Maktbericht 20:02 Uhr

Hohe Euro, fallende Ölpreise Dax: Verpatzter Start ins neue Quartal

Stand: 01.04.2016, 20:02 Uhr

Nach Verlusten von mehr als sieben Prozent im ersten Quartal ist der Dax auch zum Auftakt des neuen Vierteljahres im Minus gestartet. Grund ist eine ungünstige Gemengelage.

Der Dax verliert am ersten Handelstag im April zeitweise 290 Punkte und fällt auf 9.675 Zähler zurück. Erst die robusten Konjunkturdaten aus Amerika sorgen im weiteren Verlauf für etwas Besserung. Tatsächlich ist der Einkaufsmanagerindex ISM im März auf 51,8 Punkte geklettert und liegt damit über der Prognose von 50,7 Punkten. Das von der Uni Michigan und Reuters erhobene Konsumklima ging zwar um 0,7 Punkte auf 91,0 Zähler zurück, übertrifft aber die Erwartungen.

Trotzdem geht der Dax Am Ende bei 9.794 Punkten aus dem Handel, 1,7 Prozent weniger als am Vortag. Auf Wochensicht beläuft sich das Minus allerdings auf moderate 0,58 Prozent.

Euro auf Achterbahnfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Einer der Gründe für den heftigen Absturz am Nachmittag war der wiedererstarkte Euro. Die Gemeinschaftswährung stieg kurz vor den Arbeitsmarktdaten auf einen neuen Jahreshöchststand von 1,1440 Dollar. Nach den guten Arbeitsmarkt- und Konjunkturzahlen muss sie ihre Gewinne wieder abgeben und fällt um fast einen US-Cent zurück. Danach geht es aber wieder aufwärts. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Euro bei 1,1387 Dollar.

Zudem schickte der stellvertretende Kronprinz Mohammed bin Salman die Ölpreise auf Talfahrt. Diese Gemengelage weckt Erinnerungen an den Jahresauftakt. Fallende Ölpreise und ein steigender Euro – ein Gemisch das die Märkte ins Trudeln bringt. Experten gehen davon aus, dass es bei einem Dax oberhalb von 9.700 Punkten nach einem seitwärts tendierenden Markt aussieht. Sollte der Leitindex allerdings die Region um 9.700/9.750 Punkte nachhaltig durchbrechen dürfte es bis auf 9.400 Punkte abwärts gehen.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

An der Wall Street hellen die robusten Konjunkturdaten die Stimmung dagegen auf. Nachdem der Dow zunächst rund ein halbes Prozent im Minus notierte, dreht er im weiteren Verlauf leicht ins Plus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,46 Prozent höher bei 17.769 Punkten.

Zu den moderaten Kursgewinnen trugen vor allem die Konjunkturdaten bei. Zuvor hatten ordentliche Arbeitsmarktzahlen weitere Zinserhöhungen in den USA signalisiert und damit die Kauflaune gebremst.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Tatsächlich wurden in den USA im März außerhalb der Landwirtschaft 215.000 neue Stellen geschaffen, statt der erwarteten 205.000. Die Arbeitslosenquote steigt auf 5,0 Prozent, nach 4,9 Prozent zuvor. Die Stundenlöhne stiegen um 0,3 Prozent. Hier lag die Konsensschätzung bei plus 0,2 Prozent.

ThyssenKrupp: Gespräche mit Tata

Die ThyssenKrupp-Aktie ist der mit Abstand größte und zeitweise einzige Gewinner im Dax. Das Papier reagiert auf Meldungen über ein Interesse von Tata Steel an der europäischen Stahlsparte. Das indische Unternehmen wolle einsteigen, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Berliner Regierungskreise. ThyssenKrupp wäre die verlustreiche Sparte wohl nur zu gerne los. Ein Insider berichtet aber, dass sich der Aufsichtsrat des Unternehmens noch nicht mit der Angelegenheit befasst habe.

Autos unter Druck

Dagegen wird die Liste der Verlierer von den Autowerten angeführt. Volkswagen muss wegen des Abgas-Skandals bei den Verkäufen in den USA weiter Federn lassen. Der Absatz der Marke mit dem VW-Logo schrumpfte im März um 10,4 Prozent. Audi verkaufte dagegen 7,5 Prozent mehr Wagen. Auch die aktien von BMW gehören zu den größten Verlierern im Dax.

Airbus am Boden

Im MDax sind die Aktien von Airbus unter Druck geraten, zeitweise sogar an das Index-Ende gerutscht. Grund ist ein Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach an den Triebwerken des Truppentransporters A400M Probleme festgestellt wurden. Die Entwicklung des A400M war bereits begleitet worden von politischen, finanziellen und technischen Problemen, in deren Folge sich das Projekt um Jahre verzögerte und verteuerte.

Bilfinger schließt Verkauf der Wassersparte ab

Auch Bilfinger verlieren. Der krisengeschüttelte Mannheimer Konzern hat sein Geschäft mit Wassertechnologie endgültig verkauft und streicht rund 200 Millionen Euro ein. Käufer ist die chinesische Firma Chengdu Techcent Environment.

Amazon will bei Here einsteigen

Der Internetkontern will Kreisen zufolge beim Here-Kartendienst der großen deutschen Autobauer einsteigen. Man sei in Verhandlungen, hieß es aus beteiligten Kreisen, offizielle Bestätigungen gab es aber nicht. Der US-Handelsgigant bietet neben dem Geschäft mit seinem Online-Versandhaus auch Software-Dienstleistungen und Rechenkapazität an.

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ein Einstieg könnte sinnvoll sein, zumal die Autohersteller stets betont haben, dass sie offen für weitere Partner seien. An Here sind Audi, BMW und Daimler beteiligt. Die Deutschen hatten Here für mehr als 2,5 Milliarden Euro von Nokia übernommen. Der Kartendienst soll Autobauer in die Lage versetzen, mit hochpräzisen Daten auch selbstfahrende Fahrzeuge zu navigieren.

Weg frei für Marriott

Im milliardenschweren Übernahmekampf um die Hotelkette Starwood hat der chinesische Bieter Anbang sein zuletzt erhöhtes Angebot überraschend zurückgezogen. Damit ist der Weg frei für die Marriott-Hotelkette, die zuletzt 13,2 Milliarden Dollar geboten hatte. Die Aktien beider Unternehmen sackten im nachbörslichen Geschäft in New York ab.

Tesla begeistert

Mit dem "Model 3" stellte der Elektroautobauer das erste Modell für den Massenmarkt vor. Die Nachfrage und der Rummel waren enorm. Innerhalb von 24 Stunden seien bereits 115.000 Vorbestellungen eingegangen, verkündete Firmenchef Elon Musk in der Nacht auf Freitag.

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Preis beträgt 35.000 Dollar (31.000 Euro), dürfte aber nach staatlichen Vergünstigungen noch deutlich sinken. Tesla bietet damit erstmals ein für die breite Bevölkerung erschwingliches Modell an, das in hoher Stückzahl gefertigt werden soll. Tesla-Papiere legen zeitweise um 15 Prozent zu.

Orange beendet Fusionspläne

Der französische Telekomanbieter Orange hat die Gespräche mit dem Mischkonzern Bouygues über dessen Telekomsparte beendet. Es sei keine Vereinbarung über den Kauf des Geschäfts erreicht worden sei, teilte Orange am Freitagabend mit. Ursprünglich hatte sich das Unternehmen bis Sonntag für eine Beurteilung Zeit lassen wollen. Bei Anlegern kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Die Bouygues-Aktie gibt im nachbörslichen Handel neun Prozent nach, Orange büßt vier Prozent ein.

Saudi Aramco soll an die Börse

Saudi-Arabien will den staatlichen Öl- und Chemiekonzern Saudi Aramco im Jahr 2017 oder 2018 an die Börse bringen. Dabei sollen zunächst weniger als fünf Prozent der Anteile des weltgrößten Öllieferanten in private Hände gelangen, wie Vize-Kronprinz Muhammad bin Salman in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ankündigte. Es gelte, die Investitionen zu streuen, sagte er.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"