Dax von Dow ausgebremst

Stand: 15.12.2008, 20:05 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt tut sich schwer auf seinem Weg zur Jahresendrally. Am Montag bremste die lustlose Wall Street, die auf miese, aber nicht unerwartet schlechte, Konjunkturdaten reagierte, die deutschen Anleger effektiv aus.

Seit einem Jahr schrumpt in den USA die Wirtschaft, und immer noch gibt es keine Zeichen dafür, dass sich der Trend bald ändern könnte. Die beiden amerikanischen Konjunkturdaten, die wie Blei die Kurse in New York nach unten zogen, zeigten dies am Montag eindrücklich.

Zum einen fielen die Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York mit minus 25,4 Punkten auf ein Rekordtief. Zum anderen schrumpfte die Industrieproduktion im November um 0,6 Prozent. Beide Werte waren zwar unerfreulich und sandten erneute Rezessionssignale, doch immerhin: Analysten hatten noch schlechtere Zahlen erwartet.

Erwartung hin, Erwartung her. Die Anleger gingen sozusagen auf Nummer sicher und verkauften. Zudem lastete, das merkte New Yorker Börsenhändler an, ein gerüttelt Maß an Nervosität auf dem Markt, da am Dienstag die Fed erneut zur Notenbanksitzung zusammen trifft.

Als in Frankfurt der Xetra-Handel zu machte, notierten die drei großen New Yorker Indizes im Minus, und als auch auf dem Frankfurter Parkett das Licht aus ging, verzeichnete die Wall Street Verluste.

Der Dax, der wegen der Hoffnung auf Staatshilfen für die US-Wirtschaft im Allgemeinen und die Autoindustrie im Besonderen die längere Zeit des Tages deutliche Kursgewinne verzeichnete, sackte dank der schwachen Vorgaben aus New York abwärts und beschloss den Xetra-Handel mit einem Minus von 0,18 Prozent bei 4.655 Punkten. Der LDax zeigte sich kaum verändert, er schloss wenig höher.

Euro und Öl stark
Der Euro lief am Montag zu alter Stärke auf. Im Tagesverlauf gewann die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar etwa drei Cent und erreichte erstmals seit zwei Monaten wieder die Marke von 1,37 Dollar. Händler begründeten die Eurostärke mit der Charttechnik. Auch Öl verteuerte sich, nachdem die Opec weitere Förderkürzungen angekündigt hatte.

Autoabsatz in Europa bricht ein
Schlechte Nachrichten kamen aus der Autobranche. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ist der Pkw-Absatz in Europa im vergangenen Monat um rund ein Viertel auf 932.500 eingebrochen. Die Märkte in Europa seien enorm unter Druck geraten, teilte der Verband am Montag Abend mit.

Siemens zahlt die Strafe
Der Elektrokonzern Siemens muss wegen des Schmiergeld-Skandals 800 Millionen Dollar in den USA zahlen. Darauf einigten sich der Konzern, das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC. 450 Millionen Dollar muss Siemens an das Justizministerium, 350 Millionen an die SEC zahlen. In Deutschland wird Siemens 395 Millionen Euro Strafe wegen "unzureichender Kontrolle ihrer Geschäftsaktivitäten" zahlen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft München mit. Die Siemens-Aktie verlor 0,5 Prozent.

Hilfe für Qimonda
Die endlose Leidensgeschichte um den stark angeschlagenen Speicherchiphersteller Qimonda und seine Mutter Infineon schlägt ein neues Kapital auf. Jetzt will Infineon offenbar doch Geld für Qimondas Rettung bereit stellen. Das schreibt zumindest das Nachrichtenmagazin Focus. Der Aktie tat's gut. Sie stieg im Tagesverlauf um 2,3 Prozent.

Madoff's Milliardenspiel
Ob und wie viel die deutschen Banken in den Schlund des milliardenschweren Kettenbriefspiels des früheren Nasdaq-Chefs Madoff geworfen und verloren haben, war von den Kreditinstituten kaum heraus zu bekommen. Die Deutsche Bank immerhin teilte mit, sie sei nicht betroffen. Die spanische Bank Santander sagte, ihre Kunden seien mit 2,33 Milliarden Euro im Betrugsfall Madoff involviert gewesen. Madoff hatte über ein Schneeballsystem etwa 50 Milliarden Dollar von seinen Fonds-Kunden ergaunert.

MAN kauft Lkw von VW
Der Lastwagenhersteller und Maschinenbaukonzern MAN wird Anfang Januar das brasilianische Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen und Bussen seines Großaktionärs Volkswagen übernehmen. Das Geschäft habe ein Volumen von 1,18 Milliarden Euro, teilte MAN am Montag mit. VW hält etwa 30 Prozent an MAN. Seit längerem wurde darüber spekuliert, dass VW seine Lkw-Aktivitäten bündeln könnte. Die MAN-Aktie rutschte an das Dax-Ende und verlor 7,5 Prozent.

Nach AUA kommt (nochmal) SAS
Kaum eine Woche nach der Übernahme der österreichischen Luftfahrtgesellschaft AUA werden der Lufthansa neue Expansionsgelüste nachgesagt. Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, hegt der Dax-Konzern offenbar neues Interesse an der skandinavischen Airline SAS. Jüngst abgebrochene Verhandlungen seien wieder aufgenommen worden, wurde berichtet. Aktionäre befürchten nun, dass sich die Lufthansa mit einer zweiten Übernahme übernehmen könnte, die Aktie verlor 0,7 Prozent.

Drägerwerk und Rofin-Sinar senken Prognose
Die Aktien der beiden TecDax-Unternehmen Drägerwerk und Rofin-Sinar fallen um jeweils etwas mehr als 14 Prozent. Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk hat für das Geschäftsjahr 2008 ein um etwa 15 Prozent geringeres Konzernergebnis als ursprünglich prognostiziert. Der Laserhersteller Rofin-Sinar senkte seine Umsatzprognose. Statt 120 bis 125 Millionen Dollar im ersten Geschäftsquartal rechnet Rofin-Sinar jetzt mit 100 bis 105 Millionen Dollar Umsatz.

Solarnews
Die Solaraktien im TecDax beendeten den Handelstag mehrheitlich mit Kursgewinnen. Q-Cells-Aktien gewannen trotz einer Warnung der Beteiligung REC, dass es Verzögerungen bei der Solarzellenproduktion geben könnte, 3,8 Prozent. Conergy-Papiere legten 2,3 Prozent zu, weil der Konzern zusammen mit einem Tochterunternehmen von General Electric 250 Millionen Euro in Asien investieren will. Und Solon-Aktien gewannen 1,4 Prozent. Der Berliner Konzern will ein Werk zur Herstellung von Solarsilizium in Italien bauen.

Demag Cranes mit solider Bilanz
Der im MDax notierte Kranhersteller Demag Cranes hat das Geschäftsjahr 2007/2008 mit einem Umsatz von 1,23 Milliarden Euro abgeschlossen und dabei 84,7 Millionen Euro Nettogewinn verbucht. Damit fielen die Zahlen etwas besser aus als erwartet. Außerdem gab sich Demag betont optimistisch, was den Ausblick betrifft. Für das im Oktober angelaufene neue Geschäftsjahr geht das Unternehmen "trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen von einer insgesamt auch weiterhin stetigen Nachfrage aus". Die Aktie stieg um 5,7 Prozent.

Arcandor machte weiter Verluste
Arcandor verbuchte im abgelaufenen Geschäftsjahr Verluste von 746 Millionen Euro. Der Warenhaus- und Tourismuskonzern verwies auf Restrukturierungskosten sowie außerordentlichen Steuerbelastungen. Arcandor bestätigte allerdings die Prognose und stellte für Karstadt ein positives Jahres-Ergebnis für 2009/2010 in Aussicht. Die Aktie fiel um 3,9 Prozent.

Comdirect zeigt sich zufrieden
Die im SDax notierte Aktie der Direktbank Comdirect legte 2,6 Prozent zu. Comdirect-Chef Michael Mandel sagte in einem Zeitungsinterview, dass er mit der Entwicklung im vierten Quartal zufrieden sei. Man wachse in einem schwierigen Bankenmarkt. Analysten rechnen bereits damit, dass Comdirect die Jahresprognose übertrifft.

Biotest-Antikörper einen Schritt weiter
Nach der US-Gesundheitsbehörde FDA hat auch die Europäische Kommission dem Antikörper BT-062 des Biotechnologiekonzerns Biotest für die Therapie des Multiplen Myeloms den Status als "Orphan Drug" zuerkannt. Die SDax-Aktie gewann 4,8 Prozent.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"