Markbericht 20:02

Wirtschaft der Eurozone wächst bald wieder Dax von Hoffnung beflügelt

Stand: 24.07.2013, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur in der Euro-Zone hat den europäischen Aktienmärkten am Mittwoch zu neuem Schwung verholfen. Belastet wird die neue Rallye dagegen von der Wall Street.

Dort dreht der Dow Jones-Index immer wieder ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Leitindex bereits 0,4 Prozent tiefer bei 15.512 Zählern. Die größten Verlierer waren AT&T und Caterpillar.

Grund für die schwächelnden Kurse in New York sind aber weniger enttäuschende Quartalszahlen als vielmehr die Furcht vor einem baldigen Ende der expansiven Geldpolitik. "In Anbetracht der guten US-Konjunkturdaten kommen nun wieder Ängste auf, dass die US-Notenbank in Bälde ihre lockere Geldpolitik doch drosseln könnte", sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Tatsächlich sind die Verkäufe neuer Häuser in den Vereinigten Staaten im Juni deutlich stärker gestiegen als erwartet.

Wegen der gedrückten Stimmung in New York bröckeln auch das zunächst rund einprozentige Plus im Dax ab. Der deutsche Leitindex kann sich wieder erholen und schließt mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 8.379 Zählern doch noch deutlich höher als am Dienstag.

Wirtschaft überwindet Rezession

Es ist vor allem die Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur in der Euro-Zone, die den europäischen Aktienmärkten zu neuem Schwung verholfen hat. Nachdem der Einkaufsmanagerindex für die Währungsunion im Juli erstmals seit anderthalb Jahren wieder ein Wachstum der Privatwirtschaft signalisiert hatte, griffen die Anleger an den hiesigen Aktien- und Devisenmärkten zu und hievten den Dax zeitweise bis auf 8.415 Zähler.

Der Euro war am Mittwoch zunächst über die Marke von 1,32 Dollar gestiegen. Wegen der neuen Ängste über eine baldige Drosselung der US-Geldpolitik muss der Euro am Abend seine Zugewinne wieder abgeben. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend ist der Euro auf 1,3184 Dollar gefallen, mehr als ein halbes cent weniger als zuvor. Dominiert wurde das Marktgeschehen erneut von einer Flut von Quartalszahlen, darunter vieler US-Schwergewichte.

Dell bietet 10 Cent mehr

Mit einem um Centbeträge aufgestockten Angebot versucht Michael Dell den Rückkauf seines Computerkonzerns doch noch durchzuboxen. Er und der verbündete Finanzinvestor Silver Lake bieten nun 13,75 US-Dollar je Aktie statt zuvor 13,65 Dollar. "Das ist unser endgültiges Angebot", erklärte Michael Dell in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben an den Verwaltungsrat des Konzerns. Insgesamt kostet das erhöhte Angebot Michael Dell 150 Millionen Dollar mehr. Die außerordentliche Hauptversammlung, die eigentlich über das alte Angebot von Michael Dell abstimmen sollte, wurde abermals verschoben. Sie soll nun am 2. August stattfinden.

Aus den USA gibt es eine Menge an Quartalszahlen. Mit dabei sind die Schwergewichte Apple, Boeing, Caterpillar und Ford. Die meisten überraschen positiv. Mehr dazu in unserer Chartserie:

China belastet Glaxo

Der wegen eines Bestechungsskandals in China unter Druck stehende britische Arzneimittel-Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) befürchtet negative Folgen für sein Geschäft. Das genaue Ausmaß kann aber noch nicht beziffert werden.Im abgelaufenen Quartal steigerte Glaxo seinen Konzernumsatz um zwei Prozent auf 6,62 Milliarden Pfund. Der Gewinn je Aktie kletterte um ein Prozent auf 26,3 Pence. Die Analystenprognosen wurden damit leicht übertroffen.

Daumen hoch für HeidelbergCement

Bei den deutschen Einzelwerten gehört die Aktie von HeidelbergCement zu den größten Gewinnern im Dax. Grund ist eine Heraufstufung durch JPMorgan von "Neutral" auf "Overweight". Zudem haben die Analysten das Kursziel von 55,90 auf 57,30 Euro angehoben. Der Zementhersteller dürfte dank seiner Ausrichtung auf das Geschäft in den USA und Westeuropa die Markterwartungen erfüllen können, hieß es in einer Studie.

Easyjet hebt Lufthansa

Zu den Favoriten gehört auch die Aktie der Lufthansa, die gut drei Prozent hinzugewinnt. Damit profitiert das Papier von den guten Zahlen des Konkurrenten Esayjet. Im Geschäftsjahr 2012/13, das bei Easyjet bis Ende September läuft, rechnet der Konzern mit einem Vorsteuergewinn von 450 bis 480 Millionen Pfund - oberhalb der bisherigen Analystenschätzung von 433 Millionen. An der Londoner Börse verteuerten sich die Aktien daraufhin um mehr als sieben Prozent.

Kontron überzeugt

Im TecDax macht die Kontron-Aktie einen Sprung um mehr als 14 Prozent. Der Spezialcomputerhersteller Kontron will die Sparschraube anziehen. Durch Stellenstreichungen und Werkschließungen sollen ab 2016 pro Jahr 40 Millionen Euro gespart werden. Auch das Ergebnis des vergangenen zweiten Quartals überzeugt die Börse. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel nach einer Durststrecke mit 0,9 Millionen leicht positiv aus.

Cancom reißt die Anleger nicht vom Hocker

Mit gemischten Gefühlen reagieren die Anleger auf die vorläufigen Zahlen des IT-Diensteilsters Cancom. Zunächst dreht das Papier ins Minus, kann sich aber bis zum Handlesende doch noch ins Plus retten. Cancom hat den Konzernumsatz im zweiten Quartal um zehn Prozent auf 140 Millionen Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern konnte gar um 20,5 Prozent auf 5,3 Millionen Euro gesteigert werden. Im Unterschied zum klassischen Projektgeschäft führe die Realisierung von Cloud Projekten oft nicht zu sofortigem Umsatz und Ertrag, erklärt die Münchener Firma.

Für Süss läuft es schlecht

Schwächster Wert im TecDax ist allerdings die Aktie des Chipausrüsters Süss Microtec. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal einen Umsatzeinbruch erlitten und ist in die Verlustzone gerutscht. Außerdem rechnet das TecDax-Mitglied im Gesamtjahr mit einem noch höheren operativen Minus als bisher anvisiert.

ElringKlinger sind ein Renner

Im MDax gehören ElringKlinger zu den größten Gewinnern. Die britische Investmentbank HSBC erwartet, dass der Automobilzulieferer im zweiten Quartal seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent gesteigert haben dürfte. Das zweite Halbjahr dürfte zudem von einem besseren Lastwagengeschäft sowie niedrigeren Kosten bei dem von Freudenberg übernommenen Geschäft in Frankreich profitieren, so die Bank.

MTU warnt

Dagegen ist die MTU-Aktie einer der schwächsten Werte im MDax. Der Triebwerkshersteller traut sich im laufenden Jahr nicht mehr so viel zu wie bisher gedacht. Sowohl das bereinigte operative Ergebnis als auch der bereinigte Überschuss sollen nur in etwa auf Vorjahresniveau liegen.

Keine Panik bei ProSieben

Aktien von ProSiebenSat.1 verlieren zweistellig. Doch diese Kursbewegung ist in erster Linie die Folge der Sonderausschüttung in Höhe von 5,65 Euro je Aktie.

lg

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr