einem Verkauf der Sprint-Prepaid-Tochter Boost an Dish den Preiswettbewerb im Falle einer Fusion sicherstellen.

T-Mobile US: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
69,50
Differenz relativ
0,00%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,02
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-0,29%

Deutsche Bank: Stellenabbau auch in Deutschland

Am Mittwochabend wurde bekannt, dass beim geplanten Konzernumbau auch in Deutschland in nennenswertem Umfang Arbeitsplätze gestrichen werden. "Natürlich wird auch in Deutschland eine substanzielle Zahl an Stellen wegfallen", sagte Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing dem "Handelsblatt" (Freitag). "Dabei ist allerdings wichtig zu wissen, dass der schon zuvor geplante Abbau im Zuge der Integration der Postbank bereits in der Gesamtzahl enthalten ist."

VW und Ford schmieden Elektroauto-Riesen

Volkswagen und Ford wollen mit einer erweiterten Allianz das Elektrozeitalter angehen und setzen damit die Konkurrenz unter Zugzwang. Der weltgrößte Autokonzern aus Wolfsburg und die Nummer zwei in den USA präsentierten am Freitag in New York ihre Pläne für eine globale Zusammenarbeit bei E-Autos und selbstfahrenden Fahrzeugen. Sie wollen sich die Kosten für Neuentwicklungen teilen und Synergien nutzen. Die Wolfsburger liefern ihrem Partner aus Dearborn in großem Stil Elektroauto-Komponenten aus ihrem Baukastensystem und beteiligen sich zudem an dessen Tochter Argo AI für selbstfahrende Autos. Allein die vereinbarte Lieferung von Bauteilen für E-Autos hat im ersten Schritt ein Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar.

Steinhoff: Langer Weg aus der Krise

Steinhoff: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,08
Differenz relativ
-1,32%

Der südafrikanisch-deutsche Möbelkonzern ächzt weiter unter den Folgen seines milliardenschweren Bilanzskandals. Im ersten Halbjahr fuhr das Unternehmen operativ ein Minus von 356 Millionen Euro ein, wie Steinhoff mitteilte. Unter dem Strich und einschließlich der Verluste aus den Firmenverkäufen verringerte sich das Minus auf 571 Millionen Euro, nach 609 Millionen im Vorjahreshalbjahr.
Im Juni hatte Steinhoff gewarnt, dass nicht zuletzt der Rufschaden durch den Skandal das Geschäft weiter belaste. Vor einer Woche hatte Finanzchef Philip Dieperink seinen Rücktritt angekündigt. Das Unternehmen weist immer noch 9,7 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten auf.  | mehr

Chinesen wollen Thomas Cook retten

Der britische Pauschalreiseveranstalter Thomas Cook soll vom chinesischen Club-Med-Eigentümer Fosun vor dem Aus gerettet werden. Die Fosun Tourism Group und die Gläubigerbanken wollen 750 Millionen Pfund (umgerechnet 830 Millionen Euro) frisches Geld bereitstellen, damit der 178 Jahre alte Traditionskonzern die Wintersaison 2019/20 übersteht, wie Thomas Cook am Freitag mitteilte. Die Gespräche darüber seien weit fortgeschritten. Zugleich soll das Unternehmen drastisch entschuldet werden. Die übrigen Aktionäre werden dadurch aber weitgehend verdrängt. Die Thomas-Cook-Aktie stürzte an der Londoner Börse um 47 Prozent auf ein Allzeittief von sieben Pence ab.

Springer befürwortet KKR-Einstieg

Axel Springer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,15
Differenz relativ
+0,08%

Vorstand und Aufsichtsrat von Axel Springer heißen den Einstieg des US-Finanzinvestors KKR gut. Beide Gremien empfehlen den Aktionären, ihre Papiere für den gebotenen Preis von 63 Euro an KKR zu verkaufen, wie der Medienkonzern am Donnerstag mitteilte. Springer wolle in Mitarbeiter, Produkte, Marken und Technik investieren. "Mit KKR als finanziellem und strategischem Partner werden wir in der Lage sein, diese Pläne mit langfristigem Fokus auf Wachstum und Profitabilität voranzutreiben", sagte Finanzvorstand Julian Deutz. KKR wolle die langfristige Strategie unterstützen.

Die beiden Großaktionäre, die Verlegerwitwe Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner, wollen ihre Anteile - zusammen rund 45 Prozent - jedoch behalten. Der Finanzinvestor will nur einsteigen, wenn er mindestens 20 Prozent der Aktien einsammeln kann.

Steigt Atlantia bei Alitalia ein?

Der italienische Infrastrukturkonzern Atlantia denkt über einen Einstieg bei der angeschlagenen Fluglinie Alitalia nach. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass eine solche Prüfung bis zu der von der Regierung gesetzten Frist abgeschlossen sei, teilt das Unternehmen mit. Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass Alitalia gerettet werden könne. Die Frist für ein mögliches Angebot von Investoren für Alitalia ist bereits zum vierten Mal verlängert. Nun endet sie Mitte Juli. Rom hat sich die Rettung der Alitalia mit noch rund 11.600 Beschäftigten auf die Fahnen geschrieben. Als möglicher Investor galt auch die staatliche Eisenbahngesellschaft.

Trump will Kryptowährungen regulieren

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.694,75
Differenz relativ
-0,52%

US-Präsident Donald Trump hat sich dafür ausgesprochen, digitale Währungen wie Facebooks Libra unter Bankenregulierung zu stellen. Wenn Facebook und andere Unternehmen eine Bank werden wollten, bräuchten sie eine entsprechende Konzession und müssten sich der gleichen Regulierung wie jede andere nationale oder internationale Bank unterwerfen, schrieb Trump am Donnerstag (Ortszeit) auf Twitter. Auch sonst äußerte er sich kritisch zu digitalen Finanzanlagen: "Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen." Es handele sich dabei nicht um Geld, und unregulierte Krypto-Anlagen könnten illegale Machenschaften wie Drogenhandel fördern. Die einzig wahre US-Währung, meint Trump, sei der Dollar.

lg

Tagestermine am Dienstag, den 16. Juli

Unternehmen:
JP Morgan: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Wells Fargo: Q2-Zahlen, 14:00 Uhr
Rio Tinto: Q2-Zahlen, 00:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Burberry: Q1-Umsatzzahlen, 08:00 Uhr
Telekom Austria: Halbjahreszahlen
Cropenergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen für Juli, 11:00 Uhr
EU: Handelsbilanz Eurozone im Mai, 11:00 Uhr
USA: Einfuhrpreise im Juni, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz im Juni, 14:30 Uhr Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index für Juli, 16:00 Uhr Uhr
USA: Lagerbestände im Mai, 16:00 Uhr