Dax verblüfft

Detlev Landmesser

Stand: 03.05.2007, 20:26 Uhr

Wer hätte das gedacht: Nur noch wenige Punkte trennen den Dax von der 7.500er-Marke. Die Unternehmensgewinne sprudeln weiter, und auch die US-Konjunkturdaten gaben den Börsen neuen Auftrieb.

Der L-Dax beendete den Frankfurter Parketthandel bei 7.474,07 Zählern. Alle drei Konjunkturdaten des Tages hatten die Sorgen um eine allzu starke Abkühlung der US-Konjunktur gemildert. Zum einen sank die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend um 21.000 auf 305.000, während Volkswirte mit 323.000 Anträgen gerechnet hatten. Wichtiger war aber der deutliche Produktivitätszuwachs von 1,7 Prozent im ersten Quartal. Beobachter hatten nur 1,1 Prozent erwartet. Schließlich kletterte der Einkaufsmanagerindex für das US-Dienstleistungsgewerbe im April überraschend von 52,4 auf 56,0 Punkte, während Analysten nur mit 53,0 Punkten gerechnet hatten.

Das machte den Dax nach einem Intermezzo in der Minuszone wieder munter, während der Euro deutlich unter 1,36 Dollar zurückfiel. Am Morgen hatte der deutsche Leitindex mit 7.483,22 Punkten einen neuen Rekordstand seit Juli 2000 erreicht.

Schwergewicht General Motors (GM) dämpfte dagegen den Aufwärtsdrang an der Wall Street. Zwar konnte der US-Autobauer im ersten Quartal mehr Fahrzeuge absetzen, musste aber dennoch einen Gewinneinbruch von 602 Millionen Dollar im Vorjahr auf 62 Millionen hinnehmen. Das lag auch an der Finanzsparte GMAC, die unter dem schwächelnden US-Hypothekenmarkt zu leiden hatte. Die GM-Aktie rutschte um mehr als vier Prozent ab.

Gerichtserfolg für Bayer Schering Pharma

Im späten Geschäft schob sich die Bayer-Aktie nach vorn. Der Pharmakonzern meldete, dass das Landgericht Berlin die Klagen gegen den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Tochter Bayer Schering GmbH abgewiesen hat. Der Vertrag ist die Grundlage für die Integration der ehemaligen Schering AG in den Bayer-Konzern.

MAN brummt
Zeitweise markierte die MAN-Aktie neue Rekordstände, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Der Maschinenbau- und LKW-Konzern hat sein operatives Ergebnis im ersten Quartal um 51 Prozent auf 318 Millionen Euro und damit deutlich stärker als erwartet nach oben geschraubt. Für das Gesamtjahr stellt MAN nun einen Umsatzanstieg von rund zehn Prozent in Aussicht nach bisher mindestens fünf Prozent. Als echte Perle erwies sich einmal mehr die Getriebetochter Renk AG, an der MAN 76 Prozent hält. Bei einem Umsatzplus von 46,5 Prozent auf 104 Millionen Euro steigerte Renk das operative Ergebnis (Ebit) um 125 Prozent auf 18 Millionen Euro.

Metro besser als gedacht
Die Metro-Aktie setzte sich an die Dax-Spitze. Der Handelskonzern schnitt im ersten Quartal ebenfalls besser als erwartet ab. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 14,9 Milliarden Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hatten die Analysten wegen der Integrationskosten für die übernommenen deutschen Wal-Mart-Filialen mit einem noch stärkeren Rückgang als von 138 auf 123 Millionen Euro gerechnet.

Altana vor Mammut-Ausschüttung
Ein Hauch von Wehmut herrschte auf der letzten Hauptversammlung der "alten" Altana AG. Viele Aktionäre trennten sich zudem aus steuerlichen Gründen vor der riesigen Dividendenausschüttung am Freitag von dem Dax-Titel. Dazu kam nach Händlerangaben zur Xetra-Schlussauktion noch starker Verkaufsdruck von passiv gemanagten Fonds, die Altana bisher als Pharmawert in ihren Portfolios geführt hatten und nun verkaufen mussten. Insgesamt schüttet Altana wegen des Verkaufs der Pharmasparte 34,80 Euro pro Aktie aus.

Kritik und Lob für Obermann
Auch die Deutsche Telekom hielt am Donnerstag ihr jährliches Aktionärstreffen ab. Telekom-Chef René Obermann erntete von Aktionärsseite sowohl Kritik als auch Unterstützung für die geplante Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern. Laut Obermann kommt der Konzern beim Abstoßen von Randaktivitäten voran. So solle der Verkauf der französischen Internettochter Club Internet im ersten Halbjahr abgeschlossen sein. Insgesamt erwarte die Telekom aus den Transaktionen einen Verkaufserlös im oberen dreistelligen Millionenbereich.

BMW im Rückwärtsgang
Bei BMW reagierten die Anleger zunächst mit Verkäufen auf die Quartalsergebnisse. Da der Gewinnrückgang im ersten Quartal allerdings erwartet worden war, drehte der Dax-Titel schließlich ins Plus. Der Autobauer musste im ersten Quartal bei dem um Sonderfaktoren bereinigten Ergebnis vor Steuern einen Rückgang von knapp zwölf Prozent auf 852 Millionen Euro hinnehmen. Der Umsatz kletterte um knapp drei Prozent auf 11,95 Milliarden Euro.

Eon wird optimistischer
Der größte deutsche Energiekonzern Eon hat seinen Ausblick aktualisiert. Das Unternehmen rechnet nun damit, im laufenden Jahr beim bereinigten operativen Ergebnis das hohe Niveau des Vorjahres übertreffen zu können. Bisher war Eon nur von einer leichten Steigerung ausgegangen. Anleger griffen zeitweise heftig bei der Aktie zu.

Zwei bis drei Gebote für Merck-Generikasparte
Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA hat nach Informationen aus Branchenkreisen noch zwei oder drei Gebote für seine Generikasparte. Die Gebote lägen am oberen Ende der Spanne von vier bis fünf Milliarden Euro. Nach dem Rückzug der isländischen Actavis-Group seien weiterhin Teva Pharmaceuticals und die Private Equity Gesellschaften Bain Capital und Apax Partners unter den Bietern. Auch Mylan Laboratories wird weiterhin als Interessent gehandelt.

Heidelcement vor Milliardenkauf?
Offenbar werteten Börsianer die Expansionspläne von HeidelbergCement In Richtung Großbritannien positiv. Der Baustoffhersteller signalisierte am Nachmittag Interesse am britischen Wettbewerber Hanson. Der MDax-Konzern teilte mit, hinsichtlich Hanson alle Optionen zu prüfen. Die Hanson-Aktie weitete nach der Mitteilung ihre Kursgewinne auf mehr als 20 Prozent auf 1.025 Pence aus. Damit wird das Unternehmen an der Börse aktuell mit umgerechnet 10,66 Milliarden Euro bewertet. Bereits vor der HeidelbergCement-Mitteilung kursierten am Markt Spekulationen, ein unbekannter Investor kaufe Hanson-Aktien zusammen. Es stehe noch nicht fest, ob es zu einer Übernahme kommen werde, betonte dagegen HeidelbergCement. "Eine weitere Mitteilung wird zu gegebener Zeit erfolgen", hieß es in der kurzen Erklärung.

Hannover Rück nicht gut gelitten
Unter Druck stand im MDax die Aktie der Hannover Rück. Der weltweit viertgrößte Rückversicherer schnitt im ersten Quartal operativ schwächer ab als erwartet. Das Ebit sank auf vergleichbarer Basis um 17 Prozent auf 154 Millionen Euro. Der Gewinn entwickelte sich dagegen wegen einer niedrigeren Steuerlast besser als gedacht.

Techem wächst solide
Die Zahlen von Techem wurden dagegen wohlwollend aufgenommen. Der Energiedienstleister hat im zweiten Quartal den Gewinn stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Der Überschuss legte von Januar bis März unter anderem wegen einer Umstellung bei der Abrechnung von Heizungs- und Wasserzählern um gut 17 Prozent auf 26,9 Millionen Euro zu. Der Umsatz kletterte auf 170,5 Millionen Euro, nach 149,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Beiersdorf mit gepflegten Zahlen
Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf hat im ersten Vierteljahr das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis im Vorjahresvergleich von 162 auf 182 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz kletterte um 8,7 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro. Damit lag der Konzern im Rahmen der Analystenerwartungen.

Rhön-Klinikum auf gesundem Weg
Auch beim Klinikbetreiber Rhön-Klinikum fiel die Zwischenbilanz erwartungsgemäß aus. Das MDax-Mitglied setzte im ersten Quartal mit 502 Millionen Euro knapp elf Prozent mehr um. Dabei kletterte der Gewinn um elf Prozent auf 25,2 Millionen Euro.

Pfeiffer Vacuum weiter solide
Ziemlich unspektakulär, weil im Rahmen der Erwartungen, fielen die Quartalszahlen des Vakuumpumpenherstellers Pfeiffer Vacuum aus. Das TecDax-Mitglied setzte mit 46,7 Millionen Euro sieben Prozent mehr um als vor Jahresfrist. Das Ebit stieg um 14 Prozent auf 12,2 Millionen Euro.

Rofin-Sinar meldet Gewinnsprung
Der deutsch-amerikanische Laserhersteller Rofin-Sinar Technologies hat in seinemm zweiten Geschäftsquartal seinen Gewinn um gut ein Zehntel gesteigert. Von Januar bis März legte der Überschuss von 11,7 auf 13,1 Millionen Dollar zu. Dabei setzte das TecDax-Unternehmen mit 116,1 Millionen Dollar 16 Prozent mehr um. Der Auftragseingang erreichte mit 125,9 Millionen Dollar ein Rekordniveau. Daraufhin erhöhte Rofin-Sinar die Prognose für den Jahresumsatz auf 460 bis 470 Millionen Dollar, was zehn Millionen Dollar über der bisherigen Prognose liegt.

Tele Atlas sieht rot
Der Anbieter digitaler Landkarten Tele Atlas bleibt im ersten Quartal bei einem von 56,5 auf 64 Millionen Euro verbesserten Umsatz immer noch in den roten Zahlen. Der Verlust konnte nur von 11,0 auf 8,4 Millionen Euro verringert werden.

GPC schließt US-Labor
GPC Biotech will seine vorklinische Medikamentenentwicklung künftig nur noch in Martinsried betreiben. Der US-Standort Waltham bei Boston werde geschlossen, wodurch die gesamte Zahl der GPC-Mitarbeiter um 16 Prozent sinke, teilte das TecDax-Unternehmen am Nachmittag mit. Grund sei unter anderem das Ende der Zusammenarbeit mit Altana Pharma in diesem Jahr. Der Ausbau der klinischen Entwicklung und Vermarktung werde aber am Standort in Princeton/New Jersey weiter vorangetrieben.

ABN darf LaSalle nicht verkaufen
Im Gefecht um die niederländische Bank ABN Amro kam das Bieterkonsortium um die Royal Bank of Scotland einen Schritt voran. Ein Amsterdamer Gericht untersagte ABN vorerst den Verkauf der US-Tochterfirma LaSalle. Damit entfällt eine wesentliche Voraussetzung für die geplante Megafusion von ABN Amro mit der britischen Barclays Bank. Diese bekräftigte aber ihren Durchhaltewillen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen