Marktbericht 20:02 Uhr

Leitindex weiter unter Druck Dax: Von wegen Jahresendrally

Stand: 09.12.2015, 20:02 Uhr

Der starke Euro - die Gemeinschaftswährung ist am Abend auf über 1,10 Dollar gestiegen - sowie der Druck auf die Ölpreise haben auch zur Wochenmitte den Anlegern die Kauflaune verdorben.

Nur kurz schafft es der Dax am Nachmittag seine Tagesverluste von zeitweise über 100 Punkten aufzuholen und ins Plus zu drehen. Danach geht es wieder abwärts. Erneut nachgebende Kurse an der Wall Street und der weiter schwächelnde Ölpreis machen die Anleger skeptisch, so dass der Leitindex schließlich bei 10.592 Punkten aus dem Handel geht, ein Minus von 0,76 Prozent.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Auch der Dow in New York ist nach einer anfänglichen Erholung ins Minus gedreht. Die Aktien der Ölkonzerne haben einen Großteil ihrer anfänglichen Gewinne wieder eingebüßt. Besonders unter Druck standen jedoch die Technologiewerte Apple und Microsoft, mit Verlusten von jeweils über zwei Prozent. Am Abend notiert der Dow ein halbes Prozent tiefer bei 17.473 Punkten.

Damit sei die noch vor einer Woche sehr wahrscheinliche Jahresendrally wegen zunehmender Unsicherheiten zumindest für den Moment abgesagt, meint Marktexperte Jochen Stanzl von Cmc-Markets.

Euro über 1,10 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1578
Differenz relativ
+0,04%

In Frankfurt wurden die Kurse vor allem von der Aufwertung des Euro belastet. Tatsächlich ist die Gemeinschaftswährung am Abend über die Schwelle von 1,10 Dollar geklettert, nachdem sie noch in der vergangenen Woche - vor dem Zinsentscheid der EZB - auf 1,0540 gefallen war. Diese von den meisten Experten nicht vorhergesehene Stärke ist den meisten Anlegern ein Dorn im Auge, verteuert sie doch den Verkauf europäischer Waren ins Ausland.
 
Analysten erklären die Abschwächung des Dollars auch damit, dass die chinesische Regierung den Yuan wieder abwerten lässt. Über Nacht sank die chinesische Währung auf den tiefsten Stand seit August.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.776,55
Differenz relativ
+1,40%

Als Spielverderber erweist sich auch der schwache Ölpreis. Dabei sparen allein deutsche Autofahrer durch den Ölpreisverfal in diesem Jahr rund 10,5 Milliarden Euro, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ausgerechnet hat. Demnach wurden in diesem Jahr 2,9 Milliarden Euro beim Tanken von Benzin eingespart und 7,6 Milliarden Euro an den Diesel-Zapfsäulen.

Brent-Öl kurz wieder über 40 Dollar

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,57
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+1,38%

Ein Rückgang der Ölbestände in den USA hat die Ölpreise am Mittwoch wieder angetrieben. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich zeitweise um bis zu 3,3 Prozent auf 41,59 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit bis zu 38,99 Dollar vier Prozent mehr. Im weiteren Verlauf ging der Anstieg jedoch auf 1,5 Prozent zurück. Dem US-Energieministerium zufolge waren in der vergangenen Woche die Bestände überraschend gefallen. Analysten hatten überwiegend mit einem leichten Anstieg gerechnet. Es war der erste Rückgang der wöchentlichen Bestände seit September.

VW: Doch kaum Co2-Manipulation

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,42
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+2,08%

Bei den Einzelwerten sticht VW mit kräftigen Kurszuwächsen von mehr als sechs Prozent heraus. Statt rund 800.000 Fahrzeugen könnten nach erneuter Prüfung durch das Kraftfahrt-Bundesamt, das Bundesverkehrsministerium und VW nur noch rund 36.000 betroffen sein. "Abweichungen wurden in den internen Messungen nur bei neun Modellvarianten festgestellt", teilte VW heute mit. Der ursprünglich erwartete Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro hat sich damit nicht bestätigt. Zudem wurde bekannt, dass der Stahlmanager Karlheinz Blessing ab Januar neuer Personalvorstand bei Volkswagen wird.

Adidas mit höheren Kosten

Schwächster Wert im Dax ist dagegen Adidas. Die Papiere verlieren zuletzt mehr als drei Prozent. Grund sind Aussagen des Managements auf steigende Kosten im kommenden Jahr. Auf dem hohen Niveau der Aktie führen diese Aussichten zu Gewinnmitnahmen. Die Adidas-Aktie konnte 2015 um mehr als die Hälfte zulegen. Auch hatte Firmenchef Herbert Heiner am Morgen noch von prall gefüllten Auftragsbüchern gesprochen.

Bayer: Gerüchte um Xarelto belasten

Auch die Bayer-Aktie gehört weiter zu den größten Kursverlierern im Dax. Sorgen um den Kassenschlager Xarelto sorgten bereits am Morgen für teils erhebliche Kursverluste. Am frühen Nachmittag können die Papiere ihre Verluste allerdings auf 1,8 Prozent eindämmen. Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe hat die Einstufung für Bayer auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 149 Euro belassen. Die Nachricht, wonach ein defektes Testgerät bei einer Studie zum Blutgerinnungsgemmer Xarelto zum Einsatz gekommen sei, sei nicht sonderlich beunruhigend, meint Analyst Volker Braun. Er sehe Xarelto nicht in Gefahr, da es sich um ein Gerät von vielen gehandelt habe.

Lufthansa spürt den Streik

Die Lufthansa-Aktien büßen ebenfalls überdurchschnittlich ein. Der siebentägige Streik der Flugbegleiter im November hat der Airline herbe Rückgänge bei Passagieren und Fracht eingebrockt. Zusammen mit ihren Töchtern Germanwings, Swiss und Austrian Airlines beförderte die Fluggesellschaft 7,2 Millionen Fluggäste und damit 8,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei der bestreikten Kernmarke Lufthansa, bei der die Germanwings-Flüge eingerechnet sind, fiel der Rückgang mit 12,5 Prozent noch deutlicher aus.

Deutsche Bank hält an US-Geschäft fest

Auch die Aktien der Deutschen Bank stehen weit oben auf der Liste der Verlierer. Co-Chef John Cryan sagte vor Analysten in New York, er wolle trotz immer strengerer Vorgaben am umfangreichen Geschäft in den USA festhalten. "Wir können es uns als eine führende europäische Bank nicht leisten, nicht auf dem größten Kapitalmarkt der Welt vertreten zu sein." Er räumte aber ein, dass das Geschäft in den USA wegen der immer schärferen Kapitalvorschriften für Auslandsbanken sehr teuer werde.

Aareal hebt Prognose an

Im MDax kann die Aareal Bank punkten. Die Wiesbadener haben sämtliche Anteile ihrer 100-prozentigen schwedischen Tochter Aqvatrium AB veräußert. Dadurch wird die Jahresprognose etwas höher ausfallen als bisher gedacht.

Klöckler sieht rot

Auf Talfahrt befindet sich dagegen die Klöckner-Aktie. Nach der Herabstufung durch Macquarie hat der Stahlhänlder am Abend Abschreibungen auf das Nordamerika-Geschäft von rund 270 Millionen Euro bekanntgegeben. Inklusive der Restrukturierungsaufwendungen in Europa wird Klöckner deshalb in diesem Jahr einen Verlust von 350 bis 380 Millionen Euro ausweisen. Operativ peilt das Unternehmen nach wie vor ein positives Ergebnis von bis zu 85 Millionen Euro an.

Hornbach kassiert Prognose

Unter Druck geraten ist am Abend auch die Aktie des Baumarktbetreibers Hornbach. Das Unternehmen senkt die Prognose und erwartet, dass das Konzernbetriebsergebnis Ebit im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich unter dem Vorjahreswert von 109,8 Millionen Euro liegen wird. Im Zeitraum September bis November 2015 ist das Ebit im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 74 Prozent auf 5,0 Millionen Euro eingebrochen.

Dow Chemical will DuPont

In den USA bahnt sich eine milliardenschwere Fusion unter zwei führenden Chemiekonzernen an. DuPont und Dow Chemical verhandelten derzeit über einen Zusammenschluss. Nach der Verschmelzung könnte der neue Branchengigant in drei Teile aufgespaltet werden. Die Aktie von DuPont springt um über zehn Prozent in die Höhe und ist damit der mit Abstand beste Wert im US-Leitindex Dow Jones. "Es geht nicht darum größer zu werden, es geht darum fokussierter zu werden. Das ist eine Tendenz, ein Trend, den wir schon seit langem sehen", sagte Bayer-Chef-Dekkers bei einer Pressekonferenz des Verbands der Chemischen Industrie (VCI).

Yahoo spaltet sich selbst ab

Der seit langem strauchelnde Internet-Pionier Yahoo trennt sich nun doch nicht von seinem milliardenschweren Anteil an dem chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba. Dafür spaltet Yahoo sein Kerngeschäft mit Suchmaschinen und Werbung ab. Yahoo erklärte, das bisherige Unternehmen solle nur noch aus der Alibaba-Beteiligung bestehen. Zudem werde ein neues Unternehmen gegründet, in das alle anderen Geschäfte eingebracht würden.

CytoTools-Aktie fängt sich wieder

Nach dem verheerenden Absturz des Darmstädter Biotech-Unternehmens CytoTools AG im November von 44 auf 6 Euro springen die Aktien heute wieder um über 170 Prozent an. Aus Sicht des Unternehmens behält ein Wirkstoff zur Behandlung des diabetischen Fußes sein in den bisherigen erfolgreichen klinischen Studien gezeigtes therapeutisches Potential. Das hätten neuere Studien ergeben.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr