Dax vom Tagestief genesen

Stand: 04.01.2007, 20:06 Uhr

Da half auch das Comeback der T-Aktie nichts: Gewinnmitnahmen nach der guten Entwicklung der vergangenen Tage haben den Dax in die Verlustzone gedrückt. Immerhin ging's zum Handelsschluss wieder aufwärts.

Der Dax kam bis auf 17 Punkte an seinen Vortagesschluss heran. Er schloss im elektronischen Xetra-Handel beim Stand von 6.674. Beim L-Dax tat sich quasi nichts mehr.

Die Angst vor einer Konjunkturabschwächung in den USA hatte zuvor deutlichere Gewinnmitnahmen provoziert. Auslöser waren Aussagen der US-Notenbank Fed vom Vorabend, die zunehmende Abwärtsrisiken für die Wirtschaft befürchten.

Aktuell liegt der Dow Jones rund 0,2 Prozent im Minus. Enttäuschend wurden die Daten aus dem Einzelhandel aufgenommen. So klagte unter anderem der weltweite Branchenprimus Wal-Mart über ein glanzloses Weihnachtsgeschäft. Eine deutlich bessere Figur macht der Nasdaq Composite. Der Index der Technologiewerte notiert derzeit rund 0,6 Prozent im Plus. "Es hagelt in New York Empfehlungen für Technologiewerte, was an der Nasdaq zu Kursgewinnen geführt hat", sagte ein Händler. Getrieben wurde der Index von einem deutlichen Intel-Plus.

Gemischte US-Konjunkturdaten
Konjunkturdaten kurz nach Handelseröffnung der Wall Street fielen gemischt aus. So schwächte sich das Wachstum im US-Dienstleistungssektor im Dezember wie erwartet etwas ab, wie der Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) offenbarte.

Schlechter als zuvor prognostiziert fielen dagegen die Zahlen zur Auftragslage der US-Industrie aus. Die eingegangenen Bestellungen stiegen im November im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent. Erwartet worden war ein Plus von 1,4 Prozent.

Ölpreis sinkt weiter
Außerdem wurde noch der Ölmarktbericht veröffentlicht. Der zeigte, dass die US-Lagerbestände gefallen sind. Die Vorräte schrumpften sogar etwas stärker als erwartet. Dem Ölpreis konnte das nicht auf die Beine helfen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate kostete am späten Nachmittag 56,85 Dollar und damit 1,47 Dollar weniger als am Vortag. Bereits gestern war der Preis stark eingebrochen.

Stahlharte Verluste
Im Dax zogen vor allem die Stahlwerte abwärts. Die Aktie von ThyssenKrupp verlor mehr als drei Prozent und setzte sich ans Indexende. Im MDax war Salzgitter Schlusslicht mit einem Minus von mehr als sechs Prozent. Die Branche leidet weiter unter einer Studie der Credit Suisse vom Mittwoch. Die Analysten hatten die Lage für die europäischen Stahlproduzenten als Besorgnis erregend bezeichnet.

Milder Winter - schlappe Versorger
Den Leitindex belasteten zudem die schwer gewichteten Versorgerwerte Eon und RWE. Die Kursverluste von rund zwei Prozent erklärten Börsianer mit dem derzeit milden Wetter. Das schlage auf die Strompreise durch, sagte Analyst Christoph Keidel von der LBBW. Insgesamt seien die Titel der Versorger im vergangenen Jahr sehr gut gelaufen, daher komme es zu Gewinnmitnahmen. Händler verwiesen zudem auf die Diskussion über die Gaspreise: "Das hat einige dazu veranlasst, sich aus den Versorgerwerten zu verabschieden."

Autoaktien kommen nicht in Schwung
Auch die starken Verluste bei Autowerten machten dem Dax zu schaffen. Anleger fürchten die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung. Aktien von BMW, DaimlerChrysler und Volkswagen verloren deutlich. Bei Daimler und VW gab es zusätzlichen Abwärtsdruck durch die US-Absatzzahlen. Bei BMW verschnupfte eine Herabstufung durch die Citigroup die Anleger, da konnten auch die guten Verkäufe in den Vereinigten Staaten nicht gegensteuern.

Comebach der T-Aktie
Doch es gab auch etliche Gewinner im Dax. So machte die T-Aktie einen Riesen-Satz von fast drei Prozent und sprang damit an die Indexspitze. Händler verwiesen auf charttechnische Gründe. Die Aktie war am Vorabend kurz vor Handelsschluss bei 14,00 Euro nach oben ausgebrochen. Allerdings sei das Handelsvolumen relativ dünn.

Merck will nicht mehr nachahmen
Im MDax gehörte Merck zu den Favoriten mit mehr als sechs Prozent Kurssteigerung. Hier trieben Spekulationen, dass der Darmstädter Pharmakonzern sein Generika-Geschäft verkaufen will. Nach Angaben aus Branchenkreisen, will Merck den Verkauf rasch anzustoßen. Ein Preis von vier Milliarden Euro für die Sparte sei durchaus realistisch.

Schwarz Pharma mit guten Nachrichten
Drittstärkster Wert in dem Nebenwerte-Index wurde die Aktie von Schwarz Pharma. Das Parkinson-Pflaster Neupro des Arzneimittelherstellers lindert nach neuen klinischen Studiendaten die Beschwerden von Patienten im frühen Krankheitsstadium. Außerdem hat das belgische Pharmaunternehmen UCB seinen Anteil an Schwarz Pharma auf knapp 87 Prozent erhöht.

Centrotec konzentriert sich
Außerhalb der Indizes fielen die Aktien von Centrotec auf. Die Titel, die noch bis Dezember im Kleinwerteindex SDax notiert waren, verbuchen ein Kursplus von rund sechs Prozent. Der Heizungs- und Lüftungstechnik-Spezialist wird seine abgespaltene Solar-Sparte Centrosolar ab sofort nicht mehr in der Bilanz konsolidieren, sondern nur noch als Finanzbeteiligung führen. Damit fließt Centrosolar nur noch in das Nettoergebnis und Eigenkapital ein, jedoch nicht mehr in den Umsatz und das operative Ergebnis.

Bijou Brigitte wächst durch neue Filialen
Die im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelten Titel von Bijou Brigitte verbilligten sich, nachdem der Modeschmuckhersteller seine Umsatzzahlen bekannt gegeben hatte. Die Erlöse stiegen zwar um 15 Prozent. Allerdings wurde das Wachstum durch die Eröffnung neuer Filialen erkämpft. Flächenbereinigt sank der Umsatz leicht.

Zukauf bei Pixelpark
Aktien von Pixelpark fuhren ein wenig Achterbahn, schlossen dann rund 1,5 Prozent im Minus. Das Unternehmen hatte einen Zukauf bekannt gegeben. Man will den Geschäftsbereich Systems der Carus Information Technology erwerben.

Nanostart macht Kasse
Größere Kursgewinne - zeitweise im zweistelligen Prozentbereich - strich die Aktie von Nanostart ein. Die Frankfurter Nanotechnologie-Beteiligungsgesellschaft trennte sich von ihren beiden börsennotierten Beteiligungen NanoFocus und Obducat getrennt. Dadurch konnte Nanostart 6,9 Millionen Euro einnehmen. Das Geld wird wieder investiert - unter anderem in neue Nanotechnologie-Unternehmen.

Google kooperiert mit China Mobile
Unter den US-Werten machte Google von sich Reden. Der Suchmaschinenbetreiber baut sein China-Geschäft aus. Das Unternehmen erklärte, mit der Mobilfunkfirma China Mobile zusammenzuarbeiten. Google werde dem führenden Unternehmen der Branche in China ab den ersten Monaten dieses Jahres Online-Suchtechnologie bereitstellen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Napster hebt Prognose an
Die Napster-Aktie profitierte von der Anhebung der Prognosen. Der Vertreiber von Online-Musik hat mitgeteilt, er werde seine bisherige Umsatzprognose für das dritte Geschäftsquartal übertreffen. Statt eines Quartalsumsatzes von 27 Millionen US-Dollar rechnet Napster nun mit 28 Millionen Dollar.

Cisco und Intel gefragt
Schließlich erhöhte noch die Banc of America ihre Gewinnschätzungen für den Intel-Konzern. Den Titeln bescherte das einen Kursaufschlag von fast vier Prozent.

Auch die Papiere von Cisco zogen an. Der US-Netzwerkausrüster wird den Sicherheits-Spezialisten IronPort für etwa 830 Millionen Dollar in bar und in Aktien übernehmen. Eine entsprechende definitive Vereinbarung sei nun geschlossen worden, teilte Cisco am Donnerstag mit. IronPort Systems biete Antispam- und andere Sicherheitssoftware an.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"