Dax völlig losgelöst

Stand: 27.09.2011, 19:56 Uhr

Die Anleger ließen am Dienstag die Zügel los und füllten ihre Depots, als wären Aktien schon morgen für immer ausverkauft.

Der Dax stieg in der Spitze um bis zu 5,5 Prozent auf 5638,04 Punkte und verbuchte damit seinen größten Tagesgewinn seit zweieinhalb Jahren. Er schloss bei 5.628,44 Punkten mit einem imposanten Aufschlag von 5,3 Prozent - mithin fast auf seinem höchsten Tagesniveau. Der Late Dax kletterte um 5,9 Prozent auf 5.640,31 Zähler.

Die Indizes rückten europaweit vor: Der EuroStoxx50 zog ebenfalls um fünf Prozent an - der höchste Tagesgewinn seit knapp 16 Monaten. Der CAC 40 in Paris gewann bis Börsenschluss 5,7 Prozent. Der FTSE 100 an der Londoner Börse lag am Abend vier Prozent im Plus.

"Leben von der Hoffnung"
Die Gründe für den Kaufrausch sind eher weicher Natur: Die Politik soll es richten und den Rettungsfonds EFSF weiter aufstocken, lautete die Hoffnung der Investoren. Dass die Bundesregierung dementierte, kümmerte die Anleger am Dienstag nicht. "Die Börsen leben derzeit ausschließlich von der Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Griechenlandproblems", sagte Andreas Lipkow von MWB Fairtrade.

Hinzu komme "Window-Dressing", meint der Fachmann Lipkow. Einige institutionelle Anleger versuchten, ihre Bilanzen zum Quartalsende noch aufzupolieren. Die in den letzten Tagen etwas aufgehellte Stimmung kann jederzeit wieder drehen", warnen deshalb nicht nur die Experten der HSH Nordbank.

Weiche Faktoren, harte Fakten
Unterstützung erhielt der Dax aus den USA. Dort kletterte die Wall Street bis 20 Uhr um fast drei Prozent. Auch dort beflügelte das europäische Hoch: "Der Markt beginnt das Gefühl zu bekommen, dass die europäischen Politiker ihre Lähmung überwinden", beschrieb Peter Cardillo von Rockwell Global Capital die Stimmung.

Gegen Hoffnungen, Spekulationen, Meinungen hatten relativ belastbare Fakten das Nachsehen: In den USA hat sich das Verbrauchervertrauen im September nur geringfügig verbessert. Der Index stieg zwar leicht an, Experten hatten abner mit einem kräftigeren Plus gerechnet. Das das Verbrauchervertrauen die Erwartungen verfehlte, ließ die enthusiasmierten Investoren kalt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%

Riesensatz für Finanzwerte
Finanztitel wie die Allianz, Deutsche Bank, Commerzbank und Aareal Bank legten zu, als seien sie morgen ausverkauft. Händler machten zwei Faktoren für die deutlichen Kursgewinne verantwortlich: Mit einem Minus von knapp 36 Prozent hat der europäische Bankenindex seit Jahresbeginn den stärksten Einbruch erlebt. "Diese Werte haben ein klares Erholungspotenzial", kommentierte ein Börsianer. Marktteilnehmer verwiesen zudem auf die anhaltenden Spekulationen über eine Re-Kapitalisierung europäischer Banken. Mit plus 12,6 Prozent führte die Deutsche Bank den Dax an.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

MAN & VW: bald zusammen was zusammengehört?
Die EU-Kommission hat ihre Zustimmung zur mehrheitlichen Übernahme von MAN durch VW gegeben. Das Vorhaben beeinträchtige nicht den Wettbewerb in Europa, teilten die obersten Wettbewerbshüter mit. Es gebe ausreichend Konkurrenz durch gut etablierte Anbieter. "Die Größe des Konzerns könnte Volkswagen zunehmend Probleme bereiten", meint Analyst Frank Schwope von der NordLB. Dennoch legen beide Aktien signifikant zu.

BASF bald ohne Dünger
Der weltgrößte Chemiekonzern BASF will einen Teil seines Düngemittelgeschäfts an den russischen Konkurrenten Eurochem veräußern. Man habe mit Eurochem einen Vertrag über den Verkauf der Düngemittel-Aktivitäten in Antwerpen und Belgien unterzeichnet, teilte BASF mit. Zudem plant der Konzern, den 50-prozentigen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen PEC-Rhin an Eurochem abzugeben. Der Wert der Transaktion bezifferte BASF auf 700 Millionen Euro.

ArcelorMittal drosselt Produktion
Doch Rezession? Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal reagiert auf die unsichere Wirtschaftslage und fährt wegen des hohen Preisdrucks seine Produktion in Europa herunter. Stahlkonzerne spüren seit einigen Monaten eine deutliche Zurückhaltung der Kunden, die zu Preisrückgängen führt. Auch ThyssenKrupp bereitet sich auf eine Drosselung der Produktion vor.

Kuka: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,80
Differenz relativ
-1,46%

China-Lieferung beflügelt Kuka
Der Maschinenbaukonzern Kuka wird 800 Industrieroboter für einen großen internationalen Automobilhersteller in China ausliefern. Der Großauftrag umfasst insgesamt ein Volumen im mittleren zweistelligen Millionen-Bereich. Die im MDax gelistete Aktie steigt deutlich stärker als der Index.

Südzucker enttäuscht
Europas größter Zuckerkonzern Südzucker hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2011/12 einen Gewinnsprung seinen Umsatz um neun Prozent auf 3,3 Milliarden Euro verbessert. Noch stärker ging es für das operative Ergebnis nach oben. Hier lag das Plus bei 23 Prozent auf 347 Millionen Euro. Die Aktie notiert leicht unter Vortagesniveau, obwohl der Vergleichsindex MDax um mehr als vier Prozent steigt.

Trübe Aussichten für SMA?
Der nicht börsennotierte weltgrößte Automobilzulieferer Bosch will in die Produktion für Wechselrichter für Solaranlagen einsteigen, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Damit würde Bosch SMA Solar Konkurrenz machen. Mit der verstärkten Ausrichtung von Bosch auf das Photovoltaik-Geschäft dürften sich die Aussichten für SMA auf dem ohnehin schon turbulenten Solarmarkt noch weiter eintrüben, schrieb Equinet-Analyst Stefan Freudenreich.

Italien mit Berlusconi-Malus
Am Anleihemarkt gibt es Neuigkeiten über Italien: Das verschuldete Land hat bei der ersten Anleihe-Emission nach der Herabstufung durch die Rating-Agentur Standard & Poor's höhere Zinsen vereinbaren müssen. So fallen auf die Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten nun 3,07 Prozent Zinsen an. Für sogenannte Nullkupon-Anleihen, die 2013 fällig werden, muss Italien 4,51 Prozent zahlen. Bei einer vorangegangen Auktion waren die Zinssätze noch deutlich niedriger gewesen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen