Marktbericht 20:25

Neue Bestmarken am Aktienmarkt Dax und MDax im Höhenrausch

von Robert Minde

Stand: 29.11.2013, 20:25 Uhr

Ein Ende der Aktienhausse scheint selbst an nachrichtenarmen Tagen wie heute nicht in Sicht. Im Gegenteil, das billige Geld der Notenbanken treibt die Kurse immer weiter. Der Dax legt im Wochenverlauf zwei Prozent zu und knackt erstmals die Marke von 9.400 Punkten.

Am Ende eines eher langweiligen Börsentages stand doch noch ein neues Rekordhoch. Leichtes Interesse der Anleger im Zuge einer freundlichen Eröffnungstendenz an der Wall Street reichte aus, um den Leitindex um 0,19 Prozent auf einen Schlusskurs von 9.405 Punkten zu hieven.

Auch der MDax, der Index der mittelgroßen Werte, setzte seine Rally fort und erreichte am Schluss mit 16.334 Zählern eine neue Bestmarke. Der TecDax verfehlte mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 1.154 Zählern ein neues Allzeithoch nur knapp. Nachbörslich tat sich wenig, der L/E-Dax beendet den Handel bei 9.395 Punkten.

Keine Chance für die Bären

Im Handelsverlauf erreichte der Dax mit 9.424 Zählern ebenfalls einen neuen Rekordstand. Die Handelspanne war mit knapp 50 Punkten zwar gering, von Abgabeneigung war und ist jedoch weit und breit nichts zu sehen. Der Aufwärtstrend sei ungebrochen, sagte Aktienstratege Ishaq Siddiqi vom Brokerhaus ETX Capital.

"Wir können mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung über das Jahresende hinaus bis hinein ins erste Quartal 2014 rechnen." Ein Ende der Rally sei erst dann zu erwarten, wenn die Spekulationen um die Straffung der US-Geldpolitik wieder zunähmen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
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-0,11%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23.700,89
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-0,24%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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2.569,53
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-0,08%

Wall Street bröckelt ab

Am Ende eines verkürzten Handelstages schlossen die führenden amerikanischen Aktienindizes uneinheitlich. Der Dow konnte seine anfänglichen Gewinne nicht verteidigen und gab leicht um 0,07 Prozent auf 16.084 Punkte nach. Im Handelsverlauf hatte es zunächst nach einer neuen Bestmarke ausgesehen, denn in der Spitze stand der Index schon bei 16.174 Punkten. Der S&P-500-Index drehte ebenfalls ins Minus. Lediglich an der Technologiebörse Nasdaq ging es weiter bergauf, der Composite-Index schloss mit einem Aufschlag von 0,37 Prozent bei 4.059 Punkten.

Auf Unternehmensseite standen auch am diesjährigen "Black Friday" Einzelhandelstitel im Fokus. Der Tag markiert traditionell den Startschuss für das wichtige Weihnachtsgeschäft. Viel scheinen die Anleger den Internethändlern zuzutrauen. Die Aktien von Amazon verteuerten sich um 1,79 Prozent, Ebay stiegen um 2,47 Prozent.

Euro behauptet sich über 1,36 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
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Die Gemeinschaftswährung präsentiert sich ebenfalls bärenstark und notiert aktuell über der Marke von 1,36 Dollar. Die EZB setzte den Referenzkurs bei 1,3611 Dollar fest.

Auch die Tatsache, dass die Ratingagentur Standard & Poor's den Niederlanden die Bestnote AAA entzogen hat, ficht ihn nicht an. Damit sind im Euroraum nur noch Deutschland, Finnland und Luxemburg mit der Bestnote der Kreditwächter ausgestattet. Im Gegenzug äußerten sich die Analysten allerdings zu Spanien und Zypern optimistischer.

Zudem zeigen die jüngsten Preisdaten aus dem Euroraum, dass Deflationsrisiken abnehmen. Im November lag der Preisauftrieb im Jahresvergleich bei plus 0,9 Prozent nach 0,7 Prozent im Vormonat. Dadurch nimmt der Druck auf die EZB ab, sich mit zusätzlichen Lockerungen gegen ein Deflationsszenario zu stemmen.

Tagessieger K+S

Die K+S-Aktie führte die Dax-Gewinnerliste mit einem plus von 6,08 Prozent mit deutlichem Abstand an. Der Düngemittel- und Salzhersteller hat die Arbeit in der thüringischen Mine Unterbreizbach nach einem Grubenunglück im Oktober wieder aufgenommen. Anfang Oktober waren in der K+S-Grube drei Bergleute ums Leben gekommen. Euro den Gewinnern zählten auch Lanxess und die Banken. Commerzbank stiegen in der Spitze kurzzeitig über elf Euro und lagen damit nahezu doppelt so hoch, wie am Tiefpunkt Anfang Juli. Tagesverlierer waren SAP und Indexschwergewicht Siemens.

Null-Diät bei RWE

Der Essener Konzern will jetzt auch seinen Führungskräften eine Nullrunde bei den Gehältern 2014 verordnen. Dies erklärte ein Unternehmenssprecher. In einem Schreiben erklärte der Vorstand zur Begründung, die Ertragskraft des Unternehmens sei zu schwach, so dass es 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang kommen werde. Auch die Aktionäre werden sich für 2013 mit einer halbierten Dividende begnügen müssen. Der Konzern hatte erst jüngst ein drastisches Sparprogramm angekündigt. Bis 2016 sollen konzernweit 6.750 Stellen abgebaut werden.

ThyssenKrupp in Amerika bald am Ziel?

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,40
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-0,67%

Der Verkauf des Stahlwerkes im US-Bundesstaat Alabama an ein Konsortium von ArcelorMittal und Nippon Steel steht nach Insiderinformationen kurz vor dem Abschluss. Der Preis soll bei 1,5 Milliarden Dollar liegen. Angeblich wird eine Erklärung bereits nach Börsenschluss in den USA nach 19:00 Uhr erwartet, hieß es weiter. ThyssenKrupp äußerte sich nicht. Die Aktie wechselte angesichts der Gerüchteküche heute mehrfach das Vorzeichen.

Rosenkrieg um Rhön-Klinikum weitet sich aus

Der Großaktionär und Medizintechnikkonzern B.Braun hat seinen Stimmrechtsanteil an Rhön-Klinikum von bisher 10,98 auf 15,08 Prozent ausgebaut. Das Familienunternehmen aus Nordhessen will die Beteiligung künftig weiter erhöhen und strebt einen Sitz im Aufsichtsrat an. Das Kartellamt hat B. Braun gestattet, seinen Rhön-Anteil auf bis zu 25 Prozent aufzustocken.

Braun klagt aktuell gegen eine Entscheidung des Unternehmens, für rund drei Milliarden Euro 43 Kliniken an Fresenius zu verkaufen. Braun sieht dadurch seine eigene Marktstellung gefährdet. Die Rhön-Aktie reagierte kaum.

Dürr heruntergestuft

Dürr: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
29,53
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+0,07%

Die Dürr-Aktie war heute Schlusslicht im MDax. Das Papier des Maschinen- und Anlagenbauers litt unter einer Verkaufsempfehlung der LBBW. Nach Meinung der Analysten ist das Papier im Vergleich zu Konkurrenz eher hoch bewertet. Im Gegensatz zu vielen anderen Maschinenbauern dürfte sich bei Dürr das Gewinnmomentum der nächsten Jahre abflachen, hieß es.

Axel Springer plant Umwandlung

Der Verlagskonzern aus dem MDax will sich in eine Holding umwandeln. Dies bestätigte ein Sprecher am Freitag. Firmenchef Mathias Döpfner habe bereits mit Betriebsräten gesprochen. Die Axel Springer AG wäre nach den Plänen nur noch eine Holding, die sich als Dachgesellschaft um die Finanzierung und Kontrolle der Töchter kümmert. Gewerkschafter kritisierten die Pläne, denn durch Ausgliederungen wäre es einfacher, auf die Töchter Druck auszuüben.

Catoil traut sich mehr zu

Stärkster Gewinner im SDax war mit über sechs Prozent Zuwachs Catoil, der Anbieter von Ölbohr-Technik und Dienstleistungen. Die Anleger reagieren erfreut auf das jüngste Zahlenwerk des Unternehmens, das zudem seinen Ausblick anhob.

Estavis schreibt schwarz

Der Immobilienkonzern Estavis hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 einen kleinen Gewinn von 0,1 Millionen Euro gemacht, nachdem es im Vorjahr noch ein Minus von 1,8 Millionen Euro gegeben hatte. Die Erlöse reduzierten sich im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal von 8,3 auf 7,8 Millionen Euro.

Capital Stage mit Rückenwind

Der Solarparkbetreiber aus dem Geregelten Markt weist für die ersten neun Monate gegenüber dem Vorjahr ein deutlich verbessertes Zahlenwerk aus. Der Umsatz stieg um gut ein Viertel auf 45,9 Millionen Euro und das Ebitda um 63,8 Prozent auf 42,8 Millionen Euro. Netto blieben 15,4 Millionen Euro nach 9,1 Millionen vor einem Jahr.

Firmenchef Felix Goedhart kündigte an, nach weiteren Projekten Ausschau zu halten. Das Geld dazu hat er, nachdem im Oktober aus einer Kapitalerhöhung 49,3 Millionen Euro eingesammelt wurden. Die Aktie legt rund ein halbes Prozent zu.

LS Telcom legt zu

Das Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse hat nach vorläufigen Zahlen des Geschäftsjahres 2012/13 das operative Ergebnis (Ebit) und den Umsatz deutlich gesteigert.

Das Ebit stieg im Jahresvergleich von 3,14 auf 5,71 und der Umsatz von 27,87 auf 37,92 Millionen Euro. Es soll eine Dividende von 0,25 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Im Ausblick gab sich das Management des auf Software und Dienstleistungen für Funksysteme spezialisierten Unternehmens zuversichtlich, auch im kommenden Jahr weiter zu wachsen. Die Aktie gab heute nach, war aber zuvor gut gelaufen.

Surteco profitiert von Sparprogramm

Der Hersteller von Oberflächenmaterialien für die Bau- und Möbelindustrie, Surteco, hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 297 Millionen Euro verbucht. Das Ebitda sank wegen eines Sparprogramms nur um rund ein Prozent auf 40,5 Millionen. Die Gesamtjahresprognose wurde bestätigt.

S.A.G. Solarstrom kommt unter die Räder

Die S.A.G. Solarstrom AG, ein Ersteller und Betreiber von Solarkraftwerken, muss ihre Prognose einkassieren. Das Unternehmen rechnet damit, dass das geplante Installations- und Absatzvolumen deutlich unterschritten wird. Außerdem wird das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ins Negative abrutschen. Die Aktie verlor über 18 Prozent.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"