Marktbericht 20:00 Uhr

Die Wall Street funkt dazwischen Dax verliert an Schwung - trotz EZB-Vorfreude

Stand: 09.03.2016, 20:00 Uhr

Heute war zeitweise so etwas wie Vorfreude zu spüren: darauf, dass die EZB morgen liefert. Der Dax gewann an Kraft. Doch dann schmolzen seine Gewinne wieder - im Sog der Wall Street.

Zeitweise hat es das deutsche Börsenbarometer 1,5 Prozent aufwärts bis auf 9.839 Punkte geschafft, was Händler vor allem dem schwächeren Euro zuschrieben. Mit der Euro-Erholung am Nachmittag und der schwachen US-Börse büßte der deutsche Leitindex den Großteil seines Vorsprungs im späten Handel aber wieder ein. Am Ende blieb ein Dax-Plus von 0,3 Prozent und ein Schlussstand von 9.723 Punkten, im späten Frankfurter Handel blieb es dabei. Der Euro war zeitweise unter 1,10 US-Dollar gefallen - auf ein Tagestief von 1,0949 Dollar - er sprang später aber wieder darüber.

Es steckt viel Enttäuschungspotenzial im morgigen Tag. Kaum abzusehen, wie die Finanzmärkte auf die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank reagieren werden. Öffnet sie die Geldschleusen nicht weit genug, könnten die Kurse in die Knie gehen. Die große Frage ist nur: Was empfindet der Markt als genug? In einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur Bloomberg gaben alle befragten Ökonomen an, mit einer weiteren Senkung des bereits negativen Einlagezinssatzes zu rechnen. 73 Prozent erwarten außerdem eine Ausweitung der laufenden milliardenschweren Anleihekäufe.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 18.00 Uhr

Als eingepreist gilt derzeit ein Absenken des Einlagenzinses von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent. Mancher spricht sogar schon von minus 0,5 Prozent. Fest gerechnet wird zudem, dass die monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 75 Milliarden Euro aufgestockt werden - und das sind längst nicht alle Pfeile im Köcher der EZB.

Findet Draghi die richtigen Pfeile?

Sollte aber EZB-Präsident Mario Draghi morgen nicht die richtigen Pfeile abschießen - was dann? Es sei nur an die Sitzung der Notenbanker im Dezember erinnert. Der Dax verlor auf einen Schlag mehrere hundert Punkte, weil das Anleihekaufprogramm nur verlängerte, das Volumen aber nicht aufstockte. Ähnliche Reaktionen wären dann auch morgen zu erwarten. "Auch wachsen die Zweifel, ob zusätzlich eingeleitete Lockerungsmaßnahmen noch eine Rally an den Aktienmärkten einleiten können.", kommentiert Andreas Paciorek von CMC Markets. Banken mahnten zum Beispiel, dass eine weitere Absenkung des Banken-Einlagensatzes kontraproduktiv wirke, da zu einem Ausgleich weiter fallender Margen die Kreditkosten stiegen.

Banken laufen Sturm

Negative Folgen der Geldpolitik seien in Deutschland schon heute sichtbar, erklärte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). "Wir sehen, dass sich die Sparquote reduziert", sagte Präsident Uwe Fröhlich. Die Immobilienpreise in den Ballungsräumen entwickelten sich nach oben. Selbst die Preise für Oldtimer und anderer Anlageobjekte bewegten sich "in absurden Höhen". Es drohten Blasenbildungen. Auch von den anderen Bankenverbänden gab es heute reichlich Kritik.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.210,55
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-0,22%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1438
Differenz relativ
+0,56%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,68
Differenz relativ
+0,68%

Ölpreis erholt sich

Unterstützung für die Börsen kam heute vom Ölpreis, der derzeit als Indikator für die Weltwirtschaftsentwicklung gilt. Er legte nach den gestrigen Verlusten wieder leicht zu. Aussagen des stellvertretenden irakischen Ölministers sorgten für gute Stimmung. Fajad al-Nema zufolge wollen die großen Exportstaaten der Welt am 20. März über eine Deckelung der Fördermengen beraten. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um rund vier Prozent auf 41,11 Dollar.

BMW auf Rekordkurs - aber unter Druck

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,41
Differenz relativ
-0,48%

Unter den Dax-Werten rückte sich BMW ins Rampenlicht - allerdings bekam der Autobauer für seinen Rekordgewinn und die höhere Dividende vom 3,20 Euro je Stammaktie keinen Beifall von Investoren. Börsianer hatten mit 3,38 Euro gerechnet. Die Papiere gaben ihre anfänglichen Gewinne ab und standen am Ende mit Minus zwei Prozent da.

Eon geht am Stock

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,52
Differenz relativ
+0,93%

Eon wurde aber Schlusslich im Dax mit minus drei Prozent. Der schwächelnde Energiekonzern hat im vergangenen Jahr wegen hoher Abschreibungen einen Nettoverlust von fast sieben Milliarden Euro verbucht. Zudem stellten die Essener angesichts ungebremst sinkender Energiepreise ihre langfristigen Prognosen auf den Prüfstand und stimmten die Anteilseigner auf sinkende Dividenden ein.

VW droht noch mehr Ärger

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
Differenz relativ
-0,50%

VW-Vorzugsaktien standen zeitweise unter Druck. Im Abgasskandal um Volkswagen dehnt das amerikanische Justizministerium seine Ermittlungen laut dem "Wall Street Journal" aus. Nun gehe es auch um den Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstöße gegen Steuergesetze. Es könnte für VW zusätzliche Strafen bedeuten, hieß es. Analyst Michael Punzet von der DZ hält eine stärkere Kürzung der Dividende für möglich. Doch die VW-Aktien trotzten all dem heute und machten die anfänglichen Verluste schließlich wieder wett.

Deutsche Post kauft sich selbst

Die Deutsche Post hat wohl noch mal die Kurve gekriegt. Im vergangenen Jahr sank der Gewinn zwar um rund ein Viertel auf gut 1,5 Milliarden Euro - wegen der kriselnden Frachtsparte. Doch für 2016 macht Frank Appelt den gebeutelten Anteilseignern große Hoffnungen. Und er verkündete ein milliardenschweres Rückkaufprogramm. Anleger nutzen die guten Nachrichten heut aber zu Gewinnmitnahmen.

Merck heruntergestuft

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
90,02
Differenz relativ
+0,02%

Zu den schwächeren Dax-Werten gehört die Aktie des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Die britische Investmentbank HSBC hat das Kursziel für den Wert nach Jahreszahlen von 92 auf 88 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Hold" belassen. Das Pharmageschäft bleibe unter Druck. Die im Juni stattfindende Krebsforschungskonferenz (ASCO) werde für Merck wichtig. Das Kursziel sinke vor allem wegen der langfristig steigenden Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

Siemens baut ab

Der Elektrokonzern Siemen reagiert mit Einschnitten auf die Probleme in seiner Sparte Prozessindustrie und Antriebe. Weltweit sollen rund 2500 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund 2000 in Deutschland. Ein Plus von ein Prozent verbuchte heute die Aktie. Tagesgewinner im Dax waren die Aktien von Fresenius, allerdings ohne fundamentale Nachrichten. Ein Händler kommentierte dies mit dem Hinweis, wonach defensive Werte wieder verstärkt in der Anlegergunst stünden.

Drägerwerk zahlt kaum noch Dividende

Der Medizin- und Sicherheitstechnikanbieter Drägerwerk kürzt seine Dividende drastisch. Auf die Stammaktien will das Unternehmen nur noch 13 Cent je Aktie zahlen. Vor einem Jahr war noch 1,33 Euro ausgeschüttet worden. Auf die Vorzugsaktien soll es 19 Cent statt 1,39 Euro geben.

Inditex wächst

Aus Spanien war Inditex bei Anlegern beliebt - denn der spanische Textilkonzern wächst und wächst. .Mit zahlreichen neuen Läden, der Stärke des Flaggschiffs Zara und anziehenden Online-VerkäufeI 2015 sogar nochmal stärker als sonst. Umsatz und Gewinn legten 15 Prozent zu. Seit seinem Börsengang 2001 hat Inditex seinen Umsatz mehr als versechsfacht.

Von Hochzeitsglocken und geplatzten Träumen

Fusionsfantasien beflügelten die italienische Telecom Italia und den französischen Mitbewerber Orange. Genährt wurden die Spekulationen von der Aussage des französischen Präsidenten Francois Hollande, sein Land wolle gemeinsam mit Italien Großkonzerne schmieden - unter anderem im Telekom-Sektor. Dagegen erkaltet die Gerüchteküche um Burberry. Die am Vortag aufgekommenen Spekulatiomen, ein Investor habe es auf den Modekonzern abgesehen, entpuppten sich als falsch. Es ging daher abwärts für die Aktie - die gestrigen Gewinne waren wieder dahin.

bs

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Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.