Marktbericht 20:00 Uhr

Angst vor Zinsanhebung in Amerika Dax: Und dann kam die Wall Street

Stand: 09.09.2016, 20:00 Uhr

Eine schwache Wall Street hat am Freitag den jüngsten Abwärtstrend beim Dax beschleunigt. Ursache für die miese Stimmung sind neue Zinsängste in Amerika sowie die Enttäuschung über die EZB.

Es sind vor allem Äußerungen von Eric Rosengren, dem Chef der Fed von Boston, die die Kurse deutlich ins Rutschen brachten. Der Notenbaker warnte vor den Risiken einer zu zögerlichen Zinspolitik. Die amerikanische Wirtschaft könne sogar überhitzen, wenn die Währungshüter zu lange mit einer Anhebung warteten, sagte der Chef des Fed-Ablegers in Boston.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 11.00 Uhr

"Wenn wir sicherstellen wollen, dass es bei Vollbeschäftigung bleibt, ist eine schrittweise Straffung der Geldpolitik wohl angebracht", fügte Rosengren hinzu. Der Fed-Notenbanker ist in diesem Jahr stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss, der über die Geldpolitik entscheidet. Er äußerte sich jedoch nicht dazu, ob er noch für dieses Jahr eine weitere Erhöhung erwartet. Dennoch gelten seine Worte als Hinweis darauf, dass ein Zinsschritt der Fed näher rückt - und vielleicht doch schon auf der nächsten Fed-Sitzung am 21. September entschieden werden könnte.

Die Aussagen haben die Kurse der meisten Dax-Werte ins Rutschen gebracht. In der Spitze rutscht der deutsche Leitindex bis auf 10.539 Zähler ab, nachdem er am Morgen bei 10.641 Punkten in den Handel gestartet war. Am Ende geht er bei 10.573,44 Punkten aus dem Handel, 0,95 Prozent oder 101,85 Punkte weniger als am Vortag.

Den Anlegern steckte noch die Enttäuschung herrschte über die EZB in den Knochen. Die hat am Donnerstag keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen beschlossen und auch noch erklärt, über eine Ausweitung der Wertpapierkäufe oder andere Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur überhaupt nicht diskutiert zu haben.

Enttäuschende Exporte

Als Belastung erweisen sich am Freitag auch die enttäuschenden Zahlen aus der deutschen Wirtschaft. Die Exporte brachen im Vergleich zum Vorjahresmonat um zehn Prozent auf 96,4 Milliarden Euro ein. Es war der größte Rückgang seit dem Krisenjahr 2009. "Der einst starke Motor der deutschen Wirtschaft - die Industrie - stottert", sagte Analyst Carsten Brzeski von der ING Bank.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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-0,11%

An der Wall Street haben die Aussagen von Eric Rosengren die Kurse auf Talfahrt geschickt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnet 0,5 Prozent tiefer bei 18.383 Punkten. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 1,6 Prozent oder 293 Punkte tiefer bei 18.186 Zählern.

Der Euro gibt Gewinne wieder ab

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1419
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+0,03%

Nachdem der Euro heute zunächst erneut in Richtung 1,13-Dollar gestiegen war, gab er im späteren Verlauf seine Gewinne wieder ab. Bei Börsenschluss kostet die Gemeinschaftswährung 1,1214 Dollar und damit soviel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1296 Dollar festgesetzt.

Ölpreise als zusätzliche Belastung

Auch vom Rohstoffmarkt kommen keine positiven Impulse für die Aktienmärkte. Im Gegenteil: Die Ölpreise verzeichnen recht deutliche Verluste. Tags zuvor war der Preis für ein Barrel Brent nach gefallenen US-Reserven noch bis auf knapp 50 Dollar gestiegen, auch WTI gewann kräftig hinzu.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,60
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-0,04%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,88
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+0,11%

Deutsche Bank: Einigung in Sicht

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,60
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-0,05%

Die mit Abstand größten Gewinner sind die Aktien der Deutschen Bank. Das "Manager Magazin" berichtet über eine bevorstehende Einigung in einem Rechtsstreit mit den US-Behörden. Danach steht die Bank zwar vor einer Milliardenbuße, doch überwiegt bei den Anlegern die Erleichterung darüber, dass das Geldhaus seinen "mutmaßlich größten, noch ausstehenden Rechtsstreit mit den US-Behörden aus dem Weg räumen kann".

Commerzbank: Martin Zielke packt an

Auch die Commerzbank-Aktie kann gegen den Trend etwas zulegen. Der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke erwägt laut dem "Handelsblatt" die Aufspaltung der Mittelstandsbank. Bei der derzeit laufenden Strategie-Überprüfung stehe der Umbau des Geschäfts mit Firmenkunden im Zentrum. Zudem soll das Investmentbanking weiter abgebaut werden. Beide Schritte würden zu einem erheblichen Abbau von Stellen führen.

Lufthansa mit weniger Passagieren

Die Lufthansa hat im Ferienmonat August weniger Passagiere befördert. Im Konzern betrug der Rückgang 1,3 Prozent. Die Lufthansa-Mutter musste sogar einen Rückgang um fünf Prozent hinnehmen. Dennoch bleibt die Aktie gefragt. Das Unternehmen profitiert offenbar von Plänen der Konkurrentin Air France, die im November Details zu ihrer neuen Strategie unter dem Namen "Trust Together" vorstellen will.

Eon: Uniper erhält Börsenzulassung

Zu den Gewinnern im Dax gehören die meiste Zeit des Tages auch die Eon-Aktien. Nach fast zweijähriger Vorbereitung schließt der Energiekonzern an diesem Montag (12.9.) seine historische Aufspaltung ab. Die bisherige Tochter Uniper geht dann an die Börse. Eon wird damit sein Problem-Geschäft mit Großkraftwerken los. Aktionären steht ein spannender Tag bevor. Viele befürchten, dass Uniper deutlich unter dem bisherigen Buchwert eingestuft wird. Trotzdem gibt es Hoffnung.

Bayer: Einigung mit Monsanto nächste Woche?

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
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-1,45%

Abwärts geht es dagegen mit den Bayer-Papieren. Der Dax-Konzern rüft Kreisen zufolge den Verkauf seines Dermatologie-Geschäfts. Medienberichten zufolge kommt der Pharma- und Chemiekonzern nach der jüngsten Angebotserhöhung bei den Gesprächen mit seinem Übernahmeziel Monsanto schnell voran. Eine Einigung sei bereits in der kommenden Woche möglich, hieß es. Zudem prüfe Bayer den Verkauf seines Dermatologie-Geschäfts für rund 1,1 Milliarden Euro.

Schaefflers Rosenfeld hat den Dreh raus

Im MDax kann Schaeffler punkten. Der Automobilzulieferer kommt beim Schuldenabbau besser voran als zunächst gedacht. Die IHO Holding, eine Gruppe von Holding-Gesellschaften, die indirekt der Familie Schaeffler gehören, zahlt nun doch das komplette offene Darlehen über 1,674 Milliarden Euro zurück. Die Schulden von Schaeffler reduzieren sich somit auf 3,2 Milliarden Euro. Nach der Übernahme von Conti 2008 waren es noch mehr als 12 Milliarden Euro gewesen.

BVB plant Dividende von 0,06 Cent

Der Aufsichtsrat von Borussia Dortmund hat sich dem Vorschlag der Geschäftsführung an die Hauptversammlung angeschlossen, für das Geschäftsjahr 2015/2016 eine Dividende von 0,06 Euro je dividendenberechtigte Stückaktie auszuschütten. Die ordentliche Hauptversammlung 2016 findet am Montag, den 21. November 2016, statt.

Mastercard: Milliardenklage in Großbritannien

Der US-Kreditkartenkonzern Mastercard ist in Großbritannien wegen des Vorwurfs überhöhter Gebühren auf Schadenersatz in Höhe von 14 Milliarden Pfund verklagt worden. Hinter der Klage steht die Großkanzlei Quinn Emanuel, die das Unternehmen beschuldigt, Verbraucher von 1992 bis 2008 durch versteckte Kosten bei Bank- und Kreditkarten über den Tisch gezogen und damit gegen EU-Recht verstoßen zu haben.

Kein Samsung Note 7 im Flugzeug

Nach der Rückrufaktion für das Samsung Smartphone Galaxy Note 7 wegen Brandgefahr hat die US-Luftverkehrsaufsicht davor gewarnt, das Gerät in Flugzeugen zu nutzen. Passagieren werde dringend davon abgeraten, das Telefon einzuschalten oder zu laden sowie in ihrem Gepäck aufzugeben, erklärte die Behörde FAA in ungewöhnlich striktem Ton in der Nacht zum Freitag.

Google testet Burrito-Lieferung mit Drohnen

Google wird seine Lieferdrohnen in den USA mit der Zustellung frisch zubereiteter Burritos testen. Auf einem abgegrenzten Gelände an der US-Hochschule Virginia Tech soll das Essen von einem "Foodtruck" zu den Kunden geflogen werden. Es seien hunderte Flüge über einen Zeitraum von mehreren Tagen geplant, schrieb der Chef des Innovationslabors Google X, Astro Teller, in einem Blogeintrag.

UniCredit: Kapitalerhöhung von bis zu zehn Milliarden Euro?

Der neue UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier will neue Aktien für bis zu zehn Milliarden Euro am Markt platzieren, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Dies wäre eine massive Kapitalerhöhung, da die Bank nach einem starken Kursverfall der Aktie an der Börse derzeit nur noch knapp 15 Milliarden Euro wert ist.

Monte-Paschi-Chef tritt vor Kapitalerhöhung zurück

Der ins Visier der Justiz geratene Chef der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, Fabrizio Viola, tritt zurück. Monte Paschi nannte keinen Grund für den Abgang. Aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen verlautete aber, dass institutionelle Anleger den Rücktritt Violas vor der milliardenschweren Kapitalerhöhung gefordert hätten.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"