Marktbericht 20:02 Uhr

Kein Angst vor Drosselung der Geldschwemme Dax: US-Jobzahlen sorgen für Aufwind

Stand: 06.12.2013, 20:02 Uhr

Der Dax hat in der ersten Dezember-Woche rund zweieinhalb Prozent eingebüßt. Es war die erste Korrektur nach der Rally der letzten Wochen. Doch am Freitag wendete sich das Blatt und die Anleger griffen wieder zu.

Zwar nimmt nach den besser als erwartet ausgefallenen US-Jobzahlen die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Fed noch vor dem Frühjahr 2014 eine langsamere Gangart bei ihrer ultralockeren Geldpolitik einschlägt. Doch unmittelbar bevorstehen tut dieser Schritt wohl nicht.

Auch müsse die Zahl der neu geschaffenen Stellen noch deutlich ansteigen und vor allem über einen Zeitraum von mehreren Monaten hoch bleiben, bevor die Fed tatsächlich auf die Bremse tete, meint Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Kein Wunder also, dass der deutsche Leitindex am Freitag nach einer kurzen Phase der Verunsicherung - der die Kurse fuhren zunächst Achterbahn - schließlich kräftig zulegte. Das Börsenbarometer kletterte bis auf 9.195 Zähler und ging schließlich bei 9.172 Punkten aus dem Handel, 87 Punkte oder 0,96 Prozent höher als am Donnerstag.

Auch in New York reagierten die Anleger erfreut über die Zahlen. Bei Börsenschluss in Frankfurt rückt der Dow Jones-Index um 1,26 Prozent vor auf 16.020 Punkte. Die zuletzt erfreulichen US-Arbeitsmarktdaten allein sind nach Einschätzung des Fed-Mitglieds Charles Evans noch kein Anlass für eine Drosselung der ultralockeren Geldpolitik.

Tatsächlich ist der Stellenzuwachs in den USA höher ausgefallen als von Analysten erwartet: außerhalb der Landwirtschaft wurden im November 203.000 neue Stellen geschaffen. Zugleich sank die Arbeitslosenrate auf 7,0 Prozent. An den Märkten waren aber noch optimistischere Schätzungen in Umlauf gewesen. Zudem ist die Drosselung der monatlichen Anleihekäufe durch die Fed längst eingepreist, hat doch der Dax in dieser Woche gut 250 Punkte eingebüßt.

Tapering steht nicht unmittelbar bevor

"Die Zahlen waren nicht so gut, dass man jetzt davon ausgehen müsste, dass schon im Dezember mit der Drosselung der Anleihekäufe begonnen werden muss, meint auch Rainer Sartoris, Analyst bei HSBC Trinkaus. Allerdings waren sie so robust, dass die Spekulationen über einen früheren Einstieg in den Ausstieg der quantitativen Geldpolitik hoch bleiben werden", sagte er.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch der Euro geriet durch die US-Arbeitsmarktzahlen kurz unter Druck. Die Gemeinschaftswährung fiel am Freitag von ihrem Tageshoch bei 1,3678 Dollar auf 1,3627 Dollar, konnte sich danach aber rasch erholen und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,3696 Dollar.

Post holt Verluste auf

Angeführt wird der Dax bis zum Schluss von der Aktie der Deutschen Post. Sie hatte an den Vortagen unter Gewinnmitnahmen gelitten, nachdem sie auf einen Rekordstand geklettert war. Offenbar nutzen einige Anleger nun die Wertminderung zum Einstieg.

Merck jetzt auf der Verliererseite

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Aktie des Pharmakonzerns Merck. Die Darmstädter wollen ihr Chemiegeschäft mit einer Milliardenübernahme stärken. Vermutlich nehmen einige Investoren nach dem Riesenplus von gestern Gewinne mit. Zudem hat die Crédit Suisse das Kursziel für Merck angesichts der Übernahmepläne von 123 auf 138 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Neutral" belassen.

Auch Lufthansa schwach

Rückwärts geht es auch für die Aktien von Lufthansa. Der Konkurrent Air France-KLM hat im November einen geringfügigen Rückgang bei den Passagierzahlen verbucht. Die Fluggesellschaft strich wegen des Orkans "Xaver" am Freitag zunächst mehr als 60 Flüge in Norddeutschland und Skandinavien. Mittlerweile notiert das Papier etwa auf Vortagesniveau.

Passagierschwund bei Air Berlin

Auf der Verliererliste steht auch die im SDax notierte Aktie von Air Berlin. Die angeschlagene Fluggesellschaft hat im November weniger Fluggäste befördert. Die Zahl der Reisenden ging um 3,1 Prozent auf 2,01 Millionen zurück. Die Auslastung der Flugzeuge verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozentpunkte auf 80,0 Prozent.

Riesensatz bei Constantin

Dagegen sind die ebenfalls im SDax notierten Papiere von Constantin um über 17 Prozent in die Höhe gesprungen. Grund ist die Ankündigung des Bezahlsenders Sky, den Sportsendungs-Spezialisten Plazamedia von Constantin zu übernehmen. Analyst Harald Heider von der DZ Bank bezeichnete den Kauf auch für Sky als positives Geschäft. Es helfe dem Bezahlsender, den Produktionsprozess bei Sport- und Live-Veranstaltungen in der Hand zu haben und die Wertschöpfungskette zu erweitern.

Aufholjagd im TecDax

Auch im TecDax sind einige Papiere nach den Gewinnmitnahmen der vergangenen Tage kräftig gefragt, allen voran Bechtle und BB Biotech. Zu den Gewinnern gehören auch die Aktien von Cancom. Dabei hat sich das IT-Unternehmen gerade frisches Geld beschafft, um die geplante Übernahme der Kölner Pironet NDH zu finanzieren. Durch die Ausgabe von gut 2,4 Millionen neuer Aktien aus genehmigten Kapital sammelte das TecDax-Unternehmen rund 54,6 Millionen Euro ein.

Schlechte Ausichten für Software AG

Dagegen haben die Aktien der Software AG nach einem negativen Analystenkommentar zum Geschäft mit Datenbanksoftware ihre Verluste ausgeweitet und sind ans TecDax-Ende gerutscht. Analyst Daud Khan von der Privatbank Berenberg sieht nach Unternehmensaussagen auf einer Konferenz das Risiko, dass das ETS-Lizenzgeschäft 2014 um mehr als 20 Prozent schrumpfen könnte. Das wäre deutlich mehr als von ihm und dem Markt erwartet. Khan bewertet die Aktien mit "Sell".

Kion will an die Weltspitze

Auf dem Weg an die Weltmarktspitze will die Kion Gruppe ihr Geschäft mit Gabelstaplern und Lagertechnik in China sowie anderen Wachstumsmärkten stark ausbauen. Durch die Kooperation mit dem chinesischen Industriekonzern Weichai Power eröffneten sich neue Chancen, sagte Vorstandschef Gordon Riske. "China spielt eine Schlüsselrolle in der Expansion von Kion", sagte Riske. Kion wolle bis 2020 den weltweit größten Rivalen Toyota überholen, so der Manager.

Nestlé sorgt für Fantasie

Spekulationen über einen Ausstieg von Nestlé bei L'Oréal haben die Aktien des französischen Kosmetikkonzerns in die Höhe getrieben. Die Titel kletterten am Freitag um bis zu 3,6 Prozent auf 126,70 Euro, den höchsten Stand seit mehr als fünf Wochen. Die Aktien waren damit Spitzenreiter an der Pariser Börse. Angefacht wurden die Spekulationen laut Händlern durch die Pläne Nestlés, Aktien des Aromaherstellers Givaudan im Börsenwert von rund 1,15 Milliarden Franken (935 Millionen Euro) bei institutionellen Investoren platzieren zu wollen.

Club Med sucht sein Heil in China

Unruhen in Tunesien und Ägypten sowie die schwache Nachfrage in Europa setzen dem französischen Reiseveranstalter Club Med zu. Um die Flaute wettzumachen, will der Konzern nun die Expansion in Schwellenländer wie China, Brasilien und Russland vorantreiben. Das operative Ergebnis fiel im Geschäftsjahr 2012/13 um elf Prozent auf 55 Millionen Euro. Der Umsatz ging wechselkursbereinigt um 1,3 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zurück.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"