Dax von Wall Street beflügelt

Robert Minde

Stand: 15.12.2011, 20:06 Uhr

Der Dax hat sich nach zuletzt drei schwachen Tagen heute von seiner freundlichen Seite gezeigt. Für neuen Schwung sorgten am Nachmittag besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturzahlen.

Der deutsche Leitindex Dax ist nach zuvor wechselhaftem Handelsverlauf ab dem Nachmittag der positiven US-Tendenz gefolgt. Der Index legte 0,98 Prozent oder 55,48 Punkte zu. Allerdings konnte der Index seinen Tageshöchstkurs bei 5.795 Punkten nicht verteidigen, das Tief lag bei 5.682 Zählern. 26 von 30 deutschen Standardwerten schlossen im Plus. Nachbörslich bewegte sich der Markt kaum, der L/E-Dax beendete den Handel bei 5.737 Punkten und damit nur knapp über dem Xetra-Schluss.

Spätestens nach einer erfolgreichen Auktion spanischer Staatsanleihen hatte sich Optimismus bei den Börsianern breit gemacht. Denn das Land hat eine gut gelungene Auktion für Staatsanleihen über die Bühne gebracht. "Die Rentenpapiere sind gut weg gegangen", sagte Händler Jakob Penndorf von Alpha Wertpapierhandel. Am Nachmittag stützen dann besser als erwartet ausgefallen US-Konjunkturdaten den Markt.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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28,44
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Finanzwerte gefragt
Spitzenreiter war heute die Commerzbank, die ihren gestern begonnenen Aufschwung fortsetzte und fast sieben Prozent auf 1,31 Euro stieg - gestern notierte die Aktie noch bei 1,16 Euro. Die Aussicht auf Fortschritte bei der Lösung der Eigenkapitalprobleme der Bank hat für neuen Mut bei den Anlegern gesorgt. Unter den Tagesgewinnern waren auch Allianz und Münchener Rück, während die Deutsche Bank im Handelsverlauf etwas zurückfiel. Deutsche Post legten nach guten Unternehmenszahlen des US-Konkurrenten FedEx ebenfalls 2,6 Prozent zu.

Zu den wenigen Verlierern gehörte die Deutsche Börse mit einem Minus von einem Prozent. Auch die Indexschwergewichte Siemens und Deutsche Telekom gaben leicht ab.

Draghi sorgt sich um die Banken
Allerdings bleibt die Lage im europäischen Bankensektor trotz der guten Tagestendenz weiter angespannt. Darauf ging EZB-Präsident Mario Draghi in einer Rede in Berlin ein. "Unsere Fazilitäten sind dazu da, um genutzt zu werden", sagte der Italiener und forderte die Banken damit auf, die eingeräumten Kreditlinien der Notenbank in Anspruch zu nehmen. Er erwartet im kommenden Jahr einen Wirtschaftsabschwung und warnte in einer Ansprache in diesem Zusammenhang auch vor den Folgen einer Kreditklemme.

US-Konjunkturdaten beflügeln
Gute Nachrichten gab es heute aus den USA. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 366.000 deutlich unter den prognostizierten 390.000 Anträgen. Auch der Empire-State-Index, ein wichtiger Industrieindex der Fed of New York, fiel im Dezember mit einem Indexwert von 9,53 Punkten deutlich höher aus, als die bei drei Punkten gelegene Prognose. Der Empire-State-Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Ein Indexstand unter Null deutet einen Rückgang der Aktivität an.

Auch der Konjunkturindex Philly-Fed (der Fed of Philadelphia) überzeugte im Dezember mit einem Wert von 10,3 nach 3,6 Punkten im Vormonat. Das war ebenfalls deutlich mehr als die fünf Punkte, die im Vorfeld prognostiziert worden waren. Lediglich die Industrieproduktion fiel im November mit einem Minus von 0,2 Prozent im Monatsvergleich schwächer aus als erwartet. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass im Dezember wieder etwas Fahrt in die lahme US-Konjunktur gekommen ist.

An der Wall Street hört man gute Konjunkturmeldungen natürlich gerne, auch wenn es sich nur um eine Momentaufnahme handelt. Aber die Börsianer sind nicht verwöhnt worden in letzter Zeit, immer wieder hatte es Enttäuschungen gegeben. Der Dow-Jones-Index liegt aktuell 0,7 Prozent im Plus.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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62,59
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Bayer zahlt im Genmais-Streit
Bayer zahlt amerikanischen Reisbauern in einem gütlichen Einigungsverfahren bis zu 750 Millionen Dollar. Für die Zahlungen habe der Konzern bereits Rückstellungen gebildet. Wie der Leverkusener Konzern am Abend mitteilte, ist das Vergleichsabkommen zwischen der Bayer-Sparte CropScience mit US-Reisfarmern nach Erreichen einer Mindest-Annahmequote in Kraft getreten.

Dazu haben sich Landwirte registriert, die mindestens 85 Prozent der Anbaufläche von Langkornreis in Amerika repräsentieren. Diese Schwell war zuvor festgelegt worden, damit das Abkommen in Kraft tritt.

An dem Vergleichsprogramm konnten alle betroffenen Farmer teilnehmen, die zwischen 2006 und 2010 Langkornreis angebaut hatten. Spuren von gentechnisch veränderten Mais waren 2006 in den Südstaaten nachgewiesen worden, woraufhin die EU ein Importverbot für Langkornreis aus den USA verhängte.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,13
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Telekom reorganisiert IT-Abteilung
Die Deutsche Telekom will einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge IT-Abteilungen in Deutschland zusammenlegen und damit in den kommenden Jahren einen hohen dreistelligen Millionenbetrag sparen. Der Aufsichtsrat werde den Plan am Donnerstag verabschieden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit dem Projekt vertraute Personen. DZ-Bank-Analyst Joeri Sels hält die FTD-Informationen für realistisch. Er rechne aber nicht mit einem positiven Effekt für die Aktie, denn dreistellige Sparbeträge seien nicht besonders hoch für einen Konzern dieser Größe.

Eon investiert Milliarden
Der Düsseldorfer Energieriese hat angekündigt, in den kommenden fünf Jahren sieben Milliarden Euro in erneuerbare Energien zu investieren. Das ist in etwa genau so viel wie in den vergangenen fünf Jahren. Vor allem auf Windparks auf hoher See will man sich spezialisieren, zukünftig soll alle 18 Monate ein solcher Windpark in Betrieb genommen werden.

Unter anderem will Eon seine Pläne für den Bau eines Parks vor der Nordseeinsel Amrum vorantreiben. Im Jahr 2015 sollen 80 von Siemens gelieferte Turbinen den Betrieb aufnehmen und 300.000 Haushalte mit Strom versorgen. Auch vor der schwedischen und der englischen Küste sind solche Parks geplant. Das Unternehmen befindet sich nach dem Atomausstieg in einem umfassenden Umbauprozess und hat sich dabei ein rigides Sparprogramm verordnet.

Metro: Viel Arbeit für den Aufsichtsrat
Gerüchte verdichten sich, dass Mark Frese auf der morgigen Aufsichtsratssitzung zum neuen Finanzchef ernannt wird. Er folgt auf Olaf Koch, der neuer Firmenchef wird und damit Eckhard Cordes ablöst, der das Unternehmen verlässt. Ein Metro-Sprecher wollte die Nachricht nicht kommentieren. Frese ist seit 1994 im Unternehmen und ist Chef von Metro Cash & Carry. In dieser Funktion hat er direkt an Koch berichtet.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen ein verbessertes Angebot für die Warenhaustochter Kaufhof abgegeben hat. Auf der morgigen Sitzung des Aufsichtsrats soll auch über den Kaufhof-Verkauf beraten werden. Mit einer Entscheidung, wer von den Bietern den Zuschlag erhält, wird aber nicht gerechnet. Metro-Aktien steigen heute in einem freundlichen Marktumfeld gut zwei Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW Nutzfahrzeuge vor Rekordjahr
Die VW-Nutzfahrzeugsparte läuft unter Volldampf. "2011 wird als Rekordjahr in die Geschichte von Volkswagen Nutzfahrzeuge eingehen", erklärte Vertriebsvorstand Harald Schomburg am Donnerstag in Hannover. Bis November lieferte die Sparte weltweit 479.000 leichte Nutzfahrzeuge aus - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 22,5 Prozent.

Ergo senkt Zinsen
Nach Marktführer Allianz hat jetzt auch die Münchner-Rück-Tochter Ergo ihre Zinsen für Lebensversicherungen gesenkt. Die Gesamtverzinsung werde 2012 auf 4,15 sinken, nach 4,55 Prozent in diesem Jahr. Grund seien die Verwerfungen auf dem Anleihenmarkt im Zuge der europäischen Schuldenkrise. Lebensversicherer suchen primär nach sicheren Investments.

"Solide Zinspapiere wie deutsche Bundesanleihen bringen aber selbst bei zehn Jahren Laufzeit kaum mehr als zwei Prozent Rendite." Das sei ein Problem für die Anbieter. "Und ein Ende der Niedrigzinsphase ist vorerst nicht in Sicht," betonnte das Unternehmen.

Analysten drücken Sky Deutschlands Börsenwert
Im MDax rutschen die Anteile von Sky Deutschland mit Abschlag von sieben Prozent ans Indexende. Die Experten von Goldman Sachs hatten das Kursziel gesenkt, die Kaufempfehlung aber bestätigt. Die Schere zwischen den starken und den schwachen europäischen Medienunternehmen öffne sich immer weiter, schrieb Analyst Richard Jones. Auch könnte es einige Sorgen hinsichtlich der Verschuldung des Bezahlsenders geben. Die Analysten der Credit Suisse stuften das Papier herab.

Tui führt den MDax an
Die Experten von Cheuvreux haben Tui-Titel von "Underperform" auf "Outperform" hochgestuft. Der sehr wahrscheinliche Verkauf der Beteiligung Hapag Lloyd sei nicht vollständig eingepreist, schrieb Analyst Jürgen Kolb. Die Konjunkturrisiken würden durch die Restrukturierung und Kapazitätskürzungen gemildert. Zudem könnte Tui von der Schwäche des Wettbewerbers Thomas Cook profitieren. Die Aktie führt mit einem dicken Plus von über zwölf Prozent den MDax an.

MVV behauptet sich
Der im SDax notierte Energieversorger aus Mannheim hat sein operatives Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 behauptet. Das Ebit betrug 242 nach 243 Millionen Euro im Vorjahr. Derr Umsatz stieg um sieben Prozent auf 3,59 Milliarden Euro.

Im laufenden Jahr geht MVV von einem Ergebnisrückgang aus, unter anderem wegen regulatorischer Belastungen. Insgesamt sieht sich das Unternehmen aber gut für die Energiewende gerüstet. MVV investiert bereits seit längerem in erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung. Die MVV-Aktie steigt leicht. Allerdings sind nur knapp 15 Prozent im Streubesitz, die Mehrheit von 50,1 Prozent gehört der Stadt Mannheim.

Riesenauftrag für Schuler
Der Hersteller von Metallpressen hat vom Autobauer BMW den größten Auftrag in der Firmengeschichte erhalten. Schuler baut insgesamt sieben Metallpressen, die täglich mehr als 600 Tonnen Stahl verarbeiten können. Drei Pressen waren bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr (per 30. September) verbucht worden, jetzt kommen vier weitere hinzu. Deren Bestellung fällt in das neue Geschäftsjahr. Der Auftragswert wurde auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert, für das zurückliegende Geschäftsjahr hat das Unternehmen einen Umsatz von 950 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Schuler sind Tagessieger im SDax und legen über sieben Prozent zu.

Tipp 24 kann Gewinne nicht halten
Die Aktie des Online-Wettspielbetreibers Tipp 24 hat ihre Tagesgewinne nicht behaupten können und schließt 2,9 Prozent leichter bei 30,10 Euro. Am Mittag war das Papier zwischenzeitlich bis auf 32,32 Euro angestiegen als bekannt wurde, dass heute 15 der 16 deutschen Ministerpräsidenten den lange umstrittenen neuen Glücksspielstaatsvertrag unterzeichnet haben. Lediglich Schleswig-Holstein bleibt außen vor. Die endgültige Ratifizierung steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die EU.

Unicredit beschließt Mega-Kapitalerhöhung
Die Aktionäre der italienischen Großbank haben einer großen Kapitalerhöhung zugestimmt, mit der die Bank ihre Eigenkapitallücke schließen will. Insgesamt sollen ab Anfang Januar 7,5 Milliarden Euro eingenommen werden. Die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA hatte Unicredit eine Kapitallücke von acht Milliarden Euro bescheinigt.

Seit der Finanzkrise 2008 ist es die dritte Kapitalerhöhung, die beiden vorherigen Maßnahmen brachten der Bank immerhin schon sieben Milliarden Euro ein. Dass Geschäft ist in Anbetracht des schwierigen Bankenumfeldes und natürlich des stark gesunkenen Aktienkurses ein riskantes Unterfangen. Auch andere europäische Häuser wie beispielsweise die Commerzbank, müssen Kapitallücken schließen. Zur Unicredit-Gruppe gehört auch die Münchener Hypovereinsbank.

Brasilien will Chevron loswerden
Dem Ölkonzern Chevron und seinem Partner Transocean droht wegen der wegen der von ihnen verursachten Ölverschmutzung vor der Küste Brasiliens Schadenersatz in Milliardenhöhe. Die zuständige Staatsanwaltschaft teilte mit, sie werde die beiden Unternehmen auf eine Strafzahlung in Höhe von umgerechnet acht Milliarden Euro verklagen. Zudem fordere sie, dass sie ihre Produktion in Brasilien einstellen. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hatte Chevron fast vier Milliarden Dollar Nettogewinn eingestrichen.

FedEx verdient mehr
Der US-Paketdienst FedEx hat im zweiten Quartal mehr verdient und umgesetzt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das Nettoergebnis stieg von 283 auf 497 Millionen Dollar. Der Umsatz zog um zehn Prozent auf 10,59 Milliarden Dollar an und lag damit im Rahmen der Erwartungen. FedEx bestätigte die Prognose für das kommende Jahr, der Gewinn je Aktie soll zwischen 6,25 und 6,75 Dollar liegen. Die Aktie liegt zur Stunde an der Heimatbörse New York über sieben Prozent im Plus.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"