Dax überwindet Durchhänger

Detlev Landmesser

Stand: 06.08.2008, 20:29 Uhr

Zur Wochenmitte legte der Dax eine saubere Kurswende aufs Parkett. Nach einem zwischenzeitlichen Durchhänger schloss er fast auf Tageshoch. Der schwächelnde Ölpreis tröstete die Anleger über einen Schreck von der Konjunkturfront hinweg.

Der L-Dax beendete den Parketthandel bei 6.563,37 Punkten. Am Abend lag der US-Ölpreis mit 118,50 Dollar pro Barrel nur noch leicht unter dem Vortagesstand. Konjunktursorgen und unerwartet stark gestiegene US-Lagerbestände hatten die Notierungen zuvor deutlicher belastet.

Die US-Börsen schafften es bis zum Abend dennoch ins Plus. Damit verdaute der Gesamtmarkt den erneut riesigen Quartalsverlust von Freddie Mac recht gut. Die vom Staat gestützte Hypothekenbank häufte im vergangenen Quartal 821 Millionen Dollar Verlust auf. Die Aktie verlor in New York über 16 Prozent.

Am Mittag hatten am deutschen Markt die Industrieaufträge im Juni für Unbehagen gesorgt. Preis- und saisonbereinigt fielen die Bestellungen gegenüber dem Mai um 2,9 Prozent. Volkswirte zeigten sich besorgt. Sie hatten eigentlich einen Anstieg der Aufträge erwartet. Erstmals seit Aufzeichnung der Daten habe die deutsche Industrie sieben Monate in Folge rückläufige Bestellungen verzeichnet, kommentierten die Experten der Unicredit. Die Auftragseingänge befänden sich "im freien Fall". Vor dem Hintergrund der schmelzenden Auftragsbestände erscheine das Ende der Boom-Tage in der Industrie nahe. Der Euro setzte daraufhin seinen Abstieg fort und notierte am Abend etwas über 1,5400 Dollar.

Adidas vorn

Ohne neue Nachrichten setzte sich die Adidas-Aktie an die Dax-Spitze. Offenbar hat der bevorstehende Olympia-Start die Aktie des Sportartikelriesen wieder in den Fokus der Anleger gerückt.

Krisendelle bei der Commerzbank
Am Dax-Ende lag die Commerzbank-Aktie. Die Großbank hat im zweiten Quartal deutlich weniger als im Vorjahr verdient. Das operative Ergebnis sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 55 Prozent auf 484 Millionen Euro. Grund für den Einbruch war in erster Linie eine deutlich höhere Risikovorsorge. Immerhin stieg der Gewinn um sechs Prozent auf 817 Millionen Euro - wegen einer einmaligen Steuergutschrift.

Überdurchschnittlich schlug sich dagegen die Deutsche-Post-Aktie. Sowohl die Citigroup als auch die Société Générale sprachen eine Kaufempfehlung aus.

MüRü aktionärsfreundlich
Die Münchener Rück will trotz der jüngsten Gewinnwarnung im Gesamtjahr eine unverändert hohe Dividende zahlen. Die Ausschüttung je Aktie solle mindestens 5,50 Euro betragen, teilte der weltweit zweitgrößte Rückversicherer mit. Im zweiten Quartal war der Gewinn um fast die Hälfte auf 599 Millionen Euro eingebrochen.

Henkel schraubt an Prognose
Henkel konnte im zweiten Quartal seinen Umsatz von 3,29 auf 3,67 Milliarden Euro verbessern. Das um Sonderposten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich von 339 auf 372 Millionen Euro. Wegen steigender Rohstoffpreise und des schwachen Dollars korrigierte der Konsumgüterkonzern seine Gewinnprognose leicht nach unten, erhöhte aber seine Umsatzprognose.

Conti zieht alle Register
Continental versucht sich offenbar mit einer neuen Strategie vor der drohenden Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe zu schützen. Laut dem "Handelsblatt" sucht der Autozulieferer unter US-Finanzinvestoren nach einem so genannten "Weißen Ritter", der das Schaeffler-Gebot mit einer freundlichen Offerte kontern soll. Der Dax-Konzern spreche mit den beiden US-Private-Equity-Fonds Apollo und KKR über ein höheres Gebot. Außerdem werde auch der japanische Reifenhersteller Bridgestone als Gesprächspartner ins Spiel gebracht. Conti soll überdies sein Beraterteam um die Bank of America und die BNP Paribas aufgestockt haben. Damit hätte der Konzern nun sechs der weltweit führenden Banken auf seiner Seite. Am Mittwoch notierte die Conti-Aktie fast drei Euro über dem Schaeffler-Gebot in Höhe von 70,12 Euro.

Daimler-Aktie kostet wieder 40 Euro
Auch Daimler wappnet sich laut der "Financial Times Deutschland" gegen einen möglichen Einstieg feindlicher Großinvestoren. Der Stuttgarter Konzern arbeite an einer Verteidigungsstrategie gegen eine feindliche Übernahme. Für den Juli meldete der Autokonzern den Verkauf von 105.100 Fahrzeugen der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach. Das waren 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Praktiker taucht auf
Im MDax gewann die Aktie der Baumarktkette Praktiker über sechs Prozent hinzu. "Seit Anfang Juni hat das Papier mehr als 40 Prozent verloren. Da greifen einige wieder zu. Bald kommen wegen des niedrigen Aktienkurses bestimmt wieder Spekulationen um ein Interesse von Home Depot auf", sagte ein Händler.

SGL steigt ins Windgeschäft ein
Die Aktie der SGL Group gewann 1,7 Prozent. Der Kohlenstoffspezialist will 51 Prozent an dem Rotorblatthersteller für Windräder Abeking & Rasmussen übernehmen, sagte Vorstandschef Robert Koehler der Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Wir haben bis dato Vorprodukte für die Windenergiebranche geliefert, jetzt gehen wir in die nächste Veredelungsstufe und machen die Rotorblätter selbst." Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Fuchs verfehlt Erwartungen
Mit einem seltenen Minus von acht Prozent lag die Vorzugsaktie von Fuchs Petrolub am MDax-Ende. Der Schmierstoffhersteller hat im zweiten Quartal etwas schwächer als erwartet abgeschnitten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um gut vier Prozent auf 98,4 Millionen Euro. Damit lag das Unternehmen rund zwei Millionen Euro unter den durchschnittlichen Expertenprognosen.

ProSieben gebremst
Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat im zweiten Vierteljahr einen Ergebnisrückgang verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank auf vergleichbarer Basis um 16,6 Prozent auf 203,7 Millionen Euro. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 801,9 Millionen Euro zurück. Im Gesamtjahr soll das Ebitda trotz der schwachen Entwicklung auf Vorjahresniveau liegen. "Wir müssen jedoch klar sagen, dass dieses Ergebnisziel mit Unsicherheiten behaftet ist", sagte Unternehmenschef Chef Guillaume de Posch.

Rofin-Sinar plus zehn Prozent
Am Nachmittag setzte sich Rofin-Sinar an die TecDax-Spitze. Der deutsch-amerikanische Laserspezialist meldete für sein drittes Geschäftsquartal deutlich bessere Ergebnisse. Der Gewinn nach Steuern stieg von 14,3 auf 16,1 Millionen Dollar. Der Umsatz legte um 23 Prozent auf 149,7 Millionen Dollar zu. Dazu trug der gegenüber dem Euro schwächere US-Dollar mit 10,9 Millionen Dollar bei. Der Auftragseingang erreichte 151,8 Millionen Dollar. Rofin-Sinar stellt Industrielaser zum Schweißen, Schneiden und Beschriften her.

Elexis wächst zweistellig
Aus dem SDax meldete sich Elexis mit Halbjahreszahlen. Das Maschinenbauunternehmen hat Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Die Erlöse wuchsen im ersten Halbjahr um 18 Prozent auf 88,4 Millionen Euro und das Ebit um 15 Prozent auf 13,6 Millionen. Die Gesamtjahresprognose bestätigte Elexis.

Air Berlin stagniert
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat im Juli rund 2,9 Millionen Fluggäste befördert. Das waren 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Auslastung sank um 0,3 Prozentpunkte auf 83,3 Prozent. Immerhin stieg der Erlös je angebotenem Sitzplatzkilometer von 5,11 auf 5,86 Cent.

Balda fällt zurück
Balda hat im ersten Halbjahr Verluste geschrieben. Unter dem Strich lag das Minus bei 11,2 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 4,0 Millionen Euro. Der Umsatz legte in den ersten sechs Monaten um 19 Prozent auf 103,1 Millionen Euro zu. Der Mobiltelefon-Zulieferer bekräftigte seine Ziele für das Gesamtjahr. In Bezug auf das prognostizierte Ergebnis bestünden allerdings "Unwägbarkeiten", teilte Balda mit.

Drillisch meldet Zuwächse
Mit wachsendem Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr wartete Drillisch auf. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) seien auf bereinigter Basis rund 20 Millionen Euro verdient worden und damit 19,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte der Mobilfunkdienstleister mit. Der Umsatz wuchs um 2,3 Prozent auf 173,8 Millionen Euro. Drillisch bekräftigte seine Jahresprognose. Morgen legt der Konkurrent Freenet seine voraussichtlich schwachen Zahlen vor, bei dem Drillisch Großaktionär ist und gemeinsam mit United Internet die Unternehmenskontrolle anstrebt.

Loewe gefragt
Mehr als sechs Prozent gewann die Aktie von Loewe. Der Fernsehgerätehersteller steht nach sechs Monaten hervorragend da. Das Ebit machte einen Sprung um 80 Prozent auf 14,2 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 16 Prozent auf knapp 180 Millionen Euro.

Minenriesen im Fusionsfieber
Das milliardenschwere Übernahmeangebot für den weltweit drittgrößten Platinhersteller Lonmin durch den schweizerisch-britischen Rohstoffkonzern Xstrata werteten Analysten als gutes Zeichen für die europäischen Bergbauwerte. Die Lonmin-Aktie sprang in London um fast 50 Prozent nach oben und notierte etwas über der Xstrata-Offerte von 33 Pfund je Aktie oder umgerechnet rund 6,3 Milliarden Euro. "Minenwerte sind so lächerlich günstig geworden. Daher ist es nicht unmöglich, dass es noch Gebote für andere geben wird", meinte ein Rohstoff-Fondsmanager.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"